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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Verloren
Eingestellt am 17. 03. 2006 09:59


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Lisa&Tom
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Mar 2006

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Verloren

„War es schön für dich?“ Oh ja das war es, sehr sogar! Aber da war noch was. Schnell schlüpfte ich in mein schwarzes T-Shirt und flitzte im Dunkeln den schmalen Flur entlang zur Kommode, wo ich auch schnell fand nach was ich suchte. „Schatz was suchst du denn?“. „Ich hab es schon“ antwortete ich, während ich mit der Scheibe in der Hand fieberhaft auf dem Kalender suchte, welcher Tag denn nun heute ist. Da war es, November, jetzt noch die fruchtbaren Tage... tatsächlich. „ICH BIN SCHWANGER“ verkündete ich stolz und immer noch total aufgeregt.

„Wie?“ Mein Freund schien mich zwar zu hören, jedoch begriff er keineswegs den Inhalt des Gesprochenen. „Doch ganz sicher“, ICH BIN SCHWANGER (ich musste meine Worte wiederholen so gern hörte ich diesen Satz). „Gerade habe ich es mit der Schwangerschaftsscheibe verglichen, heute war ein fruchtbarer Tag, ich bin ganz sicher es ist soweit. Ungläubig starrte mich Tom an, seine Gedanken schienen ihm ins Gesicht geschrieben. oh je Lisa mach Dir nicht zuviel Hoffnung warte doch erst mal ab gerade hatten wir Sex und schon spürst du das du schwanger bist mach Dir nichts vor du wirst nur enttäuscht sein wenn es nicht so ist...Ich ließ mich von seinem Gesichtsausdruck nicht beirren. Ich ließ ihn stehen und schwebte selig zur Dusche. Dort ließ ich das warme lauwarme Wasser auf mein Gesicht prasseln, meine Hand schon schützend auf meinen flachen Bauch gelegt. Als ich mich wieder ins Bett legte schmiegte sich Tom an mich. „Schatz ich wünsche es mir so sehr ein Baby mit dir zu haben und ich hoffe du hast recht“. Dann schliefen wir engumschlungen ein.

Die nächsten Tage vergingen kaum. Meine Zeit bestand nur darin, auf den Tag zu warten, an dem ein Schwangerschaftsfrühtest möglich ist. Toms Zeit bestand darin, mich in jeder Sekunde abzulenken.

Dann war es soweit, ein regnerischer Novembertag. Ich schloss die Wohnungstür auf und Tom schaute schon erwartungsvoll zur Türe. Er kam auf mich zu und drückte mir einen Kuss auf die Wange „na, hast du den Test schon gemacht?“. „Aber nein ich habe ihn mitgebracht, schau hier in der Tüte“. Er beugte sich über mich und betrachtete den Test, als ob schon auf der Packung der Text „schwanger“ geschrieben stünde. „Und jetzt?“ „Na, jetzt mach ich ihn mit dir zusammen, du wartest hier und ich mach ihn kurz im Bad“. „Ok“ er setzte sich wieder aufs Sofa, die Anspannung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Ich zog meine Winterjacke aus und ging ins Bad. Konzentriert las ich die Gebrauchsanweisung. Innerhalb 3 Minuten das Ergebnis ablesen... aha na dann mal los.

Während ich im Schneidersitz auf dem kalten Fliesenboden saß, schossen mir Millionen von Gedanken durch den Kopf. Sollte das Ergebnis positiv sein würde sich schlagartig unser gesamtes Leben verändern. Wir hatten schon einen Sohn und so wussten wir ein weiteres Kind bedeutete Verantwortung, es kostete sehr viel Nerven, viel Zeit und Geld aber da war auch soviel Freude, Liebe wunderschöne Gefühle und Erlebnisse die einem nichts anderes geben konnte als ein Kind. Tom war das was man einen perfekten Vater nennt, er war geduldig, er liebte mich und unseren Sohn abgöttisch, für uns vergaß er sich selbst. Wenn man ihm beim Spielen mit unserem Sohn zusah dann glaubte man kaum das er der Erwachsene unter den beiden war. Ich dagegen war der ungeduldige Typ, alles musste schnell gehen, immer rannte mir die Zeit davon. Tom meinte einmal zu mir, wenn ich so weitermachen würde dann würde es mich irgendwann erwischen und ich bekäme einen Herzinfarkt vor lauter Hetzerei. Und ich meinte zu ihm er würde irgendwann mit seiner Gelassenheit sein ganzes Leben verschlafen. Manchmal machte mich seine ruhige Art rasend, gleichzeitig liebte ich ihn genau aus diesem Grund so wahnsinnig. Zwei blaue Striche rissen mich aus meinen Gedanken. Immer noch hielt ich den weißen Plastikstab in meinen Händen. Ich wusste es! Ich war schwanger. In meinem Bauch entwickelte sich Leben und es war sekündlich dabei sich weiter zu entwickeln. Freude breitete sich aus, ein Gefühl dem Himmel gleich und gleichzeitig diese Angst das ein Strich verschwinden könnte und alles unwirklich wird. Sollte ich aus dem Bad kommen und Tom einweihen? Oder sollte ich noch warten?

