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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Die Gewissensfrage
Eingestellt am 26. 03. 2004 13:56


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Buffy
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Die Gewissensfrage
┬ę 2004 by Katharina Wegeleben

Samantha, Sam genannt, knallte den Telefonh├Ârer auf den Apparat.
Ersch├Âpft lehnte sie sich gegen die Wand. Sie zitterte. Sp├╝rte das rasende Herzklopfen, ihre Kurzatmigkeit. Die aufkommende Panikattacke registrierte sie mit der Angst vor der Angst.
ÔÇ×Oh mein GottÔÇť, flehte sie, ÔÇ×bitte nicht jetzt.ÔÇť
M├╝hsam zwang sie sich, den Barschrank zu erreichen. Sie goss sich ein gro├čes Glas Cognac ein und griff nach den Zigaretten. Der Weg zum Sofa erschien ihr endlos. Ersch├Âpft sank sie in die Polster und achtete darauf, den Cognac nicht zu versch├╝tten. Sie trank das halbe Glas leer, als ob es Wasser w├Ąre. Sp├╝rte die W├Ąrme des Alkohols. Mit zitternden H├Ąnden z├╝ndete sie eine Zigarette an. Zog wie eine Ertrinkende den Rauch tief in ihre Lungen.
ÔÇ×Verdammt! Bin ich ihm etwa h├Ârig? Oh mein GottÔÇť, murmelte sie und nahm erneut einen gro├čen Schluck.
Das Zittern h├Ârte nicht auf. Beunruhigt erhob sie sich. Sie sp├╝rte die innere K├Ąlte. Den Schwei├čausbruch. Die Angst. Sie f├╝llte ihr Glas erneut, z├╝ndete die n├Ąchste Zigarette an und wanderte unruhig durch die leere Wohnung. Vor dem Garderobenspiegel blieb sie entsetzt stehen.
Ihre Haare waren blutverschmiert. Im Gesicht Spuren von getrocknetem Blut. Um die Augen erste Bluterg├╝sse. Jetzt sp├╝rte sie auch die Schmerzen. Hastig trank sie an dem Cognac, zog an der Zigarette. Ekel vor sich selbst stieg in ihr hoch. ÔÇ×Du verdammter MistkerlÔÇť, zischte sie dem Spiegel zu. ÔÇ×Du Dreckst├╝ck von einem Mann. Samantha, warum l├Ąsst du es immer und immer wieder zu, dass er dich verpr├╝gelt? Der Kerl ist keinen Pfifferling wert. Schie├č ihn ab. Jage ihn zum Teufel.ÔÇť Doch die mitleiderregende Gestalt im Spiegel antwortete ihr nicht.
Samantha wandte sich angeekelt ab und suchte auf dem Teppichboden nach den Blutspuren. Wo hatte sich diesmal das Drama abgespielt? Sie konnte sich nicht erinnern. Wie immer! Totaler black out!
Sam fand die Spur. Sie verlief vom Schlafzimmer, durch den Flur, ins Wohnzimmer. Unter dem Couchtisch war die angetrocknete Blutlache. Hier war sie wahrscheinlich ohnm├Ąchtig zusammengebrochen. Fassungslos starrte sie auf den Fleck. Sch├╝ttelte resigniert den Kopf und trank das Glas auf einen Zug leer. Wieder f├╝llte sie es bis zum Rand, dr├╝ckte die alte Zigarette aus, griff nach einer Neuen und z├╝ndete sie an. Langsam begann der Alkohol zu wirken.
Sie wurde ruhiger. ÔÇ×Ich muss ├╝berlegen! Eine Entscheidung treffen! Mein Leben ├Ąndern!ÔÇť
Innbr├╝nstig wiederholte sie diese S├Ątze wie ein Mantra, w├Ąhrend sie durch die leere Wohnung wanderte. Die Leere der Wohnung, die Leere in ihrem Herzen taten mehr weh, als ihre geschundenen Glieder. Kurz durchzuckte sie der Gedanke, unter die Dusche zu gehen. Sich die Haare zu waschen. Doch soviel Seife gab es gar nicht, um den Ekel vor sich selbst loszuwerden. Sie lie├č den Gedanken so schnell fallen, wie er gekommen war. Die Schmerzen nahmen zu. Vorsichtig ging sie zum Schaukelstuhl, der am Fenster stand, stellte das Glas auf dem Beistelltisch ab und starrte durch die Gardine auf die belebte Stra├če.
