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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Vater frontal
Eingestellt am 22. 01. 2004 21:25


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DarkskiesOne
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Mein Vater musste uns bereits verlassen, als ich noch viel zu klein war, um zu wissen, dass jedes Kind einen Vater hat. Freiwillig ist er nicht gegangen. Es war meine Mutter, die ihm den Laufpass gab. Das passierte, nachdem mein Vater die Treppe heruntergefallen war und sich das Bein gebrochen hatte. Jedes Mal, wenn sie ihn im Krankenhaus besuchte, hatte er so gro├čen Durst gehabt, dass er sie immer und immer wieder bat, ihm etwas zu Trinken zu bringen. Nur einen einzigen, winzigen Schluck. Sie weigerte sich. Als sie von einem ihrer Krankenbesuche zur├╝ckkam, entdeckte sie in seiner Wohnung die Flaschen im Kleiderschrank. Leere Flaschen hinter den Vorh├Ąngen im Schlafzimmer. Und unter seinem Bett. Wie vom letzten Osterfest ├╝briggebliebene Eier hatten sie in ihrem Unterschlupf gelegen, bis jemand sie finden und ├╝ber die unerwarteten Gaben jubeln w├╝rde. Doch niemand war erfreut gewesen. Stattdessen wurden die leeren Flaschen aus ihren Verstecken entfernt, und mein Vater verschwand aus meinem Leben, das gerade erst begonnen hatte. So wuchs ich auf, ohne meinen Vater jemals gesehen zu haben. Ich vermisste ihn nie. Das einzige Foto, das meine Mutter von ihm besa├č, war ein Schnappschuss, aufgenommen kurz nach meiner Geburt. Es zeigte mich als strampelnden S├Ąugling, ein rosiges Ferkelchen auf der Wickelkommode im Badezimmer. Meine Mutter l├Ąchelte, das Gesicht halb dem Fotografen zugewandt, strahlend in die Kamera. Neben ihr, mein Vater, dessen Blick auf mir ruhte. Meinen Vater sah man nur im Profil. Markante Nase, dunkles Haar. Mehr war von ihm nicht zu erkennen.
Als ich zur Schule kam, musste ich schmerzlich feststellen, dass ein Kind einen Vater braucht. Jedes Kind hat einen. Ein Kind ohne Vater ist nur ein halbes Kind. Die Papas reparierten die Autos, wenn sie kaputt waren. Sie verdienten das Geld, damit die M├╝tter zu Hause bleiben und ihren Kindern Mittagessen kochen konnten, wenn die Kleinen aus der Schule kamen. Am Wochenende spielten die V├Ąter mit ihren S├Âhnen Fu├čball und wenn die M├Ądchen sich dabei nicht zu doof anstellten, durften sie sogar mitspielen. Mein Mittagessen wurde von meiner Tagesmutter gekocht, damit meine Mutter den Job meines Vaters ├╝bernehmen konnte. Sp├Ąter erledigte der Backofen die Kocherei, reinschieben, 150 Grad, 20 Minuten, fertig. Meine Mutter arbeitete den ganzen Tag in irgendeinem B├╝ro, wo der Vater eines anderen Kindes ihr Briefe diktierte.
Jeden Morgen um 7.00 Uhr klingelte bei uns zu Hause das Telefon. Meine Mutter war schon lange ins B├╝ro gegangen. Ich wusste, dass ich aufstehen musste, wenn das Telefon das erste Mal l├Ąutete. Ich hob den H├Ârer ab. Am anderen Ende der Leitung h├Ârte ich die Stimme meiner Mutter, die mir sagte, dass ich jetzt aufstehen, mich anziehen und fr├╝hst├╝cken solle. Das Fr├╝hst├╝ck stand immer in der K├╝che f├╝r mich bereit. Wenn meine Mutter das n├Ąchste Mal anrief, war es Zeit, sich auf den Weg in die Schule zu machen. Den Schulweg hatten wir gemeinsam ge├╝bt. Am ersten Schultag waren wir zusammen zur Schule gelaufen. Ich in meinem neuen blauen Cordkleid, die blaue Schult├╝te mit dem gelben Entchen darauf, im Arm. In der Schule bekamen die Jungs orangefarbene Schirmm├╝tzen mit dem hellgr├╝nen Emblem der Verkehrswacht darauf und die M├Ądchen ebensolche Kopft├╝cher. Die leuchtenden Farben sollten die Autofahrer auf uns aufmerksam machen, damit wir als Schulanf├Ąnger auf unserem Schulweg nicht ├╝berfahren w├╝rden. Bl├Âde Idee, fand ich, denn fast alle Kinder wurden sowieso tagt├Ąglich von ihren M├╝ttern zur Schule begleitet und diese passten schon auf, dass ihren Kleinen nichts B├Âses zustie├č. Au├čerdem h├Ątte ich viel lieber so eine coole Schirmm├╝tze gehabt, wie die Jungs sie tragen durften. Meine beiden Freundinnen sahen mit ihren Kopft├╝chern und den Zahnl├╝cken in ihren grinsenden Erstkl├Ąsslergebissen wie kleine Hexen aus. Ich wollte keine Hexe sein. Dann schon lieber ein Junge.
