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Leselupe.de > Kurzgeschichten
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Eingestellt am 01. 10. 2003 17:54


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sischa
AutorenanwÀrter
Registriert: Oct 2002

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„....... dann werde ich dich verlassen!“
Diesen Satz meiner Großmutter hatte ich schon lange vergessen. Erst als er wahr wurde, erinnerte ich mich wieder an ihn.
Immer konnte ich sie anrufen, ob Tag oder Nacht. Jederzeit war sie fĂŒr mich da. Über Gott und die Welt konnte ich mich mit ihr unterhalten. NĂ€chtelang saßen wir beisammen, um Probleme jeder Art zu lösen. Und jetzt war sie gegangen, ohne Schmerzen einfach eingeschlafen, wĂ€hrend ich bei ihr war. Gerade hatte ich ihr von meiner bevorstehenden Hochzeit erzĂ€hlt und sie gebeten, an Stelle meines Vaters mich zum Altar zu fĂŒhren, da hatte ihr Herz aufgehört zu schlagen. „..... dann werde ich dich verlassen!“, klang mir in den Ohren.
Sie hatte diesen Satz gesagt, als ich zum Waisenkind wurde nach einem Autounfall meiner Eltern. Sie nahm mir die Angst vor dem Verlassensein und gab mir die Geborgenheit, die ein zehnjĂ€hriges MĂ€dchen brauchte. Auch Großvater bemĂŒhte sich, mir den Vater zu ersetzen, doch er starb nach einigen Jahren, und wieder sagte meine Großmutter: „...... dann werde ich dich verlassen.“
Die Jahre vergingen sehr rasch mit Schulbesuch und Studium in einer anderen Stadt. Niemand merkte mir an, dass ich eine Waise war, auch ich vergaß es, denn Großmutter war da: Sie hörte geduldig zu, wenn ich mich auf PrĂŒfungen vorbereitete und fragte nach, wenn sie etwas nicht verstanden hatte. Als ich das Diplom in der Tasche hatte, fand ich weit entfernt von ihr eine Arbeitsstelle, fast tĂ€glich telefonierten wir mit einander, und ĂŒbers Wochenende fuhr ich oft zu ihr. Sie tröstete mich bei meinem ersten Liebeskummer und kommentierte auch alle Fotos meiner Freunde. „Der ist nicht gut fĂŒr dich, .....der ist nicht ehrlich, .....der kann nicht treu sein.“
Vor einigen Monaten lernte ich nun einen jungen Mann kennen, den ich vor meiner Großmutter verschwieg, diesmal sollte sie keinen Kommentar abgeben. Ich hatte mich verliebt, wie noch nie, und es wĂ€re fĂŒr mich schlimm gewesen, wenn sie ihn abgelehnt hĂ€tte. NatĂŒrlich merkte sie, dass ich nicht mehr so oft kam. Ich schob Schwierigkeiten in der Firma vor, sie glaubte es mir nicht. „ Ist es ein Mann?“ fragte sie unvermittelt. „Ich werde ihn dir bei Zeiten vorstellen“, war meine knappe Antwort. Doch dies tat ich nicht, im Gegenteil, ich besprach die Hochzeit nur mit meinem BrĂ€utigam und ĂŒberraschte die Großmutter mit dem Termin und der Bitte, mich vor den Altar zu geleiten. Doch nun war sie tot!
„Erst, wenn du ganz allein zurecht kommst, dann werde ich dich verlassen!“

__________________
freue dich des Lebens

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Klabautermann
???
Registriert: Feb 2003

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Liebe Sischa,

eine traurige, aber dennoch liebevoll formulierte Geschichte. So eine Großmutter.. wĂŒrde sich wohl jeder wĂŒnschen.

Logisch aufgebaut, Dein Text, auch durch die Auflösung am Ende. Die Pointe ist nicht so stark, aber bei der Thematik absolut angemessen.
Ein wenig Lebendigkeit könntest Du noch einbringen, ich mach Dir ein paar VorschlÀge dazu, sie sind jedoch nur als Anregungen zu verstehen:





