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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ungelogen
Eingestellt am 09. 12. 2010 14:16


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VCNeno
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jun 2003

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Ungelogen

Um mal bei der Wahrheit zu bleiben. Ich möchte Ihnen hier an dieser Stelle eine kleine Geschichte erzĂ€hlen. Sie beruht auf Tatsachen, ungeschönt und unverblĂŒmt, völlig ungelogen und unverfroren, tische ich Ihnen nur die absolute und reine Wahrheit auf. Meine Ehrenwort, so wahr mein Name Alfred, der Dritte ist.

Begab es sich doch zu jener Zeit in Kindertagen in der meine Person noch ein Bube ward. Zwar einem DreikÀsehoch gleich, doch clever im Kopf, flink auf den Beinen und einem Antlitz, das seinesgleichen suchte. Mögen sie sich, liebe Leser selber einen Reim daraus machen.
Der kleine Bub, also ich, wollte eines Tages zur Schule. Genaugenommen war es auch keine Frage des Wollens als eher des MĂŒssens.
Wie hÀtte es auch anders sein können.!
Es waren keine Ferien, aber ein Samstag und dank diesem Umstand nahmen die Ereignisse auch ihren Lauf. Ach, wĂ€r es doch bloß ein gewöhnlicher Montag gewesen, ein Dienstag hĂ€tt's auch getan. Das Malheur wĂ€r ihm erspart geblieben.
Ja ein Samstag. Die nicht ganz so jungen unter euch hochwohlgelobten Lesern wissen es noch. Es gab einmal eine Zeit, in der man es tatsÀchlich fertigbrachte kleine, unschuldige Kinder auch samstags in eine sogenannte Bildungsanstalt zu zwingen. Eine wenn doch beschÀmende, aber wahre Tatsache. Sie wissen es noch, ich versprach Ihnen Tatsachen.
Also, zurĂŒck zum Buben, der zur Schule wollte/musste.
Ein grausamer, ohrenbetĂ€ubender, infernalischer und bis ins Mark erschĂŒtternder Krach, der Wecker, riss ihn aus seinen TrĂ€umen. Dieser Traum wĂ€re schon fĂŒr sich allein eine Geschichte grĂ¶ĂŸeren Umfanges wert. Doch nicht an dieser Stelle!
Ein beherzter Sprung aus dem Bett, wohl im Nachhinein schon der erste Fehler an diesem Morgen, berĂŒcksichtigte man das vermaledeite Skateboard am Fußende des Bettes und die angeschlagene Nase, nachdem man auf eben dem Board ausrutschte und dann trotz eines gekonnten Salto vorwĂ€rts mit anschließendem Abrollen, eine Leistung, das wohl jedem professionellen Stuntman zur Ehre gereicht wĂ€re, am Ende dennoch auf benannter Nase landete.
Zum GlĂŒck verlief dann die allmorgendliche KatzenwĂ€sche, sei hier das Fehlen einer modernen Dusche oder gar einer Badewanne doch verziehen, ganz ohne grĂ¶ĂŸere ZwischenfĂ€lle. Kommen wir zum FrĂŒhstĂŒck.
Nachdem Alfred den eben vollgepackten Schulranzen neben die TĂŒr gepfeffert hatte und sich gerade ĂŒber ein Toastbrot hermachte, vernahm er ein plötzliches, schallendes GelĂ€chter. Ein Blick ĂŒber die Schulter zeigte ihm seine Schwester, vor Lachen gekrĂŒmmt im TĂŒrrahmen stehend, hielt sie sich den Bauch. Angemerkt sei noch ihr sonst so, zu dieser Zeit, stilles und schĂŒchternes Wesen in Kombination mit einer unĂŒbertroffenen, morgendlichen Miesepetrigkeit. Dies hĂ€tte ihm zu denken geben mĂŒssen.
Tat es auch, doch der Gedanke war, nach dem Blick auf die Uhr, schnell verflogen. Stehenden Fußes schnappte er sich seine Jacke, warf den Ranzen ĂŒber und war schon aus der TĂŒr. Die Zeit drĂ€ngte. Zur ersten Stunde stand samstags immer der Deutschunterricht an und die Lehrerin, sei hier nicht weiter auf Ihre Person eingegangen, war eine ordnungsliebende und zutiefst pĂŒnktliche Frau. Nun ja, es muss auch solche Menschen geben.
