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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Unbemerkt
Eingestellt am 10. 08. 2009 10:31


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Marc Freund
AutorenanwÀrter
Registriert: Jul 2009

Werke: 5
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Unbemerkt

Er sitzt auf einer Bank am Flussufer. Das Wasser ist ruhig. Genau wie er selbst.
Auf seinem linken Knie liegt eine selbstgedrehte Zigarette. Aufgespart.
Seit einer Stunde sitzt er so. Nichts zu tun als auf den Fluss zu sehen.
Neben ihm: Laura. Trost so vieler schlafloser NĂ€chte.
Und nun?
Sie hat sich eingereiht in die Zahl der Arbeitslosen dieser Stadt. Ein Schicksal von vielen.
Behutsam legt er eine Hand auf ihren Kopf. Sie lÀsst ihn gewÀhren.
Zeit vergeht. Zeit, die bedeutungslos geworden ist.
Er streckt die Hand nach der Zigarette aus.
Nein, denkt er. Noch nicht. Eine kleine Weile noch.
Auf dem Fluss zieht ein Schiff vorbei. Die Segel sind straff gespannt. Dort draußen hat man Ziele, denkt er. Dort ist Leben; Hoffnung.
Er spĂŒrt nicht, das ihm kalt ist. Seine Hand streift Laura ĂŒber den RĂŒcken. Sie ist still.
Nach einer Weile greift er zur Zigarette und zĂŒndet sie an. Er hört das dĂŒnne Papier knistern, als die Flamme Nahrung findet.
Der Mann sieht dem Rauch nach, wie er vom Wind erfasst und davongetragen wird. Schon ist nichts mehr von ihm ĂŒbrig.
Vom gegenĂŒberliegenden Ufer ertönt eine Werkssirene. Feierabend.
Kalte Asche rieselt ihm durch die Finger. Er merkt es nicht.
Die Zigarette verglĂŒht, ohne dass er noch einmal an ihr zieht. Seine Gedanken sind woanders.
Zeit zu gehen, denkt er.
Er lĂ€sst Laura los und steht auf; dreht sich noch einmal zu ihr um. Blicke treffen sich. Ihre braunen Augen lĂ€cheln. Sie haben immer gelĂ€chelt. Der Mann blinzelt ihr zu. Sie waren zwei Jahre lang ein Team gewesen, sie und er. Mehr Zeit hatte man ihnen nicht gewĂ€hrt. WĂ€hrend er das denkt, macht sich eine TrĂ€ne frei. Ohne dass er sie spĂŒrt, rinnt sie an seiner Wange herab.
Laura war dabei gewesen, als das Unaussprechliche passierte. Er nicht.
Mit kleinen Schritten entfernt er sich; in Richtung des Ufers. Ein letzter Gedanke an Laura, wĂ€hrend das kalte Wasser seine Knie umspĂŒlt. Sie sitzt noch immer da, wie er sie verlassen hat. Und sie wird so sitzen, bis man sie findet. Bis sie einem anderen Kind Trost spenden kann. Vielleicht wird es wieder ein kleiner Junge sein. Und vielleicht wĂ€hrt es dieses Mal lĂ€nger. Er weiß, dass sie ihre Sache gut machen wird.
FĂŒr ihn ist alles getan. Er geht dahin.
Unbemerkt.

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DerKleinePrinz
Guest
Registriert: Not Yet

Guten Abend Marc Freund,

deine Geschichte scheint ja bisher tatsÀchlich unbemerkt gewesen zu sein.
Das ist insofern verwunderlich, weil sie in meinen Augen eine hohe wenn nicht sogar sehr hohe QualitÀt besitzt. Nach den ersten SÀtzen wusste ich schon, was ich zu kritisieren habe, nÀmlich den Staccatostil - dachte ich. Aber je weiter ich las, desto gespannter verfolgte ich deine Geschichte und meine Kritik verflog, da der Stil mir am Ende jeden Satz ins Hirn hÀmmern wollte - klasse!

Das Ende kommt einer Pointe gleich, wunderbar in Szene gesetzt und höchst tragisch.

Eine Kleinigkeit wĂŒrde ich vielleicht hinzufĂŒgen:

quote:
Die Zigarette verglĂŒht, ohne dass er noch einmal an ihr zieht. Seine Gedanken sind woanders.
Zeit zu gehen, denkt er
.

Hier wird dir dein Stil doch kurz zum VerhĂ€ngnis wie ich finde, der Wechsel der Gedanken geschieht zu schnell. Deshalb wĂŒrde ich noch einen ĂŒberleitenden Satz einfĂŒgen.

Dir ist hier nach meinem DafĂŒrhalten ein wunderbarer Text gelungen, GlĂŒckwunsch!

