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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Verhandlungssache
Eingestellt am 29. 11. 2014 21:55


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Selest
Hobbydichter
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Verhandlungssache

Ich konnte es kaum glauben, dass ich mich auf ein Treffen mit dieser Frau eingelassen hatte. Ich saß tatsächlich im „Sunshinecafé“ und wartete. Zwar hatte ich ihr zugesagt, doch kommen wollte ich nicht wirklich. Am Ende hatte mich die Neugier hierher getrieben.
„Frau Kramer?“
Fahrig drehte ich mich zur Seite, fast fegte ich mein Whiskyglas vom Tisch. Die Eiswürfel klimperten und ein kleiner, mattbrauner Fleck drang in die weiße Damastdecke. „Und Sie sind diese Evi?“
„Richtig, ich bin Evi Scholz. Darf ich mich setzen? Ich muss mit Ihnen sprechen.“
„Sind wir deswegen nicht hier?“ Ich musterte die Frau von oben bis unten. Sie war der Lolita-Typ; schüchtern, unschuldig und sinnlich - genau sein Beuteschema. „Sie sind also die neue Gespielin meines Mannes?“
„Ja, äh, nein! Ich ...“
„Was ist? Bekommen Sie etwa kalte Füße?“
„Vielleicht ist es besser, wenn ich wieder gehe.“
„Schon vergessen? Sie wünschten dieses Treffen. Sagen Sie endlich, was Sie wollen!“

Umständlich hängte Evi Scholz ihre Tasche an die Armlehne und setzte sich mir gegenüber. Der Kellner kam diensteifrig herangeeilt. Ich nahm ihm die Frage nach unseren Wünschen ab. „Was trinken Sie?“
„Einen Bohnenkaffee, wenn es Recht ist“, säuselte sie und lächelte wie eine rollige Katze.
„Bringen Sie der Dame einen Kaffee und für mich nochmal dasselbe.“ Sicher ist sicher, dachte ich, obwohl ich reichlich im Glas hatte. Der Kellner war schon auf dem Weg zur Bar, als ich ihm nachrief: „Auf getrennte Rechnung bitte. Ausgehalten wird sie bereits von meinem Mann.“ Ich nippte triumphierend am Whisky. Mit bissigem Lächeln belauerte ich die mir um Jahre unterlegene Rivalin. Mit der tomatigen Farbe, die ihr nunmehr ins Gesicht geflossen war, konnten sich die rubinroten Lippen kaum messen. Betreten zupfte sie ihre rostbraunen Locken zurecht. Wie sie da saß, rot in rot, erinnerte sie mich an die Feuerqualle, die ich im letzten Urlaub auf Fuerteventura entdeckt hatte. Vor der flüchtete ich, doch mit dieser Spezies wollte ich es aufnehmen.

