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Leselupe.de > Kindergeschichten
Verena will warten
Eingestellt am 09. 12. 2005 09:29


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Rudolf Wolter
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Registriert: Nov 2005

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Verena will warten
Ein Jahr hat hunderttausend Tage. Mindestens. Aber l├Ąngst nicht alle Tage sind gleich wichtig. Kostbar sind die Tage im Sommer, wenn Papa Urlaub hat. Dann steigen sie alle ins Auto, sobald Papa aus der Firma kommt. Nur duschen mu├č er noch und einen starken Kaffee trinken, Verena bekommt eine starke Milch, aber trink nicht so viel, sagt Mama, weil du dann immer raus mu├čt, und die Tage sind kostbar, sagt Papa, da kann er nicht bei jeden Rastplatz an der Autobahn eine Pause machen. Verena wollte, die Autobahn w├Ąre ein richtiger Zug, denn Oma meint, in der Eisenbahn, g├Ąbe es in jedem Wagen eine richtige Toilette, nur sauber sind sie nicht, aber das sind sie auf den Rastpl├Ątzen auch nicht. Und dann brausen sie los in Papas Urlaub und sie kommen erst wieder zur├╝ck, wenn Papa am n├Ąchsten Morgen zur Arbeit mu├č, dann sind die Tage nicht mehr kostbar.
Auch andere sind Tage sind wichtig. Sie werden sogar extra mit Schokolade gez├Ąhlt. 24 kleine T├╝rchen darf Verena nacheinander aufmachen und hinter jeder T├╝r ist ein Stern aus Milchschokolade oder ein Nikolausstiefel oder ein Haus. Einmal hat Verena es nicht mehr ausgehalten und am zweiten Tag des Kalenders, abends, als Papa und Mama im Theater waren, und es war so schrecklich langweilig und still im Haus, hat sie auch die anderen T├╝ren aufgepuhlt, alle ├╝brigen, und die vom 24. war am gr├Â├čten, es war ein ganz dicker brauner Stern dahinter, und sie hat alle Schokoladenteilchen aufgegessen. Sie hat noch nicht einmal Bauchweh bekommen von so viel S├╝├čem, aber vorsichtshalber ging sie noch einmal Z├Ąhne putzen. Die T├╝renklappen lie├čen sich auch wieder zudr├╝cken, man konnte es fast gar nicht sehen, da├č sie keine ├ťberraschung mehr verbargen. Mama wollte oft morgens wissen, was Verena denn heute in ihrem Kalender gefunden h├Ątte, und Verena mu├čte sich immer etwas ausdenken. Sind da denn immer nur Sterne aus Schokolade drin, fragte Mama einmal und Verena wurde rot. In diesem Jahr aber gab es keine kleine Freude mehr am Morgen, keine gut schmeckende Vorfreude auf Weihnachten.
24 Tage dauert es bis Weihnachten aber vorher kommt noch der Nikolaus und f├╝llt die Schuhe. Verena h├Ątte ihn zu gerne mal dabei erwischt, aber wenn sie am Nikolaustag aufwachte, war er immer schon wieder weg, und auch wenn sie am Abend vorher versuchte, wach zu bleiben, gelang es ihr nicht, der Sandmann war immer schneller, die beiden haben sich abgesprochen, wie Verena mit Julchen, wenn sie sich verabreden, wie sie Verenas Mama erkl├Ąren, warum sie keine Milch mehr bekommen haben, obwohl sie sich doch zeitig mit dem Geld auf den Weg gemacht haben. Es ist immer gut, wenn man eine Freundin hat, auf die man sich verlassen kann, denkt Verena.
Julchen mu├č nicht mehr auf Weihnachten warten. Julchen wei├č, was bei ihr unter dem Tannenbaum liegen wird. Sie glaubt nicht an den Weihnachtsmann, Verena manchmal auch nicht wirklich, nur findet sie es mit dem Weihnachtsmann sch├Âner. Sie kann sich stundenlang ausmalen, wie der alte Mann mit dem langen wei├čen Bart und den roten B├Ąckchen seinen Schlitten bel├Ądt ÔÇô was st├Ârt es sie da, wenn zu Weihnachten noch nie Schnee gelegen hat, das war nur so, als Oma noch ein kleines M├Ądchen war, wenigstens erz├Ąhlt sie das in jedem Jahr auf dem Weg in die Kirche. Julchen hat selbst nachgesehen, woher die Geschenke kommen, und das war nicht im Wald hinter den Bergen, sondern bei Julchen auf dem Dachboden und der Schl├╝ssel h├Ąngt bei den anderen an dem Zwergenbrett im Flur.