Ich musste raus aus dem Bad. Feierlich lief ich, den Schwangerschaftsstreifen in meiner rechten Hand, aus dem Bad direkt auf Tom zu. Er starrte mich mit fragendem Blick an. Eigentlich sah er die Freude in meinem Gesicht, gleichzeitig wollte er es aber hören. „Und?“ Fragend blickte Tom zu mir und stand nun vom Sofa auf. „Ja Schatz, es ist soweit, wir bekommen ein Baby“. Mit Tränen in den Augen wirbelte er mich herum. Wir lachten und küssten uns. Die Welt schien es um uns herum nicht mehr zu geben. Nur noch Tom und Lisa unser Sohn und das BABY. UNSER BABY!!!! „Wir erwarten ein Baby? !?“ Ja, schluchzte ich, ein Baby ein kleiner Teil von uns wächst zum Leben heran. Alles schien vergessen, wir hatten nicht viel Geld es würde uns eine harte Zeit bevorstehen, es war alles egal. Das kleine Wesen überschwemmte jede kleinste Sorge und machte uns zu den glücklichsten Menschen auf Erden.

Es begann eine wunderschöne Schwangerschaft. Wir erzählten es unserem Sohn und er freute sich riesig. Anfangs hatten wir Bedenken ob er vielleicht eifersüchtig reagieren könnte, es war jedoch überhaupt nicht so. Sofort fing unser Sohn an nach Namen zu suchen und seine Vorstellungen zu äußern wie „er“ oder „sie“ bestimmt wäre. Mädchen oder Junge....dunkle oder blonde Haare.... ruhig oder ein Wirbelwind....ständig ließ er sich neue Phantasien einfallen und es schien ihm sehr zu gefallen. Tom und mich verband die Schwangerschaft mehr und mehr. Wenn Tom und ich abends vor dem Fernseher kuschelten begannen wir genauso zu phantasieren. Ich fühlte sofort das es ein Mädchen war. Zumindest vermutete ich es stark. Wir malten uns aus wie sie (oder er) wohl sein sollte, eine kleine Prinzessin mit Toms Locken und seinen mandelförmigen dunklen Augen, die Ruhe ausstrahlt, oder vielleicht doch eine langhaarige kleine Göre mit meinen grünbraunen Augen und süßen Sommersprossen im Gesicht die sich im Leben behaupten und ihr „Ding“ durchziehen würde. Vielleicht aber doch ein kleiner Gentleman mit niedlichem Gesichtsausdruck oder doch ein kleiner Quälgeist mit sommersprossigem Gesicht und frechem Haarschnitt. Zu einem Ergebnis kamen wir nie. Aber es bereitete uns große Freude unsere Gedanken preiszugeben.

Mein erster Frauenarzttermin stand an mit meiner ersten Gewichtskontrolle, Urinkontrolle sowie meiner Blutanalyse. Es war alles in bester Ordnung und so freute ich mich um so mehr mit meinem ersten Ultraschallbild vor Tom und unseren Sohn zu treten. Bewundernd betrachteten die beiden das schwarzweiße Ultraschallbild. Ohne den Blick abzuwenden fragte mich Tom: Wo ist denn das Gesicht? Besserwisserisch erklärte ich ihm jedes Detail des Ultraschallbildes. Unser Baby hatte ein Gesicht und wir alle waren sehr stolz auf unser(e) Kleine(s). Kleine Fingerchen, Zehen, ein Gesicht, es fängt sogar schon an zu spielen und nuckelt am Daumen.

Dann, eines Tages, ich kochte gerade Spaghetti für meinen Sohn spürte ich ein starkes Ziehen im Bauch. Ich lief zur Toilette und entdeckte in meinem Slip Blutspuren. Schnell griff ich zum Hörer und wählte die Nummer meines Frauenarztes. „Kommen sie vorbei“. Dieser Satz traf mich schwer und die Angst saß mir im Nacken. Ich war sicher, wäre es nicht schlimm müsste ich sicher nicht kommen und eine telefonische Beratung hätte genügt.

