Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92264
Momentan online:
447 Gäste und 11 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Horror und Psycho
Unheimliche Geschehnisse
Eingestellt am 30. 07. 2002 17:21


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
goblin
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jul 2002

Werke: 1
Kommentare: 3
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Schwestern



Das Haus war alt und gro├č, inmitten der verdreckten Fabriksbauten rings umher wirkte es wie ein Relikt aus einer l├Ąngst vergangenen Epoche. Spitze B├Âgen aus r├Âtlichem Stein umrahmten die hohen Fenster, bizarr geformte Wasserspeier hockten in gedrungener D├Ąmongestalt an den Ecken eines jeden Stockwerks und die Eingangst├╝r glich einem Burgtor, ein riesiges Portal wie eine klaffende Wunde in der steinernen Wand, deren Sog man sich nicht entziehen konnte.
Eric beobachtete, wie hunderte junge Menschen sich durch den Einla├č dr├Ąngten, nachdem sie die strenge Kontrolle der T├╝rsteher ├╝ber sich ergehen lassen hatten. Und der Strom aneinanderdr├╝ckender K├Ârper ri├č nicht ab, er schien von einer halben Unendlichkeit an Leibern gespeist zu werden. Sie alle wollten in das alte, gro├če Haus. Keiner wollte sich diesen Abend entgehen lassen, denn das sogenannte X-treme Clubbing fand nur einmal im Jahr statt, und mittlerweile war es zu einer derart legend├Ąren Veranstaltung geworden, da├č sein Ruf bis weit ├╝ber die Stadtgrenzen hinaus gedrungen war und die Leute sogar aus unz├Ąhligen Nachbarst├Ądten herbeistr├Âmten, um diesem ÔÇ×Mega-EvantÔÇť beizuwohnen.
Langsam verfinsterte sich der Himmel, stellte Eric fest und tat einen letzten Zug an seiner Marlboro. Graue Wolkenfinger schoben sich vor das Blaugr├╝n des schwindenden Tages und noch einmal lie├č die sinkende Sonne die Fensterscheiben des Geb├Ąudes hinter ihm in blendendem Glei├čen aufgl├╝hen, dann zog sie sich hinter den dunklen, hoch aufragenden Umri├č des alten Hauses zur├╝ck und lie├č die Schatten in die Stra├če fluten.
Entfernt waren die Ger├Ąusche der pulsierenden Stadt zu h├Âren, Motorl├Ąrm, Hupen, hin und wieder die Sirene eines Einsatzfahrzeugs. Doch hier, mitten im Industriegebiet, schienen diese Kl├Ąnge wie aus einem unruhigen Traum zu stammen. W├Ąren nicht die Menschenmassen vor dem alten Haus und die Motorger├Ąusche der diese herbringenden Autos gewesen, h├Ątte vermutlich eine alles durchdringende Stille zwischen den um diese Zeit verlassenen Fabriksgeb├Ąuden geruht.
Mit der Zehenspitze dr├╝ckte Eric seine Zigarette aus und ├╝berquerte die Stra├če, um sich in die lange Schlange der Einla├č Begehrenden einzureihen. Jedes Jahr veranstalteten sie dieses Clubbing an einem anderen Ort, der bis eine Woche vor der Veranstaltung geheimgehalten wird. Und dennoch finden sich jedesmal derart viele Leute ein, wunderte er sich.
Eigentlich hielt sich Eric bereits zu alt f├╝r Clubbings, und er hatte lange ├╝berlegt, ob er ├╝berhaupt herkommen sollte, doch insgeheim hatte er gehofft, Mona wiederzutreffen.
ÔÇ×Mona!ÔÇť seufzte er bei dem Gedanken an sie.
Und sein geistiges Auge glitt ├╝ber ihre makellose Erscheinung, gro├č, schlank, leuchtende Augen, die erschreckende Intelligenz widerspiegelten. Sein Herz begann zu klopfen. Mona! Ein gesamtes Jahr hatte er nach ihr gesucht, hatte jeden Winkel der Stadt nach ihr durchk├Ąmmt, Annoncen in Zeitungen aufgegeben, ja, sogar einen Detektiv beauftragt. Vergeblich! Als h├Ątte sie nie existiert.
