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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Urlaubstrip
Eingestellt am 20. 10. 2002 23:48


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knychen
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2002

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Ein sanftes Dröhnen im Kopf ist das Erste , was ich beim langsamen Erwachen spĂŒre. Ein sich entfernender Schmerz, zu schwach schon, um weh zu tun. Murmeln und Rauschen erfĂŒllt den Raum um mich. Raum muß ich sagen, denn ich bin mir völlig unschlĂŒssig darĂŒber, wo ich mich befinde. Weder das leichte Schaukeln in der Luft, wenn man im Freien schlĂ€ft, noch die greifbare Unbeweglichkeit eines geschlossenen Zimmers. Und doch sehe ich in dem bleichen Licht eines fast vollen Mondes, der stroboskopartig hinter schnell dahinziehenden Wolkenfetzen aufleuchtet, einen erdrĂŒckend tief liegenden Himmel ĂŒber mir, denn ich liege auf dem RĂŒcken. Langsam stellt sich auch ein GefĂŒhl fĂŒr den Rest meines Körpers in konzentrisch schwappenden Wellen ein, ausgehend von einem Punkt irgendwo zwischen Brustbein und Bauchnabel. Ich will mich aufrichten, bemerke aber mit Befremden, dass ich an den Hand- und Fußgelenken festgeschnallt bin, mit Betonung auf „fest“. Was soll das? Als ich an meinen Fesseln zerre, verstĂ€rken diese ihren Druck proportional zu meinen BemĂŒhungen. Vor Schmerzen beende ich diesen ersten Befreiungsversuch, aber die Umklammerung meiner Gelenke nimmt noch einen Augenblick lang zu. Ich brĂŒlle kurz auf. Nach einem Verschnaufen schaue ich an mir entlang, kann aber keine Fesseln entdecken. Wer immer mich hier gefangen hĂ€lt, der muß gute Technik zur VerfĂŒgung haben. Aber wer sollte ein Interesse haben an meiner Unbeweglichkeit? Seltsame Gestalten schweben durch meine Erinnerungen, lange HĂ€lse und riesige grĂŒngelbe HĂŒte. Keine Gesichter, keine GesprĂ€che. Als die Wolken einen Augenblick nachlassen, erkenne ich Einzelheiten meiner Umgebung. Da ist ein Hochspannungsmast, ein Netzwerk schwarzen Schattens wie ein Monster mit auseinandergereckten Armen. Nur eine Leitung kann ich erkennen, sie fĂŒhrt direkt ĂŒber mir entlang. Von rechts kommt etwas auf mich zu, es scheint an der Leitung zu hĂ€ngen wie an einer Seilbahn. Jetzt öffnet sich dieser Schatten und nimmt die Konturen einer Fledermaus an. KopfĂŒber an der Leitung hĂ€ngend, gerĂ€t sie in Schwingung und lĂ€sst deutlich erkennen, dass ich das Ziel ihrer WĂŒnsche bin. Im Augenblick des vermuteten Kontaktes reisse ich den Kopf nach links, ein heißes Kratzen durchsticht mein rechtes Ohr, nie gehörte GerĂ€usche erfĂŒllen mein Innerstes und dann sehe ich das Vieh entschwinden, mein flatterndes Ohr an einem seiner EckzĂ€hne mit ihm. Van Gogh fĂ€llt mir kurz ein, aber ich habe ja keinen Absinth getrunken. Wieder erscheint ein Schatten von rechts, diesmal ist es eine große Kuh, aufgehangen an ihrem Schwanze. ,Eine Kuh’ denke ich erleichtert, ,das harmloseste Tier der Welt. Bisschen Zeit gewonnen zum Überlegen’. Da ein GebrĂŒll, die Kuh beginnt ebenfalls zu kreisen und scheint aggressiv wie ein LöwenmĂ€nnchen bei der Revierverteidigung. Beim entscheidenden Angriff sehe ich es sofort kommen, da ist kein Entrinnen möglich. Sie erwischt mich voll am Kopf, reißt mich mit hoch. Die Fesseln halten noch eine Weile, Arme und Beine werden lĂ€nger und als die Kuh mit dem SchĂ€del schlenkert, macht es viermal PLOP! und meine unendlich lang gewordenen Gliedmaßen folgen mir wie die flatternden Enden eines Kinderdrachens. Mit ruckenden Bewegungen bereitet die Kuh die finale Schluckaktion vor, dann wird es dunkel. Ich verschwinde in einem Tunnel schwarzer WĂ€rme, vorneweg der Kopf, der Körper und hinterdrein ein unentwirrbares KnĂ€uel des Restes von mir. Es riecht sĂ€uerlich, aber da dieser Geruch der Einzige ist, den ich registriere, kommt mir der Gedanke, dass es ja vielleicht nur deshalb sĂ€uerlich riecht, weil ich meine, es mĂŒsste in einem Kuhhals so riechen. Langsam an das Dunkel gewöhnt, rolle ich in einer Röhre scheinbar leicht bergab. Dabei forme ich mich nach und nach zu einer Art Kugel, Ă€hnlich den runden StrĂ€uchern, die in schlecht gemachten Western immer durch die windige Hauptstraße eines jĂ€mmerlichen PrĂ€riekaff’s rollen. Mit einem sanften Plumps setze ich irgendwo auf und entfalte mich wie eine BlĂŒte in einer Zeitrafferaufnahme. Ich beginne die Kuh auszufĂŒllen und stelle mit Erstaunen fest, dass mir die Kuhhaut perfekt passt. An der Unterseite, also am Bauch, drĂŒckt etwas. Mit dem gelenklosen rechten Vorderfuß betaste ich es und halte es fĂŒr einen Stöpsel. Die durch den Kopf schießende Idee, mich hier und jetzt in Luft aufzulösen, halte ich fĂŒr gut. Mit dem Huf schnipse ich diesen Stöpsel zur Seite. Kleiner Irrtum, ich falle oder besser gesagt schwebe nach unten. War wohl die Verriegelung der AufhĂ€ngevorrichtung.
Die Nacht scheint dem Ende zuzugehen, in der beginnenden MorgendĂ€mmerung erkenne ich unter mir eine Wiese. Butterweich wie Möllemann in PR-Aufnahmen setze ich auf, genau in dem Augenblick, als die Sonne ihren ersten Strahl in den neuen Tag schießt. Ich verspĂŒre Durst, stehe auf allen Vieren im Gras und brĂŒlle dem Morgen mein Verlangen entgegen. Aber warum denke ich dabei an Blut? Noch nie habe ich Blut getrunken, immer nur geschmeckt. Sollte mich dieser Geschmack so beeindruckt haben. Zu meinem Durst, der sich in heiseren Schreien vernehmlich macht, gesellt sich nun das deprimierende Wissen, die einzige nicht vegetarisch lebende Kuh zu sein. Die Sonne, deutlich stĂ€rker geworden, trocknet mir den weit geöffneten Schlund aus, ich beginne innerlich zu schrumpfen. Schon fehlt mir die Kraft zum Schreien, schon werde ich gestaltlos und verschrumpelt erreiche ich endlich den Mittelpunkt meiner jetzigen Gestalt, den Stöpsel an der Bauchseite. Ein klitzekleiner Hautknorpel als Gegenpol des Bauchnabels bin ich geworden, so vertrocknet und verdreht, daß es kein innen und außen mehr gibt. Nur das Bewußtsein ist noch vorhanden, obwohl, war ich jemals anders? Wieder rolle ich, diesmal spiralförmig und schneller werden, mein Orientierungssinn ist deutlich ĂŒberlastet. Ein Schließmuskel, ĂŒber dem in Neonfarbenen Leuchtlettern das Wort „ZEIT“ steht, presst mich schließlich in den freien Raum. Ich empfinde einen Schlag ohne sagen zu können, wo ich getroffen bin. Wie auch, es gibt keine Umschreibung fĂŒr meinen Körper, geschweige denn irgendwelche Teile, die zu benennen wĂ€ren. Doch der Schmerz ist da, ich öffne Augen an einer Stelle, von der ich nicht wußte, daß ich sie habe.
Da ist sie wieder, diese herrliche Wiese im Lozere, mit dem kleinen namenlosen Bach. Sein eiskaltes Wasser verspricht KĂŒhlung selbst bei sommerlichen Temperaturen in Sekundenschnelle. Kinderlachen!! Meine beiden Töchter haben Frisbee gespielt, mich dabei am Kopf getroffen. Meine Freundin liegt auf der Decke und schlĂ€ft. Schöner Platz fĂŒr einen Urlaubstrip. Ich glaube, ich gehe gleich nochmal rĂŒber auf die Kuhweide und hole mir noch ein paar dieser leckeren Pilze. Weiß nicht wie sie hier genannt werden- lateinisch nennt er sich Psilocybe cubensis. Geschmacklich sind sie ja nicht sehr ĂŒberwĂ€ltigend, aber ansonsten doch recht aktiv

