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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Unser Bereich hinter dem Bach
Eingestellt am 21. 06. 2017 22:37


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WerSchreibt
Schriftsteller-Lehrling
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Unser Bereich hinter dem Bach

Da! Das ist doch ein Eindringling! Fast ist er nahe dem schmalen Pfad der ├╝ber den Bach in unser Heim f├╝hrt. Er geh├Ârt hier nicht her, er muss vertrieben werden. Unser Bereich geh├Ârt verteidigt! Es ist meine Aufgabe. Mein Meister gibt mir immer etwas zu fressen, er will, dass ich alles fernhalte. Meine Aufgabe f├╝r die ich hier existiere, alles f├╝r das ich da bin. Ich habe die Aufgabe gut zu machen, sonst bin ich nicht gut. Ich kann ├╝berhaupt nicht daran denken was er mit mir macht. Was ist die Strafe? Nein, weg! Er ist streng, ein guter Anf├╝hrer. Er w├╝sste eine unaussprechliche Strafe, w├╝rde er mich gar verbannen? Endlich weg, der Gedanke tut weh! Geh weg! Weg. Ich kann ich wegmachen den Eindringenden. Denn ich bin gro├č und furchterregend. Sehr gro├č. Schwarz und braun, mit ganz tollen Z├Ąhnen. Mit denen ich so gut zubei├čen kann. Damit habe ich schon so manchen vertrieben. Oh zubei├čen ist so toll, die gro├če Erf├╝llung, das Ziel. Mit kr├Ąftigen Gebiss das Gehende da schnappen und zermahlen. Die Wut in meinem Meister hilft mir so gut meine Aufgabe zu erf├╝llen. Ich kann es sp├╝ren. Es ist richtig.
Jetzt kann ich es ein weiteres Mal beweisen, dass ich w├╝rdig bin. Ich bin gro├č, ich bin stark und laut. Ich verteidige was ist unser. Da bleibt er stehen, ja, ich rieche die Angst. Mein Erfolg. Ich komme n├Ąher, er weicht davon. Ich bin so laut, es tut gut. Damit brauche ich gar nicht ganz heraus st├╝rmen. Gut so.
Es w├╝rde zwar nicht direkt ein Problem gewesen sein, so dicht zu sein, gar kein Problem. Aber wenn der Sieg da ist, vor dem Hineinst├╝rzen bereits. Wenn die Drohung schon reicht, weniger Energie verbraucht, mehr von dem Fressen. Und das habe ich mir heute aber wieder richtig verdient.
Sehr gut, er haut ab! Da hat er sich es anders ├╝berlegt. Er geht die Stra├če weiter und biegt nicht ab in unser Revier, dieser Eindringling. Ein Gl├╝cksgef├╝hl str├Âmt, mein Meister wird stolz auf mich sein und mich in seiner N├Ąhe behalten f├╝rs erste.
Auch er mag keine Eindringlinge. Er wei├č wie es richtig ist. Immer das Eigene verteidigen. Er mag niemanden der kommt und alles zerst├Ârt. Die Balance. Auch mag er keine lauten Ger├Ąusche, die uns immer zusammenzucken lassen. Er ist so gut.
Die Haust├╝r knarzt, da kommt er. Die Erf├╝llung meiner Aufgabe hat ihn herbeigerufen. Er m├Âchte begutachten was ich geschaffen habe.
Er geht langsam, er hat nur zwei Beine und st├╝tzt sich auf einen harten, be├Ąngstigenden Stock. Meine Waffe sind die Z├Ąhne, der Stock sind seine Waffe. Er ist kleiner als die anderen Eindringlinge, aber doppelt so wild. Wenn die Frischlinge kommen und sich auf der anderen Seite des Baches zusammenrotten um uns herauszufordern, wei├č ich was zu tun ist. Sie provozieren uns mit L├Ąrm, das lassen wir uns nicht gefallen! Wie sie sich dort immer aufstellen. Zum Kampf. Mich aus dem Bereich locken wollen, wenn mich die lange Kette nicht aufhalten w├╝rde...
Aber ich bin trotz ihr treu. Ich bleibe hier. Und warte. Warte darauf, dass einer hinein zu treten versucht. Das h├Ątten Sie immer so gerne! Aber ich bin hier. Niemand wird hineintreten, das schw├Âre ich auf alles was mir lieb ist.
Und mein Meister, er tritt zu mir heran und macht Laute. Es sind schw├Ąchere Laute, zischend und kr├Ąchzend, aber der Blick sagt mir ich habe es wieder richtig gemacht. Sein Stock droht, aber er tut mir heute nichts. Mein Meister hat mein Werk begutachtet und sieht, dass der Bereich sauber ist. Der Eindringling ist nur noch schwach im Wind zu riechen. So habe ich mit Eindringlingen umzugehen. Ja Meister ich habe verstanden. Ich verinnerliche die Lektion nun wieder ein weiteres Mal. Mein Geist f├╝llt sich mit Wut und Hass.
Er wendet sich wieder der T├╝r zu, er ist langsam, er riecht seltsam, aber er wei├č alles. Er sorgt f├╝r mich. Er l├Ąsst mich unseren Bereich bewachen, w├Ąhrend er in seine H├Âhle geht und ich wei├č auch immer wieder neu, dass ich dazugeh├Âre. So ist die Welt, keine Frage. Es ist so richtig.
Und bisher war es immer so. Mein Meister kommt nicht mehr zu mir. Eines Tages haben andere ihn herausgetragen. Er bewegte sich nicht, er roch kalt. Wohin bringen sie ihn? Auch Andere von unserer Sippe, andere auf zwei Beinen. Der andere, der in der gro├čen staubigen Halle immer Lichtblitze und Staub macht. Da stehen oft diese Donnerdinger und da muss man Lichtblitze rein sto├čen. Da bin ich immer nicht hin gegangen. Das gef├Ąllt mir nicht, da m├Âchte ich nichts mit zu tun haben. Es stinkt furchtbar. Mit dem anderen wollte ich nie so recht etwas zu tun haben.
Aber jetzt stellt er mir das Fressen hin. ├ľfter sogar, und mehr. ├ľfter als ich Eindringlinge vertrieben habe. Ich kann es mir gar nicht alles verdienen. Es steht einfach so da! Und mein neuer Meister ber├╝hrt mich. Es hatte mich ja erst stark erschrocken, aber dann war es ganz sch├Ân am Hals gerieben zu werden. Oder zwischen den Ohren, das ist sch├Ân. Und das Fressen steht immer wieder da. Das wusste ich gar nicht, eigentlich ist das Fressen haben viel sch├Âner als aufspringen und dann mit viel Laut auf Eindringlinge zuzust├╝rzen.
Es geht auch gar nicht mehr so gut. Wenn da etwas riecht, dann geht so viel langsamer aufzustehen. Mein Drang ist viel langsamer, wenn der Magen voll ist. Eigentlich trotte ich nur noch auf den Fiesen zu und bringe ihn ganz alleine mit meiner bedrohlichen Erscheinung von seiner Feindseligkeit ab. Ja, so ist es gut, da wollen sie dann auch gut zu mir sein. Ein wenig Kraulen, aber mehr haben sie nicht verdient, daf├╝r, dass sie so gut gehorchen.