Als Tom nach Hause kam brach ich in Tränen aus. „Ich habe Blutungen und muss zum Arzt“ schluchzte ich. Tom beruhigte mich und küsste mich auf die Stirn. "Wird schon alles gut", versicherte er mir. Wir fuhren gemeinsam zum Frauenarzt. „Ihre Versicherungskarte bitte“. “Aber natürlich“. Über den Arzttresen reichte ich ihr die Karte. „Sie können noch Platz nehmen“ sagte uns die Sprechstundenhilfe. Wir liefen zum Zimmer und blätterten in den Praxiszeitschriften. Reden wollte keiner von uns. „Kommen Sie bitte“ damit war ich gemeint. Ich stand auf und steuerte auf das Behandlungszimmer zu. Ein Kloß saß tief in meinem Hals und ich zitterte vor Angst. Tom war wie gelähmt und starrte weiter in die Zeitschrift die er zitternd in den Händen hielt.


„Alles ok mit Ihrem Baby, Blutungen können manchmal auftreten, kein Grund zur Sorge“. Ich konnte den Stuhl wieder verlassen. Erleichterung machte sich in mir breit. Ich hatte mich völlig umsonst verrückt gemacht. Unserem Baby ging es gut. Beruhigt fuhren wir nach Hause. Die Wochen vergingen und alles lief gut.


In der nächsten Untersuchung wurde ein Ultraschall gemacht. Nun war es schon richtig groß, auf dem Bild sah es aus, als ob es spielte. „Kann ich das Bild haben?“ „Aber natürlich, es liegt ja gerade auch so perfekt das man ein richtig schönes Bild machen kann“ antwortete mein Frauenarzt.
Mit dem Bild in der Hand verließ ich die Praxis. Vor der Türe betrachtete ich es noch mal genau. Es war ein wunderschönes Würmchen! So perfekt, alles dran, am richtigen Fleck, faszinierend. Auf dem Bild sah es aus als spielte es mit der Nabelschnur. Tom hatte bald Geburtstag und dieses Bild war geradezu perfekt für einen Rahmen.

Ich lief die Straße entlang und bog in eine kleine Gasse ein, wo das einzige Fotogeschäft stand, welches unsere kleine Stadt zu bieten hatte. Der Besitzer des kleinen Lädchens war ein grauhaariger, dicklicher Mann den man zu keiner Tageszeit unfreundlich erlebte. „Guten Tag junge Dame kann ich Ihnen behilflich sein?“. „Oh ja, ich habe da eine Frage, könnten Sie dieses Ultraschallbild vergrößern und einrahmen?“. Neugierig beäugte der Mann das Ultraschallbild. „Das ist ja toll, das kleine sieht aus als würde es spielen. Bei unseren Kindern...“ Es folgte ein Vortrag über die Entbindung seiner Kinder, über den Frauenarzt seiner Frau, über Weihnachten, Ostern über seine Geschwister und die schlechte Marktlage. Das war’s, jetzt war ich informiert. „....so, dann leg ich jetzt mal los, das Bild dauert aber 10 Minuten junge Dame, Sie können ja einen kleinen Stadtbummel machen und wenn Sie wiederkommen habe ich alles fertig“.

Ich blickte durch das vollbehangene Schaufenster auf die kleine Gasse. Trüb sah es aus, kalt und ziemlich windig. „Na gut, dann bis später“. Ich zog mir die Kapuze meiner Jacke über und steuerte auf die andere Straßenseite zu. Viel zu sehen gab es nicht aber ich bemühte mich meine Zeit totzuschlagen. Da gab es den Metzger, der immer gut besucht war von Müttern mit ihren Einkaufskörben, oder Kindern, die sich schnell einen Leberkäse aufwärmen lassen, um ihn dann sofort im Brötchen zu essen. Weiter die Straße runter gab es einen Obst- und Gemüseladen in dem man sich das frischeste Obst- und Gemüse besorgen konnte das es weit und breit zu kaufen gab. Dieser Laden war jedoch so gut wie gar nicht besucht, da es dort nicht ganz billig ist. Gleich daneben schloss eine Apotheke an, die im Schaufenster zwischen Schneeflocken Tempotücher und Erkältungsmedikamente ausgestellt hatte. Gegenüber gab es den Schmuck- und Uhrenladen, dessen hell erleuchtetes Schaufenster edel geschmückt war mit den schönsten Uhren, Ringen und Ketten in glitzerndem Schaufensterlicht. Dort hielt ich mich noch ein paar Minuten auf und betrachtete durch die Scheiben die zierliche Frau, die am Tresen dabei war, kleine Preisetiketten um Ringe zu schnüren.

