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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Unsere Gesellschaft soll ihre ethnische Mischung als eine Stärke begreifen lernen
Eingestellt am 05. 03. 2012 12:51


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Winfried Stanzick
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Rezension zu:

Lena Gorelik, „Sie können aber gut deutsch!“ Warum ich nicht mehr dankbar sein will, dass ich hier leben darf, und Toleranz nicht weiterhilft, Pantheon 2012, ISBN 978-3-570-55131-8

Als am 23. Februar bei der zentralen Gedenkfeier für die Opfer der NSU-Morde die 25-jährige Tochter eines der türkischstämmigen Opfer der Zwickauer Neonazizelle, Semiya Simsek, sprach, da stellte sie Fragen, die mir jedenfalls unter die Haut gingen: „Heute stehe ich hier, trauere nicht nur um meinen Vater und quäle mich mit der Frage: Bin ich in Deutschland zu Hause? Ja, klar bin ich das. Aber wie soll ich mir dessen noch gewiss sein, wenn es Menschen gibt, die mich hier nicht haben wollen. Soll ich gehen?“

Sie drückt das aus, was mit Sicherheit viele Menschen in unserem Land spüren und denken. Das Gefühl, obwohl man schon seit Jahren vielleicht die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hat, nicht willkommen zu sein in einem Land, das doch die Freiheit und das Menschenrecht in seiner Verfassung verankert hat. Und sie ruft leidenschaftlich dazu auf, das endlich ernst zu nehmen:
„In unserem Land, in meinem Land, muss sich jeder frei entfalten können, unabhängig von Nationalität, Migrationshintergrund, Hautfarbe, Religion, Behinderung, Geschlecht oder sexueller Orientierung. Lasst uns nicht die Augen verschließen und so tun, als hätten wir dieses Ziel schon erreicht.“

Auch die 1992 zusammen mit ihrer russisch-jüdischen Familie als „Kontingentflüchtling“ nach Deutschland gekommene Lena Gorelik behandelt in ihrem neuen, hier vorliegenden Buch dieses Thema. Sie will nicht mehr dankbar dafür sein, dass sie hier leben darf, und hält Toleranz für eine Haltung, die nicht weiterhelfen wird, denn wir müssen erkennen, dass wir längst in einer ethnisch gemischten Gesellschaft leben. Die Gesellschaft und die Menschen, so zeigt sie immer wieder mit zahlreichen Beispielen, müssen aufhören, immer nur über gelungene oder misslungenen Integration zu reden, sondern die Tatsache ihrer ethnischen Mischung als eine Stärke begreifen lernen und von dieser Stärke zu profitieren. Für sich selbst wünscht sie sich:

„Ich bin das, was gemeinhin als ‚gut integriert’ bezeichnet wird. Und weil ich das bin, sage ich: Ich möchte gerne in einem Land leben, in dem man sich für mich als Mensch interessiert, nicht nur für meine so genannte erfolgreiche Integration. Ich möchte kein gutes Beispiel sein, ich möchte ein Puzzleteilchen, Teil dieses Landes sein. Ich möchte nicht darüber nachdenken müssen, zu wie viel Prozent ich mich deutsch, zu wie viel russisch fühle. Ich wünsche den Menschen in diesem Land, dass sie sich diese Gedanken über mich und andere wie mich ebenfalls nicht machen müssen. Ich wünsche mir und Deutschland, dass es keine Vorzeigeausländer mehr zu brauchen meint.“

Ihr Traum von einem solchen Deutschland ist ansteckend: „Zu diesem Deutschland würden und wollen und sollen und müssen und werden viele unterschiedliche Menschen beitragen, sie werden es mit gestalten, sie werden es spannend machen, sie werden es reicher machen, reicher nicht (nur) im monetären Sinne, sondern im Sinne von ‚Bereicherung’. Eine Bereicherung werden sie sein, weil sie so unterschiedlich sind, nicht obwohl.“

Es geht nicht mehr um Integration es geht um echte Teilhabe. Ein leidenschaftliches Plädoyer fernab von aller bisherigen Multikulti-Verherrlichung. Ein Buch das aufrüttelt, das Mut macht und jeden Bewohner dieses Landes, egal wo er herkommt, zum kritischen Nachdenken auffordert und zu einem veränderten Verhalten. Nicht nur äußerlich, sondern auch von innen her gewachsen.

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jon
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Der Text ist ok. Sprachlich (bis auf Satzwürmer hier und da) – inhaltlich ist er eher „beinahe ok“.

Ich vermisse ganz erheblich Informationen darüber, was an diesem Buch anders ist als an den üblichen "Appellen" dieser Art. ich weiß ja nicht mal, ob die Autorin (über) ihr Leben erzählt und das Thema daran abhandelt oder ob sie (aus ihrer Perspektive) nur herumverallgemeinert. (Oder ist es doch der selbe Einheitsbrei zum Thema?)

Ich vermisse (wiedermal, ich vermisse es auch in anderen Texten) Anhaltspunkte, was konkret mit Aussagen wie hier dem "Ein leidenschaftliches Plädoyer fernab von aller bisherigen Multikulti-Verherrlichung" eigentlich gemeint ist. Was denn nun? Multi-Kulti oder doch eine "Standard-Kultur"? Lass uns doch bitte anders sein, aber tut gefälligst so, als wären wir nicht anders?

Ich vermisse auch vom Rezensenten eine spürbar eigene Meinung, dieses ewige „aufrütteln, zum Nachdenken auffordern etc." berührt doch längst nicht mehr. Gibt es denn nichts Konkrete in diesem Text, das diesen konkreten Leser tatsächlich zum Nachdenken anregte? Mir zum Beispiel fielen spontan die Formulierungen "sie will nicht mehr dankbar sein" und „Ich wünsche mir und Deutschland, dass es keine Vorzeigeausländer mehr zu brauchen meint." auf.

Eine gute Idee hätte z.B. ich gefunden, wenn der Rezensent eins (oder beide) der "warums" des Buchtitels ansatzweise beantwortet hätte. Das wäre vielleicht "individuell" gewesen …


Dass man am Ende so einer Rezi auch mal was "Kritisches" sagen kann, kommt noch dazu. Ich weiß - wie gesagt - nicht, wie "allgemein" das Buch gehalten ist, aber ein Nachsatz mit Hinweisen darauf, dass es natürlich Unterschiede dadurch gibt, ob man man (nur mal exemplarisch) Russen, Türken oder Vietnamesen spricht und ob eine "als gut integriert geltende Person" oder eine deutlich "schlecht integrierte" spricht.


Kurz gesagt: Ich finde in dieser Rezi nichts, was mir ein über "Schon wieder sowas" hinausgehenden Eindruck über das Buch vermittelt.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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