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Leselupe.de > Theoretisches
Unreine und schlechte Reime
Eingestellt am 20. 11. 2007 13:49


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Bernd
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Unreine und schlechte Reime

Erster Entwurf (noch Fragment, wird voraussichtlich erweitert. Ich bitte um Hilfe und Beispiele.)

---


Schlechte Reime sind f√ľr ein Gedicht fast immer ungeeignet, unreine Reime k√∂nnen unter bestimmten Bedingungen geeignet sein.

Erg√§nzung nach Orlandos Hinweis: Ein besserer und neutraler Ausdruck f√ľr bestimmte unreine Reime ist "Halbreime".
Halbreim ist laut Wikipedia: Oberbegriff f√ľr unreine Reime und Assonanzen Hier klicken Assonanzen sind vokalische Halbreime. Hier klicken
Diese Definition ist allerdings umstritten. Eher ist der unreine Reim ein Oberbegriff f√ľr Halbreime und "andere" unreine Reime, die hier zum Teil beschrieben sind. Danach sind Halbreimne dann Assonanzen.


Unreine und oft schlechte Reime sind zum Beispiel:

Reime, bei denen - zumindest teilweise - unbetonte Silben den Reim tragen:

- ein Produkt <-> bei dem man durchguckt
- Hammer <-> Mama (wenn "Hammer" "Hamma" gesprochen wird, mit einem "Schwa-Laut" am Ende, Mama dagegen endbetont.)

Reime, bei denen die Konsonanten nicht zueinander passen:

- Land <-> bangt
- kreativ <-> attraktiv
- gerne <-> Wärme
- entfernt <-> kennt
- selbst <-> wählst
- Kommata <-> nicht mehr da

Reime, bei denen die Vokallänge nicht zusammenpasst

- Lamm <-> kam
- gelabt <-> ertappt
- Glas <-> nass

Reime, bei denen die Betonung auf eine unbetonte Silbe geschoben wird oder die Betonung auf verschiedenen Silben liegt

- Sammelsurium <-> schon fast um

Reime, bei denen Vokale nicht √ľbereinstimmen (das wird oftmals akzeptiert)

- treu <-> Ei
- daf√ľr<-> mir
- r√ľhren <-> konservieren


Reime, bei denen Vokale geändert werden, damit sie passen.

- Ich komme abends spöte und blase auf der Flöte.
- Ich gehe nach Italien, um dort ein Bild zu malien

Reime, bei denen harte und weiche Konsonanten im Reim verwendet werden.

- Gefährte <-> Erde

Optische Reime:

- Abendstern <-> gestern


Reime, die auf aktuell regional unterschiedlicher Aussprache beruhen (regional - vor Allem im Norden - wird das "r" nicht mehr gesprochen):

- aufgetan <-> Farn <-> Bahn


Bei komischen Gedichten kann die Komik auf schlechten Reimen beruhen. Oft bleiben sie aber schlecht.

In Volksliedern werden oft ohne Probleme unreine Reime verwendet.

Durch Sprachentwicklung oder regionale √Ąnderungen k√∂nnen reine Reime unrein werden:

- Neige du Schmerzensreiche

__________________
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Version vom 20. 11. 2007 13:49
Version vom 20. 11. 2007 14:07
Version vom 20. 11. 2007 14:32
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jon
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Verstehe ich das richtig, dass all das hier "nur" unreine Reime sind, die "oft schlecht sind", es aber noch andere Reime gibt, die zwar nicht-unrein (also rein ‚Äst?) aber schlecht sind?
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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Walther
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Hallo Ihr Lieben,

das Thema "Reime" ist - sagen wir es einmal - nicht minder komplex. Es ist eher "ein weites Feld."

Man gestatte mir dazu ein paar Vorbemerkungen, die sehr viel an die Argumentation von Radio Eriwan erinnern werden, also des "... im Prinzip ja, aber ...".

(1) Es gibt keinen schlechten oder guten unreinen Reim. Es gibt prinzipiell eigentlich nur schlechte. Jeder unreine Reim ist streng formal betrachtet immer eine Notlösung.

(2) Was oft vermischt wird: Es gibt auch die sog. tradierte germanische Reimform, die bespielweise klangähnliche Endreime durchaus zuläßt. Viele althochdeutsche Dichtungen, so auch der ganze Minnesang, kennen und nutzen diesen sog. germanischen Endreim.
Durch diese Tradition werden √ľbrigens fast unreinen Reime reine germanische Reime, aber das nur nebenbei.

(3) Zu den Reimformen, die im Deutschen besonders gebräuchlich sind, gehören die Binnen- und die sog. Stabreimformen.

(4) Dem Dichter ist es durchaus gestattet, die Sprache erfinderisch weiterzuentwickeln, also W√∂rter auch bewu√üt gegen den Strich zu b√ľrsten. Ich m√∂chte hier einmal eines meiner neueren eigenen Versuche zitieren, wir k√∂nnten aber durchaus auch Wilhelm Busch oder Christian Morgenstern oder Kurt Tucholski oder Robert Gernhardt an dieser Stelle bem√ľhen:

quote:
Februar


Es klebt der blöde Feber
An mir wie Pattexkleber.
Doch auch der doofe März
Hat √ľberhaupt kein Herz.

