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Leselupe.de > Humor und Satire
Und wieder drei Wochen...
Eingestellt am 06. 04. 2001 16:10


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Michel
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Apr 2001

Werke: 6
Kommentare: 1
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Und wieder drei Wochen.....


Mit langen federnden Schritten und einem unĂŒbersehbaren Grinsen auf den Lippen, eilte ich aus der Werkshalle zu meinem Auto. FĂŒr 3 Wochen wollte ich dem Arbeitsalltag entfliehen. Endlich Urlaub. Endlich Ausspannen. Endlich Ruhe, wieder zu mir selbst finden.....
Aber Moment mal!!
In was fĂŒr einem Film befand ich mich ĂŒberhaupt und was versuchte ich mir die ganze Zeit zu suggerieren? Waren diese Erlebnisse nicht denen vorbehalten, die als Junggesellen oder verliebtes Paar in trauter Zweisamkeit ihrem Dasein frönten?
Ich hingegen fuhr weder in den Urlaub, noch konnte ich mir Ruhe und Entspannung erhoffen. Nein, ich begab mich drei Wochen lang in die HĂ€nde meiner geliebten Familie. Sicher warteten sie schon sehnsĂŒchtig auf ihren Papa und Ehemann, um ihn zu empfangen und durch den Urlaub zu geleiten.
Gemeinsamkeiten zu Filmstars waren deutlich zu spĂŒren, denn meine drei Bodyguards, mit Namen Vanessa die Ă€lteste, Daria die JĂŒngste und Renate die Frau, schĂŒtzten mich vor allen Ă€ußeren EinflĂŒssen, wie Ruhe, Entspannung und weiteren UrlaubsgefĂŒhlen, die unbedingt Besitz von mir ergreifen wollten.
Im Mai hatten wir uns schon einen Kurzurlaub am Chiemsee gegönnt und das Geld wurde jetzt ein bisschen knapp. Da der Kredit unserer Eigentumswohnung am Girokonto wie eine gefrĂ€ĂŸige Ratte nagte, mussten wir die kommenden Wochen mit kleineren AusflĂŒgen ĂŒberstehen.
Denn..., nur die ganze Zeit zu Hause,... ich hÀtte mir mein eigenes Grab geschaufelt.

Die erste Woche fing vielversprechend an. Meine Frau und meine zwei Kinder schnĂŒrten ein Ferienausflugspaket, dessen Inhalt, mit Ziel und Dauer der Unternehmung, prĂ€zise festgelegt wurde. Mein Problem lag weniger in einem Desinteresse an FamilienausflĂŒgen. Mir machte vielmehr der Gedanke an einen „All inclusive“ Strandurlaub zu schaffen, der in meinem Kopf nistete, wie die bekannte Made im Speck. Um Ärger mit meiner Frau und den Kindern zu vermeiden, versuchte ich diese penetrante Made, wenigstens im Urlaub, zu betĂ€uben.
Ein Wandertag sollte das Programm eröffnen. Meine Frau wusste doch ganz genau, daß ich ein absoluter Wander- und Spaziergangsmuffel bin.
Schon in meiner Kindheit, als meine Eltern jeden Waldweg erkundeten und mein Vater sich als Expeditionsleiter aufspielte, wĂŒnschte ich mich in die Weiten des Universums. Nur weg von meinen Eltern und deren fixen Idee, kilometerlange MonstermĂ€rsche durch die WĂ€lder zu veranstalten. Jahrelang hatte ich nicht mehr an dieses Trauma gedacht, bis es mich, in Form meiner eigenen Familie, wieder heimsuchte.
Um nur die Schlacht, aber nicht den ganzen Krieg zu verlieren, begab ich mich in mein Schicksal und packte mir den Rucksack auf den RĂŒcken. Einige Zeit trug ich tatsĂ€chlich schwere Brocken der Unzufriedenheit mit durch den Wald. Aber mit dem Hund meiner Schwiegereltern an der Leine (der mich zog wie ein ganzes Pferdegespann), meiner Frau und den Kindern im Nacken (die stĂ€ndig plapperten und so wahrscheinlich die ganzen Tiere aus dem Wald verscheuchten), genoss ich den Spaziergang dann doch noch.
Hundertprozentig lag es am dezent versprĂŒhten, saftigen Geruch der BĂ€ume und Pflanzen, der mich in tranceĂ€hnlichem Zustand die Waldwege bewandern ließ.