Ihre Wohnung lag in der Innenstadt. Hochparterre. Sie schaute mit totem Blick auf das pulsierende Leben. Auf die Stra├čenbahnhaltestelle. Die wartenden Menschen. Auf die Passanten, die mit ihren Einkaufst├╝ten die B├╝rgersteige entlang eilten. Den regen Autoverkehr. In lachende Kindergesichter, die aus der naheliegenden Schule kamen.
All das sah sie, aber es ber├╝hrte sie nicht. Sie war gefangen in einem Vakuum der Ungl├Ąubigkeit, konnte sich nicht begreifen, das Leben nicht verstehen.
Sie dachte an das Telefonat. Der Schei├čkerl hatte doch tats├Ąchlich gefragt, ob er nach Hause kommen d├╝rfte. Und sie? Mit zitternder Stimme hatte sie... Ja... Bitte... gesagt.
Dr. Samantha Kordan, weltweit anerkannte Spezialistin auf dem Gebiet der Psychologie und Psychiatrie. Sie selbst hatte in Barclay, Verona und Wien studiert. Ein zartes Pers├Ânchen von dreiundvierzig Jahren und den unschuldigen, neugierigen Augen eines Kindes. Seit ihrer Heirat mit Dr. Werner Kordan wurde K├Âln ihre Wahlheimat. Es war Liebe auf den ersten Blick. Als Samantha Werner das erste mal auf einer Tagung in Genf sah, war es um sie geschehen. Buchst├Ąblich! Da stand ihr Traummann. Etwa einmeterf├╝nfundneunzig gro├č, vielleicht 70 bis 75 Kilogramm schwer und mit einem leicht sp├Âttischen, aber unwiderstehlichen L├Ącheln. Sie bemerkte, dass er sie durch seine modische Brille absch├Ątzend musterte. Vier Wochen sp├Ąter waren sie verheiratet. Sam konnte es nicht glauben. Er hatte sich f├╝r ihre Einmetersechzig und Zweiundf├╝nfzig Kilo entschieden. Sie gab kurzerhand den Job in Genf auf, packte ihre Siebensachen und zog in seine Eigentumswohnung in der N├Ąhe des Universit├Ątsgel├Ąndes. Das war vor 12 Jahren. Was Samantha damals nicht wissen konnte, war Werners irrationale Eifersucht, sein verbissener Ehrgeiz und sein ausgepr├Ągter Narzissmus.
Die erste Ohrfeige bekam sie bereits in den Flitterwochen. Werner beherrschte au├čer Latein und etwas Englisch keine Fremdsprachen.
Sam dagegen sprach und schrieb f├╝nf Sprachen fast perfekt. Ihre Hochzeitsreise f├╝hrte sie nach S├╝dfrankreich. F├╝r Sam war es selbstverst├Ąndlich, dass sie ihre Sprachkenntnisse einsetzte. Werner, der nichts verstand, unterstellte ihr jedoch, sie w├╝rde mit jedem Mann flirten. Es kam zum Streit und ehe Sam auch nur reagieren konnte, hatte ihr Mann sie im Restaurant, in der ├ľffentlichkeit also, geohrfeigt. F├╝r Samantha brach eine Welt zusammen. Sie f├╝hlte sich gedem├╝tigt, und ihr erster Impuls war: sofortige Trennung. Gef├╝hllos, eisige K├Ąlte sp├╝rend, stand sie ruhig auf und verlie├č hocherhobenen Hauptes das Restaurant. Im Aufzug, der sie zu ihrer Etage brachte, bereute sie ihr Verhalten schon. In der Hochzeitssuite war sie bereit, Werner zu verzeihen.
Mit diesem Verzeihen begann Samanthas Leidensweg!
Werners ├ťbergriffe nahmen zu. Die Abst├Ąnde wurden k├╝rzer, ihre Angst, er k├Ânnte sie verlassen, immer gr├Â├čer.
Irgendwann h├Ârte Samantha auf, die Narben zu z├Ąhlen, sie verga├č die unz├Ąhligen Krankenhausaufenthalte, die gebrochenen Knochen. Je mehr man ihr riet, dem Zustand ein Ende zu setzen, desto mehr verteidigte sie Werners Verhalten. Sie erkannte ihre Irrationalit├Ąt, die Abh├Ąngigkeit, die Selbstzerst├Ârung, wissend, dem Teufelskreis nicht zu entkommen zu k├Ânnen. Oder zu wollen...?
