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Leselupe.de > Kurzprosa
Verlustsfloskeln.
Eingestellt am 25. 07. 2006 19:03


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Buchsbaumbaby
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Lili liegt auf der Stra├če.

Sie sieht aus wie ein Mond, ein Halbmond zwar, aber das ├Ąndert ja nichts an der Tatsache.
Wir nennen sie: den Mond.
Sie nimmt meine Hand und mich selbst instinktiv immer dann in den Arm, wenn es mir weh tut im Herz, ganz tief drin. Meist vergrabe ich meinen Kopf in ihrer Schulter und habe die Augen zu, um ihr Vorhandsein einatmen zu k├Ânnen und die heisere Stimme mein Gem├╝t rehabilitieren zu lassen.
Sie hat Sommersprossen und ist erwachsen. Wir haben uns lieb. Ich schlafe in ihrem Bett, wenn die Nacht zu dunkel ist und ich eine Hand auf meiner Schulter brauche, die mir nicht das Schl├╝sselbein bricht. Oft sitzen wir abends in ihrer lachsfarbenen K├╝che vor zwei Tassen Tee und feuern uns gegenseitig l├Ąchelnd die Geschichten aus unseren fr├╝heren Leben in die Fressen, um die beidseitigen Probleme f├╝r ein paar Augenblicke in banale Unwichtigkeiten zu zerhacken.
Ich habe die Perlen in der Hand, die wir gestern aus einer unerkl├Ąrlichen Laune heraus gekauft haben f├╝r viel zu viel Geld; sie sind rot, mit klitzekleinen wei├čen Tupfen und passen wunderbar in dieses ├Ąsthetische Bild aus dunkelgrauem Himmel und Blut. Der Asphalt befindet sich im Besitz des Farbtons des Umfeldes.
Heute ist die Welt nicht bunt.

Lili liegt auf der Stra├če.

Ich brauche ihre Hand. Ich fasse ins Nichts. Nehme die unerlaubte Zigarette aus meinem zerrissenen Mundwinkel und ziehe den ├ärmel meines Pullovers hoch, um sie mit einem kurzen stechenden Schmerz auf der viel zu wei├čen Haut auszudr├╝cken. Die darauf zur├╝ck zu f├╝hrende Narbe sieht aus wie ein kleiner Oktopus.

Lili liegt auf der Stra├če. Immer noch. Ich br├Ąuchte sechsundzwanzigkommavierf├╝nf Schritte, um bei ihr zu sein. Ich bleibe stehen, wie angewurzelt und schmei├če meine Blicke auf dieses viel zu triste Szenario aus einer gef├╝hlssichereren Entfernung.
Es hat nicht lange gedauert, bis sich die ersten sensationsgeilen Menschen hysterisch aufgew├╝hlt um ihren relativ leblosen K├Ârper geschart haben und nun pflichtbewusst die notwendigen Ma├čnahmen ergreifen. Es ist ein bisschen so wie im Film. Nur, dass ich ihn nicht mit ihr zusammen ansehe.

110 oder 112?, fragt der gro├če, fremde Mann mit dem im Zusammenhang unglaublich klein wirkenden Handy in der Hand. Sie hat genau dasselbe, es m├╝sste in ihrem gr├╝nblauen Beutel neben ihr liegen.
Es ist ihr Lieblingsbeutel. Er sieht traurig aus, wie er so da liegt ohne Besitzer, aber er hat ├╝berlebt.

Ich werde ihn mit nach Hause nehmen, denke ich und eine gewisse Leere bohrt sich durch meine Knochen.
Ich gehe zu ihr. Es f├╝hlt sich an, als h├Ątte ich Lachgas eingeatmet und mein Herz pocht ununterbrochen gegen meine Rippen, w├Ąhrend die restlichen Ger├Ąusche pl├Âtzlich nicht mehr existieren in unserer Welt.
Lilis Hand ist kalt. Ich habe sie noch nie schlafen gesehen vorher.

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