Diese erste Woche war sehr von LautstÀrke geprÀgt. Nicht nur die Nachbarn unter uns, die ihren Wohnungsumbau ausgerechnet in meinem Urlaub in Angriff nahmen, sondern auch die Besuche der Freunde meiner Töchter, setzten den akustischen Rahmen in dem ich gefangen war.
Als ich meine Töchter mit ihrer Bande auf den Spielplatz geschickt hatte, setzte ich mich an den Computer und versuchte, mir neue Geschichten auszudenken. Eine Leidenschaft, in der ich alles um mich herum vergessen konnte. Doch kaum befand ich mich in meiner Traumwelt, schon wurde ich durch ein energisches Klingeln und Klopfen herausgerissen. Ein typisches “Papa mach sofort die TĂŒr auf, ich muss aufs Klo“- Klingeln durchdrang meine Ohren.
Meine Assoziationen wurden auch sofort, nach dem ich die TĂŒr geöffnet hatte, bestĂ€tigt.
Meine jĂŒngste Tochter stand tanzend vor der TĂŒr und setzte sofort zum Spurt an, um das loszuwerden mit dem sie nachts manchmal ihr Bett unter Wasser setzte. So ging es eine ganze Weile. Klingeln an der TĂŒr: „Papa ich muß auf`s Klo“. Klingeln: „Papa wir haben Durst“.
Das Szenario fand seinen Höhepunkt als alle Kinder (sechs an der Zahl) vor der TĂŒr standen und ihren restlichen Nachmittag in den Zimmern meiner Töchter verbringen wollten. Somit konnte ich meinen Computer, der sowieso die ganze Zeit sinnlos den Strom verplemperte, wieder ausschalten. Als meine Frau vom Gassi gehen mit dem Hund wieder zurĂŒck war und wir die ganze Meute aus der Wohnung hatten, sollte der krönende Tagesabschluss in einem Biergarten stattfinden.
Ich wurde das GefĂŒhl nicht los, dass irgend etwas in meinem Urlaub nicht so ganz in meinem Sinne lief.
Im Biergarten war die Hölle los und ich musste fĂŒr vier GetrĂ€nke, zwei BratwĂŒrste und zwei riesige Portionen Pommes Frites fĂŒr meine Kinder (die am Ende sowieso ich kalt herunterwĂŒrgen wĂŒrde), eine geschlagene dreiviertel Stunde warten. Zu allem Übel kam noch hinzu, dass sich dieser Biergarten als Treffpunkt „alter Bekannter“ erwies. Bekannte, die man eh nicht leiden konnte und bestimmt nicht im Urlaub treffen wollte. Und ausgerechnet bei ihnen tat sich die einzigste LĂŒcke als Sitzgelegenheit auf, die wir zu diesem Zeitpunkt schlecht ausschlagen konnten.
Unsere Kinder genossen die laue Sommerabendluft auf dem angrenzenden Spielplatz und meine Frau und ich drĂŒckten unsere untrainierten Festbankhintern, bei einer ĂŒbertrieben freundlichen Gesellschaft, platt. Nach drei Stunden wertvoller Konversation wollte auch meine Frau ihre Nerven nicht ĂŒberstrapazieren. Sie lĂ€utete mit einem raffinierten „Ich habe Kopfweh“- Satz die Heimreise ein.
Gott, war ich ihr dankbar. Zaghaft stellte ich die Frage, was denn Morgen auf dem Programm stehe. Die befriedigende Antwort lautete „Baggersee“.
Wenigstens jetzt erhoffte ich mir einen leichten Hauch von Strandurlaub.
Doch hatte ich mich zu frĂŒh gefreut. FĂŒr den Aufenthalt am Baggersee benötigte meine Familie eine gewisse Vorbereitungszeit. Es entfachten sich Diskussionen zwischen den Kindern und meiner Frau, welche Badeutensilien wohl die Richtigen wĂ€ren. Ich hingegen hielt mich ganz bewusst aus diesem hochexplosiven GesprĂ€chstoff raus.
Nach heftigen Durchsetzungsversuchen gelang es den Kindern, ihr gesamtes Badegut mitzunehmen.
WasserbĂ€lle, Sandspielsachen, Luftmatratze und Badetasche fĂŒllten das Auto. Es glich eher einem Umzug als einem Badeaufenthalt. Bevor wir jedoch losfahren konnten, mussten meine 3 Damen sich noch eincremen und die Provianttasche packen. Und das konnte dauern. Ich saß geduldig auf der Couch und beobachtete das Treiben ohne mich mit einem Wort darĂŒber zu Ă€ußern.
Die MĂ€dchen beschmierten sich von oben bis unten mit Sonnencreme und meine Frau kochte in der KĂŒche gerade gesunden Tee fĂŒr uns. Das Gekicher meiner Töchter wurde so laut, dass meine Frau ins Wohnzimmer kam: “Ihr seid ja immer noch nicht fertig. Papa bekommt bestimmt gleich wieder schlechte Laune.“ UnglĂ€ubig schauten mich die beiden an. Kein Wort der Beschwerde war ĂŒber meine Lippen gekommen und doch bekam ich den Schwarzen Peter untergeschoben.