Jetzt forschten beide am Klinikum der Universit├Ąt K├Âln, in der Abteilung f├╝r experimentelle Psychiatrie. Obwohl sie andere Themenschwerpunkte behandelten, war es unvermeidlich, dass sie sich t├Ąglich auf dem Unigel├Ąnde sahen.
Jedes Mal versp├╝rte sie schmerzhaft seine unwiderstehliche Anziehungskraft, die ihr Mann immer noch auf sie ausstrahlte. Aber auch die Angst, die ihr die Luft zum Atmen nahm.
Samantha blickte auf die Flasche Cognac, sie war leer, so leer wie sie selbst. Vorsichtig erhob sie sich. Ging unsicher in die K├╝che und holte aus dem K├╝hlschrank eine Flasche Champagner. Sie wusste, dass Werner es hasste, wenn sie schlecht gelaunt war. So wie er es hasste, wenn sie nicht auf ihr Aussehen achtete. Sam ├Âffnete die Flasche, nahm ein Wasserglas und f├╝llte es fast bis zum Rand. Sie trank einen Schluck und sch├╝ttelte sich. Zwei Aspirin und zwei Beruhigungstabletten m├╝ssten gen├╝gen, dachte sie und ging mit dem Glas ins Badezimmer. Nachdem sie die Tabletten eingenommen hatte, nat├╝rlich mit dem Champagner, entledigte sie sich ihrer Kleidung. Dabei vermied sie den Blick in den Spiegel. Vorsichtig stieg sie unter die Dusche. Das warme Wasser tat ihr weh. ÔÇ×Verdammt! Das sind doch mehr Bluterg├╝sse als ich dachte. Gott sei Dank! Diesmal nichts gebrochenÔÇť.
Sie verbrachte fast zwei Stunden im Bad. Danach sah sie fast wie neu aus, obwohl die Veilchen sich trotz sorgf├Ąltigem Make up nicht ganz retuschieren lie├čen. Sam besa├č mehrere Brillen mit get├Ânten Gl├Ąsern. Sie w├╝rde eine passende finden, um auch diese Spuren zu verdecken. So, wie sie ihre Garderobe w├Ąhlte. Kein blauer Fleck war sichtbar. Werner w├╝rde zufrieden sein.
Die Tabletten und der Alkohol hatten geholfen. Ihre Schmerzen waren ertr├Ąglich.
Samantha ging zum Telefon und w├Ąhlte die Nummer ihres Lieblingsrestaurants. Dort bestellte sie zwei erlesene Menus f├╝r Zwanzig Uhr. Sie sollten ins Haus geliefert werden. F├╝r sich Fisch, f├╝r Werner Fleisch. Appetit hatte sie keinen, aber Fisch war leicht verdaulich. Ein paar Bissen davon lie├čen sich bestimmt herunter w├╝rgen. Sie ging in die K├╝che, f├╝llte ihr Glas erneut und trank in kleinen Schlucken. Jetzt w├╝rde sie den Tisch f├╝r das gemeinsame Diner festlich decken. So wie Werner es liebte. Kerzen, Silber und einen gepflegten Wein. Sie holte einen 92er Bordeaux, Ch├óteau Lafite Rotschild, entkorkte die Flaschen und f├╝llte den Wein in eine Kristallkaraffe, damit er atmen konnte. Zur Vers├Âhnung w├╝rde Werner wie immer rote Rosen mitbringen. Sie holte die passende Vase, stellte sie bereit und betrachtete ihr Werk.
Bis auf die Blutspuren auf dem Teppichboden war alles beseitigt, was an den gestrigen Abend erinnerte. Samantha ging in den Keller und holte drei passende Perserbr├╝cken, die sie dort f├╝r solche Notf├Ąlle lagerte. Damit w├╝rden auch diese Spuren verdeckt sein. Sam nahm ein Champagnerglas, goss den Rest der Flasche hinein und schluckte noch eine Beruhigungstablette. Sie setzte sich in den Schaukelstuhl, rauchte und war froh dar├╝ber, dass sie einige Tage Urlaub genommen hatte.
Es klingelte.
Sam erschrak. War sie tats├Ąchlich eingenickt? Jeder Knochen schmerzte, als sie sich erhob und zur T├╝r ging. Es waren die Men├╝s, die angeliefert wurden. Drei - G├Ąnge ÔÇô Men├╝! Ihr wurde ├╝bel bei dem Gedanken. Sie bedankte sich und gab dem Lieferanten ein f├╝rstliches Trinkgeld. In der K├╝che stellte sie den Backofen an, um die Hauptgerichte warm zu halten. Das Dessert kam in den K├╝hlschrank, die Vorspeise sollte Zimmertemperatur haben. Werners W├╝nsche waren Befehle.
