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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Valle Gran Rey
Eingestellt am 15. 11. 2002 21:20


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JennyP.
Hobbydichter
Registriert: Nov 2002

Werke: 16
Kommentare: 12
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Valle Gran Rey
"Das Tal des großen Königs"

Valle Gran Rey. Ein kleines abgelegenes Tal inmitten wunderbarster, idyllischer Natur wel-ches auf La Gomera, der kleinsten der Kanarische Inseln, bis jetzt ĂŒberdauert hat.
Ziel fĂŒr diejenigen, die aus dem erdrĂŒckenden Alltag und den ewigen Stresssituationen ent-fliehen wollen. Eine ZufluchtsstĂ€tte fĂŒr Zeit suchende und unzufriedene Menschen die ihr Dasein in Ruhe und Entspannung fristen wollen.
Links und rechts des so atemberaubenden Tales ragen, scheinbar unendliche Meter, steile schroffe, von robusten und trocknen WĂŒstengewĂ€chsen, gesĂ€umte FelswĂ€nde empor. Eine riesige Schneise dessen Weg sich ungehindert zum, nicht enden wollenden, Ozean bahnt.
Wie ein Wurm schlĂ€ngelt sich die schmale asphaltierte Straße ĂŒber die höchste Spitze des Berges seicht hinunter in das, von Palmen und kleinen HĂ€uschen, gesĂ€umte Tal.
Auf halber Höhe stehen einsame weiße HĂ€uschen an den BerghĂ€ngen, die von stufigen klei-nen Feldern umgeben sind. Wie AmeisenhĂŒgel winden sie sich an den rauhen FelswĂ€nden des Berges.
Ein lĂ€ngst ausgetrocknetes Flußbett, wovon nur noch die zahlreichen Palmen und StrĂ€ucher zeugen, erstreckt sich ĂŒber die ganze LĂ€nge des Tales.
Links und rechts des Flußbettes entfalten sich lauter kleine HĂ€uschen in allen Farben. Kleine Finkas und Hassiendas umgeben von blĂŒhenden Palmenhainen.
Eine einzige breite, von exotischen BĂ€umen gesĂ€umte, Straße fĂŒhrt zur Unendlichkeit des wĂŒtenden Atlantiks. Hin und wieder stehen, scheinbar nutzlose Straßenlampen, am Weges-rand. Als wĂŒrde dieser Ort das ganze Jahr vor eigener Schönheit erstrahlen, sodass er keine Laternen benötigen wĂŒrde.
Zierliche bunte HĂ€usergrĂŒppchen mit rot geziegelten DĂ€chern und von Blumen bunt ge-schmĂŒckten Balkonen strecken sich die einsame Straße entlang.
Kleine SpielplĂ€tze, auf denen sich die spanischen Kinder vergnĂŒgen, breiten sich in den schat-tigen Innenhöfen aus.
Farben ĂŒber Farben. Die ganze Insel scheint von Blumenmeeren bedeckt. Rote, gelbe, weiße BlĂŒten, die sich an den Spitzen der saftig grĂŒnen BĂ€umen entlanghangeln. Und doch ist die Insel das Kind der trockenen, leblosen WĂŒste und der schon lange nicht mehr lodernden Vul-kane. Wie ein Wunder der Natur, auf das niemand eine ErklĂ€rung weiss.
Angekommen am Atlantik teilt sich die Straße nach Osten und Westen.
Westen, die kleinen FischergaststÀtten und wenige HÀuser, deren AtmosphÀre vom Gezwit-scher kleiner schwarz-gefiederter Beos erhellt wird. Die orange-farbenen SchnÀbel pfeifen dem Wind ihre Liedchen zu in der Hoffnung auf Antwort.
Nur dort gibt es einen schwerlich bezwingbaren Weg der zu den kleinen HĂ€uschen in den schwindelnden Höhen fĂŒhrt.
Katzen ĂŒber Katzen. In allen Farben zeigen sie sich in ihrer Zutraulichkeit auch den Touris-ten.
Entlang des steilen Pfades durch die schmalen, von HĂ€uschen ĂŒberwuchernden, Gassen in denen einheimische Kinder Fußball spielen und die Ă€lteren, Pfeife rauchend, sich unterhalten und mit einem freundlichem „Hola“ die Urlauber begrĂŒĂŸen die ihre Wege kreuzen, tummeln sich die bunten aufgeweckten Vierbeiner um sich so manch einer Herausforderung zu stellen und nach einem gelegentlichen Futterschmaus und Streicheleinheiten zu betteln.
Osten, der Hafen. Ein riesiger unĂŒberwindbarer Schutzwall aus Beton verhindert das Kentern der lĂ€cherlich winzigen und gebrechlichen Schiffchen, die an dem von Algen und Seetang bedeckten Kai befestigt sind.
Ein StĂŒck weiter östlich, hinter dem Hafen erstreckt sich eine staubige, schmale Straße ent-lang des Ufers, die zu einer stattlichen Hassienda fĂŒhrt. Davor ein Strand gesĂ€umt von abge-wetzten Steinen. Inmitten dieser Steine etwas Seltsames.
Scheinbar schwebend liegen mehrere Steine in unmöglicher Lage fast zwei Meter aufeinan-der. Wie Zauberei stehen sie unbeweglich und vom Wind wohl unzerstörbar mitten in diesem Wall von Steinen.
