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Leselupe.de > Kindergeschichten
Unser Freund Schmatze
Eingestellt am 26. 11. 2004 11:32


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flitze
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Registriert: Nov 2004

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Mein Freund Schmatze

Unser Freund Schmatze

Tagelang hatte es in Strömen geregnet. Aber endlich lugte heute wieder die Sonne hinter den Wolken hervor. Die Tiere auf dem Katharinenhof veranstalteten einen mächtigen Krach als die hellen Strahlen durch das Stallfenster schienen.
„Juchhu“, riefen sie begeistert.
Sie waren froh, denn sie wussten, dass sie nun wieder auf den Hof und die Weide gelassen würden. Lang genug hatten sie im dunklen Stall gestanden. Der Bauer ließ seine Tiere nicht lange warten. Schon bald brachte er die Hühner und Enten auf den Hof. Die beiden Kühe und das Pferd führte er zur angrenzenden Weide. Harry, der Hofhund, begrüßte freudig jeden einzelnen, der an seiner Hütte vorbei lief, mit einem kräftigen „Wuff!“.
Als der Bauer das Schwein in das Gatter neben dem Stall brachte, schauten alle Tiere gespannt in diese Richtung. In dem Gatter befand sich eine riesige Pfütze und es kam, wie alle erwarteten: Schmatze, das einzige Schwein auf dem Katharinenhof, lief mit Anlauf aus dem Stall und landete mit einem lauten „Oink!“ in der Pfütze. Es erschallte großes Gelächter. Die Hühner und Enten kicherten, das Pferd wieherte und die Kühe wälzten sich vor Lachen im Gras. Währenddessen suhlte sich Schmatze pudelwohl im Matsch herum und gab zufriedene Grunzlaute von sich. Dann lachte er mit den anderen über sich selbst. Schmatzes ganzer Körper war übersäht mit Dreck. Von dem schönen Rosa war nichts mehr zu sehen. Doch es störte ihn und auch die anderen nicht. Schmutzig wie das Schwein war, lief es den ganzen Tag zwischen allen Tieren umher. Alle mochten das lustige Schwein. Es hatte schon so oft auch den trübsten Tag für alle zum Spaß gemacht.
Am späten Nachmittag fuhr plötzlich ein fremdes Auto mit einem Anhänger auf den Hof.
„Wer ist das?“, wieherten die Pferde von der Weide.
„Keine Ahnung“, gackerten die Hühner zurück.
Harry stellte sich vor seine Hundehütte und beobachtete, was geschah. Ein fremder Mann stieg aus dem Auto und zog eine große Kiste von dem Anhänger herunter. Die Tiere schauten sich ratlos an. Was war da wohl drin? Zum Glück kam der Bauer aus dem Stall, begrüßte den Fremden und ging mit ihm ins Haus. Die Tiere waren beruhigt, denn anscheinend kannte der Bauer den Mann. Trotzdem hätten sie gern gewusst, was in der Kiste war. Harry und das Federvieh kamen sofort herbei und liefen um die Kiste herum. Sie suchten nach einem größeren Loch, um hineinschauen zu können. Aber sie konnten nichts erkennen. Es war zu dunkel in der Kiste.
Als Schmatze bei der Kiste ankam, untersuchte auch er die Kiste. Plötzlich sagte jemand: „Igitt! Wie stinkt es denn hier?“
Schmatze schreckte zurück. Alle sahen sich ungläubig an. Die Stimme kam aus der Kiste. Es musste also wirklich jemand drin sein. Gerade als der Hund nachfragen wollte, wer da eben gesprochen hatte, kamen der Bauer und der andere Mann wieder aus dem Haus. Sie verabschiedeten sich und der Fremde fuhr davon. Die Kiste ließ er auf dem Hof zurück. Der Bauer ging langsam auf die Kiste zu und wurde dabei von den Tieren des Katharinenhofes gespannt beobachtet. Er öffnete die Verriegelung an der Kiste und klappte den seitlichen Deckel herab.