Aber einen Ort kannte er, wo er sie zu treffen hoffen konnte: Das X-treme Clubbing. Hier hatte er sie vor vier Jahren kennengelernt, hatte die Nacht durchgetanzt mit ihr, doch allen anderen ihrer Verlockungen widerstanden ÔÇô auch wenn es ihm ├Ąu├čerst schwergefallen war. Damals hatte er eine Freundin gehabt, und diese hatte er nicht hintergehen wollen.
Im darauffolgenden Jahr indes, waren seine Gedanken beherrscht von Mona, er hatte sie nicht mehr vergessen k├Ânnen. Selbst in seinen Tr├Ąumen war sie ihm erschienen, hatte gelacht, ihm zugezwinkert und unvorstellbare Verhei├čungen ins Ohr gefl├╝stert. Schwei├čgebadet war Eric jedesmal hochgeschreckt aus seinem Schlaf, wollte die Erinnerung an sie aus seinem Ged├Ąchtnis l├Âschen, doch so sehr er sich dessen bem├╝ht hatte, um so mehr hatte sich der Wunsch nach einem Wiedersehen mit Mona in sein Denken gefressen.
Schlie├člich trennte sich Eric von seiner Freundin. Er konnte ihr Gesicht, ihre Stimme und ihre ganze unbeschwerte Art, ihr Leben zu leben, nicht mehr ertragen. Ihre r├╝cksichtsvolle Liebe ihm gegen├╝ber hatte ihm die Mona-Manie nachgesehen, doch er f├╝hlte sich von ihr erdr├╝ckt.
Dann kam abermals der Tag des Clubbings und Eric ging mit Freunden hin. Und wie er ├╝ber alles ersehnt hatte, traf er Mona. Er tanzte, lachte, scherzte mit ihr. Er wollte sie an sich ziehen und k├╝ssen, doch sie wehrte sich. Er er├Âffnete ihr, da├č er seine Freundin nur wegen ihr verlassen hatte, doch sie zuckte blo├č mit den Schultern und verschwand in der Menge aus zum Rhythmus zuckenden Leibern.
Das Jahr zwei nach Mona kam. Eric zog sich immer weiter zur├╝ck, wechselte seine Arbeit, verlor sie schlie├člich, lebte nun in einer kleineren Wohnung und hatte nur noch mit wenigen Menschen Kontakt. Seine ehemalige Freundin heiratete inzwischen seinen fr├╝heren besten Freund und siedelte um in eine andere Stadt.
Und wieder ereilte Eric die Nacht des Clubbings, und er besuchte es. Auch Mona war dort. Zun├Ąchst ignorierte er sie, wollte seinen durch ihre Abweisung gekr├Ąnkten Stolz aufpolieren, ja, er k├╝├čte sogar ein anderes M├Ądchen vor ihren Augen. Doch der Ku├č schmeckte schal, und Eric w├╝nschte sich nichts sehnlicher, als Monas Lippen sp├╝ren zu d├╝rfen. Schlie├člich sprach er sie an, sie wandte sich ihm zu und ein verspieltes L├Ącheln legte sich auf ihre Z├╝ge. Dann dr├╝ckte sie ihn an sich, tanzte eng mit ihm und er konnte durch ihren d├╝nnen Latexanzug ihren K├Ârper sp├╝ren ÔÇô elektrisierend k├╝hl.
Als Eric erwachte, f├╝hlte er sich schwach und er lag in einem n├╝chternen Zimmer eines Krankenhauses. Keiner konnte ihm so recht erkl├Ąren, was vergangene Nacht mit ihm geschehen war, aber er war total entkr├Ąftet von einem Freund in einer Nebengasse gefunden worden. Die ├ärzte vermuteten einen nicht nachweisbaren Drogencocktail, doch Eric hatte noch nie Drogen genommen. Seine Erinnerung an letzte Nacht endete mit dem Tanz mit Mona. Und alleine der Gedanke daran lie├č sein Blut in Wallung geraten.
Er suchte nach Mona. Er war so besessen von der Idee, sie zu finden, und vernachl├Ąssigte alles andere derart, da├č sich auch die letzten seiner Freunde von ihm abwandten. Doch es war ihm gleichg├╝ltig.