Sie zog ihren roten Seidenanzug an und eine hochgeschlossene schwarze Spitzenbluse. Im Badezimmer frischte sie ihr Make up auf und richtete ihre Haare. Er konnte kommen.
Sie ├Âffnete f├╝r sich eine Flasche leichten Moselwein, passend zum Fisch und stellte sie in den Weisweink├╝hler. Noch die Aschenbecher putzen, Werner hasste volle Aschenbecher. Die leeren Flaschen wegr├Ąumen, Gl├Ąser sp├╝len und noch einmal ordentlich l├╝ften. Gegen die Schmerzen noch eine Aspirin.
Samantha ging pr├╝fend durch die Wohnung. Sie fand nichts, was Werner w├╝tend machen k├Ânnte. Ihr Herz klopfte, sie sp├╝rte es an den Schl├Ąfen. Sie unterdr├╝ckte die aufkommende Nervosit├Ąt mit einem Glas Weiswein.
Als Fachfrau wusste Sam, dass sie Alkohol- und Tabletten s├╝chtig war. In der Ehe geworden war. Auch in der Uni wussten es ihre Kollegen, doch bis jetzt hatte die Arbeit nicht darunter gelitten. Ihre anerzogene Disziplin und Selbstkontrolle halfen ihr dabei. Werner nahm Heroin, aber davon wollte Sam nichts wissen. In der Uni hatte er es bis jetzt geheim halten k├Ânnen. Darauf war er m├Ąchtig stolz. Bedauerlicherweise war es aber ein immerw├Ąhrender Streitpunkt zwischen ihnen. Werner h├Ątte es lieber, sie w├╝rde den Alkohol gegen Heroin eintauschen. Nur wegen der Fahne, wie er immer beteuerte.
Sie h├Ârte, wie der Schl├╝ssel ins Schloss geschoben wurde und quittierte dieses Ger├Ąusch mit einem Schwei├čausbruch. ÔÇ×Hallo Liebling, ich bin wieder daÔÇť, rief ihr Mann. Seiner Stimme nach zu urteilen hatte er gute Laune. Samantha holte tief Luft. Ganz ruhig, suggerierte sie sich in Gedanken. ÔÇ×Ich bin im Wohnzimmer, SchatzÔÇť, antwortete sie, bem├╝ht ihrer Stimme einen burschikosen Klang zu verleihen.
Werner ├╝berreichte ihr die obligatorischen Rosen, die sie dankend entgegen nahm. Als er anfing, sich zu entschuldigen, h├Ârte sie weg. Das Letzte, was sie jetzt gebrauchen konnte, waren seine Entschuldigungen. ÔÇ×Bitte, lass mich doch erst mal die Blumen in die Vase stellen, sie sind wundersch├Ân. Nochmals vielen, vielen Dank!ÔÇť Sam wich geschickt der folgenden Umarmung aus und eilte in die K├╝che. ÔÇ×Mach dich frisch, wir k├Ânnen gleich essen, es ist alles vorbereitetÔÇť, rief sie. Sie h├Ârte, wie Werner ins Bad ging und die T├╝r hinter sich schloss.
Sam schnitt die Rosen an und stellte sie mit der Vase auf den Esstisch. Sie holte den Rotwein und den Weiswein, sowie die Vorspeisen. Dann z├╝ndete sie die Kerzen an und wartete, Jetzt blo├č nicht denken, flehte sie innerlich.
Als ihr Mann das Esszimmer betrat, und Sam ihn im ged├Ąmpften Kerzenschein sah, zog sich ihr Herz krampfartig zusammen. Seine Ausstrahlung faszinierte sie und schmerzhaft dachte sie an Bern. Sie sp├╝rte die ungeweinten Tr├Ąnen hinter ihren Augenliedern und nahm einen Schluck Wein. ÔÇ×Liebling,... lass dich umarmen, du siehst wieder... hinrei├čend aus. Und dieser Tisch... vollkommen... mit so viel Liebe... gedeckt, wie immer perfekt.ÔÇť Sam stand auf und lie├č es zu, umarmt und gek├╝sst zu werden. ÔÇ×Verzeih mir... bitte, Liebling, es tut mir so leid. Ich wei├č wirklich nicht, was gestern ├╝ber mich gekommen istÔÇť, raunte er ihr z├Ąrtlich ins Ohr. Samantha sp├╝rte die aufkommende Leidenschaft. Er konnte so z├Ąrtlich sein. Sie kuschelte sich in seine Arme. Den Triumph in seinen Augen sah sie nicht.
