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Leselupe.de > Humor und Satire
Unverhoffte Freundschaft - Humor&Fantasy - Ein Versuch
Eingestellt am 09. 09. 2003 17:40


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Rei
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Unverhoffte Freundschaft

„Immer der gleiche Scheiß!“ dachte ich verärgert, als ich vor meinem Laptop saß und eigentlich eine Fantasygeschichte für ein Challenge schreiben wollte. Aber wie immer fiel mir dazu nichts ein. Wies halt so ist. Ich hatte schon ein paar Zeilen getippt, so war es ja nun auch nicht, aber seit ich „...und der Zwerg schaute verliebt zur Elfe“ geschrieben hatte, war ich irgendwie blockiert.
„Blöder Mist!“ fluchte ich und schaute meinen Monitor böse an, als ob er was dafür konnte, dass ich heute gar nichts auf die Reihe brachte.
„Ja, da wirst du wohl recht haben, Rei.“ antwortete der Monitor. Er hatte plötzlich ein Gesicht, so á la Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Mondgesicht, und grinste mich an.
„Ähm.“ war alles, was mir dazu einfiel. Ich meine, mein Monitor redete plötzlich mit mir, was sollte ich da schon groß anderes sagen?
„Ich fühl mit dir.“ sagte der Monitor wieder und sein Strichmund machte alle Bewegungen mit, was mich total verwirrte. „Ich kenn dich schon so lange. Warte mal, im Juli waren es zwei Jahre, richtig? Also kenn ich dich jetzt zweieinhalb Jahre. Ich weiß, wann Du gut drauf bist und wann nicht.“
Ich nickte und seufzte. Ich meine, mein Monitor redete plötzlich mit mir, was sollte ich da schon groß machen?
Der Monitor schloß seine Punktaugen und lächelte vergnügt, als ob er gerade einen netten Traum hatte und als er sie wieder öffnete, sah er mich ernst an. „Ich kann dir aber helfen.“
„Aha.“ machte ich. Ich meine, mein Monitor... Na ja, Sie wissen schon.
„Denn ich habe die perfekte Idee für dich. Dazu brauche ich aber dein Einverständnis und ich müsste dir eine kleine, persönliche Frage stellen.“
Ich nickte ergeben. Ein Monitor, der persönliche Fragen stellte? Auch nicht schlecht, also sollte er seine Chance bekommen.
„Bist du noch Jungfrau?“ fragte er.
„WAS?!?“ donnerte ich und sprang von meinem Stuhl so heftig auf, dass er nach hinten umkippte. Ich baute mich vor dem Monitor auf, die Hände in die Hüften gestemmt und starrte ihn böse an.
„Jetzt sei doch nicht so.“ pienste der Monitor. „Ich hab dich vorher gefragt, ob ich fragen darf.“
„Persönlich ja, aber doch nicht SO persönlich!“ wetterte ich wütend. Ich merkte, dass ich rot anlief und das ärgerte mich gleich noch mal. Ich stritt mich hier mit meinem Monitor und ließ mich provozieren. Aber mit mir nicht!
„Aber ich muß das wissen.“ jammerte der Monitor. „Sonst kann ich dir nicht helfen. Also, bist du nun eine?“
„Ähm, nein.“ sagte ich und haute mir gleich darauf selber eine runter. Wieso sagte ich dem Monitor das?
„Das ist gut.“
„Was?“ fauchte ich ihn an.
„Ja, das ist wichtig, dass du keine Jungfrau mehr bist... Für die Geschichte.“ Erklärte der Monitor.
Erschöpft stellte ich meinen Stuhl wieder auf, ließ ich mich darauf plumpsen und sah den Monitor mit seinem dämlichen Strichgesicht an. Ich verstand gar nichts mehr. „Sonst noch was persönliches, was du wissen musst?“
„Hmm.“ überlegte der Monitor. „Vielleicht noch, ob du allergisch bist.“
„Gegen was?“
„Hmm, so gegen alles, was es in einer Fantasygeschichte eben gibt. Ähm, Zwerge, Trolle, Magie oder Drachen oder so was.“ Er überlegte kurz. „DU bist doch hier die Autorin. DU müsstest doch wissen, was in einer Fantasygeschichte alles vorkommt.“
