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Leselupe.de > Gereimtes
Vater, Mutter, Kind
Eingestellt am 10. 09. 2007 08:44


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Penelopeia
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2002

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Vater, Mutter, Kind,
ein TheaterstĂĽck in drei Akten

Prolog

Mutter, Kind und Vater:
Heute gibts Theater.
Vater, Mutter sind
bisschen durch’n Wind.

I.

Mutter hockt zu Hause.
Trinkt. Doch keine Brause.
Ist der Saft denn alle,
fällt sie in die Falle.

Nachts weckt sie ein Schreien.
Eines von den Dreien.
Steht sie auf, leicht schwankend.
Und gleich: schreiend, zankend.

Gibt dem Balg die Flasche.
Murmelt: Blöde Masche.
Graust sich vor dem Morgen.
Geld muss sie sich borgen!

Kurz vor’m Hellewerden:
Traum von weiĂźen Pferden.
Doch: Sirenen rasen.
Fort der Traum geblasen.

Laut und wie am SpieĂźe
brĂĽllt das Kind, das miese!
Mutter schreit nur: Wänster!
Wirft es aus dem Fenster.

II.

Vater kommt nach Hause,
riecht auch nicht nach Brause.
Will die Frau beglĂĽcken.
Die straft ihn mit Blicken.

Vater leert die Taschen:
Nix als leere Flaschen.
Mutter faucht: Besoffen!
Zeigt zur TĂĽr: Ist offen!

Vater grimmt: Du Nutte!
Bist ne voll Kaputte!
Mutter schreit: Du Wichser!
Komm mir vor den Mixer!

Mutter schmeiĂźt paar Vasen.
Vater kommt ins Rasen.
Vater haut die Mutter,
haut sie weich wie Butter.

Mutter tritt dem Gatten
zwischen die Sackratten.
Vater nimmt ein Messer,
schlachtet den Mitesser.

III.

Vater starrt auf’s Messer:
Totsein ist doch besser.
Er fĂĽhlt sich verloren.
Wär er nie geboren!

Wär er nie geboren,
hätt ihm nie die Ohren
Mutter langgezogen,
Vater ihn belogen,

Vater ihn verdroschen,
feste auf die Goschen,
ins Gesicht geschlagen,
wenn er wollt was fragen.

Wär er nicht geworden
groß mit bösen Worten:
wĂĽrd ein Herz noch klopfen,
nix vom Messer tropfen.

Vater frisst Tabletten.
Soll’n vor’m Leben retten.
Gleitet sanft hinĂĽber.
Mutter, Kind: schon drĂĽber.

Epilog

Mutter, Kind und Vater:
Heute gab’s Theater.
Vater, Mutter, Kind:
mal gewesen sind.


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ENachtigall
Foren-Redakteur
???

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kleine Schönheitfehler;

quote:
Vater kommt nach Hause,
riecht auch nicht nach Schnapps statt Brause.


quote:
Mutter tritt dem des Gatten
zwischen die Sackratten Sack mitsamt der Ratten.

Bei den Mitessern klingelt´s auch in meinen Ohren. Da fällt mir gerade nichts zu ein.

Grundsätzlich stören mich kleine Abweichungen im Takt nicht unbedingt. Nur verlangt das hier angeschlagene Stakkato m.E. ein konsequentes Durchhalten. Dann wirkt es erst überzeugend.

GrĂĽĂźe von Elke


__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

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Orangekagebo
Guest
Registriert: Not Yet

Da fällt mir nur eins ein: böse, böse und böse, aber gut gereimt. Ein Wahn, das Ganze, surreal, aber gerade deswegen fast unheimlich echt. Sowas gibt es, leider.

Was mich stört, sind Worte wie Sackratten und Reime wie ... du Wichser, komm´ mir vor den Mixer.
Willkürliches Suchen nach passenden Reimwörtern, die vielleicht zu billig sind. Nur meiner Meinung nach.
Auch das "bist ne voll Kaputte." Das knallt nicht richtig fĂĽr mich.

Aber es stört auch nicht besonders.

Das Ding hat Feuer, macht betroffen und wandelt die Posse ins Schauerliche. Sehr gut gelungen!

LG, orangekagebo

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Penelopeia
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2002

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Hallo Elke,

auch Dir danke fĂĽrs Feedback. Zu Deinen Anmerkungen:


Vater kommt nach Hause,
riecht nach Schnapps statt Brause.


Wenn ein solcher Mann nach Hause kommt, riecht er, wenn nicht nach Brause, mit großer Wahrscheinlichkeit nach einer bestimmten anderen Flüssigkeit. Das dürfte selbstredend sein, zumal der Alkohol bereits im Zusammenhang mit der Frau Erwähnung fand.

Mutter tritt des Gatten
Sack mitsamt der Ratten.


Das ist besser formuliert als meine beiden Zeilen. Jedenfalls im Sinne konventioneller Literatur. Aber genau das war nun nicht meine Absicht. Ich habe an dieser Stelle eine ganze Weile überlegt, inwieweit ich meine sehr obszöne und sprachlich unscharfe – eigentlich falsche Form – stehen lasse: Wer kann schon zwischen Filzläuse treten, da wäre eine ziemlich spitze Stiefelspitze erforderlich...

Die Frage ist: Welche Ausdrucksweise ist in einem bestimmten Milieu die wahrscheinliche, wie kann man sie unter Umständen noch überhöhen. Eine Genitiv-Konstruktion halte ich für ein wenig abwegig, so spricht "da" keiner; und zuviel sprachliche Eleganz oder Präzision im Ausdruck können bei solchen Themen kontraproduktiv sein.