Schon seit der Geburt meiner Ă€ltesten Tochter vor sieben Jahren ĂŒbte ich mich in Geduld. Anfangs, als beide Kinder noch Kleinkinder waren fiel es mir ziemlich schwer, meinen Unmut ĂŒber das ewige „Sachen richten“ unter Kontrolle zu halten.
Scheiterten doch schon damals unsere spontanen Ausgehversuche daran, die Kinder in ihre volle Montur zu zwĂ€ngen oder die Wickeltasche auf ihren korrekten Inhalt zu ĂŒberprĂŒfen. Befanden wir uns dann endlich im ĂŒberfĂŒllten Auto, wurde die Fahrt von einem exklusiven Schreikonzert unserer zwei Operndiven begleitet. Mir waren also die Vorlieben meiner Familie bestens bekannt. Um so weniger verstand ich die Reaktion meiner Frau. Waren es vielleicht schon ihre ersten Urlaubsdepressionen???

Endlich war es dann doch soweit. Wir konnten uns nun in das glutofenheiße Auto setzen und an den Baggersee fahren. Als wir gut durchgebacken am Parkplatz ankamen wurde uns die Entscheidung „Wo parken wir heute?“ schnell abgenommen.
Ein noch freier Schattenplatz wurde von meinem geschicktem Einparkmanöver ausgefĂŒllt. Pluspunkte bei meiner Frau waren mir sicher.
In meinem Eifer hatte ich aber nicht bedacht, dass wir unser „GepĂ€ck“ nun ein ganz schönes StĂŒck zum Eingang schleppen mussten. Schlimmer wie in dem heißen Auto konnte der vollbepackte Spaziergang durch die sengende Mittagshitze auch nicht sein.
Nun galt es, sich einen begehrten Schattenplatz direkt am Wasser zu ergattern. Der Baggersee besaß an dieser Stelle ein riesengroßes strandĂ€hnliches Sandareal, auf dem die Kinder sehr gut spielen konnten. Deshalb wurde diese FlĂ€che ganz besonders von Familien genutzt. Da wir nun einmal durch die Vorliebe meiner drei Damen zu spĂ€t kamen, mussten wir uns mit einem Sonnenplatz zufrieden geben. Gut, daß wir den Sonnenschirm dabei hatten.
Der Sonnenschirm!!!
NatĂŒrlich lag dieser noch im Auto. Und wer durfte den langen Weg durch die unertrĂ€gliche Hitze zu unserem schattigen Parkplatz zurĂŒck marschieren?
Ich konnte mich ja spĂ€ter abkĂŒhlen. Denn Schatten muß sein. Beim ZurĂŒckblicken ĂŒber die GlĂ€ser meiner Sonnenbrille, sah ich wie meine Familie sich vergnĂŒgt ins kĂŒhle Nass stĂŒrzte.
Mit dicken Schweißperlen auf meiner Stirn drĂŒckte ich den Sonnenschirm fest in den Sand. Die brennenden Sonnenstrahlen mussten sich jetzt auch auf unserem Liegeplatz geschlagen geben. Sie hatten in mir ihren Meister gefunden.
Nun konnte auch ich mich ins kĂŒhle VergnĂŒgen stĂŒrzen. WĂ€ren da nicht meine Kinder gewesen die mich auf etwas aufmerksam machten, auf das ich selber hĂ€tte kommen können.
Die Luftmatratze. Die WasserbÀlle.
Man konnte schlecht etwas mit ihnen anfangen, wenn sie nicht prallgefĂŒllt mit Luft waren. Also, die Pumpe her und los.