Ich verdrehte genervt die Augen. „Ich bin gegen gar nichts allergisch, außer vielleicht gegen so Klugscheißer wie dich. Und jetzt mach hin mit deiner Geschichte, sonst werf ich dich zum Fenster raus.“
Der Monitor verstummte und auf einmal hörte ich ein Summen und Brummen, das erst unterschwellig begann und dann langsam aber stetig immer lauter wurde. Ich sah mich prüfend um, ob irgendwo durch mein Zimmer ein Zug fuhr, aber da war nichts. Ich sah wieder auf den Monitor, der in allen Farben leuchtete und schillerte. Das dämliche Gesicht war verschwunden, und die wilden Farbverläufe zogen mich in ihren Bann. Ich konnte nichts anderes mehr tun, als auf diesen Monitor zu starren. Und ich beugte mich immer weiter vor und vor, bis ich ihn fast mit meiner Nasenspitze berührte. Und als ich ihn berührte, schlugen tausend bunte Blitze um mich herum aus, zerfaserten auf meinem Stuhl, meinem Schreibtisch und wurden immer dichter und dichter. Bis sie mich schließlich fest umschlangen und zum Monitor zogen. Zuerst stieß ich mir schmerzhaft die Nase an, aber dann glitt ich sanft mit dem Gesicht in die Oberfläche des Monitors und mein Körper folgte ohne Zögern.
Als ich wieder aufwachte, lag ich auf rücklings einem weichen Lager aus Gras, mitten in einem Wald, dessen Bäume so hoch waren, daß ich keine Ahnung hatte, wo sie eigentlich aufhörten. Auf den ersten Blick gab es hier nur diese elend hohen Bäume. Ich drehte mich umständlich herum und bemerkte, daß ich eine braune Wildlederhose trug, dazu braune Stiefel und ein helles Hemd. Zwei Meter neben mir lag ein Schwert mit dem dazugehörigen Gürtel und neben diesem Schwert stand ein Pilz, ein etwas zu groß geratener Champignon. Nicht weiter verwunderlich, wenn er nicht angefangen hätte zu sprechen.
„Hallo.“ sagte er.
Ich ächzte entsetzt auf. Schon wieder so was sprechendes, dachte ich und suchte nach einem Gesicht, in das ich schauen konnte. Und da war tatsächlich eins: Punkt, Punkt, Komma, Strich... Sie wissen schon.
„Ich bins, dein Monitor.“
„Hätt ich mir ja auch denken können.“ sagte ich. „Und wieso bist du jetzt ein sprechender Pilz?“ Ich setzte mich auf und massierte meinen Arm, der aus einem unerfindlichen Grund weh tat. Vielleicht war ich ja draufgefallen. Aber wer weiß das schon. „Und wo bin ich überhaupt?“
„Wär dir ne Baumnymphe lieber?“ fragte der Pilz beleidigt.
„Ach, verschon mich doch.“ murmelte ich.
„Du bist hier in Zauberwald.“ erklärte der Pilz. „Das ist eine von meinen Schaltkreisen geschaffene Fantasywelt, in der du eine Geschichte erleben kannst. Und was du erlebt hast, schreibst du auf. Ganz einfach.“
„Du hast Ideen.“ sagte ich und streckte mich nach dem Schwert. „Und was ist das für ein Ding?“ Ich berührte es, und im gleichen Moment glühte es leicht bläulich auf. „Cooler Effekt.“ Ich zog meine Hand zurück, und das Glühen erlosch.
„Das ist Flasimenia.“ erklärte der Pilz und hupste ein paar Sprünge zu mir heran. „Das ist jetzt dein Schwert.“ Wieder hupste er vor mir auf und ab.
„Hast du was genommen oder warum bist du so nervös?“ fragte ich gereizt und angelte mir das Schwert.
„Du kannst einem aber auch alles verderben.“ antwortete der Pilz beleidigt und stellte das Hüpfen ein.
Ich stand umständlich auf und band den Schwertgürtel um meine Hüften.
„Ich habe mir soviel Mühe mit diesem Ort gegeben und du kannst nur meckern.“ Sagte er weinerlich. „Nicht einmal hast du gesagt, daß es dir hier gefällt.“