ÔÇ×Lass uns essen, Schatz, ich habe einen B├ĄrenhungerÔÇť, sagte er und nahm auf seinem Stuhl Platz. Sam schenkte ihm ein Glas Rotwein ein und setzte sich ebenfalls.
ÔÇ×Und du trinkst Weiswein?ÔÇť Fragend blickte er sie an. ÔÇ×Ja, Schatz, ich habe f├╝r mich Fisch bestellt, da passt kein Roter. Aber tr├Âste dich, du bekommst dein Fleisch. Oder m├Âchtest du auch... lieber Weiswein trinken? Ich hole dir ein anderes Glas, ja?ÔÇť
ÔÇ×Weiswein... zum Fleisch? Spinnst du!ÔÇť Sam bemerkte, wie ihr Mann sich auf die Lippen biss. ÔÇ×Guten Appetit, lass es dir schmeckenÔÇť, erwiderte sie schnell.
W├Ąhrend des Essens sprachen sie wenig. Ab und an stellte Sam eine Frage, die seine Arbeit betraf. Doch wenn Werner a├č, war er immer wortkarg. Gespr├Ąchig wurde er erst, wenn er nach dem Essen die Pfeife stopfte und seinen Cognac trank. Ihr Mann bemerkte nicht, dass sie nur an den Speisen genippt hatte. Sam fiel ein Stein vom Herzen. ÔÇ×M├Âchtest du auch einen Cognac nach dem Essen?ÔÇť Seine Stimme hatte wieder diesen z├Ąrtlichen Klang. Sie zitterte, diesmal vor Verlangen. ÔÇ×Ja, bitte... ich r├Ąume nur noch schnell weg und komme dannÔÇť, erwiderte sie l├Ąchelnd.
W├Ąhrend Werner sich ins Wohnzimmer verzog, brachte Sam das Esszimmer in Ordnung. Bevor sie in die K├╝che ging, schaute sie noch kurz bei ihm vorbei und k├╝sste ihn fl├╝chtig auf die Wange. Er sah ├╝berrascht auf. Sie nahm einen kr├Ąftigen Schluck aus dem Cognacglas. ÔÇ×Bin gleich fertigÔÇť, fl├╝sterte sie und biss ihn ins Ohrl├Ąppchen. Sie wusste, dass es ihn scharf machte. ÔÇ×Beeile dich... Liebling... lass mich nicht zu lange warten.ÔÇť Er zwinkerte ihr geheimnisvoll zu.
Samantha lie├č sich Zeit. Bei der Arbeit kamen die Schmerzen zur├╝ck und erinnerten sie daran, was f├╝r ein Schweinehund ihr Mann doch war. Er hatte sich noch nicht einmal angeboten, ihr zu helfen. Chauvinist! Verdammter! Der Teufel soll dich holen! Langsam stieg die Wut ├╝ber sich selbst wieder hoch. Sie schaute nach, ob noch etwas von dem Wein ├╝briggeblieben war, hatte aber Pech.
Jetzt war sie auch nicht bereit, ins Wohnzimmer zu gehen, um von dem Cognac zu trinken. Ihre Ruhe war dahin. Sie wusste, es w├╝rde wieder Zoff geben. Sie ging ins Bad und nahm noch zwei Aspirin und eine Beruhigungstablette. Diesmal musste halt das Wasser herhalten. Dann hantierte sie, extra laut, noch in der K├╝che herum. Er w├╝rde schon noch m├╝de werden, dachte sie. Sie h├Ârte ihn ungeduldig rufen: ÔÇťLiebling,... wo bleibst du denn?ÔÇť
ÔÇ×Gleich mein Schatz... leg dich doch schon mal hin... war doch ein langer Tag f├╝r dich. Letzte Nacht... hast du auch... kaum geschlafen und morgen musst du wieder fr├╝h rausÔÇť, rief sie zur├╝ck. ÔÇ×OK! Liebling, aber lass mich nicht zu lange warten.ÔÇť Sam setzte sich ersch├Âpft auf einen K├╝chenstuhl und lauschte. Hoffentlich kommt er nicht in die K├╝che, flehte sie innerlich. Doch er ging ins Bad.
