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Leselupe.de > Kurzprosa
Verhängnisvolle Freundschaft (aus der Schreibwerkstatt)
Eingestellt am 21. 08. 2001 13:01


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Willi Corsten
Manchmal gelesener Autor
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Verhängnisvolle Freundschaft
von Willi Corsten

Ich war schon immer ein perfekter Autofahrer. Nur einer zweifelte daran, mein Fahrlehrer. Der ungläubige Thomas zahlte einen hohen Preis für sein Misstrauen. Nach meiner vierundachtzigsten Fahrstunde wurde er nämlich in die Klapsmühle eingeliefert.
Doch davon reden wir ein andermal. Heute erzähle ich die Geschichte von meinem ersten Auto, gesponsert von Oma - Gott hab‘ sie selig.
Wir holten das Vehikel bei der Firma Beulenpest ab, einer Gebraucht-wagenhandlung aus der Pannenstraße. Auf der Heimfahrt behauptete Oma, das für viel Geld erworbene Automobil sei grau, ich hingegen glaubte, ein verschossenes Rot erkannt zu haben. Wir einigten uns schließlich auf rostbraun, weil dieser Farbton dominierte.
Ganz neu war das gute Stück also nicht mehr. Ein Kotflügel fehlte und der linke Scheinwerfer. Die Lüftung funktionierte aber ausgezeichnet, besonders vom Bodenblech her. Nur die Blinkanlage hatte ein paar Mucken, sie arbeitete sozusagen im Kreuzverfahren, also vorne rechts, hinten links. Doch das irritierte nur den Sonntagsfahrer hinter uns. Wir hatten damit kein Problem!
Später fiel mir an dem Wagen ein weiteres Übel auf. Der verrückte Benzin-Esel suchte geradezu versessen die Nähe von Bäumen. Diese Marotte zeigte sich zum erstenmal, als er auf Großvaters Hof einen Apfelbaum um nietete. Bei der Reparatur entdeckte ich auch das Maskottchen des Wagens, eine kleine Birke. Sie wuchs in einer Ecke des Kofferraumes und träumte dort still vor sich hin.
Na ja, lange blieben wir nicht beisammen, der Rostbraune und ich. Schuld an der Trennung waren seine unverzeihlichen Seitensprünge. Wie ein liebestoller Zwergpinscher jagte er auf jeden Straßenbaum zu, streichelte heftig seine Rinde und warf dabei mit Außenspiegeln und Kotflügeln um sich.
Schweigend ertrugen die Bäume seine Attacken und schritten erst zur Tat, als er im Schutz der Dunkelheit eine junge, bildhübsche Tanne flachlegte. Die Rache der hölzernen Riesen war grausam. Ich erlebte sie fast hautnah mit. In einer stürmischen Nacht saß ich am Fenster und schaute hinüber zu der knorrigen Eiche, die bei der Hinrichtung den Henker spielte. Die Eiche wankte und bebte, stürzte dann polternd auf den zudringlichen Sonderling und zerlegte ihn fachmännisch in zahlreiche Einzelteile. Nur die Scheibenwischer blieben verschont, doch die waren sowieso nur Attrappen.

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leonie
Guest
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toll willi

ist wirklich gut geworden. hab herzlich gelacht. nur gut das ich von so einem vehikel verschont geblieben bin. ja ja, auch bäume haben ihren stolz und lassen sich längst nicht alles gefallen *gg*. so wie deine geschichte jetzt da steht ist es ein vergnügen sie zu lesen.
ganz liebe grüße leonie

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Willi Corsten
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Vielen, vielen Dank, leonie.
Dein Lob erfüllt mich immer mit Stolz, weil wir einen recht ähnlichen Stil schreiben.
Wenn du einen Text gut findest, ist er i.d.R. auch gut.

Es grüßt dich lieb
Willi

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Brigitte
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Hallo Willi,

Mußte über deine Geschichte ebenfalls lächeln, gefiel mir gut. (Vielleicht war ja die Meinung des Fahrlehrers wirklich berechtigt?) Schade, dass sie nicht länger war

Liebe Grüsse
Brigitte
__________________
Brigitte

Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.

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Willi Corsten
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Liebe Brigitte,
herzlichen Dank für dein Lob.
Die Meinung des Fahrlehrers war berechtigt, denn die treu/doofe Selbstüberschätzung (fahren und Autokauf) ist ja die Ironie, die der Geschichte die Würze gibt.
Und länger durfte der Text nicht werden, weil er als Beitrag für die Zeitung gedacht ist.
Es grüßt dich lieb
Willi

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eufemiapursche
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schallend gelacht

Lieber Willi,

pures Lesevergnügen hast du da geschaffen!! Da stimme ich Leonie und Brigitte voll zu. Ebenso wie das leise "schade, schon zu Ende"... am Schluss.

Auch wenn die Geschichte wegen des Zeitungsartikels nicht länger werden darf (vielleicht denkst du ja mal über Fortsetzungen deiner verhängnisvollen Freundschaften nach??)
- bringt vielleicht eine kleine Umänderung des letzten Satzes eine gelungenere Abrundung. So wirkt das Ende etwas abrupt.

Nachdem der rostbraune Freund verblichen ist, solltest du dem Verblichenen nicht noch posthum Attrappen andrehen.
Zerfetzt mit bröselig herunterhängenden Gummihaaren die traurig von einem durchlöcherten mattsilbernen Scheitel baumeln - so stelle ich mir seine Scheibenwischer vor. Und als Andenken baumelt einer von ihnen seither am Innenspiegel deiner neuen Freunde auf vier Rädern...

Mit heiterem Grinsen auf dem Gesicht mein Dankeschön an dich und deine arme Dulcinea...

Eufemia

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