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Leselupe.de > Science Fiction
Vatertag
Eingestellt am 20. 05. 2004 19:03


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Aceta
???
Registriert: Apr 2002

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(Heute, da ich es schreibe
und da ich es poste:
es ist - rein zufällig ?!
- gerade jetzt "Vatertag")

______________________________________



Vatertag

„Sehen Sie nur!“ er wies auf das Hologramm mit graphischer Darstellung der Chromosomen.
„Ja“, antwortete sie und wirkte resigniert.
„Die Telomerenverkürzung ist weit fortgeschritten.“
„Ja,“ pflichtete sie bei, dabei klang ihre Stimme keine Spur fröhlicher als zuvor.

Fassungslos beobachtete ich die Szenerie und verstand doch so wenig von dem, was meine Augen und Ohren wahrnahmen!
Wie eine unbeteiligte Beobachterin saß ich wie ein kleines Mädchen in der Ecke des Raumes auf einem Stuhl neben dem Krankenbett. Drei ernste Gestalten in diesem Raum besprachen gerade, was sie eigentlich mir erklären wollten, vergaßen offenbar völlig, dass ich längst anwesend ihnen zuhörte und jedes ihrer Worte, jede Geste, jeden Gesichtsausdruck zu deuten bemüht war um überhaupt zu verstehen ...

„Die Telomere sind die Enden der Chromosomen“, wandte sich die Frau an mich. „Wir wissen seit langem, dass die Länge der Telomeren mit zunehmendem Lebensalter abnimmt. Genau genommen mit jeder Zellteilung. Irgendwann sind sie verbraucht, genau wie Lebenskerzen, die niederbrennen in den Märchen der Kinder.

- Ich erinnere mich an Tabaluga, den Drachen, der die Lebenskerze seines Vaters im letzten Flackern sah: Tyrion starb danach in wildem Kampf mit den Winden, erinnere ich mich, wurde gegen Felsen geschmettert und hauchte sein Leben aus mit einem versöhnlichen Bekenntnis zu seinem Sohn.
- Wie nahe, ĂĽberlege ich, bewegt sich diese Geschichte heute an meinem Schicksal!

Freilich bin ich nicht Drache, glaube ich nicht an Lebenskerzen, die der Tod ausblase in fremdzaubernen Höhlen.

Doch wo die Ärzte mir nun von Telomeren berichten, sind Wirklichkeit und Kindermärchen einander allegorisch schier unglaublich nahe!

Mein Vater also – gegen die Winde der Zeit im letzten und entscheidenden Kampf, von dem sie mir bereits jetzt sagen, er werde ihn nicht bestehen? Mein Vater wie Tyrion, der Drachenvater?
... und meine Rolle? – In meiner Zeit?
Ich bin nur seine kleine Tochter, wie eine Kerze in windiger Nacht – wohin könnte der Schein meines Lichtes reichen?

Mein Vater ist Wissenschaftler und Politiker. Eigentlich aber verstand ich ihn stets wie einen Priester, wie einen indianischen Medizinmann, der seine Rolle in unserer modernen Gesellschaft gesucht und gefunden hat.

Sie reden jetzt auch nicht von „Krebs“, von „schwachem Herz“ –
Sie flĂĽstern mir schlicht und ergreifend zu: sein Leben sei verwirkt, verbraucht, zuende!
Medizin kann dem Leben helfen – nicht jedoch den Tod besiegen!

Er war eine große Seele, ein ordnender Geist und eine Stütze für so viele Menschen. Er konnte hart sein – gleichermaßen gegen sich, gegen mich und gegen andere – aber er war es aus einer inneren Überzeugung und er war gerecht gegen andere wie gegen sich selbst. Er trug den Schatz einer Weisheit in sich, der ihm zu entscheiden erlaubte, wo andere Menschen verzweifelten. Er konnte zu den Entscheidungen stehen mit Gelassenheit und Zuversicht.

Sein Lebenslicht flackere – wie Tyrions Kerze?
Ich kann es nicht glauben – doch ich spüre, es gibt noch eine andere Wahrheit.

Ich sehe zu ihm hin und bemerke, wie seine Augen wach sind und auf mir ruhen.
Ich wende mich ihm zu, halte seine Hand und spreche ihn leise an. Aber er will keinen Trost, keine Beschwichtigung.
Er drückt meine Hand, als würde ein Vertrag besiegelt –
... und er lächelt mich dabei an.

„Ohh, Papa!“ möchte ich schreien. „Wenn ich mit meiner Liebe die Enden deiner Telomere aufglühen lassen könnte, würde ich es tun! Wenn ich dir von meinen deinen Genen etwas zurück geben könnte, würde ich so viel -
ohh -
so viel möchte ich noch von dir erfahren!“

SpĂĽre eine Kraft in mir, seinen Geist empfangend, seine Zuversicht, seine Klarheit.
Schaudere und möchte mich schütteln, wie alles über mich fällt.
Doch ich halte es aus:
Ich ertrage Wahrheiten und Geheimnisse ...

Ich werde unser neues ICH ...