„Komm raus. Keine Angst, hübscher Vogel! Hier ist dein neues Zuhause“, lockte der Bauer.
Es dauerte nicht lange und ein riesiger Pfau trat aus der Kiste. Er schüttelte sich kräftig, denn die Behausung war sehr eng für ihn gewesen. Dann reckte und streckte er sich und schlug sein Rad. Ein Raunen ging durch die Menge der Tiere. So einen wunderschönen Mitbewohner hatten sie noch nie gehabt. Der Pfau bemerkte die Blicke der anderen. Er genoss es, von ihnen bewundert zu werden und trug sein buntes Gefieder zur Schau. Er stolzierte an ihnen vorüber wie auf einer Parade. Doch als er an Schmatze vorbei kam, blieb er stehen und blickte auf das Schwein hinab.
„Du warst das wohl eben, der mich in der Kiste mit seinem Geruch belästigt hat!? Puh, das ist ja nicht zum Aushalten!“ schimpfte der Pfau und ging erhobenen Hauptes weiter.
Verdutzt über die beleidigenden Worte des Pfaus blieb Schmatze zurück. Die Hühner und Enten hatten vor lauter Bewunderung gar nicht gehört, was der Vogel zu ihrem Freund, dem Schwein, gesagt hatte. Sie hatten nur Augen für das bunte Gefieder ihres neuen Mitbewohners und liefen hinter ihm her. Fast den ganzen Tag verbrachte Schmatze allein im Gatter. Einzig und allein Harry, der Hofhund, kam bei ihm vorbeigelaufen, um sich zu unterhalten. Auch er konnte die Begeisterung der anderen für den Pfau nicht verstehen. Er versuchte Schmatze zu trösten, als er merkte, dass dieser von seinen Freunden enttäuscht war.
Am Abend, als der Bauer die Tiere wieder in den Stall zum Schlafen gebrachte hatte, lauschten die Kühe, das Pferd und das Federvieh weiterhin begeistert den Erzählungen des Pfaus im Stall. Schmatze lag abseits in einer Ecke. Das Schwein hatte sich nicht zu den anderen gesellt. Doch Zuhören musste es trotzdem, denn der Pfau redete so laut, dass Schmatze gar nicht wegzuhören konnte.
Der Pfau stammte aus Afrika. Vor vielen Jahren hatten ihn Jäger gefangen und an einen Zoo weit weg von Afrika verkauft. Doch auch im Zoo blieb er nicht lange. Bald schon wurde er wieder verkauft. So kam es, dass der Pfau von einem Besitzer zum anderen wechselte. Schließlich war er heute hier auf dem Katharinenhof gelandet.
Die Hühner, Enten, Pferde und Kühe bewunderten den großen Vogel, der bereits so viel in der Welt umhergereist war und so manches Abenteuer bestanden hatte. Dabei fiel ihnen gar nicht auf, dass ihr Freund Schmatze nicht bei ihnen war. Und so ging es auch weiter am nächsten Tag und am übernächsten Tag und die ganze Woche. Die Tiere waren so sehr mit ihrem neuen Mitbewohner beschäftigt, dass sie gar nicht bemerkten, dass ihr Freund Schmatze immer trauriger wurde. Selbst die weiteren Beleidigungen des Pfaues gegenüber Schmatze hörte keiner von ihnen.
An einem schönen Vormittag verließ der Pfau mit seinem Gefolge wieder einmal den Stall. Allen voran ging er am Gatter von Schmatze vorüber. Er würdigte Schmatze keines Blickes und auch keines der anderen Tiere beachtete das Schwein. Plötzlich lief das kleinste der Küken nach vorn zu dem Pfau und wollte an diesem vorbeirennen. Doch dem Pfau gefiel das gar nicht. Damit das Küken nicht an ihm vorbei kam, versuchte er es zu bremsen. Mit seinem Flügel stupste er das kleine Ding zurück. Doch er berührte dabei das Küken so fest, dass