Als ich ├Ąlter wurde, stellte ich fest, dass V├Ąter auch sehr gut dazu taugten, mit ihren Kindern ins Kino zu gehen, zum Schlittschuhlaufen oder in die Eisdiele. Jedenfalls machte mein Stiefvater solche Sachen, wenn er am Wochenende seine eigene Tochter abholte. Manchmal w├╝nschte ich mir, auch eine Sonntagstochter zu sein. Irgendwie war das etwas Besonderes. Mein Vater allerdings wollte noch nicht mal eine Sonntagstochter haben.
Als ich vollj├Ąhrig wurde, gab das Jugendamt die Pflegschaft f├╝r mich in meine H├Ąnde und ich erhielt einen schweren Packen wichtig aussehender Dokumente und den wohlgemeinten Ratschlag, meinen Vater auf Unterhalt zu verklagen, damit ich einen Rechtstitel bes├Ą├če. Ansonsten w├╝rde der Anspruch auf Unterhalt eines Tages erl├Âschen.
Es ist ├╝berhaupt nicht schwierig, jemanden zu verklagen, den man nur von der Seite kennt.
Ein bisschen wie Pokern.
An beiden Enden des Spieltisches sitzen Anw├Ąlte hinter ihren Schutzw├Ąllen aus Aktenordnern und Gesetzestexten und bluffen, was das Zeug h├Ąlt. Es geht auch nicht darum, wer das beste Blatt auf der Hand hat, sondern, welche Seite am geschicktesten mit gezinkten Karten spielen kann oder, einem Zauberk├╝nstler gleich, unbemerkt das f├╝nfte As aus dem ├ärmel zieht. In meinem Fall waren sich die Gegner durchaus ebenb├╝rtig. Das Spiel fand kein Ende.
Deshalb beschloss ich schlie├člich, meinen Vater mit einem pers├Ânlich verfassten Brief zu ├╝berraschen. Was meine Anw├Ąltin in einem Jahr der Korrespondenz mit eiserner Feder nicht vermocht hatte, schafften meine sch├╝chternen Zeilen innerhalb weniger Wochen. Mein Vater meldete sich bei mir, ebenfalls per Brief, und ich erhielt zum ersten Mal in meinem Leben v├Ąterliche Zuwendung in Form von dunkelblauen Worten auf wei├čem Untergrund.
Jetzt hatte ich einen Vater, auch wenn er f├╝r mich weiterhin nur auf dem Papier existierte.
Auf meinem alten Kinderfoto und buntbedruckten Postkarten, die er mir schickte und zu denen sich hin und wieder ein knisternder Geldschein gesellte.
Ich wurde ein klein wenig neugierig auf dieses Phantom, das aus dem Nebel der Vergangenheit aufgetaucht war und begonnen hatte, mit Hilfe eines gew├Âhnlichen Kugelschreibers zu mir zu sprechen. Fragen sammelten sich auf meiner Zunge, Fragen, ├╝ber die zu stellen ich vorher nie nachgedacht hatte und die ich nun doch endlich stellen wollte. Warum mein Vater seit der Trennung von meiner Mutter nie nach mir gefragt habe, schrieb mein F├╝llfederhalter auf das geduldige Briefpapier und verhalf meinen Worten zu einer lautlosen Stimme. Ob er sich nie danach gesehnt habe, mich zu sehen? Der Stift stockte, schwebte eine ganze Weile unschl├╝ssig ├╝ber dem Papier, doch es musste ausgesprochen werden und so bewegte er sich langsam, tastete sich Buchstabe f├╝r Buchstabe, Satz f├╝r Satz heran und verriet meinem Vater behutsam, dass es ihm, dem Stift, nicht leicht fiele, diese Fragen ├╝berhaupt niederzuschreiben.
Ich blickte auf das Blatt Papier vor mir auf dem Tisch, auf dem ich meinem Vater die Frage stellte, ob er Alkoholiker gewesen sei.
Seit 23 Jahren kannte ich nur die Version meiner Mutter.
Meinen Vater nur von einer Seite.
Es wurde Zeit, die andere kennenzulernen.