Langsam schlenderte ich zurück in den Fotoladen und spürte die Kälte kaum noch. „Es ist fertig“. Stolz präsentierte mir der Verkäufer des Ladens das große Ultraschallbild des kleinen Engels, ein schöner farbiger Holzrahmen verzierte den Rand. Ich war begeistert, es war wirklich wunderschön. Ich bezahlte und verließ das Geschäft.


Toms Geburtstag feierten wir zu Hause mit unserem Freundeskreis und viel Chili con Carne und Kuchen. Meine Heißhungerattacken wechselten zwischen süß und deftig, und so war Toms Geburtstag das wahre Paradies für mich und unser Baby. „Hei Lisa soll ich dir eine Salzstange auf dein Tortenstück stecken, du liebst doch gerade solche ekligen Esskombinationen“ ärgerte mich Tom. „Mach du nur so weiter dann bekommst du halt kein Geschenk“. Grinsend drehte ich mich mit meinem Tortenstück um und lief davon. Tom kniete sich auf den Boden, hielt sich an meinem Hosenbein fest und fing an zu betteln „biiiitte Liisaaaa mein Gescheeeenk „. Ich ließ mich erweichen, denn eigentlich war ich selbst viel zu neugierig darauf wie er wohl reagiert. Ich lief ins Schlafzimmer und holte die Tüte in der das riesige Geschenk verpackt war. Tom war schon sichtlich beeindruckt von der Größe des Geschenks, das sah man ihm an. Schnell riss er das Geschenkpapier auf und ich fragte mich weshalb ich es überhaupt so schön verpackt hatte. Mit glänzenden Augen betrachtete er das Ultraschallbild und in dem Moment wusste ich genau das ich ihm kein schöneres Geschenk hätte machen können. „Vielen Dank Lisa, ich liebe dich“.


Es war Wochenende und ich war von Freunden eingeladen. „Komm nicht so spät Schatz“, Tom verabschiedete mich an der Türe und wünschte mir noch viel Spaß. „Sicher nicht, ich freu mich später auf dich“, und schon war ich aus der Tür.

Es war ein schöner Abend, wir saßen in einem Lokal und unterhielten uns. Plötzlich spürte ich ein starkes Ziehen im Rücken. „Alles ok?“ Meine Freundin beugte sich zu mir und sah mir sofort an das es mir nicht gut ging. „Ich weiß nicht aber ich glaube es geht jetzt wieder“. Ich versuchte eine bequeme Haltung auf meinem Stuhl einzunehmen. Doch es wurde nicht besser. Als es spät wurde verabschiedete ich mich von meinen Freunden und wollte nach Hause fahren. Da die Schmerzen nicht besser wurden beschoss ich davor noch im Krankenhaus vorbeizufahren und mich untersuchen zu lassen.

Ich meldete mich an der Anmeldung und die Krankenschwester meinte ich solle noch warten. Das tat ich dann auch und setzte mich in den Warteraum. Die Schmerzen wurden immer unerträglicher, schließlich schaffte ich es nicht mehr gerade auf meinem Stuhl zu sitzen. Inzwischen waren drei Stunden vergangen und ich war immer noch nicht drangekommen. Eine Schwester lief am Zimmer vorbei und fragte ziemlich barsch „warten Sie hier auf jemanden?“ „Nein“, erwiderte ich. „Ich habe mich an der Anmeldung gemeldet, weil ich Schmerzen habe“. Ich fragte mich, warum sie es mir an meinem schmerzverzerrten Gesicht nicht ansah. „Sie hätten sich ja ruhig noch mal melden können“ äußerte sie noch ziemlich unfreundlich und befahl mir dann mitzukommen. Im Schwesternzimmer drückte sie mir einen Urinbecher in die Hand und bat mich eine Probe abzugeben. „Sie haben ja Blut im Urin“ sagte sie während sie den Teststreifen in den Becher hob. „Kommen Sie mit, die Ärztin untersucht sie“. Ich setzte mich auf den Behandlungsstuhl und die Ärztin betrat das Zimmer. „Guten Abend, oh je Ihnen geht es nicht gut“ sie setzte sich hin und machte einen Ultraschall. Lange Zeit verging und sie sagte nichts, drehte immer wieder den Ultraschallkopf auf meinem Bauch und starrte in den Monitor. Die Zeit schien still zu stehen. „Es sieht nicht gut aus. Sie haben Wehen. Der Muttermund ist schon aufgegangen und der Gebärmutterhals ist verkürzt. Außerdem haben Sie eine Infektion. Sie müssen hier bleiben sonst verlieren Sie Ihr Kind“.