Die Pumpe !!
Das durfte doch alles nicht war sein. Wie sehr hatte ich mich auf den Baggerseebesuch gefreut. Doch der stand unter keinem guten Stern. Als ich dann auch noch die Pumpe aus dem Auto geholt hatte und meine Pumpe in der Brust passend zum Sommer einen rhythmischen Reggaebeat schlug, ging ich zu Werke. Erst die WasserbÀlle und dann die Luftmatratze. Anscheinend war das noch nicht genug des Guten. Jetzt wollten meine Kinder noch ihre aufblasbaren Wassertiere haben.
Da ich schlecht nein sagen konnte, biss ich in den sauren Apfel, oder besser gesagt ins Ventil. Denn ausgerechnet fĂŒr diese Tiere fehlte der passende Aufsatz an der Pumpe. Mir blieb nichts anderes ĂŒbrig als mit meiner (durch das Rauchen leicht geschwĂ€chten) Lungenkraft die Plastikhohlkammern der Wassertiere zu fĂŒllen. Die vielen Sterne, die ich danach sah, konnte mir kein klarer Abendhimmel bieten.
Noch bevor mich meine FĂŒĂŸe in das funkelnde Wasser tragen konnten, kam meine Tochter Daria mit verkniffenen Mundwinkeln aus dem Wasser auf mich zu.
„Papa ich muß dringend aufs Klo!“.
Keine Toilette der Welt sollte mir fremd sein. DafĂŒr sorgten schon meine Zwei. Egal in welcher Gegend wir uns gerade befanden, die beiden mussten garantiert pinkeln und ich durfte an der Besichtigungstour teilnehmen.

Nachdem ich die SpĂŒlung betĂ€tigte und das Wasser die SchĂŒssel entlang rauschte, fiel es mir wieder ein. Ich wollte mich eigentlich vor langer Zeit im Wasser abkĂŒhlen.
Dem stand ja wohl nichts mehr im Wege.
WĂ€hrend meine Frau sich auf der Luftmatratze ĂŒber die Wellen gleiten ließ, schleuderte ich meine grölenden Kinder abwechselnd meterweit ins Wasser.
Wie an der Schnur gezogen schwammen plötzlich fĂŒnf Freundinnen meiner Töchter dazu und fragten mich, ob ich sie nicht auch einmal durch die LĂŒfte werfen könnte. Um deren Eltern (die sich auf ihren Liegen von der Sonne verwöhnen ließen) nicht zu enttĂ€uschen, willigte ich gedankenlos ein.
Da beim Anblick von Kinderaugen, dass Wort „Nein“, bei mir keinerlei Bedeutung mehr findet, verbrachte ich meine Zeit im Wasser mit Zwerge werfen.
Dank meiner Anstrengungen war ich die absolute Attraktion bei den Kindern. Und das bereitete mir Freude (und eine gewisse Atemlosigkeit).

Wir verbrachten den nĂ€chsten Tag in einem Freizeitpark. Diese Idee hatten noch Hunderte anderer Familien. Gemeinsam mit ihnen pressten wir uns durch den Eingang um so schnell wie möglich an die erste Attraktion zu gelangen .Die Chancen standen gut, an der Achterbahn nicht lange anstehen zu mĂŒssen. Doch ein mir wohlbekannter Satz meiner Töchter, lenkte mein rationelles Denken ganz schnell auf die emotionale Schiene um.

