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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Überlegung
Eingestellt am 23. 03. 2002 18:11


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

Werke: 587
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„Was fasziniert dich so an dem Tier?“ fragte mich mein Freund. Ich wusste es nicht. Dieses Tier, wie er es nannte, war wirklich potthässlich. Wenn es noch ein „normaler“ Truthahn gewesen wäre, nein, es war ein weißer Truthahn, der sich schon die Brustfedern ausgerissen hatte und unter seinem Kinn befand sich ein schlabberiges Etwas, welches sich mit seinem Kopf hin und her bewegte.

„Es erinnert mich daran, wie ein entsprechendes, allerdings farbiges Tier, mir in der Kindheit regelmäßig hinterherlief, wenn ich mit dem Fahrrad daran vorbei musste. Es verteidigte sein Revier, wozu es den Weg anscheinend dazuzählte, den ich regelmäßig nahm.

Es war die rote Farbe, die es nicht mochte, diees in Wut versetzte. Ich hatte es mir angewöhnt, schon bevor der Weg über das Grundstück des Bauernhofes ging, meine rote Jacke auszuziehen, und auf den Gepäckträger des Fahrrads zu klemmen. Somit gab es nur eine sehr kleine Angriffsfläche für das Tier. Ich holte tief Luft und fuhr sozusagen im Affentempo daran vorbei. Ich spürte seine Wut und wollte es so wenig, wie möglich reizen. Jedesmal ließ es sich nicht vermeiden, dass es mich verfolgte. Zum Glück lief es nur bis zur äußeren Grundstücksgrenze, denn dort schien sein Revier zu Ende zu sein.

Schon lange sah ich keinen Truthahn mehr und hier kann man ihn kaufen!“ sagte ich.
„Na und?“ fragte er mich, „Was willst du mir damit sagen? Willst du dich heute an ihm rächen?“ lautete seine Frage. Was soll er denn kosten?“ Ich musste doch sehr darüber lachen.

„Nein,“ sagte ich zu ihm „Ich wundere mich darüber, dass er sich nicht aufregt, dabei habe ich doch sogar eine rote Jacke an und ich überlege, ob es die Farbe in seinen Federn war, die ebenfalls teilweise rot war und ihn neidisch werden ließ, dieser hier ist weiß.“

„Sicher spürte er deine Angst und sie ließ ihn so aggressiv werden!“

„Aber ich hatte doch keine Angst, ich war doch nur vorsichtig!“ rief ich entrüstet aus und jetzt überlege ich, warum mir dann einmal der Hahn auf die Schulter flog und mir mit seinem Schnabel in die Haut hieb, dass ich laut schreiend davon lief.

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