Zur Verdeutlichung ein paar Worte aus dem „Milieu“ in einem heute nicht mehr sonderlich üblichen Versmaß. Wie klingt das:

Klage, Hartz-IV-Empfänger, ob des Ausgangs verruchter Sauforgie.

Ich denke: ziemlich daneben.

Zur Frage der Form-Inhalt-Beziehung fällt mir noch ein anderes Beispiel ein. Ich habe vor ein paar Tagen mal die Schubert-, Mahler- und Schönberg-Platten beiseitegeräumt und die alten ACDC-Scheiben hervorgeholt. Ich hatte viel Spaß damit. Durch den Kopf ging mir: Wie wäre es, wenn nun einer der Producer auf die Idee gekommen wäre, den Sound durch ein paar Streicher „gefälliger“ zu machen? Wie wäre es, wenn einer der Cover-Designer die fehlenden Zähne der Bandmitglieder nachgezeichnet hätte usw? Es wäre schade gewesen um den wirklich dreckigen, aber grundehrlichen und – aus meiner Sicht – stilprägenden und mittlerweile klassischen Punk-Rock.

Grundsätzlich stören mich kleine Abweichungen im Takt nicht unbedingt. Nur verlangt das hier angeschlagene Stakkato m.E. ein konsequentes Durchhalten. Dann wirkt es erst überzeugend.

Ein Stakkato war von mir nicht beabsichtigt. Dafür hat der Text vielzuviele Unterbrechungen. Der Rhythmus dürfte dennoch durchgehend sein. Oder habe ich Unregelmäßigkeiten übersehen?

Noch ein Wort zu den anonymen Wertern: Es ist grundsätzlich lächerlich, hier anonym zu werten. Desgleichen macht es wenig Sinn, hohe oder niedrige Noten zu geben. Ich sehe den Text als „Unliteratur“ oder „Aliteratur“, er erhebt keinen Anspruch auf Gefälligkeit oder zuviel Beachtung. Er existiert, auch wenn ihn keiner liest oder manche derjenigen, die ihn lesen, damit nichts anfangen können.

lG

P.

Ps.: Lieber Orangeman, ich glaube, ich habe auch deine Anmerkungen mit Vorstehendem beantwortet, danke fĂĽr den Kommentar!

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OhrenschĂĽtzer
???
Registriert: Oct 2002

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Hallo Penelopeia,

verstehe ich den folgenden Absatz richtig, wenn ich Dir in den Mund lege "Bitte bewertet diesen Text nicht!"?

quote:
Noch ein Wort zu den anonymen Wertern: Es ist grundsätzlich lächerlich, hier anonym zu werten. Desgleichen macht es wenig Sinn, hohe oder niedrige Noten zu geben. Ich sehe den Text als „Unliteratur“ oder „Aliteratur“, er erhebt keinen Anspruch auf Gefälligkeit oder zuviel Beachtung. Er existiert, auch wenn ihn keiner liest oder manche derjenigen, die ihn lesen, damit nichts anfangen können.

Wenn ja, könntest Du dies gleich zu Anfang klar machen. Oder einfach die Bewertungen ignorieren...

Ich persönlich bewerte seit geraumer Zeit nicht mehr, beschränke mich auf Kommentare. Dein Gedicht ist recht ungewöhnlich und gefühlsintensiv, erscheint mir wie ein morbider Kinderreim. Elkes Einwände bezogen sich, denke ich, eher auf den Sprachrhythmus, das ist mir beim Lesen auch aufgefallen. Aber es ist klar, dass man in so einer komprimierten Form Kompromisse eingehen muss. Es gefällt mir recht gut so wie es hier steht, ich würde aber noch etwas daran feilen.

zB. rhythmisch in den Zeilen:
quote:
Und gleich: schreiend, zankend
...
riecht auch nicht nach Brause.
...
zwischen die Sackratten.
Den Ausdruck "Wänster" kannte ich nicht. Man lernt nie aus.

Liebe GrĂĽĂźe,
__________________
Der OhrenschĂĽtzer

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Penelopeia
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Hallo OhrenschĂĽtzer,

Dir gehts wie mir: ich habe, glaube ich, in den letzten Jahren einmal eine Note vergeben. Ich will da jetzt auch nicht nachsehen, es interessiert mich nicht. Ignorieren wir gemeinsam...

Ăśber den Rhythmus denke ich nun doch noch mal nach, Deine Anmerkungen sind mir schon was wert. Ich brauch n bisschen Zeit dafĂĽr. (In der Antike hieĂź es, man solle einen Text mindestens sieben Jahre lang in eine Schublade legen, und dann nochmal lesen...)

Der Ausdruck "Wänster" ist mir gut bekannt und zugleich schleierhaft. Er leitet sich wohl von "Wanst" her. Die Mütter meiner Kindheit schrieen: Verdammte Wenster! (Oder "Wänster"?) Ausgehend von "Wanst" müsste der Plural auf "Wänste" lauten. Im Duden gibts das Wort nicht. Über die Suchmaschine stößt man paradoxerweise in recht gehäufter Form auf "Wänster". Ich vermute, es ist ein Schlesien-Import.

lG

P.

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Penelopeia
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Kleine Ergänzung zum Thema "Wänster":

In weniger kinderfreundlichen Zeiten als den unseren wurden Kinder noch Gören, Wänster, Bälger und Blagen genannt. Sie kamen grundsätzlich nur im Plural vor, was kein Verdienst ihrer Eltern war, sondern der Heiligsprechung der Familie durch die Kirche und des Fehlens von Verhütungsmitteln.


siehe:

Hier klicken

P.

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