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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Und Gott schuf den Menschen (Satire)
Eingestellt am 22. 01. 2012 15:46


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Pierre Sens
Hobbydichter
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Und Gott schuf den Menschen
- eine (nicht allzu) weihnachtliche Kurzgeschichte -
(Satire)

Gott !

- und zwar jener unter den vielen vermuteten G├Âttern und G├Âttlichkeiten am himmlischen Firmament, der so g├Âttlich und allm├Ąchtig war und damit einzig, wie es eben nur ein Einziger sein konnte, der wirklich allm├Ąchtig, g├Âttlich und ├╝ber alles erhaben war, wie eben jener, der uns einzig bekannte alleinige und barmherzige allm├Ąchtige Gott, der, weil er eben einzig war, also wirklich als ein Einzelst├╝ck zu betrachten ist, mit nichts anderem besch├Ąftigt war, als vollkommenes zu schaffen, so vollkommenes wie es nur einer schaffen konnte, der wirklich einzig, also einmalig war, in dieser einst so leeren und so unvollkommenen Welt, die aber ebenso vollkommen schien, da auch sie einzig war, wie der weise Gott selbst auch.

Und weil der weise und allm├Ąchtige Gott eben so einzig war, wie die Welt, in der er war, war er auch so alleine. Niemand anders, keine andere G├Âttlichkeit gesellte sich zu ihm hin. Die Welt war kalt und leer und nur mit ihm ausgef├╝llt. Und da er nicht nur einzig und alleine war, auch dabei bereits unendlich lange alleine war, er lebte ja immer schon, ebenso lange wie die Welt, in der er war, war er doch dadurch schon unendlich alt. Obwohl war er auch zugleich wieder unendlich jung, hatte er doch noch unendlich viel Zeit vor sich liegen in seinem unendlich langen Leben. Aber alleine zu sein war f├╝r ihn stets schwer, denn keine Mutter, kein Vater, kein Bruder und auch keine Schwester kamen mal zu Besuch oder f├╝r eine nette kleine Unterhaltung zu ihm daher, und deswegen langweilte ihm die Einsamkeit Jahrmillionen von Jahren sehr. In Gedanken (eigentlich bis zu diesem Zeitpunkt seines Lebens seine einzige Besch├Ąftigung) fiel ihm so manche Geschichte ein, und zu einer Geschichte kam ihm auch spontan eine bemerkenswerte Idee; so bemerkenswert, da├č seine Gedanken immer wieder mit dieser Idee sich ganz besonders besch├Ąftigten. Ja, diese Gedanken zogen ihn geradezu in ihren Bann, n├Ąmlich: \"das man an der Welt auch etwas ├Ąndern kann!\".

So brachte ihm diese Idee dazu, das zu vervollkommnen, was ihm eigentlich bisher schon so vollkommen schien, jedoch in Wirklichkeit vollkommen unvollkommen war, weil es eben leer war und nur mit ihm ausgef├╝llt. Und er begann, geradezu aus Verzweiflung wegen jener ├╝ber ihn neu hereinbrechenden Erkenntnis der Unvollkommenheit, den Raum mit dunklen und hellen kugelf├Ârmigen Gebilden zu f├╝llen, die oft Tausende Kilometer in ihrem Durchmesser ma├čen, welche aber, so traurig dies auch f├╝r uns klingen mag, in der Unendlichkeit der Welt in der Gr├Â├če nicht von Bedeutung waren. So trieb es ihm dann eines Tages dazu, also an jener seiner langweiligsten Tage, Sonnen zu formen, damit Licht das dunkle All erhellen konnte und die ├╝berall stetig vorherrschende K├Ąlte der W├Ąrme wich. An anderen dieser ├╝blen, sogar hundslangweiligen, Tage schuf er Planeten, oft nur bestehend in ihren Grundelementen aus Helium und Silizium, mitunter aus Wasserstoff, oftmals aus schwerem und leichtem Metall. Und weil es ach so h├╝bsch aussah, kamen anderentags, wo dann die Langeweile ihren h├Âchsten H├Âhepunkt erreichte, noch einige Monde hinzu, damit diese um die Planeten und Gestirne herumschweifen konnten. Und da das All so unendlich gro├č war, und die Zeit so unendlich lang und f├╝r Gott, da er einzig und alleine war, f├╝r ihn so unendlich langweilig, und er so unerme├člich viel Zeit hatte, schuf er also heute jene Sonnen und morgen jene Planeten, und wenn es ihm vor Eint├Ânigkeit dieser Besch├Ąftigung langweilig wurde, da├č ihn gar der Frust packte, warf er auch schon mal diesen und mal jenen Mond durch das All und lie├č so nebenbei die Asteroiden und die Kometen entstehen, welche mit ihren hell leuchtenden Schweifen bis heute noch durch das dunkle Weltall ziehen.

