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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Unwesentlich sicherer
Eingestellt am 27. 06. 2008 18:41


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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

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Ob du als Frau einen zusĂ€tzlichen Ring am deutschen Eheringfinger brauchst, um den zu locker sitzenden Ehehring zu sichern, mag fĂŒr die Menschheit ein unwesentlichen Problem sein. FĂŒr Gerda, die nicht nur um die Taille herum Jahr fĂŒr Jahr ein paar Kilos von ihren an sich nicht wenigen verlor, war es ein wesentliches.
Ihr Mann Hans-Norbert, genannt Hanno, war am Tag nach seinem fĂŒnfzigsten Geburtstag arbeitslos geworden. Die Papierfabrik baute hundertzwanzig Stellen ab. Die Abfindung verbrauchten sie in einem Jahr. Danach konnte er nicht mehr genĂŒgend Geld fĂŒr den goldenen Sicherheitsring aufbringen.
Ich werde immer um dich kĂ€mpfen. Immer. Du, du bist doch mein Leben. Das waren seine GĂ€nsehautsĂ€tze, die sie manchmal von ihm zu hören bekam, vergaß er
An ihrem fĂŒnfzehnten Hochzeitstag kam er spĂ€ter von der Arbeit nach Hause, krempelte die HemdsĂ€rmel hoch und zeigte auf ein frisches Tattoo auf seinem Unterarm. „Dein Brustbild. Damit ich dich immer bei mir habe!“
„Aber so schlank bin ich doch gar nicht!“ wandte Gerda selbstkritisch ein. „In meinen TrĂ€umen schon.“ Sie bekam eine GĂ€nsehaut, murmelte: „In meinen TrĂ€umen auch.“ und spĂŒrte eine TrĂ€ne ĂŒber ihre linke Wange laufen.
Sie begann abzunehmen. Am Anfang wenig. SpÀter mehr.
Hanno war damals noch in der Gewerkschaft. „Wenn die Stellen abbaun, streiken wir!“ Er schlug mit der Faust auf den KĂŒchentisch und lachte.
Das tat er spĂ€ter ĂŒberhaupt nicht mehr. Und aus der Gewerkschaft trat er sogar aus. „Die können ja auch nix fĂŒr uns tun.“
Gerda nahm das Zahngold zweier ihrer BackzĂ€hne, das der Zahnarzt vor ein paar Jahre gegen eine PorzellanfĂŒllung austauschte und trug es zur Goldschmiedin ihres Vertrauens.
NatĂŒrlich erzĂ€hlte sie Hanno, welche tollen Goldringe mit zwei und sogar drei Brillianten sie bei der Goldschmiedin gesehen hatte. Er sollte wissen, zu welchem Verzicht sie bereit war, indem sie nur die vergleichsweise geringen Herstellungskosten fĂŒr den schlichten Zahngoldring von ihm erwartete. FĂŒr ihren ausgesprochenen Lieblingsring aus Platin und mit drei Edelsteinen hĂ€tte sie ĂŒber dreitausend Euro hinlegen mĂŒssen. Und damit, versicherte sie Hanno, sei ihr die eigentlich sehr nette Goldschmiedin schon um ein paar hundert Euro entgegen gekommen. (Zweihundert genau. Doch das musste Hanno nicht unbedingt wissen.)
Hanno zuckte mit den Schultern, setzte seinen depressivsten Gesichtsausdruck auf, schĂŒttelte den Kopf, nahm demonstrativ sein abgewetztes Lederportemonnaie aus der GesĂ€ĂŸtasche, zog den letzten Zwanzig-Euro-Schein heraus, kippte ein paar MĂŒnzen auf den KĂŒchentisch, zĂ€hlte Gerda ganz langsam vor, dass sie zusammen nicht einmal zwei Euro ergaben und steckte .
Geld und Portemonnaie wortlos wieder ein.
Gerda spĂŒrte eine TrĂ€ne auf ihrer rechten Wange. Über ihre linke Wange war schon lange keine mehr gelaufen. „Wenn ich jetzt meinen - unseren - Ehering verliere?“ Sie holte tief Luft durch den Mund. Ihre Lippen zitterten.
Hanno sah sie nur kurz an, drehte sich um und verließ schlurfend die KĂŒche. Gerda gab den Ring dennoch in Auftrag und vereinbarte Ratenzahlung.
Das war vor knapp einem halben Jahr.
Seit zwei Wochen trÀgt Gerda nur noch den Sicherungsring und wohnt jetzt bei Friedhelm.
Er war Hannos Kollege, wurde nicht entlassen und ist zehn Jahre jĂŒnger als Hanno und dreizehn Jahre jĂŒnger als Gerda. Die letzten Raten fĂŒr den Sicherungsring zahlte er. „Ich liebe dich doch. Da spielt Geld keine Rolle!“ sagte er leise. Gerda bekam keine GĂ€nsehaut und Friedhelm kĂŒsste ihr die TrĂ€nen von der rechten Wange.
Und da sie inzwischen noch schlanker geworden war, saß auch der Sicherungsring schon wieder locker.

__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

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Karl Feldkamp
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Ihr Lieben,
nur Bewertungen aber keine Kommentare zu erhalten, ist fĂŒr mich immer ein wenig unbefriedigend. Ich bin sehr an eurer Kritik interessiert.
Herzliche GrĂŒĂŸe
Karl
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Karl Feldkamp
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Liebe Maren,
alles das will die Geschichte sagen und vor allem, dass es keine Liebes-und GlĂŒcksversicherung gibt. Kaum glaube ich, sie abgeschlossen zu haben, beginnt schon das Ende der Liebe.
Und GlĂŒck gibt es nur fĂŒr den, der sich der ZufĂ€lligkeit des GlĂŒcks nicht verschließt.
Gruß
Karl
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