Liebe GrĂŒĂŸe
Der Kleine Prinz*

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Marc,

tatsĂ€chlich "unbemerkt" - ein Frevel. Zum GlĂŒck hatÂŽs DerKleinePrinz gefunden.
Habs sehr gern gelesen. Kleinere VorschlÀge, die aber IMHO Geschmackssache sind und kein Dogma


Er sitzt auf einer Bank am Flussufer. Das Wasser ist ruhig. Genauso wie er selbst.
Auf seinem linken Knie liegt eine selbstgedrehte Zigarette. Aufgespart.
Seit einer Stunde sitzt er so. Nichts zu tun als auf den Fluss zu sehen.
Neben ihm: Laura. Trost so vieler schlafloser NĂ€chte.
Und nun?
Sie hat sich eingereiht in die Zahl der ArbeitsObdachlosen dieser Stadt. Ein Schicksal von vielen.
Behutsam legt er eine Hand auf ihren Kopf. Sie lÀsst ihn gewÀhren.
Zeit vergeht. Zeit, die bedeutungslos geworden ist.
Er streckt die Hand nach der Zigarette aus.
Nein, denkt er. Noch nicht. Eine kleine Weile noch.
Auf dem Fluss zieht ein Schiff vorbei. Die Segel sind straff gespannt. Dort draußen hat man Ziele, denkt er. Dort ist Leben;, Hoffnung.
Er spĂŒrt nicht, das ihm kalt ist. Seine Hand streift Laura ĂŒber den RĂŒcken Lauras RĂŒcken. Sie ist still.
Nach einer Weile greift er zur Zigarette und zĂŒndet sie an. Er hört das dĂŒnne Papier knistern, als die Flamme Nahrung findet.
Der Mann sieht dem Rauch nach, wie er vom Wind erfasst und davongetragen wird. Schon ist nichts mehr von ihm ĂŒbrig.
Vom gegenĂŒberliegenden Ufer ertönt eine Werkssirene. Feierabend.
Kalte Asche rieselt ihm durch die Finger. Er merkt es nicht.
Die Zigarette verglĂŒht, ohne dass er noch einmal an ihr zieht. Seine Gedanken sind woanders.
Zeit zu gehen, denkt er.
Er lĂ€sst Laura los und steht auf,; dreht sich noch einmal zu ihr um. Blicke treffen sich. Ihre braunen Augen lĂ€cheln. Sie haben immer gelĂ€chelt. Der Mann blinzelt ihr zu. Sie waren zwei Jahre lang ein Team gewesen, sie und er. Mehr Zeit hatte man ihnen nicht gewĂ€hrt. WĂ€hrend er das denkt, macht sich eine TrĂ€ne frei. Ohne dass er sie spĂŒrt, rinnt sie an seiner Wange herab.
Laura war dabei gewesen, als das Unaussprechliche passierte. Er nicht.
Mit kleinen Schritten entfernt er sich; in Richtung des Ufers. Ein letzter Gedanke an Laura, wĂ€hrend das kalte Wasser seine Knie umspĂŒlt. Sie sitzt noch immer da, wie er sie verlassen hat. Und sie wird so sitzen, bis man sie findet. Bis sie einem anderen Kind Trost spenden kann. Vielleicht wird es wieder ein kleiner Junge sein. Und vielleicht wĂ€hrt es dieses Mal lĂ€nger. Er weiß, dass sie ihre Sache gut machen wird.
FĂŒr ihn ist alles getan. Er geht dahin.
Unbemerkt.

Eins noch, wo ich mir nicht ganz sicher bin: Ist Laura Fantasie?

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Retep
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2008

Werke: 41
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Morgen Marc,

deine Kurzgeschichte hat mir gefallen:
geringer Umfang, keine Einleitung, sofortiger Einstieg, eine Pointe am Schluss.
Im Mittelpunkt stehen die Gedanken des Obdachlosen und seine Emotionen.
Die Sprache ist einfach, der Stil passt.

Du schreibst bei "Laura" handelt es sich um ein Spielzeug, das wird dem Leser erst gegen Ende des Textes klar. Ich nehme an, dass du das beabsichtigt hast.
Ich verstehe nicht, dass du von anderen Kindern -wieder ein kleiner Jungesprichst, dein Protagonist ist doch wohl kein Kind.

quote:
Sie hat sich eingereiht in die Zahl der Arbeitslosen dieser Stadt
quote:
Sie waren zwei Jahre lang ein Team gewesen, sie und er. Mehr Zeit hatte man ihnen nicht gewÀhrt
- Ich finde, irgendwie passt das nicht.

quote:
WÀhrend er das denkt, macht sich eine TrÀne frei
- macht sich eine TrÀne frei ?

quote:
Er geht dahin.
- "dahin" streichen?

Den Titel und den Schluss "unbemerkt" finde ich gelungen.
Ich konnte mich einfĂŒhlen.

Gruß

Retep
__________________
>Die Kritiker nehmen eine Kartoffel, schneiden sie zurecht, bis sie die Form einer Birne haben, dann beißen sie hinein und sagen: „Schmeckt gar nicht wie Birne.“< (Max Frisch)

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suzah
Guest
Registriert: Not Yet

hallo marc,
dein geschichte ist gut geschrieben, nur bleibt (fĂŒr mich) zu viel offen, ich dachte erst an eine frau wegen der nachstehenden zeilen:

"Neben ihm: Laura. Trost so vieler schlafloser NĂ€chte.
Und nun?
Sie hat sich eingereiht in die Zahl der Arbeitslosen dieser Stadt. Ein Schicksal von vielen."

"Sie waren zwei Jahre lang ein Team gewesen, sie und er."

erst am schluß ahnt man etwas von einem spielzeug-teddy o.Ă€., das einem kind (seinem sohn) gehört hat.

"Und sie wird so sitzen, bis man sie findet. Bis sie einem anderen Kind Trost spenden kann. Vielleicht wird es wieder ein kleiner Junge sein."

vielleicht solltst du doch, wie schon retep sagte, eine vater-sohn-beziehung stÀrker andeuten bzw den satz mit dem "team" weglassen, der noch mehr als die "arbeitslosen" irritiert.

liebe grĂŒĂŸe suzah



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