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Leselupe.de > Kindergeschichten
Ungleiche Freund
Eingestellt am 10. 06. 2016 20:13


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LUPESIWA
Festzeitungsschreiber
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Ungleiche Freunde

Aus einem dicht mit Moos bewachsenen Baumstumpf, lugt ganz vorsichtig eine kleine Haselmaus hervor. Mit den großen schwarzen Knopfaugen blinzelt sie in die letzten Strahlen der untergehenden Aprilsonne.
Lange Monate hatte sie im Winterschlaf geruht und ist ganz dünn geworden. Jetzt flitzt sie heißhungrig los und frisst eine Menge Gras, kleine Knospen, Samen und Insekten. Übermütig klettert sie von Baum zu Baum. Da verfehlt sie einen Ast, fällt nach unten und plumpst in ein tiefes Wasserloch. Mit aller Kraft versucht sie heraus zu krabbeln.
Plötzlich baut sich ein großer Schatten vor ihr auf; eine Wildkatze – ein schlimmer Feind. Vor Schreck rutscht die kleine Haselmaus ins Wasser zurück.
„Was machst du da unten?“, miaut die Katze sie an. „Willst du schwimmen lernen?“
„Lass mich raus“, piepst die Maus verzweifelt. „Ich kann mich nicht mehr lange halten.“
„Ich könnte dir helfen“, schnurrt die Katze, „dann könnte ich dich fressen. Aber eigentlich bin ich heute satt. Vielleicht spiele ich auch nur mit dir.“
Das Mäuschen rutscht immer tiefer ins Wasser und blinzelt sie ängstlich an.
„Nun komm schon“, miaut die Große, „ich tu dir nichts.“
Die kleine Haselmaus gibt sich einen Ruck und krabbelt mit letzter Kraft auf die herunter hängende Pfote. Ganz erschöpft bleibt sie bibbernd und klitschnass darauf liegen.
Unbeweglich starrt die Katze mit ihren weit auseinander stehenden grünen Augen auf den Winzling. Sie ist bestimmt zehnmal größer als die kleine Maus. Der Jagdtrieb in ihr regt sich aber nicht.
Doch die kleine Maus traut ihr nicht. Erst stellt sie sich tot, springt dann plötzlich von der Pfote, saust im Zick zack durchs Moos und klettert hoch in einen Baum. Mit ihrem langen Schwanz hängt sie sich an einen Ast und guckt nach unten.
„Eh, du kleines Biest hast mich reingelegt!“, faucht die Katze böse. „Aber glaube mir, dich krieg ich noch!“ Und weg ist sie.
Das Mäuschen hat für den ersten Tag genug. Sie baut sich weit oben im Baum ihr rundes Nest aus Gras und Zweigen und versteckt sich.

Am nächsten Nachmittag ist sie vorsichtiger. Sie hält die Augen und die kleinen runden Ohren offen, späht erst viele Male umher, bevor sie auf Nahrungssuche geht.
Da trägt ihr der leichte Wind wehleidige Geräusche zu. Sie saust in die Richtung und entdeckt auf einer Lichtung die große Wildkatze.
Das dicke bräunliche Fell mit dem schwarzen Mittelstreife ist aufgeplustert. Die rosa Nase ist blutig gestoßen und sie rennt jämmerlich miauend im Kreis. Eine Hinterpfote hängt in einem Strick fest.
„Was machst du für Sachen?“, piepst die Maus. „Bist wohl in eine Falle gelaufen!“
„Das weiß ich selber“, faucht die große Katze zurück und versucht verzweifelt aus der Schlinge heraus zu kommen. Aber die zieht sich immer fester zu.
Die Maus überlegt eine Weile.
„Halt still!“, trumpft sie dann auf. „Ich habe scharfe Zähne, ich helfe dir.“
Nach einer Ewigkeit ist der Strick durchgenagt. Die Katze zerrt sich die Schlinge von der Pfote und steht riesengroß vor der kleinen Haselmaus.
„Danke“, schnurrt sie, „kannst mein Freund sein. Komm, setz dich auf meinen Rücken. Ich muss auf die Pirsch.“
So streifen sie eine Weile im Wald umher. Gerade will die Katze eine Wühlmaus schnappen, da beißt ihr die kleine Haselmaus von oben in die Nase.
„Was soll das!“, faucht die Große drohend und schüttelt sie ab.
„Ich kann das nicht“, piepst die kleine Maus.
„Was kannst du nicht?“
„Dein Freund sein. Wir passen nicht zusammen. Du frisst am liebsten Mäuse, vielleicht meine Geschwister."
Verdutzt starrt die Wildkatze auf das kleine Wesen.
„Du hast recht“, schnurrt sie wieder. „Ich such mir ein anderes Jagdrevier. Und wenn du mir über den Weg läufst, dann mach dich bemerkbar.“
Sie schleicht davon und die kleine Haselmaus flitzt etwas wehmütig auf ihren Baum.

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Die Träume sind frei

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