Als Julchens Mama einmal l├Ąnger arbeiten mu├čte, und das kam oft vor in den Tagen vor dem gro├čen Fest, ist Julchen alle drei Treppen hinaufgestiegen und hat die Bodent├╝r aufgeschlossen, der Schl├╝ssel hakte, sie h├Ątte ihn fast nicht wieder herausbekommen, aber dann h├Ątte sie es genau gesehen, auf dem Boden, in dem alten Wohnzimmerschrank ganz unten, da h├Ątten die Pakete gelegen, alle schon sch├Ân verpackt, und es w├Ąren bestimmt die Playstation2 gewesen, das Paket war genau so gro├č und ein Zettel mit ihrem Namen war drauf. Verena fragte, ob es denn in einem anderen Paket geklappert h├Ątte wie von Legosteinen, denn sie w├╝nschte sich das rote Rennauto zum Zusammenbauen, denn das konnte man richtig steuern. Aber Julchen wollte schnell wieder runter in die Wohnung.
Ein bi├čchen neidisch war Verena schon auf Julchen, denn auch sie h├Ątte gern gewu├čt, ob der Weihnachtsmann ein Rennauto von Lego in seinem grauen Sack haben w├╝rde. Manchmal machte ihr Herz richtige kleine Spr├╝nge vor Spannung. Aber wie sollte sie es erfahren? Sie versuchte Julchen zu ├╝berreden, mit ihr zusammen noch einmal die drei Treppen hin aufzusteigen, aber Julchen wollte nicht. Sie meinte, au├čerdem w├Ąren Verenas Geschenke bestimmt schon in ihrer Stube in dem gro├čen Wohnzimmerschrank, von dem sie erz├Ąhlte hatte, weil er vor Weihnachten stets unten abgeschlossen war, und der Schl├╝ssel war abgezogen.
Am Tag bevor die zweite Kerze des Adventskranzes angez├╝ndet wird, spielte Julchen mit ihr im Wohnzimmer. Mama war in die Stadt gefahren, sie wollte f├╝r die Weihnachtsb├Ąckerei am Nachmittag einkaufen, hatte sie gesagt, und es w├╝rde l├Ąnger dauern, weil so kurz vor Weihnachten alle Menschen in der Stadt w├Ąren. Papa war in der Garage und bastelte an seinem Auto, er kam bestimmt lange nicht mehr rein, Mama meinte, Papa solle sich doch auch sein Bett in die Garage stellen, seit er dort auch einen K├╝hlschrank f├╝r sein Bier hatte. Als der Ponyhof aufgebaut war, stand Julchen lange vor dem gro├čen Wohnzimmerschrank. Auf allen T├╝ren steckten Schl├╝ssel. Nur bei dem gro├čen Fach unten mit den Doppelt├╝ren fehlte er. Die T├╝ren waren abgeschlossen. Julchen probierte es aus. Die T├╝ren waren verschlossen. Julchen versuchte es wieder. Die T├╝ren bewegten sich kein St├╝ck. Der Schrank wollte sein Geheimnis behalten. Julchen meinte, bei ihr zu Hause pa├čten die Schl├╝ssel am Schrank f├╝r alle T├╝ren. Verena sp├╝rte ein heftiges Herzklopfen. Sie merkte, wie hei├č ihre Wangen wurden. Julchen aber lachte. Schon hatte sie einen Schl├╝ssel abgezogen und in das Schlo├č der geheimnisvollen T├╝r gesteckt.
Verena h├Ârte das kleine Gl├Âckchen aus Porzellan, das jedes Jahr zur Bescherung rief. Sie sah, wie die T├╝r sich ├Âffnete und das warme Licht der Christbaumkerzen, f├╝llte das Weihnachtszimmer, das goldene Strahlen, das nur einmal im Jahr so wundersch├Ân leuchtet, Mama und Papa k├╝├čten sich und sie ging mit ganz weichen Beinen zum Baum und alle sagten einander frohe Weihnachten, und da lagen die bunten Pakete, ein ganzer Stapel Weihnachtspakete t├╝rmte sich da, aus dem Radio sang es ÔÇ×Maria durch den Dornwald gingÔÇť, und Verena kniete sich vor den Geschenkeberg, doch sie wu├čte schon alles. Bei jedem Paket, von dem sie das Geschenkpapier abri├č, wu├čte sie alles und mu├čte ├ťberraschung jubeln, aber da war gar keine, und jede ├ťberraschung klang falsch, immer verkehrter und verlogener klang es. Am schlimmsten war es bei der Packung mit dem roten Renner von Lego. Sie wollte lachen und aufspringen, wollte Papa und Mama um den Hals fallen, aber ihre Arme und Beine waren steinschwer, das freudige Lachen schmerzte in den Wangen.
Da griff Verena nach Julchens Hand und hielt sie fest. Ich willÔÇÖs nicht wissen, sagte sie, Julchen, ich willÔÇÖs nicht wissen, ich will warten. Julchen drehte den Schl├╝ssel. Er pa├čte und sie h├Ârten, wie das Schlo├č sich ├Âffnete. La├č uns nur einmal reinsehen, das macht doch nichts, meinte Julchen, dann kannst du dich doch jetzt schon freuen. Aber Verena wu├čte pl├Âtzlich, wohin die gro├če Freude geh├Ârte. Nein, sagte sie. Ich will nicht, ich will warten. Und Verena sp├╝rte ihr Herz bis zum Hals klopfen, und sie fand, das w├Ąre ein gutes Gef├╝hl f├╝r diese Tage vor Weihnachten.

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flammarion
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hm,

noch ne sehr nette weihnachtsgeschichte von dir.
kleiner verbesserungsvorschlag: . . . da kann er nicht bei jedem Rastplatz . . .
lg
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Old Icke

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