Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92201
Momentan online:
250 Gäste und 11 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Ungereimtes
Vergangenheit
Eingestellt am 04. 08. 2006 12:55


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
H├Âldereden
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2006

Werke: 18
Kommentare: 103
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um H├Âldereden eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Vergangenheit

Schlafend stehst du vor mir- herbe S├╝├če
ohne Atem gebierst du lose Schwere- Absolute
die ich nur in vino veritas durchschaue- verdaue.

Vergangenheit- wird die Zeit,
die dir bleibt, den Weg beschreibt.

F├╝hr ich deine blutend Augen saugsam,
durch meiner Momente- Sagen.
mit verkl├Ąrten Visionen fl├╝sterst du mir Versuchung,
Urteil zu geben ├╝ber Leben, ├╝ber Fehler, ├╝ber Zukunft- Vernunft.

Vergangenheit ist die Zeit,
die dich treibt, Erfahrung zeigt.

Verkrampft dein Wehmutsgriff- der sch├Ânen-,
Verbl├Ąttert deine Bildersammlung- der schlimmen-

Vergangenheit...
__________________
Stille Erkenntnis und lauter Humor - Die W├╝rze des Lebens

Version vom 04. 08. 2006 12:55

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


dockanay
Guest
Registriert: Not Yet

lieber h├Âldereden,

ein gedicht schreiben heute, aus dem jetzt heraus, und dann ├╝ber das undeutliche wort vergangenheit. das ist nicht einfach, denn - philosophisch gesehen - gibt es ja keine vergangenheit, weil sie mit dem augenblick selbst vergangen ist und nicht mehr erreichbar. also, sollten wir dann ├╝ber erinnerung sprechen? gleichfalls. es ist einfach erstaunlich was sie da tut, dieses kleine gedicht von dir: (Vergangenheit- wird die Zeit, / die dir verbleibt und deinen Weg beschreibt). sie treibt einfach ins zuk├╝nftige, aber einleuchtend, wie sie da an ihrem und an einem heute schreibt, gegenw├Ąrtig etwas wie vergangenheit komponiert, sie zusammenschreibt aber streng genommen auch das geschriebene sofort wieder von dir weist (F├╝hr ich deine blutend Augen saugsam, / durch meiner Momente- Sagen) ÔÇô damit lese ich dieses seinerzeit als gedicht eines schreibenden, als wirkliche potentialit├Ąt des lesens, und dass da im grunde schon die ganze zeit von einer art ├╝ber-ich die rede ist, n├Ąmlich (und namentlich) der sprache, mit all ihren herrlichen unsch├Ąrfen in formenlehre, syntax, recht- und unrechtschreibung sowie den verlesern versprechern verh├Ârern, die dann in der vertauschbarkeit von subjekt und objekt selbstt├Ątig poetisch werden k├Ânnte, aber ohne das instrument der phantasie, die ich bei dir ausreichend vorfinde, v├Âllig unf├Ąhig w├Ąre, das zu sagen, was du zu sagen hast.
an deiner sprache hast du jedoch noch viel zu arbeiten, und diese einschr├Ąnkung bitte ich als guten rat anzunehmen, nicht als kritische bewertung. doch aus der lautmalerei deiner worte ist eigentlich gut zu h├Âren, dass du noch jung bist, ich tippe, weit unter drei├čig. also hast du damit gen├╝gend zeit dich darum zu k├╝mmern, und gerade in deinem fall sehe ich die gr├Â├čten hoffnungen.

lg dockanay

Bearbeiten/Löschen    


H├Âldereden
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2006

Werke: 18
Kommentare: 103
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um H├Âldereden eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber dockanay,

ich freue mich ganz au├čerordentlich ├╝ber dein kommentar, da sie von dir stets so hilfreich, ratsam und ausf├╝hrlich sind.
Ich w├╝rde mich so gern mit dir treffen k├Ânnen und ├╝ber gott und die welt philosophieren, das gef├╝hl bekommen ich bei deinen zeilen.
Du sagst vergangenheit gibt es eigentlich nicht, aber ich w├╝rde ein gedicht aus dem jetzt heraus schreiben... aber eigentlich gibt es streng genommen auch kein jetzt! Nur eine bewegung durch von uns definierten raum und dessen zeit....
Aber du hast recht in diesem gedicht habe ich die vergangenheit als ├╝berschrift meiner "Erinnerungsbilder" genommen.