es durch das Gatter mitten in die große Matschpfütze flog. Erschrocken blickten Familie Huhn und die anderen Tiere hinterher. Nachdem der erste Schreck vorüber war, flatterte Mutter Huhn laut gackernd über den Zaun hinter ihrem Kind her. Mit großer Bestürzung musste sie feststellen, dass ihr Sprössling verzweifelt in dem Dreck kämpfte. Die Federn waren bereits völlig mit dem Matsch verklebt. Das kleine Küken hatte keine Chance aus der Pfütze zu entfliehen. Wie konnte die Henne ihrem Kind helfen? Wenn sie selbst in die Pfütze lief, würden auch ihre Federn verkleben, sie wäre keine Hilfe für ihr Kind. Auch die anderen Tiere überlegten eifrig, wie sie dem kleinen Küken helfen konnten. Die Federn der Enten würden ebenfalls verkleben. Das Pferd und die Kühe hatten keine Möglichkeit in das Gatter hinein zu kommen. Einzig und allein der Pfau konnte über den Zaun fliegen. Seine Beine waren lang genug, um nicht in die Gefahr zu kommen, dass sein Gefieder von dem Matsch verkleben konnte. Plötzlich schauten alle einstimmig zu dem Pfau hinüber und riefen: „Schnell, flieg über den Zaun und hilf dem Küken!“
Doch der Pfau war völlig entsetzt. Er dachte nicht im Geringsten daran zu helfen.
„Ihr glaubt doch nicht, dass ich meine Federn schmutzig mache?“, entfuhr es ihm und er ließ die anderen in all ihrer Not zurück.
Die Tiere konnten nicht glauben, was er da sagte. Es ging hier um Leben und Tod und der Pfau weigerte sich wegen des Drecks zu helfen. Noch während alle geschockt über die Antwort des Pfaues waren, kam Schmatze ganz selbstverständlich aus der hintersten Ecke des Gatters angelaufen. Das Schwein hatte nicht eine Sekunde gezögert. Er rannte mitten in die Pfütze hinein, stupste seine Nase in den Matsch und das Küken tippelte mit letzter Kraft seine Schweinenase hinauf. Völlig atemlos setzte es sich auf Schmatzes Kopf. Nachdem Schmatze das Küken wieder bei seiner Mutter abgesetzt hatte, drehte er sich sofort wieder um und ging zurück in die Ecke, in der er zuvor bereits gelegen hatte. Das Huhn wollte sich bedanken und rief hinterher, er solle doch bei ihnen bleiben. Doch Schmatze antwortete teilnahmslos: „Nein, nein, ist schon okay.“
Die Henne wunderte sich über das Schwein und ging mit ihrem Küken aus dem Gatter hinaus. Alle Tiere umringten sie und ihr Kind und freuten sich, dass der Flug in den Matsch gut ausgegangen war.
„Wo ist der der Retter unseres Unglückshuhns?“, fragte das Pferd.
„Ich habe mich auch gewundert. Aber Schmatze ist im Gatter geblieben, er wollte nicht mitkommen“, antwortete Mutter Huhn.
„Merkwürdig!“, befand eine der Kühe.
Plötzlich ertönte die Stimme von Harry: „Ihr findet das merkwürdig? Ich glaube, ich höre nicht richtig. Denkt mal nach, was ihr Schmatze in den letzten Tagen angetan habt. Nicht einmal habt ihr euch um ihn gekümmert. Ihr habt ihn nicht mehr beachtet. Selbst, als ihn dieser eingebildete Vogel schlecht behandelte, habt ihr nichts dagegen getan. Mich wundert es gar nicht, dass sich Schmatze nun von euch abwendet.“
Schuldbewusst blickten die Tiere zu Boden. Harry hatte recht. Bei all ihrer Bewunderung für den Pfau hatten sie nicht bemerkt, dass sie Schmatze, ihren Freund, regelrecht verstoßen hatten. Oh je, wie konnten sie das jemals wiedergutmachen?