Hinter der Hassienda, Palmen. Alle Arten von Palmen und rauhe rost-braune FelswÀnde.
Gezeichnet von der nagenden Zeit machen sich in den gefÀhrlich und doch so eindrucksvollen Klippen und HÀngen zerborstene Höhlen bemerkbar, die sich mehr und mehr in das scharf-kantige Gestein graben. Als hÀtten schon vor Tausenden von Jahren Höhlenmenschen hier gelebt.
Noch ist der staubige, schmale Weg nicht zu Ende. Weiter fĂŒhrt er, immer schmaler werdend, bis er nur noch einen schmalen Pfad bildet.
Über uraltes Lavagestein erstreckt sich der, fĂŒr so manch einen, unĂŒberwindbare Pfad, bis er in einer winzigen Bucht endet.
MerkwĂŒrdige vertrocknete PalmenblĂ€tter stapeln sich am Rand der Felswand und Steinhaufen wurden zusammengetragen und zu winzigen Behausungen geschaffen.
Hippie Ă€hnliche Figuren unterhalten sich sitzend in ihren kleinen Höhlen oder spielen mit ihren, von der Sonne braungebrannten Kindern. WĂ€hrend andere ĂŒber den schwarzen, war-men Sand spazieren und in die tosenden Fluten stĂŒrmen um sich zu erfrischen.
Aussiedler.
Bezaubert vom Atlantik hat es sie zu diesem kargen unbehausten Fleckchen gefĂŒhrt wo keine einzige Pflanze zu leben vermag. Diese wĂ€hrend der Flut fast völlig ĂŒberschwemmte Bucht hat sie in ihren Bann gezogen.
Sowie auch der endlose Ozean.
Mit seiner ganzen Kraft lĂ€sst der Atlantik seine schĂ€umenden Finger ĂŒber die rotbraunen und so lebendig wirkenden Felsen gleiten. BerĂŒhrungen, deren so mancher nicht gewachsen ist und gĂ€nzlich von seiner tosenden Macht verschlungen werden kann, wenn er sich zu sehr von der Schönheit des tiefblauen, mystischen Ozeans bezaubern lĂ€sst.
Wie Sirenen die dazu verleiten, sich den todbringenden FĂ€ngen der Unendlichkeit preis-zugeben verfĂŒhrt er jene, deren Widerstand in Nichtigkeit entschwindet wenn sie sein solch anmutigendes Antlitz erblicken.
Und gleitet die abendliche Sonne hinab bis an sein Ende, versinkt das Tal in schlummernde Ruhe um sich an einem neuen Tag ĂŒber seine Schönheit und Unbeflecktheit zu erfreuen.
Dieser Ort ist nicht irgendein Ort. Er hat etwas in mir erweckt, was ich zuvor nicht zu kennen vermochte. Zufriedenheit.
Seit jeher befiel mich der Gedanke, dieses Land, indem ich lebe zu verlassen und vielleicht nie wieder zurĂŒck zu kehren. Nicht aus Hass- oder PflichtgefĂŒhl. Aus Ehrgeiz und Wohlwol-len. Diese dĂŒstere AtmosphĂ€re, diese in Hass und Verbitterung zusammen gespeisten Men-schen und dieses GefĂŒhl der Verzweiflung weckten in mir das GefĂŒhl der Flucht. Aus dieser Stadt, aus diesem Land.
Nicht das erste Mal verbrachte ich flĂŒchtige Momente in wĂ€rmeren StĂ€tten. Ägypten, Marok-ko, Griechenland. Und doch gaben diese Ort mir nie das GefĂŒhl der Zufriedenheit. Trotz all der Schönheit sehnte ich mich nach einem anderen, schöneren, vollkommeneren Ort.
Ein Ende setzte ich meinem bedrĂŒckenden GefĂŒhl, als ich zum ersten Mal dieses so vertrĂ€um-te und von der Zeit und Zivilisation unbeachtete Tal erblickte.
Valle Gran Rey.

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damaskus
Guest
Registriert: Not Yet

Hmmmm ... Damaskus erkennt an Jenny mal wieder: Da ist ein Talent am Werk. Aber das ist keine Geschichte, so leid es mir tut. Du beschreibst in interessanten Bildern das Meer, das "Tal des großen Königs", die Landschaft und so weiter. Ist dir alles gelungen, wirkt aber auf lange Dauer langweilig. Hat mich irgendwie an John Steinbeck erinnert. Aber in der Geschichte fehlt der Antrieb, die Protagonisten und der Knackpunkt, der die Geschichte auslöst, sie vorantreibt und zu einem Ende bringt. Wenn das noch dringewesen wĂ€re, wĂ€rst du meine Göttin ... *schmunzel*

Damaskus

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Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2248
Kommentare: 11067
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Jenny P, herzlich willkommen im Forum "Experimentelles".


Zur Geschichte:
Es sind Bilder da, poetische Bilder, die eine Landschaft ergeben, keine Handlung, das wurde schon geschrieben. EindrĂŒcke. Mir hat es gefallen.

bernd.


__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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