Immer konnte ich sie anrufen, ob Tag oder Nacht. Jederzeit war sie fĂŒr mich da. Über Gott und die Welt konnte ich mich mit ihr unterhalten. NĂ€chtelang saßen wir beisammen, um Probleme jeder Art zu lösen.
hier könntest Du etwas konkreter schreiben oder diesen Part weglassen, denn Du wiederholst ihn ja unten nochmal. WĂŒrde gleich mit der Kinderzeit beginnen, wie die Oma sie aufzieht, vielleicht nebenher arbeiten geht und trotzdem alles schafft und ihr dabei in der Schule mit Rat und Tat zur Seite steht
Und jetzt war sie gegangen, ohne Schmerzen einfach eingeschlafen, wĂ€hrend ich bei ihr war. Gerade hatte ich ihr von meiner bevorstehenden Hochzeit erzĂ€hlt und sie gebeten, an Stelle meines Vaters mich zum Altar zu fĂŒhren, da hatte ihr Herz aufgehört zu schlagen. „..... dann werde ich dich verlassen!“, klang mir in den Ohren. beschreib diese Szene noch genauer. Liegt sie im Bett. Kommt die Enkelin einfach so ins Zimmer? sitzt sie neben ihr auf dem Sofa? Hier liegt ja das elementare Merkmal enthalten, also ruhig ein genaues Bild zeichnen, vielleicht die Hand, die sie nochmal kurz drĂŒckt und dann nachlĂ€sst...
Sie hatte diesen Satz gesagt, als ich zum Waisenkind wurde nach einem Autounfall meiner Eltern. Sie nahm mir die Angst vor dem Verlassensein und gab mir die Geborgenheit, die ein zehnjĂ€hriges MĂ€dchen brauchte. Auch Großvater bemĂŒhte sich, mir den Vater zu ersetzen, doch er starb nach einigen Jahren, und wieder sagte meine Großmutter: „...... dann werde ich dich verlassen.“
Die Jahre vergingen sehr rasch mit Schulbesuch und Studium in einer anderen Stadt. Niemand merkte mir an, dass ich eine Waise war, auch ich vergaß es weitgehend, denn Großmutter war da: Sie hörte geduldig zu, wenn ich mich auf PrĂŒfungen vorbereitete und fragte nach, wenn sie etwas nicht verstanden hatte. Als ich das Diplom in der Tasche hatte, fand ich nur weit entfernt von ihr eine Arbeitsstelle, doch fast tĂ€glich telefonierten wir mit einander, und ĂŒbers Wochenende fuhr ich oft zu ihr. -->besuchte ich sie oft Sie tröstete mich bei meinem ersten Liebeskummer und kommentierte auch alle Fotos meiner Freunde. „Der ist nicht gut fĂŒr dich, .....der ist nicht ehrlich, .....der kann nicht treu sein.“ gute Idee!
Vor einigen Monaten lernte ich nun einen jungen Mann warum hier keinen Namen? wĂŒrde sich sehr gut machen kennen, den ich vor meiner Großmutter verschwieg, diesmal sollte sie keinen Kommentar abgeben. Ich hatte mich verliebt, kein Komma wie noch nie, und es wĂ€re fĂŒr mich schlimm gewesen, wenn sie ihn abgelehnt hĂ€tte. NatĂŒrlich merkte sie, dass ich nicht mehr so oft kam. Ich schob Schwierigkeiten in der Firma vor, sie glaubte es mir nicht. „ Ist es ein Mann?“ fragte sie eines Tages unvermittelt. „Ich werde ihn dir bei Zeiten vorstellen“, war meine knappe Antwort. Doch dies tat ich nicht, im Gegenteil, ich besprach die Hochzeit nur mit meinem BrĂ€utigam und ĂŒberraschte die Großmutter mit dem Termin und der Bitte, mich vor den Altar zu geleiten. Doch nun war sie tot! nocheinmal streichelte ich ĂŒber ihre kalte Hand, die voller feiner Äderchen war
„Erst, wenn du ganz allein zurecht kommst, dann werde ich dich verlassen!“

liebe GrĂŒĂŸe

Klabautermann



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GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

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Hallo Sischa,

trotz aller Traurigkeit liegt das Positive im Schluß: Die Großmutter hat damit indirekt die Ehe gutgeheißen. Ein tröstlicher Gedanke.

Gruß,
Gabi

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driver2
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Sep 2003

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Hallo sischa,
ich finde dein Text sehr schön, obwohl er natĂŒrlich auch traurig ist. Du hĂ€ttest vielleicht etwas klarer beschreiben können was sie gerade macht, als sie bei ihr ist. Ansonsten finde ich ihn so gut.

Gruß,
driver2

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sischa
AutorenanwÀrter
Registriert: Oct 2002

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hallo Klabautermann,
danke fĂŒr die Besprechung! Wenn ich so an meine Geschichten denke, sind sie fast alle recht kurz, vielleicht habe ich mir die RatschlĂ€ge von anderen Literaten zu sehr zu Herzen genommen, nichts ÜberflĂŒssiges zu schreiben, was von der eigentlichen Geschichte ablenken könnte: dem Verlassensein.
Du hast mir gut geraten. Ich werde daraufhin die Geschichte ergÀnzen.
Gruß und Dank auch an Gabi und driver2. Ja, Oma hat den neuen Freund gut geheißen.

Gruß Sischa
__________________
freue dich des Lebens

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