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Leselupe.de > Humor und Satire
Veränderung
Eingestellt am 21. 01. 2018 14:49


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molly
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Veränderung

Maik lenkte seinen Sportwagen auf den Parkplatz. Bevor er ausstieg, betrachtete er sich im Rückspiegel und fuhr sich mit der Hand über die blonden kurzen Haare. Sichtlich erfreut und zufrieden mit seinem Aussehen langte er nach dem Blumenstrauß auf dem Beifahrersitz und verließ sein Auto. Nachdem er den Wagen abgeschlossen hatte, entfernte er noch ein paar Fusseln von seinen Jeans und schlenderte gemächlich zu Annes Wohnung. Am Eingang verweilte er kurz und überdacht noch einmal, wie er Anne am Besten auf die Veränderung vorbereiten sollte. Er traf sie nun schon seit zwei Wochen, doch außer einem Kuss zur Begrüßung und dem Kuscheln nach dem Essen, war Anne für nichts zu haben. Jedes Mal, wenn er mit ihr schlafen wollte, stand sie auf und sagte: „Ich kenne dich doch noch gar nicht!“
Nun, heute würde sie ihn kennen lernen. Hatte sie eigentlich schon einmal Sex mit einem Mann? Er glaubte das nicht. Es wurde höchste Zeit, dass sie begriff, wie sehr er eine Frau und nicht nur eine Freundin brauchte. Maik holte tief Luft, richtete seine hohe Gestalt auf und klingelte.
Anne hatte ihre kleine Wohnung aufgeräumt und den Tisch festlich gedeckt. Ihre schulterlangen schwarzen Haare hatte sie sorgfältig gebürstet und umrahmten ihr feingeschnittenes Gesicht. Sie war schlank und beinahe so groß wie Maik. Heute wollte sie mit ihm über ihre gemeinsamen Ferien reden.
Nun riss sie die Haustür auf, fiel Maik um den Hals und küsste ihn stürmisch. Bisher hatte Maik diese Begrüßung genossen, doch jetzt schob er sie bald von sich und murmelte: „Liebling, du erdrückst die Blumen!“ Grinsend übergab er ihr den Strauß.
Das riecht ja wieder köstlich, Anne, was gibt es denn feines? Ihre Freundschaft war Gold wert und die galt es zu erhalten.
Beim Essen nahm er jäh Annes Hand, schaute ihr in die Augen und sagte: „Schatz, ich möchte immer dein Freund bleiben!“
Anne zog hastig die Hand zurück und fragte: „Aber?“
„Nun, ich bin wieder mit Silke zusammen, wir arbeiten an einem tollen Projekt und…“
„Genug, dann geh!“ Anne deutet mit dem Kopf zu Tür. „Raus!“
Maik ärgerte sich, dass er sich den ganzen Abend für Anne frei genommen hatte. Aber vielleicht traf er Silke noch in ihrer Lieblingsbar. Gerade, als er seinen Wagen aufschließen wollte, riss Anne das Fenster auf und rief: „Du hast etwas vergessen“. Maik drehte sich erwartungsvoll um, doch schon landete vor seinen Füßen der teure Blumenstrauß. Dann schmetterte Anne das Fenster zu. Sie lief ins Bad flocht die schwarzen Haare zu einem kleinen Zopf, zog die Laufschuhe an und rannte los.
Sie rannte heulend ihre Strecke. Sie würde es diesem Mistkerl zeigen, und dieser Mistbiene auch, sollten sie für immer zusammen in der Hölle schmoren.
Zuhause duschte sie lange, sollten die beiden doch machen was sie wollten, sie würde in Urlaub fahren, jetzt. Luftveränderung war schon lange angesagt. Überstunden hatte sie genug, sie konnte problemlos sieben Tage frei nehmen. Eigentlich hatte sie zusammen mit Maik einen Herbsturlaub auf den Malediven geplant. Malediven- für immer gestrichen.

Sie suchte sich eine kleine Stadt im Schwarzwald aus und bestellte sich im Gasthaus „Zum Storchen“, dem einzigen des Ortes, ein Einzelzimmer. Die Wirtin versprach, Anne am Bahnhof abzuholen. „Es ist ein gelber Wagen mit einem Storch obendrauf, sie können das gar nicht übersehen!“ sagte die Wirtin. Der forsche Ton dieser Frau gefiel Anne nicht, aber im Augenblick gab es wenig, das ihr gefiel.