Schlie├člich erkannte er aber, da├č all sein Leiden von der fixen Vorstellung herr├╝hrte, Mona begegnen zu wollen. Er begab sich in psychotherapeutische Behandlung, fand wieder ein Minimum an Gleichgewicht im Leben und machte sich auf die Suche nach Arbeit.
Dann r├╝ckte der Tag des Clubbings immer n├Ąher.
Schleichendes Unbehagen machte sich in Eric breit. Der Gedanke an Mona lie├č ihn bleich werden und Schwei├č aus seinen Poren str├Âmen, seine Finger zittern und Nebel vor seinen Augen wabern.
Ich bin zu alt, um mein Leben an eine Wahnvorstellung zu verschwenden, sagte er sich. Wenn ich nicht mehr hingehe, vielleicht kann ich Mona so aus meinem Kopf vertreiben.
Aber Eric ging hin. Er konnte nicht anders. Doch ging er nicht hin, um Mona endg├╝ltig f├╝r sich zu gewinnen. Nein, er ging hin, um ihr Lebewohl zu sagen.
So stand er in der Reihe der lachenden, johlenden, feiernden Menschen, und er war alleine. Er kannte keinen einzigen, und die eine Person, die er kennen konnte, durfte er nur treffen, um sich von ihr loszusagen.
Gro├č und keinen Widerspruch duldend ragten die T├╝rsteher zu beiden Seiten des Eingangsportals auf, breite Gestalten in dunklen Anz├╝gen und mit grimmigen Gesichtern. Rasch winkten sie die n├Ąchsten zehn Leute durch die Absperrung, und Eric wurde durch den Schlund in das alte Haus gezogen, tauchte ein in die Welt aus wummernden Beats, grellem, flackerndem Licht, ausgelassenem Gekreische und sich windenden schwitzenden Leibern. Wirbelnde Schatten, verzogene Fratzen, der Geruch von Alkohol und K├Ârperausd├╝nstungen.
Schweigend streifte Eric durch die wogende Masse, wie ein Wolf, der sich auf Jagd befand. Doch er wu├čte nicht, ob er der J├Ąger oder die Beute war.
Seine Augen schmerzten in dem immer wieder von Lichtblitzen unterbrochenen Zwielicht. Von allen Seiten schoben und dr├Ąngten feuchte, stinkende K├Ârper, und Eric f├╝hlte sich mit einemmal wie ein Ertrinkender, der zwischen den sturmgepeitschten Wellen eines tosenden Ozeans zerrieben wurde.
Dann erblickte er die hypnotische Intensit├Ąt zweier Leuchtfeuer, und ihm wurde hei├č und kalt sogleich. K├╝hler Schwei├č lief ihm ├╝ber das brennende Gesicht und brannte in den Augen, w├Ąhrend sein gl├╝hender K├Ârper von Schauern klirrenden Frosts gebeutelt wurde.
Wie in Zeitlupe sch├Ąlte sich Mona aus der Masse an tanzenden Leibern, und ihr Blick war starr auf ihn gerichtet. Eric konnte den seinen ebensowenig von ihr abwenden wie die Maus den ihren von der vor ihr aufragenden Schlange.
Die Strahlkraft Monas Augen war ungebrochen, ein seltsames L├Ącheln umspielte ihre gl├Ąnzenden Lippen; ihr K├Ârper geschmeidig mit flie├čenden Bewegungen, nur bedeckt von einer weit ausgeschnittenen hellen Bluse und einem schwarzen Minirock, der bereits endete, bevor er richtig begann. In ihrem Dekollet├ę wogten ihre ├╝ppigen Br├╝ste bei jedem Schritt, die schwarze M├Ąhne fiel ihr wirr in das schmale Gesicht und auf die Schultern.