„Ist halt ziemlich grün hier. Und nichts als Bäume.“ Ich sah ihn kurz an. Seine Strichmundwinkel hingen tief herab und irgendwie schaffte er es, aus seinen Punktaugen eine Träne zu drücken. Ich nestelte an dem Schwertgurt herum. „Laß das Geflenne.“ sagte ich und im gleichen Moment tat es mir schon wieder leid. „Oh, das wollte ich nicht... Tut... tut mir leid. Ich finde es ganz klasse hier, ehrlich. Ich hatte nur noch nicht die Zeit, mir alles anzusehen. Wirklich.“ Ich hoffte, der Pilz würde mir das abnehmen.
„Wirklich?“
„Ja, wirklich.“ sagte ich erleichtert. Der schien auch alles zu glauben.
„Also gut. Wir können ja ein bisschen spazieren gehen, was meinst du?“ schlug der Pilz vor, dessen Mundwinkel wieder nach oben zeigten.
Elender Schauspieler, dachte ich bei mir und war selbst keinen Deut besser, weil ich ihm ja auch eben was vorgespielt hatte.
„Ich würde vorschlagen in diese Richtung da.“ Ohne Finger zu zeigen, war schon eine Kunst, und der Pilz beherrschte sie in Perfektion.
Ich nickte stumm und ging dann in die angegebene Richtung. Der Pilz hupste mir unbekümmert hinterher.
Wir waren lange Zeit in diesem Wald unterwegs und mir lag die Frage auf der Zunge, ob der Pilz noch an was anderes als unendlich hohe Bäume und einen unendlich großen Wald gedacht hatte, als er Zauberwald erschaffen hatte.
Hmm, aber vielleicht heißt der Ort ja gerade deshalb so, überlegte ich, aber ich verwarf den Gedanken. Wie sollte ich in einem Wald die Geschichte für das Challenge finden? Ich sah zum Pilz hinüber, der immer noch vergnügt vor sich hin hüpfte. Irgendwie war ich froh, daß er mir kein Gespräch aufzwingen wollte. Dann hätte ich ihn sicherlich mit Flasi... Flasidingsda zerstückelt und in der Pfanne gebraten... Mein Magen knurrte fordernd, als ich den Gedanken mit der Pfanne anschnitt.
„Jetzt Schokolade.“ seufzte ich und ließ mich theatralisch auf einen umgestürzten Baum plumpsen. „Oder was meinst du?“
„Met ist mindestens genauso gut.“ ertönte eine tiefe Stimme hinter mir.
Ich drehte mich ungeschickt um und plumpste auf der anderen Seite des Baumstamms herunter. Umständlich kam ich auf die Füße und sah mich einem hochgewachsenen jungen Mann gegenüber mit spitzen Ohren und einem so schönen Gesicht, daß ich im ersten Moment darauf tippte, daß er sich hatte operieren lassen. Bis mir einfiel, daß der Pilz vielleicht an vieles gedacht hatte, als er Zauberwald geschaffen hatte, nur nicht an Schönheitsoperationen.
Wenigstens hat er einen anständigen Mann hinbekommen, dachte ich grinsend.
„Hast du dir wehgetan?“ fragte er besorgt und mit einem Mal schoß mir die Röte ins Gesicht.
Großer Gott, dachte ich, du bist grad vor dem süßesten Kerl, den du je gesehen hast, von einem Baumstamm gefallen. Scheiße!
„N...nein, mir geht’s gut. Ähm, danke der Nachfrage.“ Ich grinste verlegen und hoffte, er möge ein schlechtes Gedächtnis haben.
„Das ist gut. Ich bin Pan.“ stellte er sich vor.
„Ähm...“ mehr bekam ich nicht zustande. Herrgottnochmal, dachte ich, jetzt haste auch schon vergessen, wie du heißt. „Rei.“ fiel es mir doch noch ein, bevor es peinlich werden konnte.
„Hallo Rei. Schön, dich kennenzulernen.“
„Ja, ähm, gleichfalls.“
Wir sahen uns ein paar Sekunden an und mir gingen die unmöglichsten Gedanken durch den Kopf. Unter anderem auch die Frage, ob es Pan nur gab, weil ich dem dämlichen Pilz gesagt hatte, daß ich keine Jungfrau mehr war... Aber den Gedanken verwarf ich gleich wieder.
„Und ich bin... ähm...“ rief der Pilz nervös und hupste aufgeregt hin und her. „Ja, wer bin ich denn? Du hast mir noch keinen Namen gegeben.“