Manchmal lie├č er in seiner Spielleidenschaft gleich mehrere davon aufeinanderprallen oder diese auf Planeten herabst├╝rzen. Hin und wieder beschleunigte er auch gro├če Brocken um Planeten herum, so da├č sie um diese Ringe bilden konnten (wie bei dem uns bekannten Planeten Saturn). Ja, bei manchem Planeten k├Ânnen auch heute noch von Zeit zu Zeit kleinere Teile davon als Sternschnuppen niederprasseln. Und da es das einzige Spiel war, was dem allm├Ąchtigen und weisen Gott so lange Zeit einfiel, f├╝llte er das ganze Weltall immer mehr mit solchen Gebilden aus.

Die Anh├Ąufungen dieser geradezu majest├Ątischen Gebilde, welche sich Galaxien nennen und je nach ihrer Form in unserem heutigen \"wissenschaftlichen\" Fachjargon auch Spiral-, Linsen oder Zwerg-Galaxien genannt werden, sind genau jene des Himmelsspektrums, die sich immer zu weiten Teilen aus sonnen├Ąhnlichen Sternen und interstellarem Gas und Staub sich zusammensetzen, sowie aus Fixsternen, Cepheiden, Quasaren oder auch aus den pulsierenden Neutronensternen. Mittlerweile befunkeln sie schon zu Myriaden das Weltall, und manche von ihnen liegen so dicht beieinander, als w├╝rde ein Brei aus Milch eine Stra├če bilden. Wie es eben halt auch unsere Milchstra├če ist, die wir, wenn wir des Nachts den Himmel mit unseren Augen betrachten, manchmal an unserem eigenen Himmelsfirmament sehen k├Ânnen (sofern schlechte Sicht unseren Blick nicht tr├╝bt).

Unendlich lange besch├Ąftigte sich also der weise und g├╝tige Gott damit, so vollkommene Gebilde zu schaffen, wie es eben halt auch unser eigenes Sonnensystem ist. Doch nach weiteren unendlich lang vergangenen Zeitr├Ąumen kam er tief ins Gr├╝beln, und er fragte sich, ob diese runden und in sich geschlossenen Gebilde in der Gestalt von Sternen, Sonnen, Monden und Planeten, wirklich so vollkommen sind, wie es auf den ersten Blick aussehen mag, und ob es nicht m├Âglich w├Ąre, noch andere Dinge zu schaffen, die vollkommener sind als diese meist rundf├Ârmigen Objekte, die ja auch nur in die f├╝r sie bestimmten Bahnen sich bewegen k├Ânnen. Ja, da├č sie einmal so vollkommen sind, wie er es selbst auch ist.

Da schuf er dann, um dieses zu experimentieren, einen kleinen Planeten, nicht unweit einer besonders sch├Ânen und wunderbaren Sonne (nur etwa 150 Millionen Kilometer von ihr entfernt), die als ein hell leuchtender gelber Zwergstern am Rande einer Spiralgalaxie eine angenehme wohlige W├Ąrme ausstrahlt, und mit deren Hilfe sp├Ąter einmal dieser Planet sein edles Blau in die Weite des Universums strahlen soll, um als ein einmaliger Blickpunkt im ansonsten so dunklen Weltall die Sch├Ânheit der Empfindungen Gottes zu betonen.