Mona, h├Ąmmerte es in Erics Kopf. Seine schwei├čnassen Finger verkrampften sich, krallten sich in seine Hose, w├Ąhrend er nach Luft schnappte wie ein Erstickender, denn seine Lungen waren leer und das Atmen wollte ihm nicht gelingen. Er f├╝hlte Schwindel in sich hochsteigen, gef├Ąhrliches Klingeln in den Ohren, sich ausbreitende Schw├Ąrze vor den Augen, und die Beine f├╝hlten sich weich wie Pudding an, drohten den Dienst zu versagen. Unter h├Âchster Anstrengung gelang es Eric, Luft in seine Lungen zu saugen, und er versp├╝rte schmerzhaftes Brennen in seiner Brust. Stimmen und Musik waren mit einemmal so fern, traten aus seinem Bewu├čtsein, doch ganz, ganz nah konnte er den Atem Monas vernehmen, und angenehme K├╝hle streifte seine Wange. Dann schwebte ihr Duft in sein Empfinden und explodierte wie ein Feuerwerksk├Ârper zu einem bunten, glitzernden Stern in seinem Kopf. Gefangen von ihrem bet├Ârenden Geruch durchlebte Eric einen Rausch der Sinne jenseits all seiner Vorstellungskraft.
Als er das n├Ąchste Mal des Bildes vor seinen Augen bewu├čt gewahr wurde, sah er Monas Gesicht direkt vor sich, und sie schmiegte sich an ihn, und er sp├╝rte ihren vibrierenden K├Ârper. Ekstatische K├╝hle machte sich in ihm breit und lie├č ihn vor Erwartung zittern, ihre Ber├╝hrungen waren schmerzhaft und unendlich lustvoll zugleich, und von einem wohligen Schauer in den n├Ąchsten gleitend, f├╝hlte er seine Erektion bis zum Bersten wachsen.
Dann dr├╝ckte Mona ihre Lippen auf die seinen, und vor Erics innerem Auge gingen Welten in Flammen auf und neue Universen wurden geschaffen. Eine Symphonie aus bitterstem Schmerz und rauschhafter Wonne durchflutete sein gesamtes Sein, und jeder einzelne Nerv wollte vor dem Ansturm durcheinanderwirbelnder, ├╝bersch├Ąumender Empfindungen zerspringen.
Es war wie eine Bewu├čtwerdung seines eigenen K├Ârpers, wie ein Kennenlernen seines innersten Ichs. Als w├╝rden einem Blinden zum erstenmal die Augen ge├Âffnet f├╝r die unnachahmliche Sch├Ânheit der Welt, f├╝r die brodelnde Pracht von Farben und Formen. Und Eric wand sich in einem Taumel sinnlicher Wahrnehmung nie gekannter Gef├╝hle an der Grenze zur Ohnmacht.
Dann l├Âste Mona ihre Lippen von den seinen und machte mehrere Schritte zur├╝ck, wurde von der tanzenden Menge verschluckt. Zum erstenmal, seit er sie vor wenigen Sekunden (oder vielen Stunden? ÔÇô er wu├čte es nicht zu sagen) erblickt hatte, sch├Ąlten sich wieder Menschen, Musik und s├Ąmtliche andere Eindr├╝cke um ihn herum aus den wabernden Nebeln des Vergessens, die alles bis auf Mona verschlungen gehabt zu haben schienen.
Nun war wieder alles da: Laut wummernder Techno-Sound, verschwitzte Leiber, gr├Âlende Feiernde, Lichtblitze und die schwere, abgestandene Luft des fensterlosen Saals. Eric f├╝hlte sich unter den pl├Âtzlich auf ihn einst├╝rzenden Eindr├╝cken des Clubbings wie erschlagen; ein Fremdk├Ârper in einer feindlichen, ihn zu erdr├╝cken drohenden Masse zuckenden Fleisches.
Wo war Mona?
Panik machte sich in ihm breit, und er bahnte sich einen Weg durch die Flut der Tanzenden, schob, dr├╝ckte, dr├Ąngte, wollte einfach nur weg aus dem wogenden Menschenmeer. Fremde Gesichter tauchten aus den Schatten vor ihm auf, wenn ein Lichtblitz die Finsternis durchschnitt, schienen ihn anzustarren, verzerrte Fratzen d├Ąmonischer Kreaturen, alle einem d├╝steren Techno-Gott huldigend.
Schwei├čgebadet erreichte Eric die Bar an dem Rand der Tanzfl├Ąche und krallte seine Finger hilfesuchend in das Holz. Dann fiel sein Blick auf Mona. Sie stand wenige Meter neben ihm, sah aber in die andere Richtung. Hoffnung durchflutete Eric, als ihr verhei├čungsvoller Duft bis zu ihm str├Âmte, und gierig saugte er ihn in die Lungen.
