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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Vater, warum hast du mich verlassen
Eingestellt am 28. 03. 2013 16:42


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Rezension zu:

JĂŒrg Amann, Vater, warum hast du mich verlassen. Die Autobiografie Jesu Christi, Arche 2013, ISBN 978-3-7160-2694-6

JĂŒrg Amann hat in seinem letzten Buch in einem "dramaturgischen Prozess" die Aufzeichnungen von Rudolf Heß mit dem Titel „Der Kommandant“ veröffentlicht, ein Buch, das man schnell gelesen hat und von dem man lange erschĂŒttert bleibt. Die naive und uneinsichtige Selbstdenunziation eines glĂŒhenden Nationalsozialisten, der ĂŒber lange Jahre das grĂ¶ĂŸte Vernichtungslager geleitet hat, das die Menschheit kennt und in dem eine unvorstellbare Zahl von Juden, Zigeunern, politischen HĂ€ftlingen und "Asozialen" erschossen, spĂ€ter dann systematisch vergast und verbrannt wurden, gibt einen unter die Haut gehenden Einruck, von dem, was damals passiert ist.

Der Leser wird gezwungen, geradezu in den Kopf eines Massenmörders fĂŒr die Dauer seiner LektĂŒre eingesperrt, sich mit dem Monolog von Rudolf HĂ¶ĂŸ auseinanderzusetzen. Da ist kein Abstand mehr möglich. Das Grauen und die Unmenschlichkeit solchen Denkens und Handelns werden unmittelbar.

Nun hat er, sozusagen als Kontrapunkt aus den Berichten der vier neutestamentlichen Evangelien unter dem Titel „Vater, warum hast du mich verlassen“ eine Autobiographie Jesu Christi verfasst. Er nennt ihn ausdrĂŒcklich Jesus Christus, und nicht etwa distanziert Jesus von Nazareth.

Wenn er Jesus in der Ich-Form sein Leben erzĂ€hlen lĂ€sst, wobei er sehr genau und in einer theologisch absolut ĂŒberzeugenden Auswahl von Texten der vier Evangelien vorgeht, dann tut er es, um sich dem „Ecce homo“ („Seht, ein Mensch!“) des Pontius Pilatus anzuschließen.

Das Buch endet mit dem letzten Satz, den der am Kreuz sterbende Jesus ausrief: „ Vater, warum hast du mich verlassen?“ und damit genau an der Stelle, wo die Lebensgeschichte des Jesus von Nazareth in die Glaubensgeschichte des Jesus Christus ĂŒbergeht, die sich gebrochen von den Menschen, aber ungebrochen vom Heiligen Geist hinzieht bis zum Osterfest 2013.

JĂŒrg Amann hat aus den vorliegenden Quellen eine faszinierende ErzĂ€hlung geschaffen, in der dem Leser einer der berĂŒhmtesten Heilsbringer und Gotteslehrer der Menschheitsgeschichte so nahe kommt, wie selten zuvor. Mit einer poetischen Sprache hat er sich eingefĂŒhlt in die Seele eines Menschen, der unabhĂ€ngig davon, ob man an ihn glaubt, als einer der grĂ¶ĂŸten Menschenfreunde der Weltgeschichte bezeichnet werden kann.






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