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Leselupe.de > Kurzgeschichten
VOLKSMUND
Eingestellt am 13. 01. 2002 16:27


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Manfred Ach
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Sep 2001

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Der Untersberg ist allenfalls mit dem Odenberg oder dem KyffhĂ€user zu vergleichen. Im Untersberg nĂ€mlich, so heißt es, lebt ein ganzes Volk. Unters Berg sozusagen. Und tief drunten unterm Untersberg ist ein Kloster verborgen. Das haben die ErdmĂ€nnlein und die Erbweiblein erbaut, und da hocken sie nun drin und lesen BĂŒcher, die aus Baumrinden und HĂ€uten gemacht und mit gar alten und unbekannten Buchstaben geschrieben sind. Durch die eherne Pforte am Hallturm oder durch die MarmorklĂŒfte von Burg Plain kann man dorthin gelangen, oder durch den geheimen Gang unterm Königssee, von St.BartholomĂ€ aus, wo die Unterirdischen frĂŒher zur Mitternacht die Metten sungen. Viele erkleckliche Gestalten wandern durch die gerĂ€umige Volksmundhöhle: Barbarossa, der Herzog Albrecht von Bayern und seine Hausfrau, der Erzbischof Leonhard von Salzburg, der PrĂ€lat von Reichenhall und der Probst von Berchtesgaden, Friedrich II. und Karl der Große, Bormann und Himmler. Rauskommen werden sie aus ihrem Versteck, eines unvermuteten Tages, vom Kehlsteinhaus kann man’s sehen. Wenn nĂ€mlich, so heißt es, die Raben nicht mehr um den Untersberg fliegen, dann wird er aufwachen, der Volksmund, der im Schlaf so Unheimliches sprach, er wird die ZĂ€hne fletschen, wird sein Maul schrecklich aufreißen und herzhaft zubeißen, dass das Blut spritzt und die Kirchenglocken jubilieren und die Sennerinnen auf den Besenstiel springen und der Trachtenverein bis an die ZĂ€hne bewaffnet das Rathaus stĂŒrmt und den alten Religionsunterricht wieder einfĂŒhrt.

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