So lie├č Gott sich dann auf diesem der Sonne nahen Planeten nieder, um von diesem Standpunkt aus einmal zu betrachten, was man an einem solchen bislang recht ├Âden Planeten noch versch├Ânern k├Ânnte, um ihn zu vervollkommnen.

Da dieser kleine Planet, wir wollen ihn hier Erde nennen, so unbeschreiblich karg war, und nur Felsbrocken und Staub auf ihm lagen, auf dessen Oberfl├Ąche st├Ąndig kleinere und gr├Â├čere Meteoriten niedergingen, schuf Gott zu diesem Schutze erst einmal eine Atmosph├Ąre, damit dieser Niederschlag doch etwas nachlie├če.

Hiernach sa├č er dann auf dem Gipfel eines Berges und betrachtete nun in Ruhe, ohne jetzt st├Ąndig von den niedergehenden Meteoriten getroffen zu werden, das Land, welches sich zu seinen F├╝├čen ausbreitete. Es war karg und trocken, und die Sonne brannte sehr, und er dachte, etwas feuchtes, ja Regen, m├╝├čte her. Also lie├č er es in seiner unendlichen Weisheit regnen, und es regnete tagelang, bis die ganze Erde unter Wasser stand. Doch so na├č war es ihm auch nicht bequem, also machte er zur H├Ąlfte davon wieder ungeschehen. Und wie er da so sa├č, vor ihm ein Flu├č, war das Pl├Ątschern des Wassers f├╝r ihn ein g├Âttlicher Genu├č. So vollkommen, so gut, das macht ihm neuen gro├čen Mut.

Dann, nach unendlich langer Zeit, die er da so sa├č, und er das Auf und Ab der Wellen betrachtete, das so einzig war wie er selbst, wurde ihm auch klar, so klar wie das Wasser selbst war, da├č es wohl doch nicht alles war, was noch einzig sein k├Ânnte.

Zum Blau des Himmels, welches sich im Wasser spiegelte, fand er, pa├čte wohl auch noch Gr├╝n - und so lie├č er ├╝berall die Wiesen erbl├╝hen. Und begeistert von sich selbst und von der Welt, von der er jetzt tr├Ąumte, schuf er sogleich danach auch noch die B├Ąume.

So besch├Ąftigte er sich tagaus/tagein mal mit den B├Ąumen, mal mit dem Wasser, mal mit den Wiesen, und wenn er ganz im Eifer des Schaffens war, sogar gleichzeitig mit allen Dreien. Doch eines Tages war ihm keine Pflanze mehr gut genug, diese als vollkommen zu betrachten kam ihm auf einmal vor wie ein Betrug. Die Pflanzen, so sch├Ân und bunt sie auch waren, mit ihrer Unvollkommenheit hatte er doch schwer am Herzen zu tragen.

Diese zu betrachten war ihm auf Dauer deshalb kein rechter Genu├č, da man ja an jeder Pflanze, noch hier und da, etwas ├Ąndern mu├č. So gesellte sich aus solchem Grunde zu dieser Pflanze noch jene, von Hibiscus bis zur Rebe, vom Rosenstock bis zu Gloire de Lorraine, von Hippeastrum vittatum bis zu Basilikum und Bromeliaceae, und selbst die Tulpe oder der Sonnenschuh kamen ge├Ąndert, verbessert oder neu hinzu, und so fand zum verweilen Gott nun nicht mehr die n├Âtige Ruh`. Lange Zeit trieb es deswegen Gott auf der Erde umher, vollkommenes zu schaffen fiel ihm, man merkt es hier sehr, manchmal doch schon etwas schwer. Aber schwer getan und letztendlich doch gemacht, hat er schlie├člich vollkommenes noch vollbracht.