Obwohl Sie mit einer sehr sanftmütigen und freundlichen Stimme zu mir sprach trafen mich ihre Worte wie ein Hammerschlag. Das konnte nicht sein. Und doch wurden mir langsam ihre Worte bewusst. Ich überlegte noch eine Weile dann meinte ich zu ihr „ich werde ins Krankenhaus gehen das in der Nähe meines Wohnortes ist ich habe nämlich noch einen Sohn, wenn das möglich wäre“. Hier war ich nämlich ca. 45 Minuten von unserem Wohnort entfernt. „Na sicher das ist möglich, schaffen Sie es denn noch zu fahren?“ Während sie mit mir redete stellte sie gleichzeitig ein Rezept gegen die Infektion aus und schrieb kurz auf was sie mir schon vorher erklärt hatte. „Ja das schaffe ich noch“ antwortete ich und zog mich an.

Auf der Heimfahrt weinte ich bis ich zuhause ankam. Ich schloss die Türe auf. Tom rief aus der Küche „super Schatz du bist da, habe dir schon einen Tee gema...“. Er verstummte als er mich sah. „Was ist los?“. „Komm schnell wir müssen ins Krankenhaus“ ich zog ihn zur Haustüre und im Laufen schlüpfte Tom in seine Schuhe und seine Jacke. Auf der Fahrt zum Krankenhaus erklärte ich ihm alles. Tom war ein richtig gemütlicher Autofahrer aber jetzt schien ihm alles egal und er raste förmlich. Ich war froh das um diese Uhrzeit fast keine Autos mehr auf der Straße waren.

„Sie haben keine Infektion. Nehmen Sie Magnesium. Dann können Sie wieder heimfahren. Hier können wir nämlich auch nichts anderes für Sie tun. Gehen Sie einfach am Montag zum Frauenarzt“. Verblüfft schauten Tom und ich uns an. Wie konnten solch unterschiedliche Aussagen gemacht werden von zwei Ärzten. Konnte das sein? Unsere Freude siegte aber über den Gedanken und so fuhren wir wieder heim.

Besser wurde allerdings nichts. Im Gegenteil es wurde schlimmer. Ich bekam Fieber und es ging mir hundeelend. Tom kümmerte sich rührend um mich, doch langsam war ich mit meinen Kräften am Ende.

Am Montag ging ich dann zu meinem Frauenarzt. Er untersuchte mich und wir setzten uns an seinen Schreibtisch um uns zu unterhalten. „Soll ich denn das Antibiotikum nehmen das ich im Krankenhaus verschrieben bekam?“. Er schaute nachdenklich. „Hm, das ist jetzt halt die Frage...“. Ich wartete und hoffte er würde dem Satz noch etwas hinzufügen, doch es kam nichts. Schweigend saßen wir uns gegenüber. Dann sagte er doch noch etwas. Meine Frage in bezug auf das Antibiotika wurde jedoch nicht beantwortet. Er sprach noch von einer Cerclace die man machen kann um den Muttermund zu verschließen aber da wüsste er auch nicht ob das so richtig wäre, am besten heim, schonen, schonen, schonen und Magnesium nehmen. Das Fieber würde wohl von einer Erkältung herrühren.


Etwas verwirrt fuhr ich heim und kuschelte mich unter meine Decke. Mir war kalt, sehr kalt. Tom holte noch 3 andere Decken aber es wurde nicht besser. Es schüttelte mich und ich konnte nichts dagegen tun. Mein Fieber stieg auf 39,9 und der Schüttelfrost wollte kein Ende nehmen. Ich spürte, dass das so alles nicht normal sein konnte. Also rief ich im Krankenhaus an und hoffte nicht langsam lästig zu werden. „Frauenstation...?“. Ich schilderte mein Befinden und sie meinte dann zu mir, „wenn das Fieber weiter steigt dann sollten Sie vorbeikommen“. Ich legte auf und hätte heulen können so verzweifelt und wütend war ich langsam. Ich fragte mich ernsthaft, wie hoch das Fieber denn noch steigen könne. Noch einen Tag quälte ich mich in diesem Zustand. Ich hatte Angst, und es zerriss mir das Herz bei dem Gedanken das es meinem Baby vielleicht gerade auch so schlecht ging wie mir und es Schmerzen fühlte.