Da tauchte eine weitere junge Frau auf, hielt auf Mona zu, schlang ihre Arme und ihr linkes Bein um sie und begann sie heftig zu k├╝ssen. Zun├Ąchst den Hals, dann aufw├Ąrts ├╝ber Wange und Kinn bis zum Mund.
Eric schluckte, seine Gedanken wirbelten durcheinander. Pl├Âtzlich drehten sich beide Frauen in seine Richtung und l├Ąchelten ihn an, ein seltsames Funkeln in ihren Augen, und ihm wurde hei├č und kalt zugleich.
Irgendwoher kannte er Monas Gespielin, und dann fiel es ihm ein. Sie war das M├Ądchen, das er vor einem Jahr in ihrem Beisein gek├╝├čt hatte, ein niedliches, aber unspektakul├Ąres kleines Ding. Doch nun ├╝bte sie eine seltsame Wirkung auf ihn aus, ja, schien Mona in nichts nachzustehen. Ihr Blick war k├╝hl und stechend, ihr Teint bla├č und makellos, der aufreizend sch├Âne K├Ârper kaum bedeckt vom engen Silberkleid, das blonde Haar nun k├╝rzer und mit Gel streng nach hinten frisiert.
ÔÇ×Wer...?ÔÇť wollte Eric wissen.
Lisa, t├Ânte die Antwort in seinem Kopf. Meine Schwester!
Hatte Mona seine Frage bei der lauten Musik ├╝berhaupt h├Âren k├Ânnen? Und wie hatte er ihre Worte verstehen k├Ânnen?
Gebannt beobachtete Eric, wie Lisa langsam den Mund ├Âffnete und ihre feuchtgl├Ąnzende Zunge leicht nach oben gebogen herausstreckte, w├Ąhrend ihre Hand von Monas Taille aufw├Ąrts unter die Bluse wanderte und dort mit kreisenden Bewegungen deren rechte Brust streichelte. L├Ąchelnd ├Âffnete nun auch Mona ihre Lippen und tippte mit der Spitze ihrer Zunge auf die ihrer Schwester.
Eine Woge ungez├Ąhmter Lust durchstr├Âmte Erics zitternden K├Ârper. Mit einer Hand sich immer noch an der Bar abst├╝tzend, wischte er sich mit der anderen den Schwei├č von der Stirn und zuckte beinahe zusammen, als ihn Monas durchbohrender Blick traf.
Folge uns!
Wie ein Schlafwandler trottete Eric hinter den beiden Frauen her, lie├č Techno-Beat, Lichtblitze und Menschenmenge hinter sich. Eine unscheinbare T├╝r f├╝hrte aus dem gro├čen Saal hinaus auf einen schmalen, schlecht beleuchteten Gang mit gr├╝nen W├Ąnden. Vereinzelte sich k├╝ssende P├Ąrchen besetzten die dunkleren Ecken, eine Gruppe kichernder M├Ądchen kam aus der Damentoilette und strebte der Tanzfl├Ąche zu. Hinter einem Vorhang schlo├č sich ein weiterer Gang an, g├Ąnzlich unbeleuchtet, nur durch die verdreckten Fenster fiel sp├Ąrliches Licht von Stra├čenlaternen. Wuchtige Bierf├Ąsser flankierten die linke Wand.
Mona und Lisa waren nur als Silhouetten zu erkennen, vollendete Silhouetten verf├╝hrerischer, anbetungsw├╝rdiger Weiblichkeit. Ihre runden Hinterteile vollf├╝hrten neckische Bewegungen wonneversprechender Andeutungen.
Unvermittelt trat Eric auf etwas Weiches. Er b├╝ckte sich und hob es auf. S├╝├čer Duft stieg in seine Nase. Und als er Monas Bluse in seiner Hand erkannte, begann sein Herz schneller zu schlagen und er beeilte sich, die zwei Frauen nicht zu verlieren. Gerade noch ersp├Ąhte er sie links durch eine T├╝r treten, Monas wogende Br├╝ste als schwarzer Schattenri├č vor einem Fenster.
Sto├čweise atmend, lief er die letzten Meter bis zum Gangende und folgte den Schwestern durch sie T├╝r. Beinahe w├Ąre er die Treppe hinabgest├╝rzt, die sich hier anschlo├č. Nur von wenigen, flackernden Neonr├Âhren erhellt, f├╝hrten die Stufen hinab.