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kny

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Kalle
Wird mal Schriftsteller
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Was soll die schwule Scheisse?
Verschone uns von solche trivialem Dreck.
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Kalle, der, den sie "die Flamme" nennen

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knychen
Routinierter Autor
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danke!

na das ist doch endlich mal 'ne konstruktive kritik.
scheiße akzeptier ich ja noch, kalle, aber wo isse denn die "schwul", dieser trivialen dreck. (dachte mir, ich erreich dich an besten, wenn ich in deinem jargon bleibe)
mit gruß von mann zu mann
knychen
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kny

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flammarion
Foren-Redakteur
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aua aua,

noch so n pilz holen? ja, war denn der traum durch den ersten nicht schlimm genug? also, wenns jetzt nicht so frĂŒh am morgen wĂ€r und ick nich gleich zur arbeit mĂŒĂŸte, wĂŒrd ick mir n Pils holen. ganz lieb grĂŒĂŸt
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Old Icke

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Rainer
???
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cubensis ?

hallo knychen,

wachsen hier cubensis? ich kenn nur die semilanceata, die aba auch geschmacklich nicht der bringer sind.
nee, aber mal echt, so einen klischeetrip von psyllos ? dann empfehle ich mal salvia divinorum - kurz, schmerzhaft aber von ungeahnter intensitÀt.
wĂŒrde mich sehr freuen, davon eine beschreibung von dir zu kriegen, ich finds einfach unbeschreiblich.

gruß

rainer

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knychen
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irrtum

wachsen tun die dinger auf der bewußten wiese in zentralfrankreich. entdeckt hab ich sie dort letztes jahr im sommer, da kannte ich sie aber noch nicht, bzw. konnte sie nicht einordnen. dieses jahr nun hatte ich mich sehr auf den urlaubstrip gefreut, war aber zu trocken dort.
mußte ich das problem schließlich als kopfgeburt lösen.
danke fĂŒr den tip.
und an dich ebenfalls danke, flammarion. wenn ich nicht gerad auf dem rasthof pegnitz in der computerecke sitzen wĂŒrde und in zehn minuten weiter mĂŒĂŸte zur messe nach nĂŒrnberg, kĂ€me das pils auch in die engere wahl.
gruß knychen
__________________
kny

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