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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Um Pimmels Willen
Eingestellt am 25. 04. 2003 02:58


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Andrea
???
Registriert: Aug 2000

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Um Pimmels Willen.


Das Datum war mit energischen Z├╝gen ins Heft geschrieben worden, und auch die ├ťberschrift des Aufsatzes war Jenny nicht schwer gefallen. Darunter prangten aber nur vier einsame Worte: Das m├Ąnnliche Genital ist.

Mit jedem Buchstaben war Jennys Ratlosigkeit gewachsen, und nun hockte sie schon sicher zehn Minuten da, kaute abwechseln auf ihrem F├╝ller und an ihren Fingern├Ągeln und starrte aus dem Fenster.

Beschreibe das Genital des anderen Geschlechts. Sachlich, hatte Frau Sommer noch hinzugef├╝gt. Keine Ferkeleien oder pubertierende Phantasien. Immer sch├Ân sachlich bleiben.

Jenny schnaubte ver├Ąchtlich. Wie sollte man bei so einem Thema sachlich bleiben. Oliver und Alexander, die im Unterricht hinter ihr sa├čen, hatten sich gleich einen Wettstreit in Sauereien geliefert, und Cornelia hatte in der Pause gleich verbreitet, da├č sie schon einmal ÔÇ×einen angefa├čtÔÇť hatte. Klar. Ihr j├╝ngster Bruder war ja auch erst ein halbes Jahr, und sie durfte beim Wickeln helfen. Etwas anderes konnte sich Jenny kaum vorstellen.

Hilfesuchend glitt ihr Blick hin├╝ber zum aufgeschlagenen Biologiebuch. Ein bindegewebiger Schwellk├Ârper. Becken- und Begattungsorgan. Daneben eine reichlich h├Ą├čliche Zeichnung. Blutorgane, Damm-Muskel, Harnr├Âhre. Samenstr├Ąnge! ├ťber so etwas konnte man doch nicht schreiben! Nun gut, man konnte, aber eigentlich versp├╝rte Jenny nicht die geringste Lust darauf. Immerhin stellte dieses m├Ąnnliche Genital mit Abstand den K├Ârperteil, der in der m├Ąnnlichen Selbsteinsch├Ątzung den L├Âwenanteil trug. Das konnte doch kaum an Samenstr├Ąngen liegen, die man nicht einmal sehen konnte.

Da├č Jungs komisch waren, wu├čte Jenny sp├Ątestens seit ihrem zw├Âlften Geburtstag, aber da├č sie so ein unglaubliches Buhei um ein mehr oder weniger gro├čes St├╝ck Fleisch machten, das zwischen ihren Beinen baumelte, machte sie Jenny jetzt, wo sie dar├╝ber nachdachte, fast noch suspekter. Was konnte an dem Ding schon so besonders sein, abgesehen davon, da├č es den Jungs die Dem├╝tigung ersparte, in einer langen Schlange vor der Damentoilette zu warten, wenn ein netter Baum so nah war.

Seltsam. Woher wu├čte der Penis eigentlich, wann er pinkeln und wann ÔÇô wann es Zeit f├╝r das andere war? Konnte da nicht etwas schief gehen? Angeekelt hob Jenny die Oberlippe. Allein die Vorstellung, da├č einer in ihr Bett pinkelte, w├Ąhrend sie drin lag, und da├č sie den dann auch noch anfassen sollte, reichte aus, um ihr die Lust am ├älterwerden zu verderben.

Um sich abzulenken, sprang Jenny auf und lief durchs Zimmer. Rein theoretisch leuchtete ihr dieser ganzer Sexualkram ja ein, praktisch konnte er ruhig noch auf sich warten lassen. Vielleicht konnte man das Mysterium des Mannes zwischen seinen Beinen ja auch erst begreifen, wenn man uralt war, so mit zwanzig oder so.

Ob man ihn steuern konnte, ├╝berlegte Jenny und steuerte selbst wieder ihren Schreibtisch an. Ihre F├╝├če reagierten ganz selbstverst├Ąndlich auf ihren Wunsch, aber sie wu├čte, da├č Jungs ihren Pimmel beim Pinkeln festhielten, damit nicht alles im wahrsten Sinn des Wortes in die Hose ging. Wenn das beim Sex genauso war, wie sollte das dann jemals funktionieren? Oder quetschten die M├Ąnner ihr so hei├č geliebtes bestes St├╝ck einfach so lange vorw├Ąrts, bis sie irgendwo anstie├čen?

Als der Fu├čball vorgestern Alexander recht hart im Unterleib getroffen hatte, hatte er sich mit Tr├Ąnen in den Augen auf dem Schulhof gewunden. Auch wenn Jenny den Verdacht nicht verleugnen konnte, da├č Alexander dabei ├╝bertrieben hatte, so mu├čte es ihm doch weh getan haben. Jungs weinten nicht, wenn es nicht wirklich weh tat. Also mu├čte sie die Theorie mit dem Quetschen wohl ├╝ber den Haufen werfen.

├ťberhaupt, was f├╝hlte man damit? War der Pimmel so wie eine Hand? Oder wie die Nase, oder wie ein Bein? Manchmal sprachen sie im Fernsehen von einem elften Finger oder einem dritten Arm, aber soweit Jenny wu├čte, konnte man damit nichts tragen. Gut, der Pimmel hatte ja auch schon zwei Aufgaben, eine dritte w├Ąre wohl zuviel. Aber sp├╝rte man damit zum Beispiel die Naht in der Unterhose? Konnte ein Junge da frieren? Oder schwitzen?