Ohne zu z├Âgern eilte Eric den Frauen nach und gelangte in einen langen Korridor mit steinernen Mauern, irgendwo vor ihm verhallende Schritte. W├Ąhrend er durch den d├Ąmmrigen Gang lief, stie├č er auf immer mehr Kleidungsst├╝cke der Schwestern. Keuchend bog er um eine Ecke und entdeckte eine kleine, unscheinbare T├╝r, die offenstand. Sie war so niedrig, da├č Eric sich b├╝cken mu├čte, um hindurchzukommen. Finsternis umfing ihn, doch nach einer kurzen Weile hatten sich seine Augen an das Dunkel gew├Âhnt und er stellte fest, da├č er sich auf der obersten Stufe einer in den Stein gehauenen Wendeltreppe befand.
Feiner Sand knirschte unter seinen F├╝├čen, als er hinabstieg, und je tiefer er kam, desto k├╝hler wurde es. Helles Lachen vor ihm, etwas entfernt.
Schlie├člich erreichte er das untere Ende der Treppe und fand sich in einer gro├čen Halle wieder. Die Luft war alt und muffig und von modrigem Geruch durchzogen. Jeder Schritt, sogar jeder Atemzug, hallte an den W├Ąnden wider, ansonsten herrschte dumpfe Stille.
Der Raum hatte gigantische Ausma├če, wie eine unterirdische Kathedrale, die Decke ein hohes Gew├Âlbe, in der Dunkelheit den Augen verborgen. Zerschlissene Vorh├Ąnge bedeckten die Stirnseite der Halle am gegen├╝berliegenden Ende. Der Boden war nur mit Staub und Schutt bedeckt.
Vorsichtig wagte sich Eric von der untersten Stufe weg in den riesigen, leeren Saal hinaus. Unvermittelt kroch ein mulmiges Gef├╝hl in ihm hoch und er fragte sich, ob es eine gute Idee gewesen war, das Clubbing zu verlassen. Dann sah er die schwarzen Schemen der beiden Schwestern einige Meter vor sich. Ihre geschmeidigen nackten K├Ârper hoben sich hell ab von der Finsternis ringsum.
Eric! h├Ârte er ihre Stimmen sehnsuchtsvoll wispern und hielt auf sie zu. Ged├Ąmpft wurden seine Schritte von den W├Ąnden zur├╝ckgeworfen.
Eric! hallte es in seinem Kopf.
Beinahe w├Ąre er gestrauchelt, als sein Fu├č gegen einen Steinbrocken in der Gr├Â├če eines menschlichen Kopfes stie├č. Aber ungeachtet des Schutts, der den Boden ├╝bers├Ąte, eilte er auf die Schwestern zu, konnte es nicht erwarten, ihre nackten K├Ârper aus der N├Ąhe zu sehen, sie zu sp├╝ren...
Pl├Âtzlich stand er vor dem zerschlissenen Samtvorhang in verblichenem Rot, der vor ihm hoch aufragte. Trockener Staub, aufgewirbelt von seinen F├╝├čen, kratzte in seiner Nase. Ungeduldig warf er den Kopf auf der Suche nach den Schwestern hin und her, dann entdeckte er sie.
Mona stand zu seiner Linken, ganz an der Seitenwand des Felsendoms, Lisa zu seiner Rechten, ebenfalls an die Wand gepre├čt. Beide hatten eine von der Decke reichende Kordel in der Hand.
Und pl├Âtzlich f├╝hlte Eric neben seinem immensen Verlangen nach den beiden Frauen noch etwas anderes, etwas ungeheuer M├Ąchtiges, und der Vorhang vor ihm bl├Ąhte sich, als streifte ihn der Atem etwas sehr Gro├čem. Dann zogen Mona und Lisa an den Kordeln, und der samtene Schleier ├Âffnete sich und offenbarte dahinter eine riesige Nische in der Stirnseite der Halle.
Und in der Nische hockte etwas Gewaltiges, Dunkles, Atmendes, Lauerndes, und stechende blaue Augen, gro├č wie M├╝hlr├Ąder, richteten sich auf Eric.
Komm zu mir, mein Sohn, sagte eine Stimme in seinem Kopf, dumpf, tief, m├Ąchtig, keinen Widerspruch duldend und nicht menschlich.
Und Eric warf einen allerletzten Blick auf Mona und Lisa, und dann tat er wie ihm gehei├čen und wurde zu ihrem Bruder.