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WerSchreibt
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jan 2016

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Ist hier die kreative Entscheidung sinnvoll nicht zu erw├Ąhnen, dass es sich um einen Wachhund handelt?

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Vagant
???
Registriert: Feb 2014

Werke: 25
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Hallo WerSchreibt,

jo, das passt schon so, denn sp├Ątestens in der zweiten Zeile ist es klar, dass hier aus der Perspektive des Hundes erz├Ąhlt wird. Das muss dann nicht auch noch extra erw├Ąhnt werden. Wie denn auch? Ein Icherz├Ąhler muss sich allein aus seinem Handeln und aus dem, was er sagt heraus erkl├Ąren - er kann nicht erst noch ein ellenlanges Statement abgeben: Ja Hallo, ich bin derundder, wohne hierundda und mache diesunddas. Im Roman schon, aber in einer Kurzgeschichte sollte man das umschiffen und den Protagonisten durch die Szenen erkl├Ąren.
Allerdings fehlt mir bei deinem Hund etwas Eigenes, ein bisschen Personality - so, wie bei vielen anderen Protas hier. Denkbar w├Ąren: eine Marotte, ein Sprachfehler, vielleicht eine Dialektf├Ąrbung oder eine Vorliebe f├╝r ein bestimmtes Vokabular - wobei mir da bei einem Wachhund gleich ein Milit├Ąr-Polizei-Sprech einfallen w├╝rde, also Uhrzeit als Zw├ÂlfNullNull, Richtungen in Gradangabe, usw..Oder man k├Ânnte ihn so prollig anlegen, wie einen dieser typischen Pitbullhalter - also keine Angst vorm Klischee und einfach mal so richtig sch├Ân ├╝berzeichnen, auf die Kacke hauen, dick auftragen. Der Plot gibt das ja her, denn man ist ja durch die Wahl des Erz├Ąhlers ohnehin schon ins Absurde abgeglitten. Wobei ich mit dem auf-die-Kacke-hauen nicht meine, dass du einen Klamauk aus der Story machen solltest; da ist halt Fingerspitzengef├╝hl gefragt, denn das kann dann auch schnell kippen. Paul Auster hat in 'Timbuktu' gezeigt, wie es richtig geht. Mr. Bones erz├Ąhlt da die Geschichte seines Halters, einem ins straucheln geratenen Tramps, und hat dies allein durch den immer wiederkehrenden Verweis auf die besondere Perspektive - also die permanenten Ger├╝che und den tiefen, erdnahen Standpunkt - sehr authentisch gestaltet. Durch ein paar zus├Ątzliche Eigenheiten in der Sprache hat man dann einen Hund, dem man auf der Stelle abkauft, er k├Ânne nichts anderes sein als der Erz├Ąhler.

Gern gelesen, Vagant.

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