Am nächsten Tag wachte ich unter starken Schmerzen auf. Die Blutungen wurden immer stärker und ich quälte mich im Sitzen wie im Liegen. Ich rief meinen Frauenarzt an. „Ich habe mit dem Arzt gesprochen, gehen Sie bitte sofort ins Krankenhaus“. Ich war erleichtert die Sätze der Arzthelferin zu hören. Tom war arbeiten und ich hätte eigentlich auch arbeiten gehen müssen. Dort rief ich schnell noch an und sagte ab.

Dann lief ich zur Dusche, denn ich wollte noch auf die Toilette und duschen, bevor ich ins Krankenhaus fuhr. Auf der Toilette spürte ich einen schrecklichen Schmerz in meinem Bauch und dann einen Druck. Als ich an mir herunterblickte sah ich die Nabelschnur herunterhängen und am Ende mit ihr verbunden – mein kleines Baby. Ich schrie.

Es ging nichts mehr, ich konnte nur noch schreien. Mit ausgestreckter Hand griff ich nach einem Handtuch und legte mein Baby darauf das immer noch durch die Nabelschnur mit mir verbunden war. Dann sackte ich auf dem Boden zusammen. Ich schrie und weinte und berührte mein Baby ganz leicht auf der Schulter. Es musste doch atmen. Ich war sicher es würde gleich atmen. Oder ich würde gleich wach werden und dann wäre dieser Moment wieder aus meinem Kopf gelöscht. Ich schrie nach meinem Sohn und dem Telefon. Er legte es mir vor die Türe. Ich denke er hat an diesem Tag eine wahnsinnige Angst gehabt genau wie ich und ich mache mir heute starke Vorwürfe bei dem Gedanken, wie meine Schreie ihn wohl geängstigt haben müssen.

Ich rief Tom an. Aber auch am Telefon konnte ich nicht reden, sondern nur weinen und schreien. Trotzdem verstand er und war in kürzester Zeit zuhause. Ich blieb auf dem Boden sitzen bis Tom ins Bad gestürzt kam. Später bei einem unserer vielen Gespräche erzählte mir Tom, das dieser Anblick jeden Tag in seinen Gedanken hochkommt und er es nicht vergessen kann wie ich auf dem Boden saß und das Baby auf dem Handtuch zwischen meinen Beinen lag. Tom griff sofort zum Telefon und rief im Krankenhaus an. „Ja... ok... ja machen wir“. Er kam wieder zu mir ins Bad. „Schatz wir müssen unser Baby jetzt abnabeln, du sollst einfach an ihm ziehen dann wird die Nabelschnur reißen, wir sollen es dann in einem Schuhkarton mit in den Kreißsaal bringen“. „Nein“, wieder schrie ich. „Ich kann das nicht, ich kann nicht“. Irgendwie hatte ich das Gefühl das es, da es mit mir verbunden war, immer noch etwas Leben hatte. Es sah aus als würde es nur schlafen. Doch ich wusste, es ging nicht anders. Mit größter Überwindung zog ich am leblosen Körper und die Nabelschnur riss. Wir betteten unser Baby in eine Schachtel und fuhren los. Meine Freundin kam in der Zwischenzeit und kümmerte sich um unseren Sohn.


Als wir auf der Entbindungsstation ankamen, nahm uns eine Schwester in Empfang. Immer noch weinte ich. „Da brauchen sie jetzt nicht heulen das passiert so vielen Frauen!“ Das waren die begrüßenden Worte der Krankenschwester, bevor sie mit meiner Schachtel in den Kreißsaal lief.
Dort wurde ich noch von einer Ärztin untersucht. Als die Ärztin und die Schwester in den Karton schauten und sahen wie groß unser Baby schon war wurden sie sofort einfühlsamer. Hier möchte ich unbedingt anmerken das ich die Äußerung der Schwester in keinster Weise nachempfinden kann und ich mir von ganzem Herzen wünsche, das keiner Frau, egal in welchem Monat sie ihr Baby verliert, solch verständnislose Worte zu hören bekommen. Meines Erachtens haben Frauen mit so wenig Einfühlungsvermögen nichts auf einer Frauen- und Entbindungsstation zu suchen.
Ich wurde sofort OP-fertig gemacht und in den OP-Saal geschoben. „Gleich haben Ihre Schmerzen ein Ende, jetzt haben Sie aber eine Menge aushalten müssen“ sagte die Ärztin und tätschelte meine Wange. Die Narkose wirkte, ich schlief ein.