Sie h├Ârte ihn unter der Dusche pfeifen, das Gurgeln nach dem Z├Ąhne putzen, und dass er danach direkt ins Schlafzimmer ging. Erleichtert atmete sie auf.
ÔÇ×Liebling, wo bleibst du?ÔÇť
Wieder dieser ungeduldige Tonfall, dachte Sam. Ich hasse ihn. ÔÇ×Bin... ja schon fertig... mein... Schatz, mache mich nur noch frisch, dann komme ich... zu dir. W├Ąrme schon mal das Bett an. Ich beeile mich... auch.ÔÇť Samantha lie├č das Licht in der K├╝che brennen und schlich ins Wohnzimmer. Sie trank ihr Glas leer und f├╝llte es sofort wieder neu. Kurz darauf h├Ârte sie sein Schnarchen. Die Schlaftabletten, die sie in den Rotwein gegeben hatte, wirkten. Vor morgen fr├╝h w├╝rde er nicht wach werden. Sam seufzte tief. Jetzt war sie bereit, sich ihrer Gewissensfrage zu stellen.
Er oder ich?
Doch ihr Unterbewusstsein hatte diese Frage schon l├Ąngst beantwortet. Er!
Jetzt hatte Samantha Zeit. Ihre Anspannung lie├č nach. Langsam trank sie die Flasche Cognac leer und rauchte mit Genuss ihre Zigaretten. Sie versp├╝rte keine M├╝digkeit. Nur eine gro├če Erleichterung.
Die W├╝rfel waren gefallen.
Als sie sicher war, dass genug Zeit vergangen war stand Sam auf und ging in die K├╝che. Sie nahm das gro├če Fleischmesser aus dem Holzhalter und pr├╝fte die Sch├Ąrfe der Klinge mit ihrem Daumen. Der kleine Blutstropfen, der aus der unsichtbaren Wunde trat, beruhigte sie. Mit dem Messer schlich sie ins Schlafzimmer. Ihr Mann hatte das Licht der Nachttischlampe brennen lassen. Er lag auf dem R├╝cken und schnarchte laut mit offenem Mund. Samantha betrachtete ihn.
Er oder ich, dachte sie erneut.
Er!
Er w├╝rde nichts merken, da war sie sich sicher. Sie kannte die Anatomie des menschlichen K├Ârpers. Ein Stich direkt ins Herz, und sie war frei. Als sie sich ├╝ber ihn beugte, z├Âgerte sie kurz, holte aus und stach mit aller Kraft das Messer bis zum Schaft in seine Herzgegend. Sie l├Ąchelte, als das warme Blut wie eine Font├Ąne aus seiner Wunde schoss und sie traf. Dann drehte sie sich um und holte eine neue Flasche Champagner. Jetzt hatte sie einen Grund zum Feiern. Die Stille, die pl├Âtzlich in der Wohnung herrschte, irritierte sie. Um Abhilfe zu schaffen legte sie eine CD in den Recorder und lauschte der leisen Musik. Hin und wieder schlich sie ins Schlafzimmer, um sich zu ├╝berzeugen, ob ihr Mann auch wirklich tot war. Als kein Zweifel mehr daran bestand, griff sie zum Telefon und meldete ihre Tat der Polizei.
Als sie in die Psychiatrie eingewiesen wurde, war sie nicht mehr die Frau Doktor. Jetzt war sie nur noch Sam.

__________________
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MarleneGeselle
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Hallo Buffy,

ideenreich wie immer. Die Geschichte kommt fl├╝ssig und glaubw├╝rdig r├╝ber. Man sieht die Beiden direkt im trauten Heim beim neuerlichen, beginnenden Knaatsch - bis der Mann halt umgebracht wird von seineer Frau, die alles nicht mehr aush├Ąlt.

Die R├╝ckblenden mit dem Kennenlernen, der Hochzeitsreise, Beruf und Sucht fallen aber f├╝r meinen Geschmack zu lang aus. Als Leser muss man sich zwingen, bei der Stange zu bleiben, bis es mit der Handlung wieder voran geht. Ich w├╝rde das raffen, damit die Spannung nicht leidet. Sorry, aber beim Lesen im Internet sind die Leute immer ein bisschen ungeduldig.

Gr├╝├če
Marlene

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Buffy
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Hi,
Diese Story ist f├╝r meine Anthro gedacht und im Buch ist sie meines Erachtens eher zu kurz.
Ich freue mich, das sie dir gef├Ąllt.
Gru├č Buffy
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