Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92237
Momentan online:
428 Gäste und 16 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Humor und Satire
Unternehmerschicksal?
Eingestellt am 12. 07. 2001 12:47


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
sailor
Hobbydichter
Registriert: Mar 2001

Werke: 34
Kommentare: 44
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Herrn Müllers Vermächtnis

Herr Müller ist ein deutscher Arbeitgeber.
Dreihundert Leute. Und der Laden läuft.
Probleme machen ihm nur Herz und Leber,
weil Müller gerne frißt und zu viel säuft.

Bei Müller produziert man Schokolade,
Großvater Müller schuf einst das Rezept.
Sein Enkel ähnelt einer fetten Made,
die gut drei Zentner durch das Leben schleppt.

Herr Müller ist ein guter Unternehmer.
Dreihundert Leute stehn in Lohn und Brot.
Die machen ihm das Leben stes bequemer.
Bis Müller merkt, dass ihm die Pleite droht.

Man hört es oft von Arbeitgeberseite:
Dem Arbeitnehmer geht es viel zu gut.
Drum gingen viele Arbeitgeber pleite.
Und auch Herr Müller schwitzt statt Wasser Blut

Deshalb besucht Herr Müller seine Werke,
ganz überraschend, in der Weihnachtszeit.
Er zeigt als Unternehmer Macht und Stärke,
und ist zu Diskussionen nicht bereit.

So klagt er lautstark über Umsatzzahlen
und über mangelhaftes Personal,
den Sieg der Sozis bei den letzten Wahlen.
Der Kurs der Aktie, sagt er, sei fatal.

Er müsse hundertfünfzig Mann entlassen,
der Rest bekäme nur noch halben Lohn.
Die Leute riefen: „Ist ja nicht zu fassen,
was Du hier vorschlägst ist der blanke Hohn!“

Herr Müller achtet nicht auf die Proteste.
Der Pöbel, sagt er, liebe das Geschrei,
und eigentlich sei es sogar das Beste,
man setze die Gesamtbelegschaft frei.

Die Wut der Leute bringt den Saal zum Kochen.
Herr Müller leidet unter Atemnot.
Und seine Leber schmerzt schon seit drei Wochen.
Herr Müller fällt vom Sessel und ist tot.

„Herzkollaps durch Arteriosklerose“
So schreibt der Doktor auf den Totenschein
Er stellt für sich privat die Diagnose:
„Dem Müller ging’s zu gut, dem fetten Schwein.“

Wie geht es Müllers Schokoladenwerken?
»Herrn Müllers Schokolade« gibt’s nicht mehr,
denn seine Erben müssen sehr schnell merken:
Die Konten des Herrn Müller sind längst leer.

Sechs Wochen später ist die Firma pleite.
Die Erben danken Müllers Herzinfarkt.
Sie schaffen, was noch da ist, auf die Seite.
Dreihundert Leute? - Auf dem Stellenmarkt.


Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


urte
Autorenanwärter
Registriert: Oct 2000

Werke: 3
Kommentare: 221
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Gut!

Auch dieses Werk - gelungen! Realistisch, Rhythmus und Reime sicher, klar aufgebaut, mit Schlußpointe, - paßt perfekt hier zu Satire, wo zuletzt doch ziemlich Ebbe war. Dies ist weniger "aggressiv" als Dein "Ich bin ein Mann", das soviele sozialkritische Erörterungen angezettelt hat und dessen sonstige Qualitäten etwas untergingen; dies hier macht dafür aber umso eher nachdenklich. Dein Talent hat offenbar viele Facetten, und ich bin gespannt auf Weiteres.
Freundliche Grüße, Urte
__________________
(C)Urte Skaliks-Wagner

Bearbeiten/Löschen    


Zurück zu:  Humor und Satire Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!