Als ich aufwachte brauchte ich einige Zeit meine Gedanken zu sortieren und zu realisieren, wo ich war. Ich lag in einem kalkweißen Zimmer, am Bett saß Tom und weinte. Da wurde mir alles wieder bewusst und ich weinte mit ihm. Minuten vergingen, dann betrat die Ärztin das Zimmer. Sie stellte sich an mein Bett und ich sah ihr an, das sie ihre Worte nur schwer finden konnte. „ Sie hatten eine Infektion die sich in der ganzen Gebärmutter ausgebreitet hat, daher das hohe Fieber. Auch ihr Baby war davon schon befallen. Es hätte soweit kommen können das man die Gebärmutter hätte entfernen müssen oder es wäre zu einer Blutvergiftung gekommen. Deswegen müssen wir Sie für längere Zeit an den Tropf hängen um das wieder in den Griff zu bekommen“.

Mir war alles egal. Ich dachte nur an mein Baby. „War es ein Junge oder ein Mädchen?“, fragte ich. „Oh das weiß ich nicht aber ich kann unten anrufen dort liegt das Baby, dann sage ich Ihnen gleich Bescheid“. Ich musste es wissen. Ich wollte ein persönlicheres Bild unseres Babies bekommen. Eine Vorstellung, irgend etwas. Zeit verging aber es kam niemand.

Auch am nächsten Tag nicht. Also stand ich vom Bett auf und lief zum Schwesternzimmer. Eilig kam eine Schwester auf mich zu. „Sie sollen doch nicht aufstehen“. „Ich will wissen ob mein Baby ein Junge oder ein Mädchen war“. Sie merkte wohl das sie mich nicht vertrösten konnte und so setzte Sie sich ans Telefon und telefonierte. Sie legte auf „es war ein Mädchen“ sagte sie und schaute mich an. Ich fühlte mich als würde ich an meinem Kloß im Hals gleich ersticken. Meine Tränen ließen sich nicht aufhalten, sosehr ich mich auch bemühte. Ich drehte mich um und lief zurück zu meinem Zimmer.

Meine Gedanken kreisten um das kleine Mädchen. Ich würde sie niemals in meinen Armen halten, niemals würde sie sich an den wunderschönen Farben der Blumen erfreuen, ich würde nie erfahren was wohl ihr Lieblingsgericht gewesen wäre und was sie gar nicht mögen würde? Welches kleine Mädchen wäre wohl ihre Freundin gewesen? Meine Gedanken wollten kein Ende nehmen. Es zerriss mir das Herz. Ich konnte und wollte das alles nicht glauben. Ich wünschte mir nichts mehr als sie jetzt sofort in den Arm zu nehmen. Immer noch glaubte ich dann würde irgendetwas wieder anders werden. Ich würde sie in meinem Arm halten und sie würde irgendwann ihre Augen öffnen und umherblicken. Dann würde sie gähnen und dabei ihr kleines Gesicht zu einer niedlichen Grimasse verziehen. Sie würde ihre kleinen Händchen bewegen und dann einen erlösenden Schrei ausstoßen. Ein Schrei der sich für mich wie die schönste Melodie meines Lebens angehört hätte.


Eine Schwester betrat das Zimmer, in der Hand einen Stapel Briefe. „Sie müssen sich mit Ihrem Mann Gedanken machen wie Sie ihr Baby beerdigen wollen. Soll es eine gemeinsame Bestattung werden mit allen Frühgeborenen oder wollen Sie ein Einzelgrab“. Davon wollte ich nichts hören. „Ich will mein Baby noch mal sehen“ schluchzte ich. „Das ist zu spät, es würde Ihnen auch nicht gut tun. Verabschieden Sie sich an der Beerdigung von Ihrem Kind. Es tut mir wirklich sehr leid“.


Das Obduktionsergebnis wurde uns durch den Frauenarzt mitgeteilt. Unsere Kleine war stark von der Infektion befallen und hätte außerdem niemals Kinder bekommen können.


Wir hatten uns später für eine gemeinsame Bestattung aller Frühgeborenen entschieden. Ich hatte irgendwie das Gefühl unsere Kleine wäre dann nicht allein. Einen Namen für sie suchten wir gezielt nach einer Bedeutung die uns gefiel. Unsere Kleine nannten wir deswegen Winona für „Erstgeborene“ und Zoe für „Leben“.