Als ich den Antwortbrief Wochen sp├Ąter aus dem Kasten zog, sp├╝rte ich einen Klo├č im Hals und den unwiderstehlichen Drang, das Schriftst├╝ck, das sich in meinen H├Ąnden wie ein Klumpen Blei anf├╝hlte, einfach unge├Âffnet in den M├╝lleimer zu werfen. Aber ich hatte mich schon zu weit vorgewagt, um jetzt einen R├╝ckzieher zu machen.
Mit klopfendem Herzen riss ich den Umschlag auf und begann zu lesen.
Die andere Seite fuhr schwere Gesch├╝tze auf. Keine Spur von der Behutsamkeit, mit der ich meine Fragen zu Papier gebracht hatte. Worte explodierten wie Knallfr├Âsche direkt vor meinen Augen, sprangen mir als h├Ąssliche Kastenteufel mitten ins Gesicht und zeigten ihre verzerrten Fratzen. Schuld, L├╝ge, Verrat, schrie es mir von jeder Seite des Briefes entgegen.
Es ist alles ihre Schuld! Sie hat mich betrogen! Ich konnte ja noch nicht mal sicher sein, dass du wirklich meine Tochter bist. Belogen hat deine Mutter dich von Anfang an. Ich habe nicht getrunken. Niemals. Und wenn, dann nur ein kleines bisschen. Weil sie mich dazu gebracht hat. Sie hat mir alles genommen, was mir lieb war, als sie gegangen ist. Sie hat mein Leben zerst├Ârt.
Fassungslos starrte ich auf diese Anklageschrift und sp├╝rte, wie heisse Wut in mir aufstieg. Wut auf dieses Gespenst, das von sich behauptete, mein Vater zu sein und trotzdem nicht davor zur├╝ckschreckte, mir jetzt auch noch meine Mutter nehmen zu wollen. Ein Fremder, der L├╝gen ├╝ber meine Mutter verbreitete. Der ├╝ber sein eigenes Elend jammerte, ohne auch nur zu fragen, wie es uns beiden die ganzen Jahre ├╝ber ergangen war, in denen meine Mutter versucht hatte, mir Mutter und Vater zu sein und unter dieser B├╝rde nicht selten zusammenzubrechen drohte. Ich kenne meine Mutter seit 23 Jahren.
Von vielen Seiten.
Eine L├╝gnerin ist sie nicht.
Ich weiss, dass sie meinen Vater geliebt hat.
Aber weiter mit ihm zusammenleben konnte sie unter den gegebenen Umst├Ąnden nicht.
Ich beschloss, diesen Mann, der vorgab, mein Vater zu sein, fortan zu ignorieren. Es war einfacher, weiterzuleben wie bisher, mit einem Haufen unbeantworteter Fragen im Gep├Ąck, aber ohne die Gefahr, pl├Âtzlich hinterr├╝cks ins Herz geschossen zu werden. Das Phantom verschwand wieder im Nebel und ich konnte nicht behaupten, dass ich es sonderlich vermisste.
Eines Abends klingelte das Telefon. Ich hob den H├Ârer ab und eine mir g├Ąnzlich unbekannte M├Ąnnerstimme erklang in meinem Ohr. Als sie ihren Namen nannte, wusste ich, dass ich mit einem Geist telefonierte. Das Gespenst, welches hartn├Ąckig darauf bestand, mein Vater zu sein, wollte mit mir plaudern, als habe es den verh├Ąngnisvollen Brief niemals geschrieben. Aber ich war alt genug, um zwar bei Bedarf zu verdr├Ąngen, aber keineswegs zu vergessen. Noch einmal versuchte ich, Antworten auf meine Fragen zu bekommen. Antworten, die das Phantom mir geben konnte, wenn es tats├Ąchlich mein Vater war und er war mir diese Antworten verdammt schuldig! Der Mann am Telefon weigerte sich, mit mir zu reden. Wieder wurde meine Mutter zur Zielscheibe seiner Anschuldigungen, w├Ąhrend er im wei├čen Gewand eines Engels durch seine Ausf├╝hrungen schwebte. Wieder unternahm ich einen vergeblichen Versuch, die Stimme dazu zu bringen, mir eine Antwort auf das zu geben, was ich sie gefragt hatte.
Als mir das nicht gelang, versuchte ich, sie zum Schweigen zu bringen.
Ich schrie.
Ich schrie so laut, dass mein Vater mich h├Âren musste, egal, wo auf der Welt er sich gerade befand, selbst wenn er den Telefonh├Ârer bereits wieder auf die Gabel zur├╝ckgelegt und die Verbindung damit unterbrochen h├Ątte.
Ich br├╝llte meine Wut, den Schmerz und die Entt├Ąuschung ├╝ber unsere Sprachlosigkeit heraus, als k├Ânnte ich durch ├╝berh├Âhte Lautst├Ąrke das fehlende Verst├Ąndnis wettmachen.