quote:
damit lese ich dieses seinerzeit als gedicht eines schreibenden, als wirkliche potentialit├Ąt des lesens, und dass da im grunde schon die ganze zeit von einer art ├╝ber-ich die rede ist, n├Ąmlich (und namentlich) der sprache, mit all ihren herrlichen unsch├Ąrfen in formenlehre, syntax, recht- und unrechtschreibung sowie den verlesern versprechern verh├Ârern, die dann in der vertauschbarkeit von subjekt und objekt selbstt├Ątig poetisch werden k├Ânnte, aber ohne das instrument der phantasie, die ich bei dir ausreichend vorfinde, v├Âllig unf├Ąhig w├Ąre, das zu sagen, was du zu sagen hast.
Diesen teil deiner interpretation hab ich leider nur ganz schwer verstanden. Ich gehe davon aus, du meinst man k├Ânnte diese von mir oben beschriebene "bewegung" durch raum und zeit (was in meinem gedicht zum teil die nicht loslassende vergangenheit ist) mit der sprache gleich setzen mit all ihrer unvollkommenheit und leistung?
Aber warum schlie├čt du dann die fantasie in der sprache aus, betrachtest du sie da nur als ger├╝st?
Und was m├╝sste ich an meiner sprache anders gestalten?
Hab da leider keine Vorstellung, nur ne ahnung..
Und woran erkennst du die jugendliche lautmalerei, das w├╝rde mich dolle interessieren? Wahrscheinlich an der naiven, romantisch/idealistischen weise, oder? :-)
Ich danke dir jedenfalls ganz sehr f├╝r deine tiefreichende antwort und vorallem f├╝r dein sehr motivierendes Lob, jetzt kann ich richtig gl├╝cklich in mein australisches bett gehen um 2:54uhr!

Mit herzlichen gr├╝├čen,
H├Âldereden
__________________
Stille Erkenntnis und lauter Humor - Die W├╝rze des Lebens

Bearbeiten/Löschen    


dockanay
Guest
Registriert: Not Yet

lieber h├Âldereden,

ermutigung ist ein wunderbares instrument zum antrieb, und ich habe nicht ├╝bertrieben, wenn ich hoffnungen in dein schreiben setze. ich werde keinen deiner texte verpassen, das will ich hier gern versprechen.
die an mich angedachten fragen hast du meines erachtens selber zur gen├╝ge und mit meinem zuspruch beantwortet, es geht bei dir um die bem├╝hung zur sprache hin, was ich sehr lobenswert finde. deshalb, nur noch ein kleiner (philosophischer) exkurs zur zeit, eigentlich nur eine zustimmende anmerkung zu deiner auffassung ├╝ber dieses ph├Ąnomen:

quote:
aber eigentlich gibt es streng genommen auch kein jetzt! Nur eine bewegung durch von uns definierten raum und dessen zeit

dieser satz hat bei mir echte begeisterung ausgel├Âst, denn sie entspricht meinen ansichten zum ph├Ąnomen der zeit. du hast vollkommen recht: wenn es eine gegenwart, ein jetzt geben w├╝rde, in der alles geschieht, dann wird doch auch dieser gegenwart jede erdenkliche kurze zeiteinheit zu lang, es nutzten irgendwelche physikalischen messungen zur erkl├Ąrung nicht. denn, was gerade ist, bleibt im n├Ąchsten moment nicht mehr und ist daher vergangen, und schwupp, bevor man ├╝berhaupt etwas erfassen kann, da schrumpft das gegenw├Ąrtige zu einer unausgedehnt k├╝rzesten zeit, wenn man sich ├╝berhaupt so etwas vorstellen kann. damit ist demnach alles ohne ausnahme, alles was wir als vorhanden wissen, was sich als dasein empfindet, ein wesen ist, und damit verbunden auch das bewusstsein, lediglich in einem unendlich kurzen zeitintervall abgelegt, einem nicht berechenbaren punkt auf einer geraden, das au├čerhalb des nicht-seins liegt. und schon beginnt unser grundlegendes problem der existenz an sich.

lg dockanay

Bearbeiten/Löschen    


Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

Werke: 1535
Kommentare: 9779
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Walther eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Moin Ihr Lieben,

das Ph├Ąnomen der Zeit zu debattieren: Welche Herausforderung! Letztlich kann man das philosophosch, theologisch und literarisch betrachten, wobei sich diese Sichtweisen wieder miteinander vermengen.

