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Leselupe.de > Ungereimtes
Verdrängung
Eingestellt am 13. 07. 2010 11:13


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Topfpflanze
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Verdrängung

Ein altes, schwarzes Backsteinhaus
steht hinten links am Lungenflügel.
Es hat sich einen Platz gesucht
direkt neben der Lebenszigarette.

Die Ecke bröckelt wie alter Sandstein
in die Luftbläschen mit Kalkmantel.
Von den kalten fensterlosen Mauern
tropft das Gift der Verdrängung.

Die Steine mit fehlender Fugenmasse
halten sich durch Täuschung zusammen.
Der Vordereingang wirkt verschwommen
Die Stahltür glänzt durch Selbstverrat.

__________________
"Eigennutz ist die Klippe, an der jede Freundschaft zerschellt."

Version vom 13. 07. 2010 11:13
Version vom 14. 07. 2010 17:35

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jon
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Leseeindruck (eines Nicht-Lyrikers)
Das SCHWARZE Haus im LUNGENFLÜGEL und die lebensZIGARETTE lenkten mein Kopfkino auf "Raucher". Die zweite Strophe klang dann am Anfang nach "ungesundem Leben" und seine Folgen und konfrontierte mich dann mit massiver Ratlosigkeit, was das damit mit "kalten fensterlosen Mauern" und vor allem Verdränung zu tun hat. Die letzte Strophe wird dann ganz mystisch …

Nach Nochmal-Lesen (Jetzt das Backsteinhaus als Herz), versteh ich die Bilder auch nicht wesentlich besser. z.B.: Was für Luftbläschen mit Kalkmantel? (Was zeigt das Bild {Lungenbläschen? Mit Kalkmantel???} und wofür steht das? Oder was ist in dem Haus-Körper-Bild die Lebenszigarette?



Handwerk:
Wenn es eh nicht gereimt ist, warum muss du dann "Verdrängung" zum Kunstwort "Verdrängnis" umbasteln? Was ist der Unterschied zwischen beidem?
Falsches Bild: Häuser suchen sich keine Plätze.
Unrundes Bild: Wieso bröckelt am einem Backsteinhaus der Sandstein? Und wo sind in/an einem Backsteinhaus "Luftbläschen mit Kalkmantel"?
Unrundes Bild: DURCH Mauern kann nichts tropfen. Es kann was durchsickern und dann von der Mauer (Kante, Voprsprung, Decke … ) tropfen.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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Topfpflanze
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Hallo Rhea_Gift,

Feintuning inwiefern? Entschuldige,
ich bin noch Frischling und würde mich
über Tipps oder genauere Hinweise sehr freuen.

--------------------------


Hallo Jon,

danke, dass du dir so viel Arbeit mit meinem Text gemacht hast.

Zum Handwerk:

Gute Frage, aber ich kann sie dir nicht beantworten.
Ich glaube ich fand das Wort passte besser.
Aber dann werd ich es wohl ändern.
Das Haus ist als Sitz der Seele gemeint.
Ihr versteck sozusagen.
Würde es für dich besser passen, wenn ich schreibe:
"Die Ecken bröckeln wie alter Sandstein"?
In der Lunge (davon wird das Gedicht ja indirekt getragen)
befinden sich die Lungenbläschen, welche den Lebenswichtigen
Sauerstoff transportieren. Hier soll es bedeuten, dass
die Vernunft nicht hineinkann um zum Verstand transportiert zu werden, sondern nur der Verfall als Offensichliches.
Stimmt, dann ändere ich in:
"Von den kalten fensterlosen Mauern"

Ich bin noch am Überlegen, ob ich Lebenszigarre
nehme, anstatt Lebenszigarette. Lässt sich nicht
so umständlich lesen, oder?

Es scheint mir so, dass ich verrückte Gedankengänge habe,
die nicht nachvollzogen werden können...Oh nein...


An euch beide freudige Grüße
Topfpflanze
__________________
"Eigennutz ist die Klippe, an der jede Freundschaft zerschellt."

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jon
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"Die Ecke bröckelt wie alter Sandstein" fänd' ich besser, es greift auch nicht zu sehr in den Text ein.

Was die andern Sachen angeht: Vielleicht bin ich als Prosaiker besonders pingelig, aber Bilder müssen in sich stimmen. Zwar kann in der Tat die "Seele" sich ein Versteck suchen, aber ein Haus eben nicht. Zwar würde eine Kalkschicht in Tat allerlei Diffusions- und Osmose-Prozesse behindern, aber Lungenbläschen haben nun mal keinen Kalkschicht. (Erschwerend: Adern schon (zumindest umgangssprachlich), so dass in diesem Körper-Bild "hintenrum" ein Bild angedeutet wird, das dann nicht zur Ausführung kommt.)

Will sagen: Das Bild (vor allem, wenn es DER Botschaftsträger ist) muss auch dann stimmen, wenn man das, wofür es steht, nicht (er)kennt. (Zumindest weitestgehend - man kann als Schlüssel schon mal (am effektivsten in der "Pointe") einen Bruch erzeugen, aber der muss präzise sitzen und am besten einen Zusatz-Knalleffekt erzeugen.) Grund: Wenn der Leser sich damit abmühen muss, das Bild in seinem Kopf immer wieder umzubasteln, es immer wieder in Frage stellen muss, dann muss er bei der ohnehin oft nicht einfachen "Arbeit" des Verknüpfens mit dem, wofür das Bild steht, richtig schuften – und ist sich (wegen der Zweifel) am Ende doch nicht sicher.

Klar: Über Gedichte (und andere Texte) soll man nachdenken können. Aber nicht müssen. Es sollte mit einem Minimum an Grübel-Aufwand eine Art Grund-Story/Grund-Bild entstehen, die/das interessiert. Wenn sich dann (!) durch näheres Betrachten weitere Inhalts- und Botschaftsebenen erschließen – um so besser!


In dem Fall hier wäre es wohl ein sehr großer Aufwand, den Text nach diesem Prinzip umzustricken; keine Ahnung, ob er dabei tatsächlich gewinnen würde. Nimm also diese Anmerkungen eher als "Generelle Betrachtung" mit in die nächsten Projekte …
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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