„Papa wir mĂŒssen dringend aufs Klo“.
Wie konnte das möglich sein? Jetzt lagen wir so gut im Rennen und die beiden Pinkeltaschen brauchten einen Boxenstop. Es wÀre eine wundersame Wendung in meinem Leben gewesen, wenn ich die WCs des Freizeitparks nicht von innen gesehen hÀtte.
Nach diesem alltĂ€glichen Vorgang ließen wir auch keine weitere Attraktion mehr aus und stellten uns jedes mal geduldig in die Menschenschlange.
VerblĂŒfft stellte ich fest, wie Kinder jeglichen Alters, in einer solchen wartenden Menschenschlange ausharren können, ohne ein Wort des Frustes hinaus zu quengeln.
Unsere Kinder bekamen vom Karussell fahren nicht genug. Doch meiner Frau und mir sah man die Strapazen, die wir unserem Körper durch das stĂ€ndige auf und ab und hin und her, zugefĂŒgt hatten, ziemlich frĂŒh an. Besonders das schnelle Drehen um die eigene Achse setzte meiner Frau deutlich zu. Bei den Kindern hingegen galt das Motto: „Je schneller, desto besser“.
Ein herzhaftes Lachen begleitete unseren Familienausflugstag und ich konnte beruhigt feststellen, dass mein Urlaub sich kontinuierlich steigerte.
In der zweiten Woche jagte uns ein Grillabend nach dem anderen. Von „exotisch“ bis „deutscher Bratwurst“ wurde unseren Gaumen alles geboten. Doch irgendwann kapitulierte auch der hartgesottenste Geschmacksnerv. Deshalb verloren wir nach dieser Woche den Respekt vor so manchem Grillgut.
Die Grillabende bei Freunden und Verwandten zogen sich oft bis spĂ€t in die Nacht. Daher war es nicht verwunderlich, dass meine Frau und ich , nach einem besonders „anstrengendem“ Abend, den Morgen danach zur Regeneration nutzen wollten.
Das eine oder andere Bierchen vom Vorabend zwang meinen Körper, wie festgenagelt, auf der Matratze zu ruhen. Doch kein Befestigungsmittel der Welt hĂ€tte dem Geplapper meiner Töchter standgehalten. Erst ein komaĂ€hnlicher Zustand wĂ€re in der Lage gewesen, mich vor den akustischen Gewalttaten zu schĂŒtzen. Wie dem auch sei, meine zwei MĂ€dchen rĂŒttelten mich aus meinem dringend benötigtem Schlaf, wĂ€hrend sich meine Frau unter ihrer Bettdecke freudestrahlend rĂ€kelte.
Es bestand nicht die geringste Möglichkeit ihre MĂŒnder abzustellen.
Besonders den meiner Ă€ltesten Tochter nicht. Scherzhaft nannte ich sie die „Reinkarnation der Gisela SchlĂŒter“.
Schlaftrunken und mit riesengroßen AugenrĂ€ndern quĂ€lte ich mich aus meiner noch körperwarmen Bettdecke, die mich einfach nicht loslassen wollte. Ich schob meine FĂŒĂŸe in die Puschen und schlurfte in die KĂŒche, um fĂŒr meine Lieben ein tolles FrĂŒhstĂŒck vorzubereiten.
Wie sonst sollte man so einen quĂ€lenden Morgen ĂŒberstehen? GĂ€hn.