Die Reise in diesen kleinen Ort war ein kleines Abenteuer, nicht nur, dass sie drei Mal umsteigen musste. Zum Schluss fuhr sie die letzte Strecke noch in einem vollbesetzten Bus mit, der an jeder Straßenecke anhielt. Sie schwitzte sehr und band ihre Haare ganz oben auf dem Kopf zusammen. Schon jetzt vermisste sie den Muckel, wie sie ihr kleines Auto nannte. Aber sie verscheuchte sofort den Gedanken daran, sie wollte wandern, laufen und diesen winzigen Ort erkunden - und Maik vergessen. Es war Feierabend, als sie an der Endstation ankam. Sie trug Handtasche und Rucksack aus dem Bus und auf der anderen Straßenseite entdeckte sie auch ihr Storchentaxi. Der junge Mann mit den blonden Locken hatte schon die Tür geöffnet und ein Bein auf den Boden gestellt. Mit der Hand hielt er sich am Dach fest.
„Hallo, Storchentaxi!“ rief Anne, „nehmen Sie mich mit?“ Der Blondgelockte schaute erstaunt über den Brillenrand und meinte: "Meinetwegen, steig ein! Hübscher Pinsel übrigens!“
„Wie bitte?“
Er antwortete nicht, sondern zwirbelte nur eine seiner Locken auf dem Kopf in die Höhe.
„Und mein Gepäck?“ rief Anne, „soll ich das hier stehen lassen?“
„Wie du willst“, sagte der Lümmel, „aber du kannst es auch in den Kofferraum werfen.“ Annes presste die Lippen zusammen. Schon wieder so ein Mistkerl! Sie buxierte ihre Gepäckstücke ins Auto und setzte sich auf den Rücksitz. „Schon mal was von Hilfsbereitschaft gehört?“ fauchte sie.
Der Rüpel warf seine Löwenmähne zurück und kicherte leise.
Anne warf ärgerlich den Kopf zurück. „Die Wirtin hat mir versprochen, mich hier abzuholen, Anne Richter ist mein Name.“
Der Blondgelockte nickte nur und schaute weiter gelangweilt zum Busbahnhof.
„Wann fahren wir endlich los, oder müssen wir hier Wurzeln schlagen“, erkundigte sich Anne.
„Bald, Anni, ich warte nur noch auf einen Bus.“
"Hör mal, du Storchentaximann, ich bin seit heute Morgen unterwegs, bin hundemüde und habe Durst. Es ist wahrlich nicht zu viel verlangt, wenn ich jetzt in mein Hotel will. Und ich heiße Anne, klar?“
„Klar.“
Da klatschte ihr Taxichauffeur plötzlich in die Hände und Anne zuckte zusammen. Ein Bus war angekommen und ein junger Mann mit schwarzen kurzen Haaren näherte sich dem Taxi. Jetzt kam Leben in den Blonden, er stieg aus und eilte dem dunkelhaarigen entgegen, umarmte ihn. Anne riss erstaunt die Augen auf. Wie groß der Kerl war, größer als Maik!
Der Rüpel nahm dem anderen sogar die Tasche ab und warf diese zu Anne auf den Rücksitz.
Der Dunkelhaarige setzte sich neben den Fahrer und drehte sich zu Anne um.
„Hallo, ich heiße Simon und das neben mir ist mein Bruder Sami.“
„Sie heißt Anni“, sagte Sami und reichte seinem Bruder eine Flasche Wasser.
„Anne, heiße ich, verbesserte sie sofort und leckte ihre heißen Lippen.
Was für ein bescheuerter Ferienbeginn, wie schöne hätte sie es jetzt in ihrer kleinen kühlen Wohnung.
„Heißer Tag heute“, bemerkte Simon, öffnete die Wasserflasche und reichte sie zu Anne.
„Anschnallen, es geht los“, verkündete Sami und schon gab er Gas. Anne verschüttet ein Teil des Wassers. Sie kam nicht mehr zum Trinken, fühlte sich ausgeliefert, angewiesen auf die Gunst des blondlockigen Löwen, dass er sie sicher zum Gasthaus brachte. Aber nach kurzer Zeit bog er um die Ecke und hielt vor einem Parkplatz.“
„Endstation, hier ist deine Herberge“, sagte Sami.
„Tschüs denn“, sagte Anne zu Sami.
„Sagte doch schon Endstation!“
Anne verzog ihr Gesicht, sie hoffte, diesem Stoffel nie wieder zu begegnen.
Simon jedoch stieg aus, holte ihren Tasche und den Rucksack aus dem Auto.
„Ich begleite dich“, sagte er ruhig. Während sie auf den Eingang zugingen meinte Simon: „Er ist nicht immer so. Wir geben morgen Nachmittag in unserem Hof ein kleines Konzert, anschließend gibt's Kaffee und Kuchen. Wenn du magst, bist du eingeladen.“ Er zog aus seiner Hosentasche eine Visitenkarte und gab sie Anne. Zu ihrer Verwunderung freute sie sich sehr, das war doch kein so schlechter Anfang.
An der Rezeption saß eine junge Frau, Igelfrissur, sehr blond, athletisch, und sehr hübsch, aber breite Hände, stellte Anne fest. Ihr hellblauer Pullover hatte einen tiefen Ausschnitt. Als sie Simon sah, verließ sie ihren Platz. „Wo hast du denn dein Bruderherz gelassen“? erkundigte sie sich und wollte ihn umarmen. Er aber schob sie sanft von sich. „Ich bin verschwitzt, Sami schmachtet lieber in der Hitze und wartet draußen auf mich, dein Taxi steht jetzt wieder auf dem Parkplatz. Britta, kümmerst du dich jetzt um deinen Gast?“
„Immer cool, immer kühl“, spöttelte Britta und lachte gellend laut. Anne hatte das Gefühl, dass ihr Blut in den Adern gefror und schauderte kurz. Simon gab Anne die Hand. Er spürte ihren festen Händedruck, doch ihre Hand selbst war zart wie ein Schmetterlingsflügel.
Er winkte Britta, zwinkerte Anne zu und verließ eilend das Gasthaus.

