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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Und doch nicht. . . .
Eingestellt am 28. 04. 2006 14:09


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Marc Hecht
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Registriert: Apr 2006

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Und doch nicht. . .

Auf der Burg Giebichenstein stand an einem klaren Herbsttag ein hagerer Mann. Um die vierzig war der Mann, schmal; in einem hellen Trenchcoat stand er da, die HÀnde in den Manteltaschen und er ging umher, seine Schritte knirschten im Kies. Er blieb stehen und sah dem Fluss nach, der Saale, die an der Burg vorbeizog, sich vorbei schlÀngelte. Die Sonne tanzte auf den kleinen Wellen.
Ein StĂŒck entfernt nur teilte sich der Fluss - und auf einer schmalen Landzunge reckten sich Birken und Weiden schrĂ€g ĂŒber die Ufer. Schön sah das aus. Dahinter drĂŒckten sich die Konturen der Stadt gegen das helle Herbstlicht. Die DĂ€cher und TĂŒrme, das Gewirr der Großstadt. Es war frĂŒher Nachmittag.
Der Mann blickte umher, still stand er hier, auf der Burg. Er hatte ernste Augen, hinter randlosen, runden BrillenglĂ€sern, und schĂŒtteres Haar, war schlank, schmal geradezu - aber vor allem seine ernsten Augen gaben ihm ein stilles, verschlossenes Aussehen. Er sah umher, die HĂ€nde in den Manteltaschen.
Den gesamten Vormittag schon war er durch die Stadt gelaufen. Durch Altstadt-Gassen, an FachwerkhÀusern und Brunnen im Jugendstil vorbei, auf den Marktplatz. Dort hatte er vor dem Roten Turm gestanden, vor HÀndels Denkmal, vor der Marienkirche. Alles hatte er sich angesehen, mit ernsten Augen hinter einer randlosen Brille, die HÀnde im Mantel vergraben, nur ab und zu fuhr er sich durchs Haar.
Ja, es war gut hier. Das hatte er schnell gemerkt. Die Stadt war gut. MĂ€chtig herunter gekommen zwar, eine graue Diva, aber noch immer vornehm. Die Stadt war gut, sehr alt – und das gefiel ihm.
In einem Gasthof hatte er zu Mittag gegessen, gegenĂŒber der Burg, im Gasthof „Zum Mohren."
Eine Straßenbahn war eingebogen, vorbeigezogen, die alten Bohlen und die GlĂ€ser im Gasthof hatten vibriert. Es war dĂŒster, im Schankraum, der Wirt hatte an seinen GlĂ€sern hantiert. Luther hĂ€tte hier schon ĂŒbernachtet, hatte der Wirt ihm dabei erklĂ€rt, stolz: Damals, als Junker Jörg verkleidet, von der Wartburg auf dem Weg nach Wittenberg. Die Saale hĂ€tte jedoch zu hoch gestanden, und Luther wĂ€re nicht hinĂŒber gekommen, drei Tage lang hĂ€tte er hier gewartet.
Er hatte zugehört, den Wirt still angesehen und genickt. Und auch jetzt, hier oben auf der Burg, nickte er: Ja, er hĂ€tte sich wohl gefĂŒhlt, in dieser Stadt – und im Gasthof „Zum Mohren".
Und trotzdem konnte er nicht bleiben.
Lange hatte er nicht ĂŒberlegt – dabei: Wie lange hatte er schon Arbeit gesucht! Und hier war sie nun – die neue Stelle. VerrĂŒckt genug, hier, im Osten. Auch die Stadt war großartig. Und doch ging es nicht.
Er war jetzt 45 – und er wusste nicht, was er seiner Frau sagen sollte, wenn er wieder heimkehrte, heute, am Abend. Sie war ihm um den Hals gefallen, als die Offerte kam. Und jetzt hatte er abgelehnt!
Er zog ein PĂ€ckchen Zigaretten aus der Manteltasche, drehte sich vom Wind weg und zĂŒndete eine Zigarette an.
Was sollte er sagen? „Der hat stĂ€ndig mit dem Finger auf mich gezeigt" – sollte er das vielleicht sagen? Oder: „Der hat stĂ€ndig ‚Pass auf’ gesagt?"
NatĂŒrlich - es war furchtbar, heute morgen, ganz furchtbar: „So, Meister!...Dann pass’ mal auf...," hatte der Chef gesagt - zur BegrĂŒĂŸung. An seinem ersten Arbeitstag. Und der Chef hatte ihn dabei nicht einmal angesehen, weil er noch auf eine Liste blickte, die man ihm gerade in die Hand gedrĂŒckt hatte.
Er wusste sofort, dass es hier nichts werden kann. Er hasste es, wenn jemand „Pass auf" zu ihm sagte, er passte immer auf; und man sollte ihn schon ansehen, wenn man mit ihm sprach. Und er war auch kein Meister. Und man sollte doch lieber beim Sie bleiben... aber wie sollte er ihr das alles sagen? Im Grunde war es ja gar nichts. Und trotzdem... aber nein, sie wird es bestimmt nicht verstehen. Der Mann rauchte, ernst sah er umher auf der Burg.
Der Chef heute morgen war ihm unsympathisch. Zutiefst, von Anbeginn. Sein neuer Chef. Und so war er also wieder gegangen.
Und der Chef war schier fassungslos: „Wie? ...doch nicht?"
„Nein – oder besser ja" – hatte er geantwortet.
Der Chef hatte den Kopf geschĂŒttelt - und hatte ihn dann schnell verabschiedet, wie einen VerrĂŒckten.
Eine Straßenbahn bog ein. Von oben, von der Burg sah er zu, wie sie scheppernd zwischen den HĂ€usern verschwand. Er blickte ihr nach, rauchte. Dann warf er die Zigarette vor sich auf den Kiesboden, trat sie aus und verließ die Burg, um nach Hause zu fahren.

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Charly
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Apr 2006

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Hallo Marc Hecht,

im Grunde genommen ist die Geschichte wie sie ist schön erzÀhlt. Du spannst einen schönen Bogen. Aber warum machst du nicht weiter?

Wortwiederholungen sollten in so kurzen Texten nach Möglichkeit vermieden werden.

Und solche Formulierungen: „ 
 Um die vierzig war der Mann, schmal; in einem hellen Trenchcoat stand er da, die HĂ€nde in den Manteltaschen und er ging umher, seine Schritte knirschten im Kies ...“ gefallen mir persönlich nicht.

Aber was macht deinen Text zu einer Kurzgeschichte?
Es könnte der Anfang von einer sein. Mehr ist es noch nicht. Was passiert denn in der Geschichte? Der Prota ist arbeitslos und hat eine angebotene Stelle nicht angenommen weil ihm der Chef in spe unsympathisch ist. Ja – und?


Gruß Charly

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Gorgonski
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2003

Werke: 2
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Hallo Marc

Deine Geschichte ist gut geschrieben, nur möchte man mehr erfahren.
Um was fĂŒr einen Job handelte es sich, z.B.?
Du hÀttest die Story ruhig etwas lÀnger gestalten können, langweilig ist mir beim Lesen jedenfalls nicht geworden.

MfG; Rocco
__________________
dEr Heftchenliterat und Poet aus dem Erzgebirge

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