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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Und hört im Herzen auf zu sein
Eingestellt am 28. 11. 2007 16:36


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vanvalle
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2006

Werke: 2
Kommentare: 1
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Und hört im Herzen auf zu sein.

Schnee ist gelb, nein, er wirkt gelb im Licht der Laternen. Fällt hinab, unaufhörlich, kitzelt, kühlt die ohnehin schon kalte Haut. Dunst vom Atem steigt hinauf, tanzt, ganz kurz mit kleinen Sternen aus Eis. Seltsam. Warum haben Schneeflocken die Struktur von Sternen? Ich öffne meine Hände und erkenne den kleinen Stern, bevor er schmilzt und zu einem Tropfen kalten Wassers wird; Vergänglichkeit.

Steter Schritt, klares Ziel? Nein, gehen, irgendwohin, wo Menschen sind. Kälte streift über meine Schulter und leicht beißt der Wind die trockene Haut. Schultern hoch, Blick senken und gehen. Ein kurzer Gedanke an den Sommer, schnell schmilzt der Schnee. Sehe mich mit T-Shirt und kurzen Hosen und Leben, Grün, in dem jetzt so leeren Park; und schon ist wieder Winter, Blick gehoben, zurück von dieser Reise, kurzer Trip.
Die Lichter einer Brücke, verschwommen im Dunst des Schneefalls und ich gehe weiter bis zum Ziel; na ja, bis zur nächsten Station. Spärlich begegnen mir Menschen im sonst leeren Park, eingehüllt, ohne Augen, kein Gesicht, sich bewegende Körper, schwarz und schon an mir vorbei. Ein kurzer Gedanke, ein warmes Gefühl, ein Bild in mir von ihr. Sie bewegt sich unter vielen, kennt mich nicht, ich habe sie nie gesehen und doch bin ich kein Fremder, denn sie denkt an mich, manchmal, so wie ich. Ich ziehe den Kragen meiner Jacke hoch, um mich irgendwie vom Wind zu schützen.

Die Strassen werden belebter, etwas und ich weiß, es nicht mehr weit, bis eine Türe aufgeht, ein starker Zug warmer, verbrauchter Luft mir entgegenzieht und mich einnimmt, aufnimmt. Die Kälte, den Wind, den Schnee mit einem Schlag, in einer Sekunde vertreibt und mich eintauchen lässt in eine andere Welt, völlig anders. Schnell schlagen die Geräusche lauter Musik und Stimmen in mein Ohr und lassen das stille Pfeifen des Windes geschehen sein von Jetzt auf Gleich.
Nur ein kurzer Gedanke. Der letzte Schnee fällt an mir herab und schon treffen mich die Augen des Mannes an der Bar und viel zu laut für mein Gefühl, doch ankommen müssend gegen die Musik: „Ein Guinness.“ Der Barkeeper nickt. Mein Blick geht in den Raum. Viele Menschen, Farben, helle und dunkle Haare und Lachen in glitzernden Augen. Auf der anderen Seite des Raumes spielt eine Band und über ihnen läuft ein Fernseher, Fußballszenen, Tore, Jubel. Blick zurück. Das Guinness läuft ins Glas, wird dann vor mir auf die Bar gestellt. Ein Griff, ein Schluck und... nichts. Ich stehe einfach da.
Die Finger des Gitarristen tanzen geschmeidig auf den Saiten. Die Basstrommel schlägt den Rhythmus, immer gleich und dringt tief in meinen Körper, der sich zu bewegen beginnt, der Melodie folgend. Biergläser werden aneinander geschlagen, laut gerufen, hastig getrunken und viel gelacht. Der Mann am Mikrofon singt, nur leicht bewegen sich seine Lippen; ein Liebeslied. Eine junge Frau tanzt, ihre nackte Taille dreht sich aufreizend. Am Ende des Raumes sitzt eine Frau, allein, die Mundwinkel gesenkt, vielleicht versetzt von einem Mann, vielleicht aber nur einsam inmitten der Redseligkeit. Bin ich einsam? Ein Schluck aus meinem Glas und nein, bin nicht einsam, ich bin nur allein, will es sein, nur sein, einfach sein. Nicht wollen, nicht tun, nur einfach eben sein.
Im Fernseher sehe ich Tore, den jubelnden Schützen, geballte Kraft und Freude. Um mich herum lachen Menschen, vergessen ihren Alltag, betäuben sich. Und ich?
Unruhe kommt in mir auf, die Lust zu Leben in mir und mein Atem geht schneller. Starrer Blick, durchsuche den Raum, doch finde nicht, nur Betäubung und eine einsame Frau. Ich gehe durch den Raum und sauge auf, Worte, Bewegung, Wünsche und das Bestreben irgendwas zu sein, nein, besonders zu sein. Spüre förmlich diesen Zwang im Raum, irgendwie anders zu sein, nicht man selbst zu sein. Ich gehe schneller, gezielter Blick, aber sehe nichts, finde nichts, bleibe stehen; was suche ich? Ich weiß es nicht. Irgendwas, das lebt, das... das nicht nur Oberfläche ist.
Ein Lächeln trifft mich, schnell geht ihr Blick wieder weg. Leicht wendet sie sich ab, doch ich spüre, wie sie mich im Fokus hat, auch ohne Augen und darauf wartet, dass ich zu ihr gehe. Ich sehe sie an, sie redet mit einer Freundin, richtet kurz den Blick zu mir, errötet leicht und schaut schnell wieder weg, blasse Haut in tiefbraunen Augen. Sie redet angeregt, ihr Oberkörper wippt leicht, will nicht wieder hersehen, hat doch Zeichen genug geschickt, zu mir, der sie nur ansieht. Ein letzter Versuch, verstohlen trifft mich kurz ihr Blick und schnell wieder weg. Ein kurzes Warten, zögern, atmet ein, hält ihn ein und nein, wird nicht kommen, er steht und bleibt allein; dann nicht, du Schwein! Nun wird sie nicht mehr hersehen. Sie hat mir eine Chance gegeben und ich habe sie nicht genutzt. Wozu? Um zu sagen, wie ich heiße, wo ich wohne, was ich mache, was ich kann? Um vielleicht, wenn man sich gut versteht, zusammen einen Abend glücklich ist, glaubt dass man es ist? Höflich ist, freundlich ist, über Belangloses spricht? Konditionierungen, Erwartungen entspricht? Worte von sich gibt? Wozu? Das Herz wird müde sein am nächsten Tag und leer. Der Mund vom reden trocken, Geschmack, der die Gewissheit bringt, dass wenn sich Seelen nicht berühren, kein Leben durch die Adern dringt.
Ein Schluck vom Bier, dann tauch ich ein für einen ganzen, langen Augenblick, allein, inmitten von Menschen, allein; im pulsierenden Leben; allein. Ich wünsche mir, zwar hier zu sein, doch niemand nimmt mich wahr. Wie ein Engel, schwebend durch den Raum. Nicht sprechen müssend, nicht reagierend auf irgendwen, nur sein.