Mit Leichtigkeit trug Britta Annes Gepäck in den ersten Stock und öffnete die Tür zu Annes Zimmer. Dabei erzählte sie, dass sie mit Sami eine Weile zusammen war.
„Aber der ist ein echtes Weichei, ein Lahmarsch ohne gleichen, stets zu allen nett und hilfsbereit.“ Anne lacht laut auf, Sami und nett? Da war ja ein Krokodil freundlicher.
„Ja, wirklich zum Lachen“, fuhr Britta fort. „Ich bin jetzt mit Hannes zusammen, ein echter Kerl mit richtig vielen Muckis. Seine Hände sind wie Schaufeln, wenn sie zupacken und nicht so weich und fein wie die von Sami. Wenn das mit Hannes nicht klappt, kann ich immer noch auf Sami zurückgreifen, der frisst mir doch aus der Hand.“ Sie lachte wieder grell und erneut bekam Anne eine Gänsehaut.
„So, das ist deine Bleibe, morgens von acht bis zehn Uhr gibt es Frühstück und wenn du heute noch etwas essen willst, solltest du bald nach unten kommen, eigentlich haben wir Ruhetag.“
Damit verließ Britta das Zimmer. Anne seufzte auf, sie musste sich daran gewöhnen, dass sie hier von allen geduzt wurde. Sie schaute sich im Zimmer um. Was sie sah, gefiel ihr, nur helle Möbel. Das Beste war jedoch die Aussicht. Anne sah einen Weiher und direkt dahinter begann der Wald. Nun beeilte sie sich, duschte kurz und zog ihren königsblauen leichten Pullover und eine weiße Jeans an, föhnte ihre Haare und eilte nach unten.
Sie setzte sich gerade an einen Tisch, als die Tür schwungvoll geöffnet wurde und Sami herein spazierte.
„Was willst du denn hier“? erkundigte sich Britta.
„Nun, wir grillen schon, willst du mit essen und du, Anni, auch?“
„Aber Sami, ich habe heute was Besseres vor und mein Gast ist müde von der Reise. Du musst das Schnitzelzeug schon allein essen.“
Anne stand vom Tisch auf und ging zu den beiden. „Ich heiße Anne, und wenn du mich so nennst, komme ich gerne mit.“
Sami betonte jeden einzelnen Buchstaben: „A n n e, kommst du?“
Während die beiden das Gasthaus verließe, verzog Britta ihr Gesicht und klopfte mit ihren derben Händen heftig auf die Theke.(c)

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