Bis heute, und das ist jetzt über 2 Jahre her, habe ich es nicht geschafft zum Grab zu gehen und das tut mir wahnsinnig weh. Täglich nehme ich es mir vor aber die Angst lässt mich nicht los. Die Angst, wie ich reagiere, wenn ich wirklich davor stehe. Dann fühle ich mich unendlich egoistisch. Sie wartet sicher auf mich. Doch wenn ich in der Nähe bin und nur in die Richtung des Friedhofs blicke, schnürt sich mir meine Kehle zu, und ich fühle, als würde ich im nächsten Moment ersticken.



Es ist März, noch ziemlich kalt. Doch bald wird es wärmer. Dann fangen Blumen wieder an zu blühen, das Gras fängt an zu sprießen und die Sonne kitzelt uns im Gesicht. Ich blicke auf die Terrasse und da ist sie. Ein kleiner Engel der fröhlich im Garten umherspringt. Sie blickt zu mir und lacht. Ihre dunklen Löckchen hüpfen, als sie sich auf die Schaukel schwingt. Dann winkt sie mir zu...

Das alles wird nie passieren....


Kleiner Engel wir lieben dich ewig und werden dich niemals vergessen, deine Mama dein Papa und dein großer Bruder.

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Waldemar Hammel
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@ Lisa+Tom

zum Formalen:
- Der Text steckt noch voller Rechtschreibfehlerchen, die könnte man mit einer automatischen Korrektur ausmerzen.
- Ich würde den Text stärker mit Absätzen untergliedern, erstens sortiert das die Gedanken beim Schreiben, und zweitens vereinfacht es sehr das Lesen.

zum Erzählstil:
- Den finde ich gelungen, ganz locker und lebendig. Es macht -vom Sprachlichen her- Freude zu lesen

zum Inhalt:
- Eine etwas rührselige (wahre) Geschichte, aber hier muss ich schweigen, denn ich habe -als Mann- genau dieses Desaster fünfmal miterlebt, wobei EINE Beerdigung notwendig wurde (Kind > 1000 Gramm), und beim letzten Event die Frau selbst beinahe verstarb. Ich habe das alles gut verdrängt, und nur beim Erinnern sträuben sich mir auch heute noch die Nackenhaare ...
- Da ich selbst mal als Krankenpfleger unterwegs war, kann ich die Äußerung der Krankenschwester "Nicht so anstellen, das passiert vielen ..." aber sehr gut nachvollziehen. Es ist der Versuch, trotz aktuellem Leid darüber hinaus zu blicken und ein Stück Realität wiederzugewinnen. Denn solche Vorfälle sind tatsächlich Alltag. Trotz aller modernsten Medizin hat die Natur immer noch Tricks drauf, gegen die wir bis auf Weiteres machtlos sind (was ich auch erst begriff, nachdem ich es selbst erlebte).

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Lisa&Tom
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Hallo Waldemar,
erstmal vielen Dank für dein Kommentar. Ich habe mich sofort drangemacht und korrigiert (hoffe ich habe jetzt nicht alles noch viel schlimmer gemacht). Und ich hoffe die Absätze sind einigermaßen passend.

Danke das du meinen Erzählstil gelungen empfindest. Ich fand es sehr schwer, das Erlebnis so zu beschreiben wie es war. Da waren viele freudige Gedanken die auch jetzt noch da sind. Nur leider tun sie jetzt nur noch weh, da Wünsche und Vorstellungen niemals Realität werden. Ich weiß nicht wie es bei euch war, aber bei uns folgte eine harte Zeit. Geprägt von Stille, Trauer, Schmerz und Wut. Auch das werde ich versuchen noch in Worte, vielleicht in Gedichte zu fassen.

Zu dem Kommentar der Krankenschwester: Da hast du sicher recht. Geholfen hat mir das aber in dieser Situation überhaupt nicht. Und ich glaube nicht, das es irgendjemandem helfen kann. Die Realität sollte wiedergewonnen werden, aber nicht, während sich betreffende Personen in gerade diesem Leid befinden. Wenn mein Handy kaputt geht und der Verkäufer dann meint: "Ärgern Sie sich nicht, das passiert so vielen", dann kann ich verstehen. Aber wenn jemandem Leid wiederfährt und er angehalten wird seine Gefühle zu unterdrücken, mit der Begründung, das passiere doch vielen...Tut mir leid, kein Verständnis.

Das es euch so oft passiert ist tut mir sehr leid. Bei uns war es das dritte Mal. Auch bei uns gab es eine Zeit des Verdrängens. Diese hätte uns jedoch fast unsere Beziehung gekostet.

Ich wünsche euch weiterhin viel Kraft und alles Gute.
Liebe Grüße, Lisa

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