Nachdem der Bauer am Abend die Tiere wieder in den Stall geführt hatte, stellte sich der Pfau wie immer vor allen anderen in Position. Er schlug sein Rad und zeigte die Pracht seines ganzen Gefieders, um somit die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Doch niemand beachtete ihn mehr. Als auch nach einigen Minuten keiner von ihm Notiz nahm, rief er laut: „Hallo Freunde, ich habe wieder eine fabelhafte Geschichte zu erzählen. Kommt her und hört mir zu!“
Da trat plötzlich die Henne aus der Menge hervor und sprach zu ihm: „Wir sind nicht deine Freunde, und du bist nicht unser Freund. Freunde helfen sich gegenseitig und lassen niemanden im Stich. Und genau das hast du getan. Obwohl mein kleiner Liebling in Todesgefahr war, wolltest du ihn nicht retten, weil du dich schmutzig gemacht hättest. Das verzeihe ich dir nie!“
Schmatze, der wie immer in den letzten Tagen abseits in einer Ecke im Stall gelegen hatte, traute seinen Ohren nicht. Das war doch die Stimme von Mutter Huhn, die da plötzlich mit dem Pfau schimpfte. Neugierig hub das Schwein seinen Kopf, um dem Gespräch auch mit seinen Augen zu folgen. Gerade in diesem Moment zeigte das Pferd in seine Richtung und sagte: „Das dort ist ein wahrer Freund. Schmatze hat zu uns gehalten, obwohl wir in den letzten Tagen nicht gerade nett zu ihm waren.“
„Genau. Du hast uns mit deinem bunten Gefieder und deinen tollen Geschichten geblendet. Und wir sind auch noch drauf reingefallen. Ich schäme mich dafür, dass wir Schmatze allein gelassen haben. Und ich bitte Schmatze hier vor allen um Verzeihung. Es tut mir sehr leid!“, sagte die Kuh.
„Uns auch. Schmatze, wir wollen wieder deine Freunde sein“, schnatterten auch die Enten.
Als sich alle Tiere bei dem Schwein entschuldigt hatten, stand dieses langsam auf und ging auf seine reuemütigen Freunde zu: „Ist schon gut. Die Hauptsache ist, dass ihr es überhaupt noch gemerkt habt. Ich hatte bereits Angst, dass ich nun immer allein bin.“
Das Huhn, die Enten, das Pferd und die Kühe waren erleichtert, als sie hörten, dass ihnen ihr alter Freund Schmatze verziehen hatte. Nun waren sie wieder eine große Familie, die sich prächtig verstand. Alle waren füreinander da. Und Schmatze machte seine Scherze wie eh und je. Der Pfau jedoch fühlte sich nicht mehr wohl. Er spürte, dass er verloren hatten. Von allen unbemerkt, schlich er sich aus dem Stall und wurde nie wieder gesehen.
Am nächsten Morgen ließ der Bauer seine Tiere wieder auf Hof und Weide. Zum Glück schien heute wieder die Sonne, obwohl es die ganze Nacht geregnet hatte. Und es kam, wie alle sehnsüchtig gehofft hatten: Schmatze, das Schwein, lief mit Anlauf aus dem Stall und landete mit einem lauten „Oink!“ mitten in der Matschpfütze seines Gatters. Es erschallte großes Gelächter. Die Hühner und Enten kicherten, das Pferd wieherte und die Kühe wälzten sich vor Lachen im Gras. Währenddessen suhlte sich Schmatze wieder pudelwohl im Matsch herum und gab zufriedene Grunzlaute von sich. Dann lachte er mit den anderen über sich selbst.

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flammarion
Foren-Redakteur
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Registriert: Jan 2001

Werke: 279
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sehr

nette geschichte. nimm bitte das zweite hatte aus dem satz Es hatte schon oft auch den trübsten Tag . . .
heraus, damit ich dir 9 punkte geben kann.
lg
__________________
Old Icke

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