Und dann erst der April:
Er tut grad, was er will.
Da lieb ich mir den Mai.
Der kommt mit der Schalmei

Und einem gr√ľnen Band
Und sonst noch allerhand.
Doch grad ist leider Feber:
Der ist die Laus der Leber.
oder
quote:
Einbildung


Auch wenn ich gestern es verdöste,
Mein höchstes Lob, so angpassang,
So weiß ich doch, ich bin der Größte,
Und mir ist darob nicht mal bang,
Bis sich am Schuh der Bändel löste,
Als ich die Treppe runtersprang.
Im ersteren Fall haben wir eine lokale Umlautung des Monatsnamen Febraur in Feber (Allg√§uer Schw√§bisch, bajuwarische Dialekte, austroalemannischer Dialekt, S√ľddeutsch), im anderen Fall eine lautmalerischen √úbertragung des franz. "en passant" ins Deutsche (auch wohl eher s√ľd- und mittelsdeutsch). Und alles um des Reimes Willen, man beachte das.

Will sagen: Der, der souver√§ne Sprachbeherrschung nachweist, darf sich einiges mit seinem Werkst√ľck, der Sprache, erlauben. Alle Andere haben leider die A‚Ķkarte gezogen.

Aber jetzt harre ich der Debatte, die da kommen wird.

Lieber Gruß W.




__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Bernd
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Jon fragte:

quote:
Verstehe ich das richtig, dass all das hier "nur" unreine Reime sind, die "oft schlecht sind", es aber noch andere Reime gibt, die zwar nicht-unrein (also rein ‚Äď ?) aber schlecht sind?

Das ist durchaus möglich. "Liebe" - "Triebe" ist ein reiner Reim, aber in den meisten Werken wird es ein schlechter Reim sein. "Abgedroschene Reime" sind - außer in Parodien - praktisch immer schlecht.

Und nicht jeder unreine Reim ist schlecht. Es hängt sehr vom Werk ab.

Man muss beachten, wie man Reime einsetzen will.

Unreine Reime sind aber in vielen Fällen schlecht oder eine Notlösung.
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Bernd
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Regeln missachten besteht oft im Aufstellen neuer Regeln. Allerdings gibt es f√ľr bestimmte Lyrikformen Regeln, deren Missachtung dazu f√ľhrt, dass das Gedicht entweder schlecht ist oder nicht dazu geh√∂rt.

Der Limerick erfordert (fast) reine gesprochene Reime, aber sie können sehr verschieden geschrieben sein. Er ermöglicht dabei sogar den Verstoß gegen Rechtschreibregeln, um das zu veranschaulichen.

Ein Stabreim, der nicht "stabgereimt" ist, ist keiner.

Ein Kreuzreim, der keinen Reim enthält, ist keiner.

Es ist immer eine Gratwanderung.

In einigen F√§llen f√ľhren Sprach√§nderungen auch zu Regel√§nderungen.

In anderen werden Regelverst√∂√üe auf ironische Art eingef√ľhrt. Jeder sieht, worin die Missachtung besteht und kann sie im Kopf zur√ľcknehmen.

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Mondnein
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Ich empfinde viele als "unrein" geltende Reime als - sagen wir mal - "harmonisch", so vor allem bei den beiden Beispielen:

"Reime, bei denen die Konsonanten nicht zueinander passen:

- Land <-> bangt
- gerne <-> Wärme"

Ich habe mal ein Herbstlied geschrieben, in dem fast nur solche Reime vorkommen, kreuzgereimt - d.h. die umarmenden Reime sind konsequent unrein, aber das scheint dadurch gemildert zu sein, daß die ersten und vierten Verse jeder Strophe den größeren Abstand zueinander haben als die jeweils zweiten und dritten, wo jede Abweichung sich mit dem Nachbarvers gleich zwiefarbig "beißt":

    "Halten kann ich dich nicht l√§nger
    Licht! dem Gotteskeim entsprossen
    Hab dein √úberma√ü genossen
    Brich hervor aus meiner Enge!"

    Ach wer wird der Feuerw√§lder
    Tigeraugnes Gold verh√ľllen?
    Schwester W√§rme br√§unt die F√ľlle
    Wie ein altes √Ėlgem√§lde

    Staunend schau ich auf und sehe
    Leuchtend geht das Fest zur Neige
    Honigtrunken steigt der Reigen
    Um Aurora zu ersp√§hen

    Achtung! stachen spitze Blicke
    Durch der Bl√§tterwaben Gitter?
    Sternenblitze Sonnensplitter
    Rissen kalte grelle L√ľcken

    Toter Schlangen wirr Geb√§lke
    Starren schon in offnen Wunden
    Baumfee will vom Stoff gesunden
    L√§√üt zu Erde ihn verwelken

    Willst in Licht den Geist verz√ľcken
    Du ohn Stundenglas und Hippe?
    Kann ja durch dein schwarz Gerippe
    In des Himmels Helle blicken!

Die Reime mit den Vokalabf√§rbung i/√ľ, e/√∂, e/√§ ("verz√ľcken / blicken") empfinde ich als v√∂llig ungest√∂rt-harmonisch, fast schon als Steigerung des √§sthetischen Gleichklangs, der ja immer auch die "Andersheit" des Konsonanten vor dem letzten betonten Vokal verlangt. Wei√ü nicht, warum - ich empfinde es so. Ich trinke ja auch Kaffee mit viel Zucker, bin also wohl geschmacklich verdorben, "dekadent", oder schon tief "dekas(us)", dekadiert oder wie das dann hei√üt ...

__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

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