__________________
gb

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2002

Werke: 43
Kommentare: 1979
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Michael Schmidt eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Meine Anmerkungen:
1. Warum kennt Eric niemand auf dem X-treme Clubbing, obwohl er regelm├Ą├čig hingeht? Ist er der einzige, der ├Âfters teilnimmt, bis er ein "Bruder" wird?
2. Die Begegnung mit Mona finde ich etwas ├╝berzeichnet, da w├Ąre etwas weniger mehr gewesen.
3. Die Szene zwischen Lisa und Mona kam f├╝r mich etwas abrupt, ich h├Ątte den Sex etwas "langsamer" eingebaut, ist aber nur eine Randbemerkung und absolut Geschmackssache
4. Der Titel : Unheimliche Geschehnisse ist genauso nichtssagend wie Schwestern. Wie w├Ąre es mit "Begierde der Lust" oder "Sehns├╝chte"?

War auf jeden Fall ein gro├čer Lesegenu├č, ich hoffe, es gibt noch mehr zu lesen.

Mit h├Âllischen Gr├╝├čen
Michael

Bearbeiten/Löschen    


KingArthur
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2002

Werke: 1
Kommentare: 3
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Hallo, liebe(r) Goblin,
keine schlechte Kurzgeschichte. Ich bin selber kein guter Kurzgeschichtenschreiber (mir liegen die langen Dinger, die man landl├Ąufig Romane nennt).
Was mir an dieser Geschichte gefiel, war die Beschreibung Erics Verlangen nach Mona. Das ist ein Motiv, dass mir sehr gef├Ąllt und das ich gerne selbst aufgreife: die einmalige Begegnung, die sich nicht mehr aus dem Ged├Ąchtnis streichen l├Ą├čt und der man verfallen ist.

Leider fand ich vorhersehbar, was geschieht. Am Schlu├č h├Ątte irgend etwas anderes geschehen m├╝ssen. Ich habe Muster von "American Werewolf II" ,"Das Tier" oder "From Dusk till dawn" erkannt und habe mit einer Vampirstory gerechnet. So ganz weit weg davon, ist es ja dann nicht.