„Was? Wer? Ich?“ fragte ich und sah den Pilz an.
„Wer sonst? Der Drache da vorne vielleicht?“
„Und jetzt soll ich mir einen Namen aus den Fingern saugen oder was?“
„Zum Beispiel.“ erwiderte der Pilz gereizt. „Ich will auch einen Namen. Sogar dein Schwert hat einen.“
„Hätteste mal vorher dran gedacht, als du das hier alles geschaffen hast.“ bemerkte ich schnippisch.
„Ähm, Rei...“ sagte Pan zögerlich und zupfte sachte an einem meiner Ärmel.
Ich sah ihn fragend an, aber er sah mich nicht an, sondern schaute in die andere Richtung. Ich folgte seinem Blick und da sah ich es: ein riesiges, schuppiges Ungetüm, das hinter einem Baum stand, der nicht einmal seinen kleinen Zeh hätte verdecken können. Es beobachtete uns aus flinken, schwarzen Augen. Es schillerte in vielen verschiedenen Rottönen. Es hatte riesige Flügel, die angelegt waren. Auf seinem spitzen Kopf ragte ein blauer Kamm empor und seine Ohren wackelten unruhig hin und her, als ob es Angst hatte, etwas zu verpassen.
„Also, was ist nun mit meinem Namen?“ nervte der Pilz.
„Scheiße!“ sagte ich.
„Was ist denn das für ein blöder Na...“ weiter kam der Pilz nicht. Ich hatte ihn gepackt und rannte nun, ihn unter den Arm geklemmt, von dem Drachen weg. Pan lief vor mir und zeigte mir den Weg.
Hinter uns setzte sich der rote Riese in Bewegung. Er wälzte Bäume ohne Rücksicht um und machte mit jedem Schritt Boden gut. Ich konnte seine Schritte auf dem Boden beben hören, und irgendwie wurde mir klar, daß es doch keine so gute Idee gewesen war, diesem dämlichen Monitor zu vertrauen.
Der Pilz unter meinem Arm bewegte sich heftig. Ich packte ihn immer fester, aber er bewegte sich immer mehr, bis mich irgendwas in die Seite kniff, und ich ihn fallen ließ. Ich lief ein paar Schritte weiter, bis ich merkte, was los war. Dann blieb ich stehen und drehte mich um.
Ich erschrak tierisch, als ich in das Auge des Drachen blickte. Mein Herz setzte einen Moment aus, aber es erinnerte sich rechtzeitig wieder an seine eigentliche Aufgabe bevor es für mich zu spät war.
„Scheiße.“ sagte ich leise.
„Ich bin hier.“ rief der Pilz, der gefährlich nahe am großen Zeh des Drachen lag. Er zitterte wie Espenlaub, und er tat mir unheimlich leid. Vor allem aber deswegen, weil er glaubte, sein Name wäre Scheiße. Ich hätte in diesem Moment gerne gegrinst, aber angesichts des Drachen direkt vor mir, verging mir die Lust.
Der Drache hob seinen Kopf, als ob er etwas gehört hatte, daß sich als interessanter erweisen könnte als ein sprechender Pilz, ein junger Mann und ich. Aber dem war wohl nicht so, denn er senkte den Kopf wieder zu uns hinunter.
„Ich bin da.“ hörte ich Pan hinter mir sagen. Er war auch umgekehrt, als ich Schei... den Pilz verloren hatte.
Ich muß mir einen gescheiten Namen einfallen lassen, dachte ich auf einmal, als ob es das Wichtigste auf der Welt wäre, einem sprechenden Pilz einen Namen zu geben, mit dem jeder leben konnte.
„Was suchst du?“ sagte der Drache.
Ich war überrascht. Angesichts seiner Größe hatte ich eine tiefe, dröhnende Stimme erwartet, aber sie war sanft, fast wie Gesang.
„Ähm, ich?“ fragte ich zurück. Blöde Frage, dachte ich im gleichen Moment. Wer denn sonst?
„Ja, du. Bist du hinter meinem Goldschatz her?“ fragte der Drache. Seine Augen huschten zwischen mir und Pan hin und her. Außerdem zerrte irgendwas an meinem Bein. Ich sah runter und sah Schei... den Pilz. Ich bückte mich und hob ihn hoch. Ich trug ihn jetzt wie ein Baby auf dem Arm und kam mir reichlich albern vor.
„Goldschatz?“ fragte Pan nach.
