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Leselupe.de > Kurzprosa
Und dafür leben wir. Oder?
Eingestellt am 09. 05. 2001 23:24


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Anna
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Feb 2001

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Ich bin tot. Das ist schön. Ich liege auf einer Wiese im hohen Gras. Das kitzelt mich.

Mein Körper zerfällt langsam. Verwesung wird das auch genannt. Das tönt eklig. Die Haut wird gräulich, die Augen liegen in Löchern. Aber die sind ja eh zu, die Augen. Das Fleisch beginnt sich von den Knochen zu lösen. Die Ameisen haben Freude daran. Krähen sind gekommen, sie haben den Tod schon gespürt, bevor ich überhaupt gestorben bin. Immer mehr von mir verschwindet, bald sind nur noch die Knochen übrig. Die bleichen dann langsam in der Sommersonne aus. Gut, jetzt kann nicht keinen Sonnenbrand mehr kriegen. In meinem Schädel haben sich Ameisen angesiedelt, diese seltenen Waldameisen, die besonders gross sind. Die hab ich schon als Kind gemocht, habe sie beobachtet, wie sie eine tote Blindschleiche frassen. Zum Glück gibt es Ameisen, ohne sie und die anderen Aasfresser wäre die Erde noch ein grösserer Müllhaufen, als sie es jetzt ist. Menschenmüll lebt da drauf. Ich war auch nicht mehr als ein Stück Müll, das wird mir jetzt immer mehr bewusst. Jetzt weiss ich, was von Menschen übrigbleibt, nach dem Tod. Das ist nicht viel. Recht so. ein Haufen Knochen, der löst sich auch auf.
Ich könnte jetzt einen Bauern mit seinem Traktor kommen lassen, der meine Kochen zerstückelt, es ist ja meine Geschichte, das könnte ich also tun. Oder einen wildernden Hund, von seinen Besitzern ausgesetzt, weil er sie angegriffen hat, der würde erfreut mein Skelett finden und an meinen zarten Knöchelchen knabbern. Es könnte mich auch eine Schlammlawine überrollen und in zweihundert Jahren oder mehr finden dann Roboter meine Überreste und freuen sich, wie wir uns freuten, als wir Dinosaurierknochen gefunden haben.
Tu ich nicht. Ich lass meine Knochen dort liegen und nie kommt jemand auf diese Wiese, der mich entdecken könnte. Das wird dann langweilig und ich stelle einen Antrag, dass meine Knochen schon mal in den Himmel können, während ich noch auf der Erde rumgeistere. Der wird abgelehnt und mein kleines Skelett muss dort im Gras liegen bleiben. So liegt es da. Die Ameisen sind aus meinem Schädel wieder ausgezogen, weil der zu klein wurde für ihren grossen Stamm. Einsame Knochen auf einer einsamen wilden Wiese, das bleibt von mir übrig. Von anderen bleibt weniger. Ein Häufchen Asche vielleicht. Oder ein Holzsarg, der nach 30 Jahren oder so wieder ausgebuddelt wird, und dann bleibt gar nichts. Das ist nicht viel. Und dafür leben wir. Oder?

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amanojaku
Guest
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wir leben für mehr

bei warmem wetter durch die schmalen gassen einer spanischen altstadt schlendern und über geschichten nachdenken die man sich selbst ausdenkt, am meer liegen mit der person die man liebt und dabei gemeinsam wunderbarer ruhiger musik lauschen um sich hin und wieder einen verliebten blick zuzuwerfen, merken wie man die kontrolle verliert, über undinge und tolpatschige ungefährliche dinge lachen, weltschmerz erfahren und teilen, sich aufraffen und etwas tun, der glanz in den augen der menschen denen man geholfen hat oder denen man etwas bedeutet, der geruch von einem benutztem bett, in warmem wasser baden, selbstgedrehte zigaretten vor einem altem haus in einer schlechten gegend auf der zweiten treppenstufe sitzend rauchen, die musik von CAKE, gründer tee und früchte tee, gurken und bananen, das vor sich hin summen von glücklichen menschen auf der strasse ebendso wie das schluchzen trauriger menschen denen man an seiner seite trost spendet, in die ferne sehen und vor sich hin träumen ...
...
ich könnte stundenlang solche sachen aufschreiben, und für all das lebe ich, und für viel mehr noch.

ich glaube das ende ist nicht der grund, es ist nur das ende und nichts als das ende. es ist nicht unbedingt etwas auf das man sich freut, aber es ist auch nicht so sonderlich wichtig.

trozdem nett geschrieben dein text.