Dann warf ich den H├Ârer auf die Gabel und begann zu weinen.

Das Nichtgespr├Ąch ist jetzt bereits einige Wochen her.
Es ist kurz vor Weihnachten und in der Buchhandlung wie immer die H├Âlle los. Ich habe den Beruf der Buchh├Ąndlerin gelernt. Viel lieber w├╝rde ich selbst Geschichten erfinden, um vielleicht mit dem geschriebenen Wort das zu erreichen, was mir mit gesprochener Sprache einfach nicht gelingen will. Menschen zu ber├╝hren. Bislang begn├╝ge ich mich damit, die Gedanken und Botschaften anderer zu verkaufen. Ein Kunde in einem gr├╝nen Mantel mit grauem Pelzkragen an der Kapuze, einen kleinen Zettel zwischen den Fingern, zw├Ąngt sich durch die Massen der potentiellen K├Ąufer und bahnt sich zielstrebig seinen Weg zu mir. Vorbei an einem roten Anorak, dessen Hals von einem ebenso roten Wollschal umschlungen wird, und einem hellen Cordmantel mit blonden Locken unter dem kamelfarbenen Hut.
„Der graue Pelzkragen braucht Beratung“, raune ich meiner Kollegin zu und fl├╝chte auf die Toilette. Ich mag einfach nicht mehr. Das geht uns kurz vor Weihnachten allen so. Zumindest jedem, der nicht auf eigene Rechnung 60 Stunden die Woche l├Ąchelt. Als ich von der Toilette zur├╝ckkomme, st├╝rmt gerade ein neuer Trupp von Kunden das Gesch├Ąft. Ich verdr├╝cke mich an den Packtisch und beginne, mechanisch l├Ąchelnd, Paket f├╝r Paket zu packen. Silberne Sterne auf blauem Grund, goldfarbener Aufkleber, bittesch├Ân, danke, gern geschehen. Wenn ich Gl├╝ck habe, kann ich die letzte Stunde vor Feierabend damit verbringen, B├╝cher als Geschenk zu verpacken. Dann muss ich zumindest nicht auf Fragen wie “Tschuldigung, wo finde ich denn Schillers „Leiden des jungen Werther?“, antworten. Oder mir spontane Begeisterungsausbr├╝che ├╝ber meinen tollen Beruf anzuh├Âren. Als Buchh├Ąndler braucht man n├Ąmlich den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als B├╝cher zu lesen.
Wie sch├Ân!
Die meisten Kunden, die geduldig in der Schlange am Packtisch warten, sprechen nicht viel. Der N├Ąchste bitte.
Ein rundlicher Schnauzbart in einer braunen Fliegerjacke.
Preisschild vom Buch abknibbeln, Lekt├╝re einwickeln, Papier zukleben, bittesch├Ân.
Die Fliegerjacke antwortet mir nicht. Sie geht auch nicht gru├člos davon, um dem N├Ąchsten in der Schlange Platz zu machen. Stattdessen wirft der Mann einen Blick auf das Namensschild auf meiner Brust und sagt dann leise:
„Du bist also Jasmin.“
Wieso duzt mich dieser Mensch, den ich noch nie im Leben gesehen habe?
Und woher kennt er meinen Vornamen?
Auf dem Messingschildchen, das an meinen Pullover gepinnt ist, steht nur
J. Steinb├Ącher.
„Und ich bin Peter Welte“, sagt der Fremde in der Lederjacke, bevor mein Hirn ├╝berhaupt dazu kommt, das eben Erlebte zu erfassen.
Wer?
Den Namen kenne ich.
Den Namen und ein altes Foto seines Tr├Ągers.
Das Phantom ist aus dem Nebel getreten und vor meinen Augen zu Fleisch und Blut geworden.
Vater frontal.
Lange schaue ich den Mann mir gegen├╝ber an, w├Ąhrend hinter ihm die Schlange am Packtisch w├Ąchst und w├Ąchst.
Ich sehe in meine Augen.
Auch seine Nase ist der meinen sehr ├Ąhnlich, nur, dass ich eine weiblich filigranere Version geerbt habe.
Ich erinnere mich pl├Âtzlich, dass meine Mutter manchmal gesagt hat, ich s├Ąhe aus, wie mein Vater. Und auch seine Mimik und Gestik habe sich ab und zu in meine Glieder geschlichen. Ich war meiner Mutter immer ins Wort gefallen, wenn sie diese ├ähnlichkeiten feststellte, weil ich nicht wie mein Vater aussehen wollte. Es war mir unheimlich, einen Teil dieses Phantoms in mir zu haben, nebul├Âs und fremd. Jetzt steht ein Mensch vor mir, am Packtisch in der Buchhandlung, eine Woche vor Weihnachten. H├Ąlt das Buch in den H├Ąnden, das ich f├╝r ihn verpackt habe und schaut mich mit meinen eigenen Fragezeichenaugen an.
Ich werde mit ihm sprechen. Gleich jetzt, sobald der Laden geschlossen hat. Und er wird mir antworten.
Wenn nicht heute, dann vielleicht eines Tages.