„Könnt ihr nur mit Fragen antworten?“ wollte der Drache wissen.
„Du doch auch, oder?“ sagte ich jetzt.
„Laßt den Mist.“ meinte der Drache bestimmend. „Also, ihr wollt meinen Goldschatz also nicht.“
„Nicht, daß wir wüssten.“ Antwortete ich.
„Das ist gut. Vielleicht könnt ihr mir helfen.“ summte der Drache in seiner angenehmen Stimme. Wieder hob er den Kopf, um zu lauschen. Aber er hatte sich wieder verhört. „Kommt mit in meine Höhle. Da ist es warm und es gibt auch was zu essen.“
„Schokolade?“ fragte ich hoffnungsvoll, aber der Drache ignorierte mich.
Wir folgten dem Drachen durch den halben Wald hindurch (ich nahm an, daß es die Hälfte war, aber das war schwer zu schätzen, wenn man nicht wusste, wie groß der Wald überhaupt war). Nach ein paar Stunden erblickten wir einen reisenden Händler, der von einem wilden und äußerst wütenden Kobold verfolgt wurde. Aus den wenigen Gesprächsfetzen, die an unser Ohr drangen, erfuhren wir, daß der Händler den Kobold bei einem Geschäft übers Ohr gehauen hatte, und der Kobold wollte jetzt das gleiche mit dem Händler machen. Und zwar wörtlich.
Nach ein paar weiteren Stunden (in denen ich Schei.. den Pilz in allen möglichen Variationen delikat angerichtet hatte) erreichten wir einen inaktiven Vulkan (jedenfalls versicherte der Drache uns, daß er inaktiv war, und er müsste das wissen, denn er wohnte schon länger hier). Der Drache führte uns in seine Höhle, aber dann blieb er abrupt stehen und schaute sich aufmerksam um.
„Sie kommen.“ sagte er schlicht und rannte, was das Zeug hielt, in das Innere seiner Höhle. Bevor wir auch nur einen Mucks machen konnten, hörten wir eine Tür knallen und dann ein wildes Geschrei, das uns bis in Mark und Bein drang.
„Was ist das?“ flüsterte ich leise.
„Die habe ich geschaffen.“ meldete sich mein kleiner Freund auf meinem Arm schuldbewusst.
„Und was ist es?“ fragte ich ungeduldig.
Das Geschrei wurde immer lauter und wilder.
„Goblinhorden.“
Ich sah Pan fragend an. Ich hatte keine Ahnung, was Goblins waren und was so schlimm daran sein konnte, wenn sie in Horden auftraten. Aber die Tatsache, daß der Drache so mir nichts dir nichts abgehauen war, machte mich doch etwas nachdenklich. „Und was machen wir jetzt?“
„Für einen Plan haben wir keine Zeit.“ sagte Pan bestimmt.
Im gleichen Moment hörten wir, wie unten eine Tür knarrte, dann schlidderte etwas rasend schnell und schimmernd an uns vorbei. Am Ausgang der Höhle bildete sich ein schimmernder Schutzwall. Keine Sekunde zu spät, denn die Horde Goblins, die mein Mittagessen geschaffen hatte, prallten jaulend daran ab und machten sich dann wütend daran, auf den Schild einzuschlagen.
„Würdet ihr jetzt endlich mal runterkommen, daß ich die Tür zumachen kann?“ dröhnte die Stimme des Drachens zu uns. „Es wird hier drin immer so schnell kalt.“
Wir sahen uns fragend an und machten uns dann sorglos auf den Weg. Dafür, daß wir nicht wussten, wie lange der Schutzschild hielt, waren wir sehr unbekümmert. Dann betraten wir die Wohnung des Drachen. Sie war geräumig und mit gutem Geschmack eingerichtet. Der Drache schien Gold zu mögen, denn seine ganze Wohnung bestand aus kleinen oder großen Goldhaufen, die glitzerten und strahlten, was das Zug hielt. Wir sahen uns bewundernd um und staunten nicht schlecht.
Der Drache war inzwischen in der Küche verschwunden und kam nach einer Weile mit belegten Broten zurück. Ich aß, als ob ich noch nie in meinem Leben etwas gegessen hatte. Pan griff zurückhaltender zu, und Schei... der Pilz war beleidigt und hockte schmollend in einer Ecke, weil er auf einem der Brote Pilze entdeckt hatte.