Vorsicht mit Adjektiven und Adverbien und Vergleichen, die abgedroschen sind. In zu gro├čer Dichte wirken sie etwas zu dick aufgetragen. Ein Beispiel:

"Schweigend streifte Eric durch die wogende Masse, wie ein Wolf, der sich auf Jagd befand. Doch er wu├čte nicht, ob er der J├Ąger oder die Beute war."

Wie w├Ąre es mit:
"Eric bewegte sich durch die Masse von Menschen. Sie rieben sich aneinander, wogten und bewegten ihn, ob er wollte oder nicht. Er suchte, jagte vielleicht sogar, unwissend, ob er Beute oder J├Ąger war."

Ich wei├č nicht, ob das wirklich besser ist. F├╝r mich ist das, vielleicht immer noch zu fett (aber Kurzgeschichten brauchend das auch irgendwie, wie will man auch auf wenigen Seiten sooo viel Dichte aufbauen?)

Also, halt dich an Stephen King. T├Âte die Adverbien! Zertrete sie, wo immer sie auftreten.

Auf den ganzen Text ├╝bertragen w├╝rde eine geniale Story daraus werden, wenn der Schlu├č, naja, irgendwie aufgepeppt w├╝rde.

Du hast Talent, das merkt man!

Wenn du diskutieren magst, gerne!
Oder magst du selbst ein wenig an mir herumkritteln?
Gleiches Forum "Wir sehen uns"

Bearbeiten/Löschen    


Christian Savoy
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2002

Werke: 3
Kommentare: 14
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Pardauz!

Na, das sind aber mal zauberhafte Schwestern, sind sie nicht? Hexen, Vampire oder schleimige gr├╝ne Marsmonster, die sich als Venusmonster getarnt haben? Oder gar (w├╝rg!) Beamte der Steuerbeh├Ârde? Jedenfalls k├Ânnte man fast auf die Idee verfallen, diese Geschichte habe ein Jurist verfa├čt, weil einem doch immer wieder kalte Schauer ├╝ber den R├╝cken laufen. Hoffe auf viele weitere Storys und werde jetzt mal Eric beneiden, der sich gerade wahrscheinlich wilden satanischen Orgien hingibt.

Vg

Chris

PS: Orcs sind viel viel st├Ąrker als Goblins! Oder meinst Du Gobelins?

Bearbeiten/Löschen    


Tekky
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
Kommentare: 67
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Tekky eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Lob, Kritik und meine Meinung

Hallo Goblin,

ich habe Deine Story sehr genossen.

Nur hin und wieder hast Du gewagte Satzkonstruktionen eingebaut, die mich aus etwas aus der Stimmung gerissen haben. Es ist dann so ein Gef├╝hl, als ob man im offenen Cabrio eine wundersch├Âne Strasse fahren w├╝rde, entspannt, bis die Strasse auf einmal in engen Haarnadelkurven voller Schlagl├Âcher ├╝bergeht. Ein Beispiel: "Eric konnte den seinen ebensowenig von ihr abwenden wie die Maus den ihren von der vor ihr aufragenden Schlange."
Ich denke, einiges l├Ąsst sich einfacher schreiben.

F├╝r meinen Geschmack beschreibst Du zu h├Ąufig die tanzenden Menschen. Steckte da etwa Absicht hinter? Denn es war eine richtige Erholung, als Eric Mona sieht und alles um sich herum vergisst.

Die Hauptsache aber: der Plot ist gut und klischeefrei, das Ende unerwartet. Du hast ein wunderbares Talent, Atmosph├Ąre zu schaffen.

Ich freue mich schon auf weitere Beitr├Ąge von Dir...

__________________
Wenn es Sinn hat, etwas zu machen, dann hat es auch Sinn, es schlecht zu machen.(Gilbert Keith Chesterton)

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Horror und Psycho Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!