Eines Tages, sein Werk betrachtend, so vollkommen und einzig es war wie er selbst, bemerkte er, da├č er dennoch immer alleine war. Denn mit den Blumen konnte er nicht reden, auch konnten sich diese nur im Wind ein wenig hin und her bewegen. Dies zu betrachten fand er auf Dauer ziemlich fad, und er fand keine Freude mehr daran, noch mehr dieser Pflanzen, die ja alledem ortsgebunden sind, zu erschaffen, um damit die Erde zu versch├Ânern. Und so kam es eines Tages, da├č er pl├Âtzlich in einem wahrlich kreativen Anflug von Geistesblitz beschlo├č, Kreaturen zu erschaffen, die sich in allen Richtungen bewegten und damit seine Gedanken wieder neu anregten.

So erschuf er dann den Fisch und anderes Meeresgetier, schuf irgendwann die Qualle und sp├Ąter den Hai, dann den Sonnenbarsch und dazu noch den Ukelei, auch eines Tages den Karpfen und dazu den Hecht, doch nach vielen weiteren vergangenen Tagen, die ihm so unendlich lang vorkamen, Tiere nur im Wasser zu betrachten fand er auf Dauer einfach doch zu schlecht.

So folgten dann, ganz den Gesetzen der Dimensionen entsprechend, die Tiere in der Luft, wie beispielsweise der gierige Geier oder die kleine Fledermaus, die kreischenden M├Âwen und die flinken Finken. Aber auch der stolze Adler war mit dabei, selbst fehlte nicht hier der bunte Papagei. Weiterhin kamen dazu der Uhu und der Kakadu. Aber auch der Sperling und der Specht fanden sich in der Luft sehr gut zurecht. Und damit auch ja niemand von ihnen einsam blieb, denn die Tiere und sich hatte Gott sehr lieb, kamen noch viele V├Âgel mehr hinzu, wie beispielsweise der singende Schwarzhaubenb├╝lb├╝l oder der langschn├Ąblige Sunda-Marabu. Doch, egal welche Arten er hier auch erfand, dies ging ihm immer ganz locker von der Hand, folgten danach, wie konnte es auch anders sein, die Tiere, die sich bewegten auf dem Land.

Die ersten davon jedoch schuf der liebe Gott zu klein, so klein, da├č er sie nicht mehr wiederfand. Ein so winziges Tier, wie der Floh oder gar die Zeck`, kaum entstanden -schwups - waren sie weg. Viele davon wurden auch zu gro├č, wie beispielsweise die Spezies der Dinosaurier, welche waren zu Lebzeiten unheimlich riesige Tiere, eben wie der uns mittlerweile bekannte Tyrannosaurus Rex oder gar der Trachodon, selbst aufrecht gehen konnte dieser schon. Aber da er (er, der weise und meist g├╝tige Gott) diese ├╝bergro├čen Tiere bald wieder von der Erde verbannte, weil ein jeder von ihnen so unerh├Ârlich auf seine sch├Ânen Wiesen trampelte, kamen daf├╝r noch viele andere Tiere neu hinzu, wie der gescheckte Leopard und der schwarze Panther, aber auch das h├╝pfende K├Ąnguruh. Selbst das spuckende Lama und das einh├Âckrige Dromedar waren mit dabei, der B├Ąr in Ru├čland oder etwa die Pferde in der Mongolei. Irgendwann kam mal dazu der Affe und die Maus, der Tiger und die Laus, dann auch noch der Igel, der Hase und der Fuchs, und wie sie alle ├╝ber die Wiesen jagten, war dies zu betrachten f├╝r Gott wieder ein g├Âttlicher Genu├č. So betrachtete er nach getaner Arbeit besinnend halt die Wiesen, die Tiere und den Wald. Und als abends ├╝ber dem Meer ganz romantisch die Sonne unterging, jauchzend vor Gl├╝ck er in einem Baume hing, lie├č er sich alsdann sp├Ąter im Grase nieder und schuf nach unendlich langer Zeit vor Freude Pflanzen wieder. Doch diesmal nicht nur zum ansehen, obwohl das auch, sondern vielmehr zu weiterem Gebrauch.