„Was war das eigentlich, was da an uns vorbeigeschliddert ist?“ fragte ich zwischen zwei Bissen.
„Das? Das war eine regenbogenfarbige Schuppe. Die habe ich von einer alten Freundin bekommen, einer Fledermaus. Die Schuppe kann einen Schutzwall errichten. Wollt ihr noch Tee dazu? Nicht? Na ja, sie gab es mir, bevor sie sich eine andere Höhle gesucht hat. Wißt ihr, wir hatten mal eine WG, aber ihre Schnarcherei war einfach nicht auszuhalten. Also haben wir uns getrennt.“
„Das tut mir leid.“ sagte ich kauend.
„Ich schon gut. Ich meine, es war das beste für uns. Sie sagte, es sei ein magisches Artefakt, das mich vor den Goblinhorden dort draußen schützen soll. Aber fragt mich nicht, wie die hierher kommen. Das sind welche von einer Rasse, die es gar nicht hier in meinen Breiten geben kann.“
Ich sah kurz in die Ecke, wo der Pilz beleidigt schmollte. Erst das mit den Pilzen, und dann meckerte der Drache auch noch an seiner Welt herum. Armer Kerl, dachte ich. Ich stand auf und ging zu ihm hinüber.
„Ich habe jetzt einen Namen für dich.“ sagte ich sanft.
„Ich dachte, ich heiße Scheiße?“
„Nein, tust du nicht. Das war ein Missverständnis.“
„So, und wie heiße ich nun?“
„Was hälst du von Manfred?“
Der Pilz sah mich argwöhnisch an. „Das gefällt mir.“ sagte er dann und grinste.
Ich grinste ebenfalls und schloß ihn in die Arme. Zusammen gingen wir zu Pan und dem Drachen zurück und es wurde noch ein vergnüglicher Abend und eine vergnügliche Nacht.
Als ich am nächsten Morgen aufwachte, hatte ich Kopfschmerzen. Nicht von der Sauferei, da war ich mir sicher, sondern von der harten Unterlage, auf den mein Kopf die Nacht verbracht hatte. Ich hob den Kopf und sah die Tastatur meines Laptops vor mir. Ich sah weiter hoch und sah in ein grinsendes Punkt, Punkt... Sie wissen schon.
„Manfred.“ sagte ich überrascht.
„Ja, das bin ich.“ sagte er. „Du hast übrigens die Abdrücke deiner Tastatur im Gesicht, falls du das nicht weißt.“
Ich grummelte eine entsprechende Antwort.
„Ich wollte mich noch mal für den schönen Namen bedanken.“ sagte Manfred und schien rot zu werden.
„Du, ich hab da noch ein paar Fragen...“ sagte ich langsam und rieb mir die Gesichtshälfte, die die Nacht auf der Tastatur verbracht hatte. „Was sollte die Aktion mit der Jungfrau? Und mit Flasi...Flasidingsda? Und Pan? Und wobei sollten wir dem Drachen nun eigentlich helfen? Wie haben ihm doch nur den Kühlschrank leergefuttert.“
Manfred grinste breit. „Das alles waren nur Ideen, Rei. Ich habe sie die gegeben, damit du daraus eine Geschichte für das Challenge machen kannst.“ Er machte eine kurze Pause. „Und das mit der Jungfrau... sonst wäre der Drache nicht so gut auf dich zu sprechen gewesen. Du weißt doch, Drachen und Jungfrauen.“
Ich sah ihn schief an „He, du hast recht.“ Ich lächelte ihn sanft an. „Danke.“
„Nichts zu danken. Dazu sind Freunde schließlich da.“
„Freunde...“ sagte ich noch, dann riß mich die Stimme des unheimlich penetranten Nachrichtenansagers meines Lieblingsradiosenders aus meinem Traum. Ich sah mich verwirrt um. Ich saß am Schreibtisch, vor mir flackerte der Bildschirmschoner über meinen Laptop. Hinter mir plärrte mein Radiowecker, der mich daran erinnerte, daß ich aufstehen und zur Arbeit musste. Seufzend und mit einem tierischen Kreuzweh stand ich auf und streckte mich. Dann schnappte ich mir ein Blatt Papier und notierte einige Szenen aus dem Traum. Zum Schluß warf ich meinem Laptop noch eine Kusshand zu und löschte das Licht.

