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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Unschuldig
Eingestellt am 17. 11. 2006 18:52


Autor
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GeisterFahrer├ťberholer
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Unschuldig

Der gro├če Zeiger der Uhr in ihrem sterilen Arbeitszimmer ├Ąhnelt dem der verdammten Stra├čenbahnhofsuhr.
Er verspricht seinem kleinen Bruder, ihn in wenigen Sekunden zum einhunderteinundsiebzigsten Mal zur Begr├╝├čung zu k├╝ssen.
Ich erinnere mich, dass ich fr├╝her ebenfalls nur allzu gerne mit K├╝sschen um mich warf.
Wenn er blo├č an meinem vorletzten Tag nicht aufgibt, denke ich.
Nein, er entt├Ąuscht mich auch diesmal nicht. Selbst heute tut er mir den Gefallen und bleibt nicht stehen. Es ist Punkt Zw├Âlf.
Irgendwie ist auf Uhren halt Verlass.
"Highnoon", l├Ąchelt die ganz in Wei├č gekleidete Psychologin mir freundlich zu.
"Highnoon", antworte ich artig.
Was soll┬┤s? Ich bin ihr trotz der unangenehmen Fragen nicht b├Âse. Ihr Auftrag lautet, mein Wesen zu erkunden.
Manchmal, in all┬┤ den vielen Wochen spiegelte sich in ihren schwarzen Augen ein trauriges Bild. Meins!
Der gro├če Zeiger der Uhr hat l├Ąngst an Fahrt gewonnen, seinen mickrigen Verwandten auch heute wieder einmal um Runden ├╝berholt, als sie zum Abschied den roten Knopf gleich neben dem PC dr├╝ckt.
Bin ich gef├Ąhrlich, oder soll ich das Ganze nur vergessen?
"Bis morgen, Herr Weiser", verabschiedet sie mich.
"Ach, eine Bitte habe ich noch", becirce ich die Sch├Âne. "Ich bin m├╝de, m├Âchte morgen einmal richtig ausschlafen, so bis mittags um Zw├Âlf."
"Klar, ist gebont", freut sich die junge Frau, der Uni vor ziemlich einem Jahr entwachsen, jetzt einen Erfolgsvermerk ins schwarze Buch eintragend.

Der beinahe zwei Meter gro├če Pfleger holt mich ab. Er f├╝hrt mich zum Zimmer 217. Mein Zuhause seit mittlerweile einhunderteinundsiebzig Tagen.
Auf dem Flur kann man schon das Klappern des Geschirrs f├╝rs Abendbrot h├Âren.
Fred, der Riese, versucht mir die Schlaftablette unter die Zunge zu schieben.
"Schlucken", bestimmt er.
Braucht er gar nicht. Heute n├Ąmlich hole ich die gesammelten Werke hervor. Einhunderteinundsiebzig sind es. Ich denke, das reicht.
Morgen also darf ich bis mittags schlafen, nie mehr einen Termin bei der h├╝bschen Psychologin wahrnehmen.

"Na, was hat er denn ausgefressen?", h├Âre ich noch durch Nebelw├Ąnde den Notarzt fragen.

"Ein f├╝nffacher Familienvater hat sich vor "seine" Stra├čenbahn geworfen. Punkt Zw├Âlf, vor einhunderteinundsiebzig, nein, auf die Sekunde genau einhundertzweiundsiebzig Tagen. Weiser hat den armen Kerl ├╝berfahren. Damit wurde er nicht fertig", gibt ihm mein Bettnachbar Auskunft.





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flammarion
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nach

meiner meinung ist das exitus am ende v├Âllig ├╝berfl├╝ssig, es schadet der geschichte eher. ansonsten - gut gemacht!
lg
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Old Icke

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GeisterFahrer├ťberholer
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Warum kein Exitus?

Liebe flammarion,

vielen Dank f├╝r deinen Kommentar. Nun qu├Ąlt mich aber eine Frage: Weshalb empfindest du den "Exitus" am Ende als v├Âllig ├╝berfl├╝ssig? Eigentlich schwirrte mir dieses Wort schon tagelang im Kopf herum. Die Geschichte ist quasi aus dieser Wurzel entstanden. Ich bin gespannt auf deine Antwort.

LG
GF├ť
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maerchenhexe
???
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Lieber GF├ť

Bin gerade auf deine Geschichte gesto├čen und muss mich flammarion anschlie├čen. In deiner Geschichte arbeitest du doch ganz klar den bevorstehenden Existus heraus,du beschreibst doch genau, auf welche Art Herr Weiser sich aus dem Leben schleichen will, weil durch ihn jemand zu Tode gekommen ist. Er verzweifelt daran und ist deshalb ja auch in der Psychatrie. Deine Geschichte ist meiner Meinung nach so gut geschieben, dass jeder Leser versteht, was abgeht. Also von daher w├╝rde ich das Wort Exitus auf jeden Fall streichen.

lg
maerchenhexe
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GeisterFahrer├ťberholer
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Liebe Maerchenhexe,

"Exitus" ist das letzte Wort, das Weiser im Diesseits h├Ârt, bevor er unsere Gefilde f├╝r immer verlassen muss.

LG
GF├ť
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GeisterFahrer├ťberholer
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Danke liebe Maerchenhexe,

f├╝r die Gedanken, die du dir gemacht hast.

LG
GF├ť
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