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Leselupe.de > Feste Formen
Unterfranken (eine finstere Moritat)
Eingestellt am 07. 08. 2011 16:27


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Sta.tor
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Unterfranken
Eine finstere Moritat
Q.T. gewidmet



Im fernen, fernen Unterfranken
da lebte einst ein dicker Mann
um den sich die Geschichten ranken
von denen ich erzählen kann.
Er war so dick wie eine Tonne,
so schwer wie eine Felsenwand
und stellte er sich vor die Sonne
wurds dunkel dort im Frankenland.

Und keine Frau im ganzen Lande
wollt ihn zum Ehemanne nehmen.
Sie hielten ihn fĂĽr eine Schande
und wollten sich dafür nicht schämen.
So nahm er sich, was er begehrte
stets unbeherrscht und mit Gewalt.
So manches Mädchen er entehrte,
ihr Schicksal ließ ihn völlig kalt.

Und auch bei Gertrud von der Wiese
des Nachbarsgut, dem scheuen Kind
versuchte es der fette Riese
weil Jungfrau'n sein EntzĂĽcken sind.
Doch Bauer Jakob, Gertruds Vater,
beschĂĽtzte sie vor seinem Trieb.
Ein Schuss, ein Schrei, ein tiefer Krater
in Jakobs Brust war das, was blieb.

Ein feiger Mord, ein schlechter Richter,
der Notwehr nur als Anlass sah.
Der Dicke dankte seinem Schlichter
und fassungslos stand jeder da.
Die Witwe quälte das Gewissen.
Sie hielt es ohne Mann nicht aus.
Von Zweifeln hin- und hergerissen,
ging sie des Nachts zum See hinaus.

Man fand sie tot am nächsten Morgen
vom Wasser an das Land gespĂĽlt.
Und Gertrud blieb mit ihren Sorgen
zurĂĽck, allein und aufgewĂĽhlt.
Doch fuhr das Schicksal unerbittlich
dem Mädchen in die Litanei.
Zu jung, nach dem Gesetz nicht sittlich,
gab man zur Adoption sie frei.

Es gab nicht viele, die sie wollten.
Nur einer warb um ihre Gunst.
Der, den die Menschen Scheusal scholten,
verdächtigt mancher Feuersbrunst.
So war sie denn im Haus erschienen,
vom bitterbösen Fleischkoloss
und sollte dort dem Mörder dienen,
der ihren Vater einst erschoss.

Der lechzte schon nach ihren Wangen
begehrte ihren jungen Leib.
So leicht, ein Mädchen einzufangen,
gelang’s ihm noch bei keinem Weib.
Er führte sie in die Gemächer
und zeigte ihr dort sein Gemächt.
Ganz stolz posierte der Verbrecher.
Doch Gertrud wurd’ beim Anblick schlecht.

Sie ging zur Wand, da hingen Degen,
nahm eine Klinge fest zur Hand.
Mit Vaters und mit Mutters Segen
stellt’ sich das Mädchen dem Gigant.
‚Hei, wie der Stahl durchs Bauchfett gleitet,
und das Gedärm zu Boden schickt.
Wie sich der Blick des Dicken weitet
und Gertrud hoch zufrieden nickt.’

Doch weiter ging das Spiel der Klinge:
‚Ein Hieb, gezielt zum Hals gesetzt.
Auf das der Schnitt auch recht gelinge,
wird flink das Haupt vom Leib gefetzt.
Ein Glucksen noch, ein Blick der schaudert,
dann fällt der fette Kopf hinab.
Und Gertrud ist es, die nicht zaudert,
schneidt’ noch im Flug die Ohren ab.’

Ein paar Sekunden noch, dann fiel
der schwere Körper auf den Boden.
Dem Mädchen war’s ein leichtes Spiel,
trennt schnell vom Torso noch die Hoden.
Die stopfte sie dem feisten Schädel
in sein verstummtes LĂĽgenmaul.
Ja, Gertrud war ein strenges Mädel
und letztlich nicht bewegungsfaul.

Das Schlachtfeld liegt seitdem verschlossen,
auf Gertrud lastet kein Verdacht.
Man hat den falschen Mann erschossen,
der sich in Widerspruch gebracht
Das Mädchen lebt nun doch alleine.
Macht nur noch, was sie selber will.
Glotzt DVD’s, die liebe Kleine,
mit ihrem Lieblingsfilm „Kill Bill“.

__________________
schlimmer geht immer

Version vom 07. 08. 2011 16:27
Version vom 08. 08. 2011 13:30

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Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2248
Kommentare: 11067
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Was mir hier im Vergleich zu anderen Moritaten auffällt, ist, dass sie die ironisch-groteske Tonart nicht hat (außer: "Eine finstere Moritat"). Ich bin aber nicht sicher, ob das täuscht. Sie hat eine finster-groteske Tonart. Sie ist eher sarkastisch, als ironisch, denke ich. Kein Nachteil.
Es ist eine lange Geschichte, und sie spricht ein Problem an, das lange unterdrĂĽckt wurde.
Die Wirkungen werden ĂĽbersteigert, sehr gut passend zur Moritat.
Gibt es eine Melodie dazu?

__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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Marlene M.
Guest
Registriert: Not Yet

Lieber Stator.

eine hanwerklich gut geschriebene Moritat auf die Grausamkeit, die in jedem Menschen steckt, die "Unzurechnungsfähigkeit" der Justiz- Recht haben und recht bekommen sind nämlich oftmals zweierlei.

Ob es allerdings logisch ist, dass ein Jugendamt ausgerechnet dem schon als gewalttätig bekannten Mann das Mädchen zuspricht und dass das Mädchen nicht in Verdacht geriet, weiß ich nicht so recht. Mir scheint das nicht so logisch.

LG von Marlene


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serge gurkski
???
Registriert: Jun 2011

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Ja! Rammsteins Mutter passt sehr gut!
__________________
Habe bonum animum. Plautus

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