Und in der Dunkelheit glühte ein Monitor knallrot auf und war froh, endlich einen Namen zu haben.

Rei25012002

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flammarion
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ja,

das ist eine geschichte nach meinem geschmack. kommt auch gleich in meine sammlung.
aber erkläre mir dummen ossi doch bitte, was ne challenge ist.
dann sind in der geschichte noch n paar flüchtigkeitsfehler, die du bei aufmerksamem lesen sicher selber findest. zb. . . .lag ich auf rücklings . . .
ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

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Rei
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Hallo flammarion,

danke für Deine Reaktion auf meinen Text *freu*

Also, ein Challenge ist eine Art Schreibaufgabe, in der jemand ein paar Wörter und / oder Satzteile vorgibt, die in der Geschichte verbaut werden müüsen und zwar genauso, wie sie da stehen. Dann ist in der Regel noch die Länge und das Genre des extes vorgegeben. Aber das muß auch nicht unbedingt sein. Wenn dann ein paar Geschichten eingegangen sind, muß der Aufgabensteller Punkte vergeben und einen Sieger erklären. Eine ganz witzige Sache, da es bei Schreibblockaden unheimlich hilfreich ist.

Oh, das mit dem rücklings war nurn Wortverdreher. Hups, da muß ich aber nochmal ordentlich drüberschauen. Die Geschichte ist zwar schon älter, aber überarbeiten müßte ich sie trotzdem nochmal.

Danke nochmal für Deine Antwort!

Gruß, Rei

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flammarion
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aha.

vielen dank für die freundliche aufklärung. wieder was gelernt!
punkte vergeben, soso. das merke ich mir auch.
ganz lieb grüßt
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Old Icke

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Michael Schmidt
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Hallo Rei,

ich habe mich auch köstlich amüsiert. Einzig der "fantasy-Teil" ist ein wenig langatmig und der Namenswitz des Pilz wird meiner Meinung nach zu oft wiederholt.

Bis bald,
Michael

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GabiSils
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Langatmig ... ist schließlich Fantasy, Michael, oder (Geradezu ein Genremerkmal)

Witziger Text, Rei, hat mir gefallen!

Gruß,
Gabi

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