Das Thema Essen, spielt in der Familie meiner Seite eine ernstzunehmend große Rolle. WĂ€hrend des Urlaubs waren wir des öfteren bei meinen Eltern dazu eingeladen.
Wir nannten die Besuche “die große Völlerei“.
Trotz aller Bitten, die Kinder nicht mit Schokolade oder Ă€hnlichem zu ĂŒberfĂŒttern, gingen die beiden bei Oma und Opa durch ein noch nie gesehenes, ĂŒberdimensionales Schlaraffenland aus allen nur erdenklichen SĂŒĂŸigkeiten.
Ich bemĂŒhte mich sehr, den Eskapaden meiner Eltern dieses Mal nicht zu unterliegen. Und dennoch musste ich mich eines Besseren belehren lassen. Wieder tat sich bei mir die Frage auf, warum es sich bei meinen Eltern immer nur ums Essen dreht.
Es gab auch noch wichtigere Dinge auf der Welt, als sich den Wanst voll zuhauen.
Das traditionelle Mittagessen zur Highnoonzeit sollte pĂŒnktlich ĂŒber den Tisch gehen. Da unsere StĂ€rken nicht in der PĂŒnktlichkeit lagen, schlug die Essensuhr meiner Eltern zu einer neuen, von uns erschaffenen, Stunde.
Trotz allem, war der von Schweinebraten und KlĂ¶ĂŸeduft umhĂŒllte, festlich gedeckte Tisch, ein Augen- und Nasenschmaus.
„Niemand reichte nur im geringsten an die KochkĂŒnste meiner Mutter heran.“
Aber immer wieder versuchte sie, ihre Gabe unter den Scheffel zu stellen. Erst ist das zarte StĂŒck Fleisch zu zĂ€h. Dann die Kartoffeln zu mehlig. Versucht man sich am GemĂŒse, ist es angeblich verkocht. Selbst bei Kaffee und Kuchen, ist die selbst gebackene SchwarzwĂ€lder zu matschig und der köstlich gebrĂŒhte Kaffee zu dĂŒnn. Genau diese Punkte zerrten an meinem NervenkostĂŒm.

Als wir unsere bisherigen Urlaubserlebnisse meinen Eltern zu prĂ€sentieren versuchten und meine Mutter unsere Schilderungen mit einem, „aha, aha, mhm, mhm“, unbeteiligt kommentierte, platzte mir fast der Kragen.
Ich musste sofort auf den Balkon um meinem GemĂŒt, bei einer ZigarettelĂ€nge, AbkĂŒhlung zu verschaffen. WĂ€hrend ich nervös an meinem Glimmstengel zog, musste ich tatenlos mit ansehen, wie meine zwei Töchter einen neuen
„Schokoladenvernichtungsweltrekord“ aufstellten.
Mir wurde schlecht.

Nun war er da. Lautlos schlich er sich heran, der letzte Urlaubstag. Ich wusste nicht ob ich weinen oder lachen sollte. Einerseits konnte der Urlaub nicht lang genug sein. Andererseits war es doch schön, den Alltag wieder in seine Arme zu schließen.

Meine Frau und ich genossen den letzten gemeinsamen Abend auf unserer Terrasse (wĂ€hrend die Kinder schon ihr Kopfkissen hĂŒteten) bei einer guten Flasche Wein.
WĂ€hrend ich an dem edlen Tropfen nippte stellte mir meine Frau die Frage, ob ich morgen, außer arbeiten zu gehen, schon etwas anderes geplant hĂ€tte.. „Nein“, entgegnete ich ihr. Nun wollte ich aber natĂŒrlich auch wissen warum sie mich das fragte.
Prompt kam die Antwort, mit einem LĂ€cheln auf den Lippen:
„ Dann kannst du dich morgen an die Straße stellen. Denn morgen ist PROBLEMSTOFFSAMMLUNG“

Da gab ich ihr vollkommen Recht.

Ab und zu war ich das schon. Eine Problemstoff-
sammlung.

Aber es gibt phantastische PhÀnomene zwischen Himmel und Erde, die nur im Kreise der Familie ihre ErklÀrung finden.


__________________
Michel

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Sansibar
Guest
Registriert: Not Yet

urlaub

guten Abend Michel,
willkommen auf der Lupe falls ich das noch nicht getan habe.
Ich schließe mich da an wo es heißt; zu lang.
Richtig erkannt habe ich mich da wo du dich ĂŒbers Wadern Ă€ußerst. Ich mußte jeden Sonntag, wirklich jeden mit Rucksack und Wanderschuhen, den obligatorischen harten Eiern, dem Pudding im Glas und dem geschmolenem Wurstbrot,
wandern. Ich hasse es bis auf den heutigen Tag und versuche immer, falls mein Hund nicht wie blöd zieht, gaaaaanz langsam zu gehen.Und noch eines: Jetzt weißt du warum wir in Deutschland so wenig Nachwuchs haben!
Gruß
Sansibar

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