__________________
mit dem Herzen sehen ... (der kleine Prinz)

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Holomino
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Tschulligung,

ganz unschuldig gefragt: was macht dieser Beitrag bei SciFi?
Technischer Fehler? (traue niemals der Software Deines Rechners)

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Aceta
???
Registriert: Apr 2002

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Hi,

aus der Tatsache, es gerade hier eingestellt zu haben hatte ich erwartet, es werde mit einem Hintergrund gelesen und verstanden, der sich aus der Beschreibung des Forums ergibt.
- Wenn ich noch mehr selbst dazu erklären muss, dann habe ich wahrscheinlich falsch entschieden.
Ob der Text dann besser in "Märchen" gehört, zweifle ich an, denn die Allegorie ist nicht der Inhalt.
Ob ich besser in "Tagebuch" eingestellt hätte? - Ich hatte es bereits - fand aber meine Idee dort schlecht aufgehoben.

DarĂĽber, mich mit diesem Text nicht klassisch "auf der Linie" zu bewegen bin ich mir aber durchaus im Klaren und hatte diese Frage erwartet.
Ich will sie aber nicht anders beantworten als eben mit: ich habe es bewußt ausgewählt ... und nicht der Software meines Rechners überlassen, ein Forum zu finden!

Wer mag meine Intention nachempfinden?
*lächel*

Aceta
__________________
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endlich
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Registriert: Mar 2004

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Hallo aceta,

naja, sooo falsch aufgehoben finde ich es nun auch wieder nicht hier, jedenfalls wenn man die Idee zugrunde legt, dass die Menschen noch irgendwann lernen, Gedanken und Erfahrungen ohne Worte auszutauschen. AuĂźerdem guckt in diesem Zusammenhang heute ja wohl keiner nach irgendwelchen Telomeren, die kĂĽrzer werden, oder?
Davon abgesehen, wohin sonst damit?

Viele GrĂĽĂźe
endlich

__________________
Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. (Albert Einstein)

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Nina H.
???
Registriert: Jul 2002

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Ich finde die Zuordnung zur SF gerechtfertigt. Immerhin vermischt sich hier wissenschaftliche Erkenntnis mit Fiktion. Heute würde noch kein Arzt die Länge der Teleomere messen, um zu sehen, wie es um seinen Patienten bestellt ist – das ist derzeit noch „Zukunftsmusik“.
Der Text war äußert interessant zum Lesen und hat mich zum Nachdenken angeregt.

Hier noch ein paar Verbesserungsvorschläge:
Eigentlich aber verstand ich ihn stets wie einen Priester, wie einen indianischen Medizinmann, der seine Rolle in unserer modernen Gesellschaft gesucht und gefunden hat.
Zum einen finde ich, dass man mit Wörtern wie „eigentlich“ außerhalb der wörtlichen Rede sehr sparsam umgehen sollte. Zum anderen: Müsste es nicht „als“ statt „wie“ heißen?

Sie flĂĽstern mir schlicht und ergreifend zu: sein Leben sei verwirkt, verbraucht, zuende!
Ich bin mir nicht ganz sicher, wie es in der neuen Rechtschreibung aussieht, aber an und für sich glaube ich, dass man nach dem Doppelpunkt groß weiterschreibt. Vielleicht sollte man noch „ist“ statt „sei“ verwenden. Und es müsste doch „zu Ende“ heißen.

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Aceta
???
Registriert: Apr 2002

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Guten Abend -

ich war wieder einige Wochen im Ausland und besuche nun meine Threads ... Danke für die Gedanken, Vorschläge und überhaupt: für Euer Interesse!

"Als oder Wie": ich nehme mir die dichterische Freiheit, es so geschrieben zu haben ...

Falls es sprachwissenschaftliche Kommentatoren herausfordert, bin ich auf deren Stellungnahme gespannt - bei den "Deutschklausuren" meiner Kinder sind die Probleme viel, viel, viel profaner (leider) ...

"Alte und neue Rechtschreibung":
Ich bin Opfer - nicht Täter!

Meine Computerprogramme (familiär werde ich zu neuen Programmversionen gedrängt) arbeiten mit der "neuen" Rechschreibung. Ich komme deshalb kaum umhin, diese zu achten.
Aber was passiert bei Ausnahmen?
-> Ich entscheide nach meinem GefĂĽhl.

Ich habe aufgegeben, nachzuschlagen und zu suchen, was "richtig" wäre - ich bin mein eigenes Maß!!

(Ich schreibe seit ca. 20 Jahren ... alles, was ich früher schrieb wäre "falsch"?) - Vielleicht bis heute unveröffentlicht - und nun ??

Lese in Jugendbüchern meines Vaters - und erschaudere, wie sehr Tradition durch den Wandel der Regeln zerstört werden kann! (Wer kann denn "Sütterlin" noch lesen?)

__________________________

Diese Diskussion in SF ?!
Ja !!
es ist ein originäres Problem dieses Forums!
Zugegeben - eher inhaltlich als formal ... (ohh !?)

Aceta

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