Jenny starrte frustriert auf den Anfang ihres Aufsatzes. Das m├Ąnnliche Genital ist. Ziemlich fragw├╝rdig, h├Ątte sie gern dahintergeschrieben. Wieso mu├čte sie ├╝berhaupt ├╝ber etwas schreiben, da├č sie nie besitzen w├╝rde? Auch nicht besitzen wollte, denn dann d├╝rfte es mit dem Spagat in den Ballettstunden wohl Essig sein. Oliver hatte mal behauptet, schon bei dem Gedanken an so etwas w├╝rde ihm schwindelig vor Schmerzen. Ob ein Schlag zwischen die Beine den Jungs wirklich so weh tat? Oder suchten sie nur nach einer Ausrede, um endlich auch mal heulen zu d├╝rfen?

Jenny griff entschlossen nach dem F├╝ller. Es wurde Zeit, da├č sie irgend etwas Konstruktives zustande brachte. Vielleicht konnte ihr Vater ihr ein paar Antworten.. nein. Ganz entschieden nein. Mit ihrem Vater w├╝rde sie nicht dar├╝ber reden, und auch nicht mit Gregor, dem Sohn der Nachbarn. Der war zwar schon vierzehn und lie├č sich g├Ânnerhaft dazu herab, ab und an mit ihr zu sprechen, wenn niemand zusah, aber ehe sie Gregor danach fragte, ob er seinen Pimmel mit etwas M├╝he nicht beim Pinkeln auch ohne Hand steuern konnte oder wie genau es sich anf├╝hlte, wenn man vom Fahrradsattel rutschte und auf die Stange knallte, w├╝rde Jenny eher vor versammelter Klasse ihre Hosen runterlassen. Sie w├Ąre ja vor Scham im Erdboden versunken, bevor sie die Frage beendet h├Ątte!

F├╝r einen Moment fragte sich Jenny, ob sie Gro├čvater in dieser Sache um Rat fragen sollte, verwarf aber auch diesen Gedanken. Ihr blieb wohl nichts anderes ├╝brig, als allein damit fertig zu werden. Und wenn die einzige Hilfe, die ihr die Welt zu geben bereit war, ihr Biobuch war, dann w├╝rde es eben ein Aufsatz ├╝ber Schwellk├Ârper und Harnr├Âhren und Samenstr├Ąnge werden. Schlie├člich war es nicht ihre Schuld, da├č die wichtigen Dinge niemals in Schulb├╝chern standen.

__________________
Andrea Rohmert

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kuschelmuschel
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Hallo Andrea,

eine wirklich sch├Âne Geschichte. Und prima geschrieben. Genau das richtige f├╝r so einen sonnigen Morgen.

quote:
Immerhin stellte dieses m├Ąnnliche Genital mit Abstand den K├Ârperteil, der in der m├Ąnnlichen Selbsteinsch├Ątzung den L├Âwenanteil trug.
Hast Du in diesem Satz eventuell ein "dar" vergessen?

wie gesagt klasse geschrieben, nur den einen Absatz: "Das Jungs komisch...", w├╝rde ich weglassen oder um├Ąndern. Na ja, ich geb es zu, mir gef├Ąllt das mit dem St├╝ck Fleisch nicht so recht, mag daran liegen, dass ich ein Mann bin "gg".

Viele Gr├╝├če

Michael

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Leowee
Guest
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Gnnnnhihihihieeeeee!

Liebe Andrea,

auf die Gefahr hin, falschen Verd├Ąchtigungen (Stichwort M├Ąnnerhass oder sowas) anheim zu fallen, m├Âchte ich Dir meinen schallenden Applaus bekunden. Beim Lesen Deiner Story hab ich das Grinsen jedenfalls nicht mehr aus dem Gesicht gekriegt!

Witziges Thema (allerdings erscheint mir die Schulaufgabe ein wenig unglaubw├╝rdig, gibt es sowas, und dann so einseitig?), fl├╝ssig und souver├Ąn erz├Ąhlt, ein quasi politisches Statement obendrein...

Schulterklopfend : Leowee

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Evchen13
???
Registriert: Jan 2003

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Hallo Andrea,

und deine Geschichte einfach k├Âstlich. Ich schlie├če mich meiner Vorg├Ąngerin an, ich habe ebenso von A bis Z das L├Ącheln aus meinen Gesicht nicht verbannen k├Ânnen. Super, super.

Eine sehr gelungene Geschichte und herrliche geschrieben.

Liebe Gr├╝├če


Ev
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Andrea
???
Registriert: Aug 2000

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Hallo ihr drei!

Vielen Dank f├╝r das Lob. Mir blieben solche Aufs├Ątze in der Schule erspart, aber Didakten traue ich mittlerweile alles zu..

Bei "Immerhin stellte dieses m├Ąnnliche Genital mit Abstand den K├Ârperteil, der in der m├Ąnnlichen Selbsteinsch├Ątzung den L├Âwenanteil trug." meinte ich stellen im Sinn von etwas wird gestellt oder der Verein XYZ stellt dieses Jahr den Pokalsieger o.├Ą.

Viele liebe Gr├╝├če
__________________
Andrea Rohmert

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Quidam
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Andrea,

eine ├╝beraus am├╝sante Geschichte.. da k├Ânnte man(n) sich doch glatt ├╝berlegen, das Gegenst├╝ck dazu zu schreiben...

Klasse!
*winke*
quid

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