Er schuf die Traube und g├Ąrte daraus Wein, mal von den H├Ąngen in der Bretagne, mal von denen an der Mosel und auch schon mal von denen am Rhein. Sp├Ąter erschuf er den Weizen und destillierte daraus Korn, und somit wurde zum erstenmal hochprozentiger Alkohol geboren. Diesen verfeinerte er immer wieder im Geschmack, und es wurden noch verschiedene andere erlesene Spirituosen daraus gemacht. Als dann bei seinen Experimenten aus den besten Trauben gegoren, einmal wie ein echter feiner franz├Âsischer Weinbrand ganz zart in seinem Geschmack, er einen Cognac hat daraus gemacht, oder mal ganz sanft im Herstellungsproze├č kam bei seinen Experimenten mit Roggen und Mais so etwas wie ein edler amerikanischer Kentucky-Bourbon-Wiskey herausgepre├čt, f├╝hlte er sich dazu erkoren noch weitere Getr├Ąnke zu kreieren und zu erschaffen. Und als er davon probierte, mal von diesem und mal von jenem hochprozentigen Getr├Ąnk, und er bemerkte, welch` g├Âttliche und damit geistige Getr├Ąnke er da erschuf, blieb es nat├╝rlich beim Probieren nicht nur bei einem Versuch. Er trank weiter und lie├č sich ganz sanft im Grase nieder und sang zum erstenmal in seinem unendlich langen Leben - erstaunlicherweise was f├╝r welch` sch├Âne Lieder!

Leicht schwindlig, wie ihm schon war - er kannte noch nicht vom Alkohol die Gefahr - wurde ihm nach so viel Fr├Âhlichkeit schwerm├╝tig und einsam wieder, und er beschlo├č: schaffe ich nach den Pflanzen nun Lebewesen wieder. Machte dann so ein \"Ding\", das auf zwei Beinen aufrecht ging, jedes Bein hatte noch einen Fu├č und an den Armen hatte es H├Ąnde, und auf dem Rumpf noch einen Kopf, und der Kopf war voller besonders feiner F├Ąden, die lie├č er blond und recht lang, er sich f├╝r dieses Wesen also besonders sch├Âne Haare ersann, und auf dem Rumpf lie├č er noch Br├╝ste sprie├čen, und zu gutem Schlu├č machte er noch unten einen Schlitz - so war f├╝r ihn die Sache erst einmal geritzt. Da trank er sich aus Hopfen und aus Malz ein edles Gebr├Ąu, wir nennen es heute Bier, und go├č sich anschlie├čend weitere seiner hochprozentigen \"Lebenserquicker\" hinterher.

So beschwingt, wie seine Gedanken nun waren, kam ihm doch beim Betrachten seines Werkes so manches Unbehagen. Da dachte er: \"mache ich von diesem Wesen im Gesamten doch Zwei und schau, ob nicht eins davon besser sei\". Und so fing er von vorne an und machte nach der Frau nun auch den Mann. Im groben ├Ąhnelte das zweite dem ersten Wesen auch, hatte es doch statt Br├╝ste einen dicken Bauch. Und dort, wo man fand bei der Frau einen Schlitz, hatte der Mann einen Pitz. Ansonsten, bis auf die Dellen, fand Gott, war er stellenweise recht platt, doch so betrachtet, glaubte er, habe er es auch recht gut gemacht. Doch es sollte ja etwas vollkommenes sein, und so hauchte er ihnen beiden auch noch Liebe ein. Dann wurde es ihm so seltsam schwer, der Alkohol wirkte nun sehr, da legte er sich in eine H├Âhle irgendwo hoch oben auf einem Berg und schlief ein, und im Traum schwebten ├╝ber ihm auf einmal seine neueste Erfindung - die Engelein. Solange er da lag, verging f├╝r die Erde weiter Tag auf Tag.

Als er dann seinen Rausch ausschlafend, nach vielen tausend Jahren erwachte, das war f├╝r ihn selbst nicht sehr lang (nat├╝rlich mit einem f├╝rchterlich dicken Kopf, zumal er auch aus dem Hals noch immer stark nach Fusel roch), und er dann ins Tal blickend sah, was inzwischen auf der Erde geschah, fragte er sich, ob das seiner g├Âttlichen Macht entsprach, oder hatte er einfach hier nur im alkoholisierten Sinnestaumel versagt?

