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Leselupe.de > Humor und Satire
Verdammt nochmal!
Eingestellt am 08. 04. 2004 09:34


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pleistoneun
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"Nein, halten Sie sich fern der Zivilisation. Folgen Sie dem Pfad der Weisheit", predigte Baptist der Baptistenpfarrer von der Kanzel.
"Aber wo finde ich den Pfad der Weisheit, Eure Eminenz?", drang es aus einer der hinteren Sitzreihen.
"Frage einen Blinden"
"Ich bin blind, Eure Eminenz, deshalb habe ich ja Probleme, den Pfad der Weisheit zu finden."
"Wie alt bist du, mein Sohn?"
"Dreiundsechzig..."
"..und stark ergraut", f├╝gte der Pfarrer sehr emotional hinzu.
"Ich sage dir, mein Sohn, der du mein Vater sein k├Ânntest.... nein, mein Vater ist ja unser Himmelvater.... ich fahre fort...."
"Wohin fahren Sie?", schallte eine andere Stimme aus dem Geb├Ąlk.
"Wie meinen Sie?", fragte der Pfarrer sehr emotional und orientierte sich in die Richtung, aus der die Stimme kam.
"Sie meinten, Sie w├╝rden fort fahren. Jetzt frage ich Sie wohin!"
"Mein liebes Kind. Wie alt bist du?"
"Zweiundachtzig"
"Och herrje. Du k├Ânntest meine Mutter sein.... aber, Verzeihung Heilige Maria, Mutter Gottes. Du bist nat├╝rlich die einzige Mutter, die ich als meine anerkenne...."

Sichtlich verwirrt von den Zwischenfragen schlug er die heilige Schrift auf, um weiteren Unannehmlichkeiten zu entgehen.

"Zweiter Canto, Vers eins aus dem Evangelium....."
"Sag uns, wo der Pfad der Weisheit ist, alter Mann!", rief ein bereits etwas aufgebrachter Kircheng├Ąnger, "..halte uns hier nicht zu Narren!"
"Wie bitte?", entgegnete der Pfarrer in sehr weichem und emotionalem Ton.
"Der Pfad der Weisheit. Sag. Wo ist er, wir wollen ihn gehen. Wir erduldeten schon viel zu lange das zivilisierte Leben."
"Mein Sohn, wie alt wirst du sein? Vierzig, f├╝nfundvierzig?"
"Achtzehn!"
"Och herrje, du k├Ânntest in der Tat mein Sohn sein....oh nein, nein, nur Jesus, der Sohn Gottes...."
"Wohin fahren Sie?", wiederholte die ├Ąltliche Dame unvermittelt und unterbrach die spirituellen Ausf├╝hrungen des leicht verst├Ârt wirkenden Pfarrers.
"Ich fahre nirgendwo hin, verdammt nochmal!"

Entsetzt blickten sich die Kircheng├Ąnger einander an. Hat der Pfarrer soeben wirklich geflucht?

"Verdammt nochmal, verdammt, was wollt ihr denn?", emp├Ârte sich der Geistliche mit erhobenen Armen, wie er es normalerweise nur bei exorzistischen Vorg├Ąngen zu tun pflegte.
"Verdammt, wir wollen nun endlich wissen, wo dieser verdammte Pfad der Weisheit sein soll!"
"Es gibt keinen f├╝r euch alle. Ihr m├╝sst ihn in euch selbst suchen. Ich kann euch keine Antworten geben und die heiligen Schriften auch nicht!"
"Wo in mir muss ich suchen?", interessierte sich ein braver Mann links au├čen.
"Verdammt, noch abstrakter kann ich es nicht formulieren. Kein Mensch fragt, wo bei sich selbst er den Pfad der Weisheit zu suchen hat. Kein Ahnung, verdammt! Macht die Augen zu und wartet von mir aus bis....bis....bis.... was wei├č denn ich schon!!!!"

Gemurmel wurde in allen Schiffen laut und erste Zweifler verlie├čen die Messe.

"Verdammter L├╝gner"
"Seht mich an, Br├╝der und Schwestern, was seht ihr? Doch nicht etwa einen Orakulix, einen Propheten, einen Weissager, einen Deuter. Nein, verdammt, geht das nicht in eure Sch├Ądel? Ich wei├č nichts ├╝ber das Leben, nicht mal ├╝ber den Tod kann ich berichten. Und alles was dazwischen liegt, ist fadenscheinig und h├Âchst zweifelhaft."
"Jetzt sagen Sie schon, Pfarrer, wo ist denn nun dieser Pfad?"
"Zum Teufel mit euch ungl├Ąubigem Pack!", erz├╝rnte sich der Baptistenpfarrer auf h├Âchster Ebene kirchlicher Erregung.
"Wissen Sie was wir glauben, dass sie unser Weg sind, Pfarrer!"

Die Stimmung hob sich und Ausrufe der Begeisterung waren zu h├Âren. Der Pfarrer begann zu realisieren, dass seine Gemeinde, die nie gottgl├Ąubig war und auch niemals sein w├╝rde, eine spirituelle Unterw├╝rfigkeit zeigte. Er faltete seine H├Ąnde und sprach:

"H├Ârt! Ihr braves Volk da drau├čen. Ihr habt eine Stufe erreicht, die es euch unm├Âglich macht, den wahren Pfad der Weisheit zu verkennen. Steht auf, liebe Br├╝der und Schwestern, reicht euch die H├Ąnde und geht nach drau├čen. Verlasst das Gotteshaus. Schreitet in die Freiheit ohne Furcht und ohne Wiederkehr."

Es funktionierte. Die Kircheng├Ąste schritten bed├Ąchtig, einander an den H├Ąnden haltend, durch die Kirche hinaus ins Freie.

"L├Âst euch von dem kirchlichen Geist, der euch bis jetzt fest gehalten hat. Kehrt auch ihm den R├╝cken. Sagt Adieu. Sagt Goodbye. Sagt auf Wiedersehen."
"Und der Letzte schlie├čt die T├╝r, verdammt nochmal!!!"
__________________
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