Einstein hat mit der Entdeckung der Relativit├Ąt den Grundstock der obigen Bemerkungen gelegt. Erkannt ist seitdem, da├č es in der Tat eine Frage des Bezugssystems ist, um die Frage nach der Zeit zu beantworten, und da├č es ├╝berhaupt nur eine Konstante gibt, die Geschwindigkeit des Lichts.

Das ist der objektive Zeitbegriff, der sich vom subjektiven nur eine logische Sekunde unterscheidet, denn jedes Subjekt ist zugleich Objekt eines Bezugssystems. So ist auch klar dargelegt, warum auch das, was wahr ist, durchaus eine Frage des Bezugssystems bzw. von Standort und Blickwinkel sein mu├č, denn, was Wunder, durch unsere Wesensnatur scheinen die Grundgesetze der Physik st├Ąrker in die Sph├Ąre des Geistes hinein, als wir glauben. Und das nicht nur, weil wir eben Teil unserer Umwelt sind, sondern auch weil das Wissen um das tats├Ąchliche Sein eben die geistige Sph├Ąre in der Diskussion durchdringt.

Nat├╝rlich gibt es dennoch sog. ewige Wahrheiten. Sie sind Teil unseres Bezugssystems und haben den Charakter in der Geisteswelt, den das Licht in der Naurwelt hat. Selbst relativ ist relativ, ├╝berspitzt ausgesagt.

Kurz und gut: Wenn wir Gegenwart beschreiben, ist sie in der Tat bereits vergangen. So ist auch Gegenwartskunst immer vergangenheitsbew├Ąltigend, weil sie sich zum Zeitpunkt ihrer Entstehung mit der damaligen Realit├Ąt besch├Ąftigt hat. Und die ist vor├╝ber, wenn das Kunstwerk fertig ist.

Wir sollten allerdings nicht zu sehr der Haarspalterei anh├Ąngen. Da das immer so ist, kann das durchaus berechtigterweise vernachl├Ąssigt und die unmittelbare Vergangenheit der Gegenwart, die immer ein Durchgangsstadium ist und per defitinitionem sein mu├č, zugeschlagen werden.

In diesem Sinne enthebt sich der W, heute der Grunds├Ątzlichkeit anheimgefallen, gr├╝├čend

ins ewige und zugleich immer wieder neu sich bildende Off
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Bearbeiten/Löschen    


Perry
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Aug 2004

Werke: 1033
Kommentare: 3088
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Perry eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo H├Âldereden,
mit Interesse habe ich die Diskussion hier ├╝ber das Ph├Ąonmen Zeit hier gelesen und werde deshalb nicht lange im Gr├╝beln verweilen, sondern mich der "herben S├╝├če" in deine Zeilen widmen. Ich denke, es ist keine schlafwandelnde S├╝├če wie man eingangs vermuten k├Ânnte sondern die Wehmut, die hier atem- und schwerelos, blutend und saugend in den Erinnerungen bl├Ąttert. Deine Ausdrucksweise ist sicher ungew├Âhnlich aber auch wohltuend originell.
LG
Manfred
PS: Mir w├╝rden deine Zeilen ├╝brigens ohne die eingeschobenen Vergangenheitsphilosophien noch besser gefallen.

Bearbeiten/Löschen    


H├Âldereden
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2006

Werke: 18
Kommentare: 103
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um H├Âldereden eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo lieber manfred,

Danke f├╝r dein Lesen, die Interpretation und den resultierenden konstruktiven vorschlag!
Um ehrlich zu sein habe ich mal so eine art vorstellung von der personifizierten wehmut gehabt. Komischer weise war es eine junge, aber aschfahle, augenlose, fast zombie├Ąhnliche und dennoch anziehende frau, die des nachts vor meinem ge├Âffneten k├╝hlschrank stand mit irgendwelchen dosen in der hand und es war nichts weiter in der luft als schweigen...
Also die schlaflose/schlafwandelnde wehmut, wenn ihr so wollt.
Mit den philosophischen "Einsch├╝ben" hast du vollkommen recht, ich habe mehrmals ├╝berlegt, ob es dem gedicht zu sehr abbruch tut. Da sie schon einen ziemlichen bruch in der"originellen" ausdrucksweise darstellen. Aber andererseits fand ich gerade diesen kontrast auch ein bi├čchen faszinierend, warum auch immer

Nochmal Danke!
H├Âldereden
__________________
Stille Erkenntnis und lauter Humor - Die W├╝rze des Lebens

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Ungereimtes Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!