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Leselupe.de > Anonymus
Und wieder war er da
Eingestellt am 25. 02. 2003 11:52


Autor
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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Und wieder war er da.
Er kam nicht langsam und mit Bedacht.
Nein – er war eine Sturmflut in meinem Geist.
R├╝ttelte er doch mit heftigen Wogen an meiner Erinnerung und nistete sich ein.
Rainer – dunkle, kurze Locken, offenes Lachen, hohe Statur, Anzug, Schlips und schwarze Schuhe.
Seine Augen leuchteten, doch an deren Farbe ist in mir keine Erinnerung mehr ├╝brig geblieben. Nur dieses ehrliche Lachen und das Glitzern.
Er war der erste, der mich per Handschlag in der neuen Firma begr├╝├čte, mir ein freundliches L├Ącheln schenkte und mich willkommen hie├č.
Vielleicht waren es die ersten sechs Wochen meiner Einarbeitung und seiner Betreuung, die mich emotional an ihn fesselten, vielleicht war es nur seine Empathie oder sein Dasein.
Vier Jahre arbeiteten wir Seite an Seite.
Keine Ann├Ąherung meinerseits. Nur sein warmes L├Ącheln, ein etwas l├Ąngerer H├Ąndedruck, in der Teek├╝che ein Blickkontakt und das fachliche Gespr├Ąche unter Kollegen. Nicht mehr von ihm und nicht weniger von mir.
Der letzte Arbeitstag brach an.
Zur Mittagspause hatte ich bereits die Einladungen per eMail auf ihre Reise geschickt und beim T├╝rken nebenan Orangensaft gekauft.
Es waren alle eingeladen – ohne Ausnahme. Selbst meine mich hassende ehemalige Vorgesetzte hatte ich auf der Einladungsliste zustehen und sie kam.
In der Teek├╝che ├Âffnete ich die Sektflaschen, f├╝llte Gl├Ąser mit Saft, verteilte Knabbereien und umarmte Kollegen, die ich f├╝r aufrichtig hielt und sch├╝ttelte H├Ąnde von Kollegen, denen die L├╝ge auf der Stirn geschrieben stand.
Mit Tr├Ąnen in den Augen z├Ąhlte ich die Unterschriften auf der ├╝berdimensionalen Abschiedskarte, ├╝berrascht stellte ich fest – ausnahmslos alle hatten unterschrieben.
Dann eine etwas zu lange Umarmung von Rainer. Fester als n├Âtig dr├╝ckte er mich an sich heran, intensiver als erwartet verweilten seine Lippen auf meiner Wange und die gefl├╝sterten Worte: „Du wirst mir fehlen“ h├Âre ich heute noch.
Und nun war er wieder da.
In meinem Kopf.
Seit diesem Abschied schleicht er sich immer wieder in meine Erinnerung zur├╝ck. Einem Geist ├Ąhnlich, der noch eine Rechnung zu begleichen hat. Seine Schuld abb├╝ssen muss oder mich qu├Ąlen muss, weil ich mich nicht traute ihm tiefer in die Augen zu schauen, fester die Hand zu dr├╝cken, intensiver in seiner N├Ąhe zu sein.
Er spukt in meinem Traum, n├Ąhert sich mir, h├Ąlt meine Hand, k├╝sst mich und verschwindet in der D├Ąmmerung.
Dann war er da.
Und hinterl├Ąsst in mir das Tr├╝mmerfeld meiner Gef├╝hle.

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Arno1808
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo anonymus,

abgesehen von ein paar Fehlerchen (Dativ) ein sch├Âner und interessanter Text.

Ausgesprochen gut hat mir gefallen, wie Du am Ende mit den Worten 'dann war er da' den Kreis der Schilderung schlie├čt.

Gru├č

Arno


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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

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hm,

eine sehr angenehme und anr├╝hrende alltagsgeschichte. gef├Ąllt mir. aber zwei anmerkungen: man sieht den Slip nicht durch den anzug hindurch, du hast sicher schlips gemeint. und sie stellte ├╝berraschend fest, nee, du meinst ├╝berrascht, denke ich. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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