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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Verbissener Lebenskampf
Eingestellt am 29. 01. 2007 11:13


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Nimroc
Wird mal Schriftsteller
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Verbissener Lebenskampf

Der Sommer war diesmal gekommen wie ein Abschied.

Sie kamen, wir gingen spazieren, aßen gemeinsam, und unterhielten uns erstmalig miteinander. Ich lernte sie kennen, sie erweckte in mir verwirrte GefĂŒhle die ich nicht definieren könnte.

Sie war so fremdartig.

War sie schwach war sie stur? war sie lieb? war ihre liebe warm?

Sie hatte Freude an kleinem Ding. Sie aß immer wenig gewĂŒrzt. Sie roch immer neutral.

Das Leben ohne sĂŒĂŸes.

Ihr Haar war richtig gekÀmmt und nach der Chemo-, schÀmte sich dessen Verlust. Ich fand sie sahen dann richtig modern und geil aus. Kurz, militÀrisch und ergraut. Es war aber sehr nett und lieb, anstrengend und zugleich entspannend.

Entspannend weil berechenbar.

Abschied mit Sorgen, dort fing es an.

Verstehst du deine Eltern? Deine Eltern sind wie du. Ich wohne mit meiner Mutter, mein Vater kommt mich ab und an besuchen. Ich habe kein eigenes Zimmer, aber meine Eltern reisen immer viel. Ich wohne bei meiner Großmutter.

Was wirst du sein wenn du Erwachsene bist?

Du gibst deine Eltern die Schuld am alles, das ist absurd. Sie sind Kinder genau wie du.

Was wirst du sein wenn du Erwachsene bist? Ich weiß es nicht, vielleicht doch weiter so. Aber ich werde herausfinden.

Danach ginge es Berg ab. Der Krebs frisst sie von innen heraus. Es war groß, es ging nichts mehr durch.

Sie hatte alles Gegessenes kotzen mĂŒssen. Sie verlor schneller Gewicht.

Die Operation war ein Fake.

Sie machen sie einfach auf und nĂ€hten wieder zu. Am Ende versprachen sie, dass alles ihre eigene WĂŒnsch gewesen war.

Sie fing an zu sterben.

Ihr Kampf war lang und verbissen. Sie ging nach Hause, in der Hoffnung Gesund zu werden.

Kannst du das glauben?

Das ist wirklich verrĂŒckt!

Ich wĂŒsste aber schon, dass es nicht mehr werden wurde. Das Ende rĂŒckte unaufhaltbar nĂ€her.

Man spricht nicht darĂŒber, weil es immer werden könnte, oder nicht? Willst du verantwortlich sein wenn der letzte Hoffnung dahin ist? Glaubst du dass jetzt irgendetwas noch wichtig ist?

Wer weiß, wer weiß?! Sie stirbt und du weißt es.

Er.

Wie wird fĂŒr ihn einmal sein?

Er wird leiden, er leidet jetzt schon.

Unglaublich seine Einsatz, seine Ausdauer. Sie verschwindet Tag fĂŒr Tag. Ich höre nur die Berichte.

Sie wird wenig und weniger. Sie sagt er hat gar keine Hoffnung mehr.

Er sagt. „Mutti welche Hoffnung?“



Willst du dein Salat aufm einen Teller?

Bitte gibt mir noch kein Salat.

Doch jetzt, oder keine mehr.

Dann nicht.

Wir sind beide MĂ€nner, brauchen wegen ein Salatteller nicht zu streiten. Nerven sind blank.

Sie sieht das Licht und die Engel schon.

Man darf ihre „Nierenpunkten“ aufmachen.

Sie will nicht gehen.

Sie will ihn nicht im Stich lassen. Der Kampf geht weiter.

Seine, Ihres, meiner Frau, meine, und die der Kinder.

Seine, Ihres, Seine, Ihres...irre.

Er hÀlt nicht mehr aus.

Die Nacht der NÀchte, es wird auch immer lÀnger.

GrĂŒtze!

Der Tag ergraut. Es wird schon Morgen sein.

Das Sonnenlicht kommt den hellen Stern im Himmel zu verdunkeln.

Diamanten in dem Himmel widerspiegeln deine Augen in Dunkeln.

Ich habe gefragt, ich habe sie darum gebeten.

Sie ist dann gegangen.

Bin ich es gewesen? Erleuchten jetzt dein Körper und deine Seele?



Durstig, voller Verlangen und VerrĂŒckt nach Dir.

Ich will nur etwas schlafen.

Ein weiterer Schritt zu Henker.

Das Ende ist so brutal wie einfach. Das Blut mit einem entspannenden GerÀusch schoss aus ihr heraus.

Schlaf Kinder, Schlaf.

Sie ging sofort ins Licht. Freudig wie ein Kind.

Ah! Wenn ich, dass schon gewusst hÀtte.



Sie blieb nicht verhaftet. Sie durchschritt in eine neue Welt.

Was wird er dann tun? Wo wird er seine Ruhe finden?

Ah das Leben ein Mysterium...



Ich bin ein Wassertropf.

Ich bin ein Sandkorn. Ein Teil deines Selbst.

In Irrtum, weil es sich verÀndert.

In Glaube, weil deiner NĂ€her sucht.

Im Vertrauen, weil so sein muss


Sterben und wiedergeboren.

Der Flug der Seele.

Haben Sie verstanden?

Ich auch.
__________________
„Alles beginnt mit einem MĂ€rchen, weil MĂ€rchen TrĂ€ume sind, die die RealitĂ€t beherzigen. Einmal Augen auf, einmal Augen zu 
, ein Augenblick genĂŒgt, um die Ewigkeit zu verbergen, oder zu verĂ€ndern.

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Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

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Es ist ein Werk an der Grenze zwischen Prosa und Lyrik. StĂ€nde es nicht in einem Lyrik-Forum, wĂŒrde ich es fĂŒr Prosa halten. So aber versuche ich, zu finden, was es von Prosa unterscheidet.

Das ist zum einen die Versstruktur. Das Gedicht gliedert sich in Strukturen.

Der einzelne Vers enthÀlt Prosa-Zeilen. Oder scheint sie zu enthalten?

Einzelne Verszeilen haben unterschiedliche LĂ€nge, keine RegelmĂ€ĂŸigkeit ist zu erkennen, außer in inhaltlicher Struktur. Jedoch sind mehrere Verse jeweils zu Strophengebilden zusammengefasst.

So bilden die Strophen fragmentartige Prosalyrik.

Wenn ich das Thema mit betrachte, sehe ich, dass die Form angemessen ist. Leben oder Tod, an der Schwelle.

Zusehen mĂŒssen.

Am Ende des Gedichtes ein Übergang zur Mystik, der ErzĂ€hler und die Welt verschmelzen, werden Sandkörner in der Zeit.

Es ist der Tod, der nicht verstÀndlich wird, so zeigt es das Gedicht. Ratlos und fassungslos, lakonisch.
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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