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Anna
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Feb 2001

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natürlich leben wir für mehr!!!!

Sich in einem schönen sehr grünen und wilden Garten in die hohe Wiese legen und von allerlei Insekten gestochen werden
Die eigenwillig schöne Musik von Miss Stucky hören und sich freuen, dass man Musik auf so viele verschiedene Arten machen kann
Im Stall arbeiten, nach Heu und Pferden riechen und sich freuen, etwas geleistet zu haben
Unter einem Wasserfall stehen und sich von kaltem Wasser durchnässen lassen
In einem sehr klaren und kleinen Bergsee schwimmen und sich vor dem Seeungeheuer, das darin wohnt, fürchten
Überhaupt. Einfach mal drauflos leben!

>ich glaube das ende ist nicht der grund, es ist nur das ende und nichts als das ende. es ist nicht unbedingt etwas auf das man sich freut, aber es ist auch nicht so sonderlich wichtig.<

Heute ist das „Ende“ oder was nachher eventuell noch kommt nicht mehr so wichtig. Im alten Ägypten war das Jenseits beinahe wichtiger als das Diesseits. Das ganze Leben war man darauf bedacht, alles gut zu machen, dass man im Jenseits ein möglichst schönes Leben hat...
Aber: ist ist wirklich „das Ende“? ist es nicht vielleicht nur „ein Ende“, nach dem vielleicht ein neuer Anfang kommt? Wieso sollte man sich darauf nicht freuen?

>trozdem nett geschrieben dein text.<
danke.

grosser gruss

Anna

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amanojaku
Guest
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hmm -> geschmeichelt

das war eine nette antwort auf meine antwort, hat mir gefallen.

tja, wenn ud jetzt wieder antwortest sehe ich das erst am 20.05.2001 weil ich zivi bin und 24 stunden bereitschaft auf dem jugendhof (kindern den dreck hinterherräumen) habe bis zum besagten 20.05.2001. aber das macht ja nichts.

dann kann ich es trozdem lesen, oder du antwortest garnicht erst und wanderst aus nach afrika um bei einem kleinen netten urwaldstamm zu leben der nichtmal weiss was der unterschied zwischen taschenlampe und cgi ist.

würde ich dir viel spass bei wünschen, hoffe aber doch dass du mir lieber eine nette mail an meqamanojaku.org schreibst und dir meine noch sehr unpersönliche (muss mich damit bewerben) homepage anschaust und spass mit meinen texten hast die man unter sonstiges tief tief tief unten findet weil sich die keiner mehr ansieht.

cu

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flammarion
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das

könnte dir so passen, faul in der wiese liegen! na, wenigstens gibtst du den tieren was zu essen. aber das leben besteht aus geben und nehmen. sei nicht zu großzügig, du siehst ja, sie fressen dich auf und du hast gar nischt davon. nimm dir auch ein zipfelchen vom leben! lg
__________________
Old Icke

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La Luna
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Hallo Anna,

sehe es ähnlich wie Amanojaku.
Nicht das Ende ist das Ziel, sondern der Weg dorthin.

Das aber bestenfalls verblichene Knochen übrig bleiben, glaub' ich nicht so ganz.
Wie in einer Studie belegt (ich glaube vom Max-Planck-Institut), wird jeder Mensch, im Augenblick seines Todes um exakt 80g leichter.
80g - nicht mehr und nicht weniger - was immer das auch sein mag.
Ist doch interessant, oder?

Nehmen wir mal an, du hast Kinder.
Auch darin lebst du weiter.
Deine Erbanlagen werden fortbestehen und das nicht nur in deinen Kindern, sondern auch in der endlosen Kette, die nach ihnen kommt.

Philosophisch betrachtet:
Kann auf dieser Erde überhaupt etwas einfach so "verschwinden".
Was passiert nach der Verwesung, wenn augenscheinlich nichts mehr da ist?
Bist du wirklich verschwunden?

....

Siehst du?
In irgendeiner Form bleiben wir alle erhalten.
Und sei es nur als Molekülkette.


In diesem Sinne....bis demnächst.


Gruß, Julia

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