Der Toast steckte immer noch zwischen Alfreds ZĂ€hnen, wĂ€hrend er bereits das Gartentor verließ. WĂ€re er nicht schon lĂ€ngst aus Gewohnheit immun gegen das Gezeter seiner Mutter gewesen, so hĂ€tten ihre Rufe aus der HaustĂŒr heraus vielleicht sein Schicksal an diesem Tage doch noch zum Besseren wenden können.
Und so spazierte unser Alfred, schwer bepackt und etwas gehetzt seines Weges. Vorbei am gelben TelefonhĂ€uschen, das schon bessere Tage gesehen hatte. An der Kreuzung links und rechts geschaut und schnell bei roter Ampel rĂŒbergehuscht als es passierte...
Ein Herr, schwarzer Mantel, schwarzer Hut, eine bis ins kleinste korrekte Erscheinung, lief geradewegs in Alfred hinein. Sicherlich ließe sich nun streiten, ob der feine Herr den Burschen oder der zerstreute Bursche nun den Herrn umgerannt habe. Es ließe sich streiten, tat es aber nicht und so bleibt es bei den Fakten: Der korrekte Herr setzte sich fein sĂ€uberlich auf den Hosenboden.
„Ohje!“ dachte sich der gute Alfred. Ausgerechnet den Herrn Griesgram hatte er umgerannt und setzte sogleich eine wahrlich betroffene Miene auf, als er ihn nun erkannte. Herr Griesgram hingegen, nicht sein bĂŒrgerlicher Name freilich, sondern nur von Alfred so benannt, weil ebendieser nur selten ohne Griesgram im Gesicht anzutreffen, setzte sich gemĂ€chlich wieder auf, wischte mit einigen krĂ€ftigen SchlĂ€gen den Schmutz vom Mantel und musterte den kleinen Delinquenten mit einem zunĂ€chst argwöhnischen, doch dann schmunzelnden Blick von Kopf bis Fuß und schĂŒttelte belustigt den Kopf. Er wollte schon etwas sagen. Alfred jedoch nahm Reißaus, noch bevor es sich der gute Herr anders ĂŒberlegen und ihn ausschimpfen konnte.
Mit stetigem Blick auf die Uhr und schnellen Schrittes erreichte der Knabe letztlich das Schultor. Verschlossen!
Mist! War er doch zu spÀt? Hatte man ihn bereits ausgesperrt?
Alfred warf den Kopf in den Nacken und versuchte in eines der recht hoch angelegten Klassenzimmerfenster zu spÀhen um jemanden vielleicht herbeiwinken zu können. Nichts. Zwar konnte er nur in zweien der Fenster sehen, doch die standen beide leer. Sein Magen machte sich langsam bemerkbar, als ein unguter Gedanke langsam in Ihm Gestalt annahm.
Verstohlen und nervös blickte er sich um. Nur ein paar Passanten blieben kurz stehen und schĂŒttelten den Kopf, als sie ihn mutterseelenallein am Schultor stehend sahen.
Auf der Eingangstreppe hockend ging Alfred alle Ereignisse des Morgens nochmal durch. Er wusste es bereits, suchte aber den entscheidenden Moment, wie es passieren konnte.
Seit einigen Monaten war nĂ€mlich der regelmĂ€ĂŸige, samstĂ€gliche Schulbesuch von Gesetzes wegen dahingehend geĂ€ndert worden, dass man nun nur noch alle 2 Wochen im Wechsel an einem solchen eben besagte Einrichtung zu besuchen hatte.
Gut. Wer es noch nicht erraten hat, dem wird wohl folgende Schlagzeile weiterhelfen die in den darauffolgenden Tagen im Rahmen der SchĂŒlerzeitung die Runde machte.

"Alfred D. Neuerdings strebsam wie noch nie!
Wie einer an einem freien Tag die Schule besuchen wollte!"

Letzten Endes bleibt noch zu sagen: Wer den Schaden hat, braucht fĂŒr den Spott nicht zu sorgen und eine gewisse miesepetrige Petze ist der Quell fĂŒr die nĂ€chste Geschichte, die sich ganz der Vergeltung verschreibt.

Mit diesen Worten, euer Alfred D.

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