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Die Liebe ist ein Tod, den ich nicht sterben kann.

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Nordlicht
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Ber├╝hrt mich, gef├Ąllt mir. Ich f├╝hle mit dem M├Ądchen...
Gudrun

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Minouche
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sehr bewegend

Hallo DarkskiesOne !

Ich m├Âchte nicht indiskret sein jetzt. Um Himmels willen nicht ! Aber ich gehe davon aus, dass es eine wahre Geschichte ist, oder ? (ganz vorsichtig gefragt)

Du hast sehr bewegend und in beeindruckenden Bildern geschrieben, das ist mein pers├Ânlicher Eindruck. Nur die Rubrik mag ich nicht ganz so sehr. Weil es f├╝r mich keine Geschichte ist. Es liest sich eher wie ein Tagebuch.
Entschuldigung, ich mag dir nicht zu nahetreten und der Text ist wunderbar geschrieben, nur als eine Kurzgeschichte sehe ich es nicht, denn eine Geschichte (entschuldigung, die bl├Âde Schule), hat f├╝r mich einen Spannungsbogen.

Ich bin selbst noch nicht so lange hier. Ich glaube, es gibt hier ein Forum, wo man diesen Text besser einstellen k├Ânnte, denke ich. Wo er besser hinpasst.

Ansonsten: es hat mich sehr angefasst, was du geschrieben hast, zumal ich immer einen Vater hatte, der f├╝r mich da war und noch immer ist.
Da war sicherlich viel Leid.

Danke !