Denn inzwischen hatten sich die beiden Lebewesen erheblich vermehrt, und statt Liebe und Friede war ├╝berall Krieg eingekehrt. An jedem Ort kehrte Verw├╝stung ein, vernichtet wurden selbst die sch├Ânsten L├Ąndereien. Zerst├Ârt wurden auch Feld und Korn, das entwickelte in Gott einen f├╝rchterlichen (geradezu teuflischen) Zorn.

So etwas unvollkommenes hatte Gott noch nie gesehen, wie machte er das nur ungescheh`n? Lag es doch in seiner Macht, zu vernichten, was er selbst geschaffen hat. Aber vernichten war es nicht gerade des Menschen liebste Tat, hatte da ein Gott nichts besseres parat? Da wandte er sich vom Geschehen erst einmal ab, und dachte lange f├╝r sich nach, und es verging f├╝r die Erde wieder Tag auf Tag.

Als er da so lange vor sich hinphilosophierte, und er von diesem b├Âsartigen Geschehen bet├Ąubt sich nicht mehr von der Stelle r├╝hrte, besann er sich schlie├člich darauf, wie vollkommen die Welt doch war, bevor er diese seltsamen Lebewesen erfand, und er zweifelte abgrundtief an seiner eigenen Vollkommenheit, an seiner Allmacht und selbst sogar an seinem g├Âttlichen Verstand. Doch wissen wollte er, da├č dies nicht so war, und er raufte sich selber vor Gram sein sch├╝tteres Haar.

Er h├Ârte, wie die Menschen von ihrem Sch├Âpfer sprachen, andere Menschen die Idee eines Sch├Âpfers dagegen nicht vertraten. Zuweilen h├Ârte man von ihnen auch, Menschen sind Tiere auch! Gott dachte, wenn er den Menschen ein ├╝berirdisches Zeichen schicke, richten sich alleine auf ihn, ihrem Sch├Âpfer, alle Blicke. Denn erkennen sollen sie, da├č sie einen Sch├Âpfer haben, und lieben sollen sie sich, und auch sollen sie sich immer miteinander vertragen.

So tat er zu diesem Versuche einmal das Meer in zwei weite Teile spalten im Glauben, da├č die Menschen dieses Zeichen verstehen und sich danach anders zueinander verhalten. Doch n├╝tzte dies kaum, stand dieses Zeichen f├╝r viele Menschen unverstanden und leer im Raum.

Da machte er auch mal zum besseren Verst├Ąndnis den Hungrigen aus Steinen Brot, denn in der W├╝ste war die Not doch wirklich immer sehr gro├č. Im Glauben, da├č jeder Mensch nun dieses Zeichen verstand, hat er seine F├Ąhigkeiten doch hier leicht verkannt, und je mehr er sich nun bem├╝hte, und die Wut in ihm immer st├Ąrker gl├╝hte, mu├čte er sich eingesteh`n, hatte er hier doch nur einfach dumm ausgeseh`n.

Da dachte er, schicke er doch jemanden zu ihnen hin, der von ihm, dem \"allm├Ąchtigen Gott\", verk├╝ndet und dann zugleich auch eine Gottesreligion unter den Menschen begr├╝ndet. Und er (der von Gott gesandte Mann) wird wandern durch das gelobte Land und verk├╝nden von ihm, dem \"weisen und allm├Ąchtigen Gott\", und die Menschen werden herauskommen aus ihrem m├Ârderischen Trott. Ja, dann wird alles friedlich werden, und die Menschen werden sich nicht mehr so unm├Âglich wie bisher geb├Ąrden.