Ich öffne die Türe und gehe hinaus in die helle Nacht. Sofort die Stille, meine Ohren dröhnen leicht. Schnee auf meiner warmen Haut. Ich gehe. Gleichmäßig funktionieren meine Beine. Der Schnee knirscht unter meinen Füßen. Im Park lege ich mich in den Schnee und schaue in den rosa Himmel. Leichter Dampf steigt von mir auf. Mein Körper kühlt ab. Ich habe keine Gedanken, keine Erinnerung, obwohl mein Kopf so voll, mein Bauch vibriert, mein Herz beseelt vom Leben. Die Hülle starr, liegt da und leer, wo es in mir brodelt. Ich atme tief und fühle mich für einen Augenblick lang frei.
Dunkelgelb leuchten die Laternen. Schwarz zeichnen sich vom Grau die Bäume von der Dunkelheit ab. Es ist Mitternacht; die Erde hat sich von der Sonne abgewandt, nein, meine Welt liegt auf der sonnenabgewandten Seite, doch irgendwo steht sie am Firmament und irgendwo verändert eine Welt gerade seine Farben und kleidet sich in gelb und rot und blau. Und irgendwo taucht eine Welt ins Schwarz, in Nacht; verändert den Rhythmus, den Geruch, die Menschen. Und von irgendwo, aus einer dieser Welten, dringt ein Gefühl in mich hinein. Eine Fremde unter Milliarden und doch eine Verbundenheit. Und es ist, als würde ganz kurz, es scheint ganz kurz, es ist ganz kurz, sie ist ganz kurz ganz nah und dann... dann ist es, es ist, als sähen wir uns an ganz kurz... ganz kurz ist Leben, nicht nur in, auch außer, über mir und überall. Ganz kurz, ein tiefer Augenblick. Als ginge ein Bild hinein, geht durch der Glieder angespannte Stille - und hört im Herzen auf zu sein.

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Haki
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo vanvalle,

dieser Text ist in meinen Augen künstlich, durch unzählige redundante Aufzählungen aufgebläht uund verliert daher maßgeblich an Intensität. Ans ich gefallen mir derart melancholische Texte. Auch das Ende ist in Ordnung. Im allgemeinen trägt der Inhalt, aber hast du einfach viel zu viel geschrieben für so wenig Handlung. Und deine Gedankengänge sind auch zum Teil umständlich formuliert.
Letztlich ist das Ende representativ dafür. So viele "kurz" in einem Abschnitt habe ich lange nicht mehr lesen dürfe.
Ich denke, dieser Text bedarf eine gründlichen Überarbeitung. Aber verliere nicht den Mut, denn der Inhalt würde tragen...

LG,
Haki

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