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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Varna
Eingestellt am 08. 03. 2008 21:38


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teccla
Festzeitungsschreiber
Registriert: Mar 2008

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Varna

In einer leichten Kurve fliegen wir ├╝ber Varna, ehe wir den kleinen Landeplatz erreichen. Ich sehe aus dem Kabinenfenster und bin seltsam ber├╝hrt. Die Sicht ist an diesem fr├╝hen Morgen klar. Die Stadt in der sanft schwingenden Bucht, die sich einladend dem schwarzen Meer ├Âffnet, schlummert noch.
Wie viele Jahre ist es her, da ich zum letzten Mal in die bulgarische K├╝stenstadt reiste?
Erinnerungen werden wach.
Mein Urlaub war damals schon fast vorbei als ich ihn kennen lernte.
Die See funkelt verlockend tiefblau im Sonnenlicht. Kleine Wellen umsp├╝len den Strand, an dem wir so oft die Sonne w├Ąrmend auf der Haut sp├╝rten. An diesem Strand sprach er mich damals anÔÇŽ
Auch heute l├Ą├čt der strahlend blaue Himmel kein W├Âlkchen erkennen. Feinwei├čer Sand s├Ąumt ausladend breit das Ufer und l├Ądt zum Erholen ein.
In Erinnerung schwelgend, sehe ich sie noch vor mir, Ball spielende Kinder, hohe Sandburgen, die gelben Sonnenschirme und sich im Wasser balgende Jugendliche.
Wir lagen auf unserer Badematte und genossen Augenblicke der N├Ąhe. Auf dem Bauch liegend, blinzelte er mich hinter seinen ausgestreckten Armen mit schwarzen Augen an. Wenn er sprach, lachten kleine Gr├╝bchen links und rechts neben den sinnlich geformten Lippen. Ich liebte diese Gr├╝bchen.
Das Ufer l├Ąuft flach in das Meer. Erst nach etwa f├╝nfzig Metern ist das Wasser zum Schwimmen tief genug. Wir hatten Spa├č daran, in das Meer zu laufen. Wenn eine Welle kam sprangen wir hoch und lie├čen uns von ihr zum Strand zur├╝ck tragen. Wie Kinder jauchzten wir und fanden kein Ende.
An manchen Tagen war die See zu rau und aufgew├╝hlt f├╝r den Wassersport. Von den kleinen Aussichtst├╝rmen der Bademeister, die in Abst├Ąnden von hundert Meter zwischen den Restaurants ├╝ber die Sicherheit der G├Ąste wachen, wehte dann die schwarze Fahne. An solchen Tagen wanderten wir, dankbar f├╝r den frischen Seewind, die weite Bucht entlang, bis uns Felsen den Weg versperrten und wir umkehrten.
Abends gingen wir am Ufer in eines der zahlreichen kleinen Restaurants, die eingefasst wie Perlen an einer Kette, eingekleidet in sattem Gr├╝n tropischer Pflanzen und umh├╝llt vom Zauber der Musik, mit erfrischenden Getr├Ąnken auf uns warteten.
Ein wei├čer runder Spazierweg zieht um den herzf├Ârmigen Swimmingpool seine Bahn. Mitten ├╝ber dieses Bassin f├╝hrt eine kleine Holzbr├╝cke.
Es ist ÔÇ×unsereÔÇť Br├╝cke.
Dort k├╝ssten wir uns das erste Mal in einer der milden Sommern├Ąchte. Wir waren berauscht vom Wein, der Musik und dem Tanz. Trunken von Romantik.

Es hat sich wenig ver├Ąndert in den all den Jahren. Nur am Swimmingpool kann ich zwei gro├če, neue erbaute Wasserrutschen erkennen.
Viele Palmen und Orangenb├Ąume s├Ąumen noch immer die wei├čen eingefassten Wege und Stufen aus Muschelkalk.
Wie oft sind wir wohlig m├╝de diese Pfade heimw├Ąrts gelaufen ÔÇŽ
Das Hotel erhebt sich wie ein einsamer wei├čer Turm, der gegen die hohen Berge im Hintergrund und der ├╝ppig gr├╝nenden Natur ringsumher, trotzig die moderne Zivilisation verteidigt. Das Gebirge scheint sich jedoch nicht um diesen Betonbau zu k├╝mmern, es gleitet anmutig ins Meer, als w├Ąre es Teil eines riesigen Tieres, das seine Beine im k├╝hlen Nass baumeln l├Ąsst.
Da fallen mir die Nachmittage ein, an denen wir auf die H├╝gel ritten. Der Klang der Hufe auf weichem Waldboden, das sanfte Schaukeln auf dem R├╝cken der Pferde.

Die Mole, die weit ins Meer hinaus f├╝hrt, war tags├╝ber der Treffpunkt der Hobbyfotografen. Man hat dort den besten Ausblick auf die Bucht.
Nachts jedoch war es der Ort f├╝r ein Stelldichein der Liebesp├Ąrchen. Sie lauschten dem Lied der Wellen, gaben den Sternen ihre Namen oder fl├╝sterten dem Wind ihre Tr├Ąume zu.
Auch wir schlenderten verliebt Hand in Hand den Kai entlang. Sa├čen dann, die Beine baumelnd, Arm in Arm ineinander versunken und verabschiedeten den Tag.
Vom Ufer gr├╝├čten die Lichter der Laternen und leise klang Gitarrenmusik zu uns.
Ich sehe noch die kleinen Spiegel aus Tr├Ąnen in seinen Augen als wir uns \"LebewohlÔÇť sagten. Er wollte meine Hand nicht loslassen. Ich konnte mich nicht abwenden, als w├╝rde ein Band uns fesseln und f├╝r immer aneinander schmieden.
An diesem Tag war uns noch nicht bewusst, es war ein Abschied f├╝r immer.

Nun landen wir gleich auf dem Flugplatz au├čerhalb der Stadt.
Ich werde seinen Atem sp├╝ren, in den engen gewundenen Gassen, die hinter der Strandpromenade mit ihren vielen kleinen Gesch├Ąften zum Bummeln einladen, in jedem Winkel dieser idyllischen Bucht. Die Palmen werden von ihm fl├╝stern. Der Wind wird meine Haut so sanft streicheln wie es seine Hand tat. Wenn ich in die Wellen laufe, werde ich seine Stimme h├Âren. Und die Mole wird sich zu mir umdrehen und nach ihm fragen.
Die kleine Br├╝cke wird vergeblich auf ihn warten und vielleicht st├Âhnt sie seine Abschiedsworte unter meinen Schritten. Die wei├čen Wolken am Himmel werden seinen Mund formen. Das Sonnenlicht flimmert im Bl├Ątterdach der B├Ąume mit seinen Augen.
In dem kleinen Strandlokal mit dem blau wei├čgestreiften Sonnendach zwischen den hohen Palmen werde ich hinter einem Oleanderstrauch sitzen, den verliebten Paaren zusehen, roten Wein trinken und die Geige wird wehm├╝tig von seiner Liebe singen.
Nur in den Bergen werde ich nicht wandern, dort wo er verungl├╝ckte.
Er lebt in meinen Gedanken weiter und Varna ist mit seinem Namen verbunden.

__________________
Zahme V├Âgel singen von Freiheit, wilde fliegen...
(Jamaikanisches Sprichwort)

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