Liebe Gr├╝├če
Minouche

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black sparrow
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Hallo Darkskies,

es ist immer d├╝nnes Eis, wenn man sich fragt,
ob eine Geschichte biographisch ist.
Eigene Erfahrungen flie├čen ja immer ins Erz├Ąhlen ein.
Jedenfalls ist sie so gut erz├Ąhlt, dass man meint, sie w├Ąre auch so passiert, und das ist entscheidend.
Zum einen beschreibt sie gelungen die Entwicklung eines Kindes zu einer Erwachsenen im Zeitraffer, ich denke z.B.
an den "gro├čen Durst" des Vaters, diese Erkl├Ąrung einer
Mutter, die ein Kind ├╝bernimmt, ohne sie zu hinterfragen,
und das erwachende und wachsende selbstst├Ąndige Denken,
das die Konfrontation mit der Vergangenheit sucht bis zum frontalen Vater.
Es ist nicht wichtig, ob die Geschichte biographisch ist,
denn sie erf├╝llt ein wichtigeres Kriterium:
Sie ist authentisch.

@ minouche: Ich sehe schon einen Spannungsbogen, und merke
wie die Fragen und W├╝nsche des Kindes auch den Leser weitertreiben.

Liebe Gr├╝├če

black sparrow

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DarkskiesOne
???
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Hallo Nordlicht, hi Minouche, hi Black Sparrow,

ich freue mich, dass es mir gelungen ist, euch mit meiner Geschichte so zu ber├╝hren! Es ist ein sch├Ânes Gef├╝hl, andere Menschen in dieser Weise zu erreichen! Ich danke euch f├╝r eure lobenden Kommentare. :-)

@Nordlicht: Ich bin froh, dass es mir gelungen ist, dich so intensiv mit meiner Hauptperson f├╝hlen zu lassen! :-)
Liebe Gr├╝├če
DO

@Minouche: Danke, f├╝r dein Lob! Du brauchst dich doch nicht daf├╝r zu entschuldigen, dass die Geschichte deiner Meinung nach in die Tagebuch-Rubrik geh├Ârt. :-) F├╝r mich geh├Ârt diese Story ganz klar in die Rubrik Kurzgeschichten. Der Spannungsbogen beginnt bei der Geburt des Babys, welches fast von Beginn seines Lebens an vaterlos ist. Es folgt die Zeit der Erkenntis, dass jemand sehr Wichtiges im Leben des Kindes fehlt. Erster, unpers├Ânlicher Kontakt mit dem unbekannten Vater per Anwalt, Briefwechsel, Telefongespr├Ąch. Schliesslich gipfelt die Geschichte in der f├╝r das M├Ądchen v├Âllig unerwarteten Begegung von Vater und Tochter in der Buchhandlung. Die beiden Hauptpersonen n├Ąhern sich einander Schritt f├╝r Schritt, wenn auch durch die verlorenen Jahre eine Kluft entstanden ist, die keine Zeit der Welt mehr zu schliessen vermag. Das Ende der Geschichte habe ich bewusst offen gelassen. Vielleicht gelingt es Vater und Tochter, eine Br├╝cke zu bauen um irgendwann den Graben von beiden Seiten her zu ├╝berschreiten?
Sollte die Story allerdings tats├Ąchlich nicht in die von mir gew├Ąhlte Rubrik geh├Âren, wird wohl ein Moderator oder Admin sie verschieben.
Liebe Gr├╝├če
DO
:-)

@Black Sparrow

Danke! Hast Recht, das einzig Wichtige ist, dass man glauben k├Ânnte, die Geschichte sei so passiert. Und ich bin mir sicher, Geschichten wie diese passieren jeden Tag. ├ťberall auf der Welt.
Und das Ende jeder dieser Geschichten ist immer offen...
Liebe Gr├╝├če
DO

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Minouche
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alles klar !

Hallo DarkskiesOne !

Doch, nun kann ich den Spannungsbogen nachvollziehen, deine Erkl├Ąrung hat mir geholfen. Wahrscheinlich bin ich zu vernagelt drangegangen.

Und sch├Ân, dass es Fiktion ist. ;-)
Da kannst du mal sehen. Deine Geschichte ist so erz├Ąhlt, dass ich felsenfest davon ├╝berzeugt war, es w├Ąre so geschehen (es mag gerade genauso geschehen, irgendwo auf der Welt, wer wei├č das schon ?). Aber das hast du ja auch gewollt. Ist dir gelungen ! :-)


Liebe Gr├╝├če Minouche

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