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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Verkrustete Erde aufbrechen
Eingestellt am 31. 07. 2013 00:06


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sonah
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Mar 2013

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Schalke 04. Die Fahne ohne Wind ist ein schlaffer, herabh├Ąngender Lappen. Es fehlt die Bewegung. Monotonie kann zu Bewegungsstarre f├╝hren und die Furcht vor diesem Zustand l├Ąsst m├Âglicherweise den Wind den Schrebergarten mit seinen strammstehenden Gem├╝sereihen meiden.

Rote Gardinen mit wei├čen Punkten h├Ąngen am Fenster der Schrebergartenh├╝tte. Damals hatten sie ihr gefallen. Sie schneidet Erdbeeren. Frisch aus dem Garten sind die saftigen Fr├╝chte. Sie schneidet sie in d├╝nne, gleichm├Ą├čige Scheiben.

R├╝diger ist noch immer nicht da. Wenn er ein wenig sp├Ąter kommt, kann sie noch den Garten w├Ąssern. Sie begibt sich nach drau├čen. Herr Meisert, der Nachbar von Parzelle 21, gr├╝├čt ├╝ber den Gartenzaun: ÔÇ×MoinÔÇť. Sein Strohhut verschwindet in seiner H├╝tte. Paula ist froh, keine Zeugen zu haben.

Sie b├╝ckt sich und dreht den Wasserhahn auf, rollt den Gartenschlauch aus. Mit dem Schlauch geht es schneller. R├╝diger sagt immer: ÔÇ×Beete werden mit der Gie├čkanne gegossen.ÔÇť Aber R├╝diger ist nicht hier. Sie sp├Ąht vorsichtig ├╝ber den Gartenzaun.

Dann dreht sie den Verschluss am Schlauch auf und richtet den Strahl auf die Erdbeerpflanzen. Daneben liegt ein Feld brach. Die Erde hat Risse, sie ist sehr trocken. Die Saat war nicht aufgegangen. Die kahle Fl├Ąche tut Paula leid. Wegen der D├╝rre konnte selbst das Unkraut nicht wachsen.

Ein wenig Wasser spritzt unabsichtlich auf die vertrocknete Erde. Sie bewegt ihre Arme hin und her und w├Ąssert weiter, w├Ąssert ausgiebig. Die Erde f├Ąrbt sich dunkel, die Bl├Ątter werden nass und die ├╝bersch├╝ssige Feuchtigkeit tropft nach unten. Ihr spritzt Wasser gegen die nackten Unterschenkel unter ihrem weiten Baumwollrock. Lustige Tropfen glitzern in der Luft. Sie sp├╝rt die k├╝hle Frische an ihren Beinen.

Ihre Bewegungen werden kraftvoller, ausladender. Die rissige Fl├Ąche bekommt immer mehr von dem gro├čz├╝gig verteilten Wasser ab, sie f├Ąrbt sich ebenfalls dunkel, satt. Ein Gef├╝hl der Befriedigung breitet sich in Paula aus. Sie w├Ąssert die Erde. Die Erde wird nass, immer n├Ąsser, bis sich Pf├╝tzen bilden. Das Wasser kann nicht so schnell versickern, wie es verteilt wird. Die Erde ist nass. Gef├╝llt mit Wasser, triefend nass.

Paula streift ihre Sandalen ab. Das Gras kitzelt ihre Fu├čsohlen, ein prickelndes Gef├╝hl breitet sich in ihren F├╝├čen aus und wandert nach oben. Sie taucht zaghaft einen gro├čen Zeh in die braune Masse ein. Er gleitet ohne M├╝he in die weich gewordene Erde. Die Erde f├╝hlt sich angenehm k├╝hl an. Mit einem schmatzenden Ger├Ąusch sinkt ihr Fu├č bis zu dem Kn├Âchel in den Matsch. Der zweite Fu├č folgt, sodass sie mit beiden F├╝├čen im breiigen Erdschlamm steht. Sie zieht an ihrem linken Fu├č und es gibt einen schl├╝rfenden Ton. Die Erde gibt ihren Fu├č frei, er schwebt kurz in der Luft, braune Schlammtropfen fallen. Dann stampft sie mit dem Fu├č auf. Der Modder spritzt in alle Richtungen. Sie stampft und es spritzt und schmatzt. Sie stampft und schreit. Ein zun├Ąchst heiserer Ton l├Âst sich aus ihrer trockenen Kehle. Dann ist er lauter, ein voller Klang, gewaltig. Sie erschrickt ├╝ber die ihr eigene animalische Urgewalt, die sich bisher nur sehr zaghaft gezeigt hat. Energisch stampft sie noch einmal. Es ist ihr egal, dass sie von oben bis unten mit Matsch bekleckert wird. Vollkommen egal. Aufzuh├Âren kommt ihr nicht mehr in den Sinn. Sie sp├╝rt die Erde unter ihren Sohlen. Ihre F├╝├če stampfen und es spritzt. Sie stampft und schreit und schreit und schreit.


sonah: 31.07.2013: Tippfehler korrigiert

Version vom 31. 07. 2013 00:06

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USch
Guest
Registriert: Not Yet

P.S.:

quote:
Monotonie kann zu Bewegungsstarre f├╝hren und die Furcht vor diesem Zustand l├Ąsst m├Âglicherweise den Wind den Schrebergarten mit seinen strammstehenden Gem├╝sereihen meiden.
Den Satz w├╝rde ich weglassen. Er ist zu erkl├Ąrend und abgehoben und st├Ârt den Fluss der Geschichte.
LG USch

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