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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Vergessen, dass ich vergessen, dass ich vergessen, dass ich...
Eingestellt am 22. 06. 2017 20:00


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Sploink
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Mar 2017

Werke: 5
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Hier nun ein Teil des ersten Kapitels des Buches, dass ich gerne schreiben möchte. Ich frage mich, ob der ErzÀhlstil nicht ein bisschen zu schrÀg daherkommt; der Hauptakteur ist in vielerlei Hinsicht eigen:

Ich weiß; es ist kalt und windig und von alten SĂ€cken wie mir erwartet man frĂŒhe Zubettgehzeiten. Aber leider habe ich ein Problem mit meinem Alter, deshalb versumpfe ich mitternachts auf dem Campus in Biertrink- und Tagtraumroutinen; zu einer Uhrzeit an der niemals gute Dinge geschehen. Es ist leer und still, ich kann Stille nicht hören, es nervt, wenn nichts und niemand GerĂ€usche macht, ich hasse es, wenn der Kopf lauter als alles andere ist, denken ist scheiße, ich denke zu viel, ich denke zu wenig. Meine Bierdose ist leer, ich werfe sie auf das Haus vor meinen FĂŒĂŸen; das Haus ist 300 Meter von mir entfernt; die Dose landet auf dem Boden.

Ein potenzieller Freund hat hier mal gearbeitet, ich nannte ihn Ollie. Als Sicherheitsmann ist er in seinen Nachtschichten ĂŒber den Campus patrouilliert. Zumindest hĂ€tte er sich darum kĂŒmmern sollen, dass abends keine lustigen Geschichten auf dem Campus stattfinden, aber nein; er saß immer da vorne in GebĂ€ude 19G und verschanzte sich hinter eine Wand von Bildschirmen; ein Riesengestell aus acht oder neun Monitoren, ich konnte nie sein Gesicht erkennen, wenn ich ihn durch das Erdgeschossfenster beobachtete. Nachts, wenn er auf seine Bildschirme glotzte, konnte ich nur seine HĂ€nde durch den Spalt zwischen Bildschirm und Tisch erkennen. Da war immer Cola und Schokolade in der NĂ€he seiner HĂ€nde.
— Hunger.

Manchmal wenn mir langweilig ist, klaue ich MĂŒlltonnen, um sie gegen WĂ€nde zu werfen. Es scheppert so schön und wenn der MĂŒll durch die Gegend fliegt muss ich immer fĂŒr einen Moment an Regen denken und wenn man GlĂŒck hat und gebrauchte TaschentĂŒcher im MĂŒll liegen, rieseln Papierflocken durch die LĂŒfte und man hat das GefĂŒhl, dass es schneit. Hier, auf dem Campus dĂŒrfte ich jede Tonne schon mindestens zehn mal zerdeppert haben, aber Ollie ist nie rausgekommen, um mir zu sagen, dass ich das nicht darf.

Seit zwei Wochen hat der Campus einen neuen Sicherheitsmann; ich nenne ihn Vladimir. Mit Ollie habe ich es verhauen, ich wollte unbedingt sein Freund sein, aber ich habe mich nie getraut, ihn anzusprechen. Mit Vladi habe die zweite Chance, einen neuen besten Freund zu gewinnen, er hat andere HĂ€nde, ungewohnt, aber irgendwie interessant; wenn Vladi auf der Tastatur tippt, sieht es ein bisschen so aus, als wĂŒrden zwei Spinnen ĂŒber die Tasten krabbeln. Man sieht ihn öfters draußen als drinnen, er leuchtet immer mit seiner Taschenlampe ĂŒber das GelĂ€nde; manchmal lande ich im Lichtkegel, aber er redet nie mit mir. Morgen Abend werde ich eine Tonne kaputtmachen, vielleicht kommen wir dann endlich ins GesprĂ€ch.

Neulich hat mich ein Mensch besucht, den ich fast nicht wiedererkannt hĂ€tte. Als er abends ĂŒber das HochschulgelĂ€nde ging machte er den Eindruck, gegen irgendetwas zu kĂ€mpfen, so als ob er Gegenwind hĂ€tte. Er war nervös und ging sehr langsam auf mich zu. Man musste kein Genie sein — und erst recht kein Student — um zu erkennen, dass er nicht froh war, mich wiederzusehen. Wir sind nicht zufĂ€llig ineinandergelaufen; er wollte mich sehen, er musste mich sehen.

Man konnte ihn hören, lange bevor er zu sehen war. Seine Schuhe hatten AbsĂ€tze, liefen vorne, im Zehenbereich spitz zu und machten wunderschöne GerĂ€usche. Ich schloss die Augen und hörte, wie das ‚Klack-Klack‘ immer nĂ€her kam und es kann sein, dass ich ein bisschen lĂ€chelte, als das Klackern direkt vor meinen FĂŒĂŸen verstummte. Ich öffnete die Augen und plötzlich stand ein Mensch vor mir. Ich kannte ihn nicht, aber er kannte mich, denn er kannte meinen Namen:
„Schmolle?“, fragte er.
„Yau!"
„Ach du scheiße.“
Zuerst wollte ich fragen, ob ich ihm irgendeinen Weg erklÀren soll, er wirkte so verloren; aber meine Intuition sagte mir, dass er den Weg bereits gefunden hat und nun, mit seinen astreinen Schuhen vor meinen wahnsinnig abgefetzten Schuhen stand, der Moment wÀre perfekt gewesen, wenn jemand 'Sie haben ihr Ziel erreicht' gesagt hÀtte,
„Bist du in den letzten acht Jahren ĂŒberhaupt mal von diesem Fleck aufgestanden?“, fragte er.
„Manchmal. Woher wissen Sie eigentlich wie ich heiße? Sind Sie Professor?“
Er guckte mich einige Sekunden lang an. „Du erinnerst dich nicht mehr?“
„Ich versuche es, aber ich weiß nicht, woran ich mich erinnern soll.“
„Niemand? Kennst du nicht mehr Herr Niemand?“
Ich fand den Namen lustig und sagte: „Zahlreiche psychologische Hypothesen untermauern die Annahme, dass Vergesslichkeit ein Indikator fĂŒr ein gesundes Gehirn ist. Vielleicht habe ich Sie vergessen, weil mein Unterbewusstsein der Meinung ist, Sie seien unnötiger Ballast.“
Wieder guckte er mich an und ĂŒberlegte, bevor er redete. „Ist das die neue Art, um sich vor Schulden zu drĂŒcken? Schmolle, ich formuliere es mal extra fĂŒr dein Unterbewusstsein: Du...“
Ich nickte.
„...hast...“
Ich nickte
„...Schulden.“
Er schĂŒttelte den Kopf, das brachte mich durcheinander, denn ich habe ihm keine Frage gestellt, also nickte ich.
„Eine halbe Million Euro.“, sagte er. „Das sind in Zahlen: 500.000€.“
Mein Unterbewusstsein kitzelte. „Herr Niemand! NATÜRLICH kenne ich Sie! Wie könnte ich Sie vergessen, Sie haben mir damals das Leben gerettet, vor ein Paar Jahren, als Sie sehr viel Geld hatten!“
Ich wollte ihn mit einer MĂŒlltonne bewerfen.

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