Da lief er nun, der arme Mann (wir wollen ihn hier der Einfachheit halber Jesus nennen), durch das hei├če W├╝stenland (ich glaube wohl, mit heutigen Namen Jordanien genannt), doch Frieden kehrte nicht ein, im Gegenteil, die Menschen schlugen und bespuckten ihn, und wegen seines von ihm verk├╝ndeten christlichen Glaubens jagten sie ihn, doch er wollte vor ihnen nicht flieh`n. Ja, zuletzt nagelten sie ihn sogar mit beiden Beinen und H├Ąnden fest an einem abges├Ągten Baum mit einem Beil, bis sein Tot trat herbei. Dann wurden alle seine Anh├Ąnger aus jenem gelobten Land verbannt, und sp├Ąter wurde selbst Rom, diese besonders sch├Âne Stadt, wegen der bereits gro├čen Gefolgschaft seines von ihm verk├╝ndeten Glaubens an das Christentum, abgebrannt.

Da wurde es Gott zuviel. Ja, es kam ihm in Gedanken, da├č er selbst sogar gar nicht mehr leben will. Er setzte sich wieder hoch oben auf einen Berg und schaute abermals hinab ins tiefe Tal, beobachtete dabei die Menschen, dieser Anblick war ihm jetzt eine Qual. Er dachte nach, was ist m├Ąchtiger als Gott? Ist es der von ihm erfundene Teufel? Oder der Mensch, mit seinem selbst erschaffenen Schafott? Nein, er ist es, der Herr, er, der alles kann, seine Macht f├Ąngt doch schlie├člich bereits bei der Unendlichkeit an. Unendlich lange ist sein eigener j├╝ngster Tag schon her, einen Planeten zu schaffen fiel ihm in seinem ganzen Leben niemals schwer. Und jetzt schaut er sich sein letztes Werk, die Menschen, noch einmal genauer an und glaubt, mit seiner Allmacht hat er sich wohl diesmal leicht vertan. Und als er da so einsam sa├č, fragte er sich, was w├Ąre wohl die m├Ąchtigste, die gr├Â├čte und f├╝r ihn die schwierigste Tat? Und er kam darauf, denn es war nicht schwer, seine eigene Endlichkeit m├╝├čte nun einmal her. Unendlich lange habe er schon gelebt und so viel Wert auf Vollkommenheit gelegt, doch Unvollkommenes zu schaffen bereitete ihm immer Schmerzen im Bauch, beende er nun deswegen seine Allmacht, seine G├Âttlichkeit und sein langes Leben auch, dann werde er auch einer von diesen Menschen werden und dann eines Tages ebenso wie diese, ja vielleicht sogar einmal gl├╝cklich, sterben. Ist er nun allm├Ąchtig, so wird auch dieses geschehen, und die Welt hat Gott zum letztenmal gesehen. Und so probierte er es auch, und es war ihm gegl├╝ckt, er wurde ein Menschenkind.

Doch durch das, was er auf der Erde als Menschenkind den anderen Menschen erz├Ąhlte, n├Ąmlich er sei mal Gott gewesen, hielt man ihn ganz klar f├╝r verr├╝ckt. Und im d├╝steren Mittelalter, heute glaubt man so was kaum, erschlug man Verr├╝ckte, begraben wurde er unter der Erde neben einem Olivenbaum.

Und die Menschen auf der Erde streiten sich nun bis heute weiter, ob es denn einen Gott wohl g├Ąbe, das ist nicht heiter.

Wenn diese die Wahrheit nur wirklich w├╝├čten, dann w├╝rden sie auf einmal wachsam sein oder sie w├╝rden vor Wut allesamt pl├Âtzlich nur noch eine Farbe klar sehen: n├Ąmlich Rot, denn sie wissen nun, die Gerechtigkeit und vor allem:

Gott ist tot!

Doch ohne auch nur einen Funken solcher Ahnung feiern die Gl├Ąubigen heute noch jedes Jahr zum Geburtstag von Jesus, um ihn zu ehren, ein gro├čes Fest, so als w├╝rde sein Sch├Âpfer Gott heute noch leben und sie m├╝├čten ihn damit gleichzeitig zur winterlichen Weihnacht segnen, das gibt der Trag├Âdie doch glatt den Rest.

Also dann ihr lieben Menschen, w├╝nsche ich Euch mit dieser neuen Erkenntnis ein wirklich frohes Fest!

┬ę Copyright by Pierre Sens

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