Der Kellner brachte die Bestellung und machte eiligst kehrt. Anscheinend spürte er das Knistern in der Luft.
Evi Scholz krallte sich an der Kaffeetasse fest, rührte den Zucker ein und sah mich mit einem Blick an, der mir das Blut stocken lies. „Frau Kramer, es ist nicht, wie Sie denken.“
„Wie denke ich denn, Frau Scholz?“
„Ich habe mit Ihrem Mann keine Affäre!“
„Ach, und wie nennen Sie das, was Sie mit ihm haben?“
„Wir lieben uns.“
„Ihr tut was?“ Das Lachen, das ich hervorpresste, kam selbst mir exotisch vor. Spätestens jetzt hatte das zweite Glas Whisky seine Berechtigung, das Erste lehrte ich in einem Zug. Ich japste nach Luft. Bloß nicht die Fassung verlieren. „So, so, ihr liebt euch. Weiß das auch mein Mann?“
„Frau Kramer verstehen Sie doch, Klaus und ich ...“
„Lassen Sie das theatralische Gequatsche! Nun sage ich Ihnen etwas. Sie sind bei Gott nicht die Erste und werden garantiert nicht die Letzte sein, mit der mich Klaus betrügt. Es gab schon eine ganze Reihe vor Ihnen.“
„Das hat er mir gesagt, doch bei uns ist es etwas anderes. Wir wollen zusammenleben.“
„Ha, dass ich nicht lache. Mein Mann kann die Finger nie von solchen wie Ihnen lassen. Er sammelt Jagdtrophäen. Mit Liebe hat das nichts zu tun.“
„Doch, er liebt mich.“
„Das bilden Sie sich ein. Da ist nämlich eine winzig kleine Sache, die Sie anscheinend nicht wissen. Er liebt seine Kinder und wird sie nie im Stich lassen.“
„Ich weiß, dass Klaus an den Kindern hängt. Er ist auch künftig jederzeit für sie da. Doch Sie bedeuten ihm nichts mehr.“
Um den Zorn zu unterdrücken, trat ich mit voller Wucht auf meine Zehen. Der Schmerz fühlte sich besser an, wie das, was ich mir von dieser Person anhören musste. „Weiß mein Mann eigentlich, dass Sie hier sitzen und ihn freikaufen wollen?“
„Nein, und ich kaufe Klaus auch nicht frei. Er wird Sie auch so verlassen!“ Sie trank einen Schluck Kaffee, setzte die Tasse ab und sah mich mit ihren Katzenaugen argwöhnisch an. „Was ich kein bisschen verstehe, warum haben Sie sich nicht längst von Klaus getrennt, wenn er Sie ständig betrügt? Das ist doch keine Liebe.“
„Maßen Sie sich nicht an, mir Ratschläge zu erteilen! Sie haben doch keinen Schimmer. Ich bin sechsunddreißig, fünfzehn Jahre verheiratet und habe zwei Kinder. Glauben Sie etwa, ich werde deren Zukunft ruinieren?“
„Was hat das mit der Zukunft Ihrer Kinder zu tun?“
„Alles! Aber ich verspreche Ihnen, wenn Heiko und Marlies in sechs oder acht Jahren, oder wann auch immer, aus dem Haus gehen und auf eigenen Beinen stehen, schenke ich Ihnen meinen Mann. Bis dahin gehört er uns.“
„Sie reden über Klaus wie von Ihrem Hund!“
„Lassen Sie Jacky aus dem Spiel. Den bekommen sie nie! Und damit ist unser Gespräch beendet.“ Ich trank das Glas leer und winkte den Kellner heran.
„Moment Frau Kramer. Sie wollen, dass Klaus bei Ihnen bleibt, bis Heiko und Marlies erwachsen sind?“
„Sie haben es erfasst.“
„Das finden Sie richtig?“
„Ja, er ist schließlich ihr Vater und noch ist er mit mir verheiratet.“
„Dann beantworten Sie bitte eine letzte Frage. Soll unser Kind etwa bis dahin auf seinen Vater verzichten?“
Mein Herzschlag überschlug sich - ein Kind? „Was behaupten Sie da?“
„Ich bin schwanger. Klaus und ich bekommen ein Baby.“
„Das glaube ich jetzt nicht!“
„Wollen Sie den Mutterpass sehen? Oder besser, das Foto vom Ultraschall?“
„Zeigen Sie das lieber meinem Mann, der wird sich bedanken.“
„Er hat es gesehen, wir wissen es seit über vier Wochen. Er wusste nur nicht, wie er es Ihnen beibringen sollte. Aber das ist ja nun geklärt.“

Der Lolita-Typ, der mir vor wenigen Minuten gegenübersaß, war nicht mehr zu erkennen. Eine Frau, die genau wusste, was sie wollte und kein Blatt vor den Mund nahm, hatte ihn abgelöst.
„So, nun wissen Sie alles. Geben Sie Ihren Mann endlich frei!“ Sie legte drei Euro auf den Damast, erhob sich souverän, zog die Tasche vom Stuhl und ging.

Ich saß da, wie durchgeprügelt. Der Kellner brachte zwei Kassenbons an den Tisch. Ich nahm mein Glas und hielt es ihm vor die Nase. „Bringen Sie mir bitte einen Doppelten.“

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DocSchneider
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