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Leselupe.de > Feste Formen
Verräterisch umgarnt im Garten-Sonett
Eingestellt am 25. 09. 2010 15:48


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HerbertH
???
Registriert: May 2007

Werke: 860
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Verräterisch umgarnt uns unser Warten
Auf Neuigkeiten, die fast nichts bedeuten
In diesen Tagen, die das Neon scheuten
Von Nächten, denen wir entflieh'n. Im Garten,

Auf Bänken voller Sonnenlicht, auf harten
Geölten Stühlen, regenfest, mit Leuten,
Besuchern der Vergangenheit, da reuten
Gedanken, eine Pest Camus. Wir starten

In neue Grabaktionen, sinnen weiter
Auf reiche Ernte, unsrer Taten Frucht,
Empfinden, hoch am Apfelbaum die Leiter,

Den süßen Biss. Die Röte wird gesucht,
Auf Schalen ohne Stich, sie macht uns heiter.
Entspannt verdrängen wir den Grund der Flucht.


----

Die Doppeldeutigkeit in der Titelzeile ist bewusst

__________________
© herberth - all rights reserved


Version vom 25. 09. 2010 15:48
Version vom 25. 09. 2010 17:39
Version vom 17. 10. 2010 12:34

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Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

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Du machst es Deinen Lesern aber nicht leicht, lieber Herbert.

Mit Warten verbinde ich, dass man auf etas fixiert ist und sich deshalb mit nichts Anderem befassen kann. Insofern könnte mich mein Warten umgarnen.

Hier wird Reißaus genommen von etwas, das belanglos ist und trotzdem nicht beleuchtet werden wollte.

Man flüchtet sich in den Garten, ein Literatur-Restaurant sozusagen und gräbt sich durch "Die Pest" von Camus. Auch nach anderen Autoren früherer Generationen wird gemeinsam Ausschau gehalten und man wird fündig.

Ist man erst einmal hoch genug hinaufgestiegen, gewinnt die Literatur an Süße und man vergisst alles um sich herum.

Das "Verräterisch" verstehe ich allerdings nicht und kann es in keinen Zusammenhang bringen.

Liebe Grüße
Vera-Lena


__________________
Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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HerbertH
???
Registriert: May 2007

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Liebe Vera-Lena,

Deine Interpretation ist sehr stimmig. Sie zeigt sehr schön, wie doch der Text bei jedem Lesen/r neu entsteht . Insbesondere gefällt mir die Idee des Gartens als Literaturcafe.

Es gibt daneben - trotz Camus - die Möglichkeit, das Geschehen im Garten auch buchstäblicher zu sehen: Man sitzt mit alten Bekannten auf regenfesten Gartenmöbeln, man redet. Da gräbt man, freut sich an den Früchten,jemand steht auf der Leiter und wird heiter, weil die Äpfel süß sind und schön rot sind.

Trotzdem wird verdrängt (letzte Zeile), und auch das Warten auf Neuigkeiten ist Teil der Verdrängung und daher verräterisch, und die Entspannung im Garten ist trügerisch, denn bei dem Reden im Garten reuen die Gedanken hintergründig, diese Pest Camus.

Und natürlich bleiben dann noch die Anspielungen auf nicht so buchstäbliches: Wieso kommen die Besucher aus Vergangenheiten? Welche sind das? Wovor fliehen wir? Warum bedeuten die Neuigkeiten fast nichts und warum gerade in diesen Tagen, warum scheuen sie (oder die Tage? ) das Neon der Nächte? Was ist der Grund der Flucht? Und warum die Pest Camus? Ist dies vielleicht eine Anspielung auf künstlerisches Wollen, das aus irgendeinem Grund aber nicht funktioniert? Sind Grabaktionen wirklich nur Gartenarbeit oder geht es hier ums Grab? Sind es wirklich nur Gartenfrüchte, die wir ernten wollen, oder andere Früchte unseres Tuns und wenn ja, welche Früchte und welches Taten?

Dies alles bleibt bewusst offen.

Insofern hast Du recht, ich mache es dem Leser nicht einfach.

Die erste Zeile waren ein spontaner Input, der Rest ergab sich.

Mit den Deutungsmöglichkeiten mache ich es mir daher selbst auch nicht immer leicht

lG

Herbert





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gitano
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo HerbertH!
Das Warten hat durchuas viele Fazetten. Manche Menschen warten nur darauf, daß IRGENdetwas passiert-also nix Bestimmtes. Die langen Schachtelverse haben was Matrioschkahaftes . Eine steckt in der Nächsten...bleibt zu hoffen das man immer auch den Rückbau der Verse findet

Mir ist beim Lesen auch was passiert...Bin am Grübeln bei (blau):
Verräterisch umgarnt uns unser Warten
Auf Neuigkeiten, die fast nichts bedeuten
In diesen Tagen, die das Neon scheuten
Der Nächte
, denen wir entflieh'n. Im Garten(,)

Vorschlag:
Verräterisch umgarnt uns unser Warten
Auf Neuigkeiten, die fast nichts bedeuten
In diesen Tagen, die das Neon scheuten
von Nächten, denen wir entflieh'n. Im Garten,
so ist die Inversion wenigsten ein wenig geglättet und stupst mich nicht mit der Nase auf eine "Reimschuld". ("die das Neon der Nächte scheuten)
Das Komma hinter "Garten" sollte nach meiner Meinung schon sein, da in Z2 ein Nebensatzteil beginnt.

Auf Bänken voller Sonnenlicht, auf harten
Geölten Stühlen, regenfest, mit Leuten,
Besuchern aus Vergangenheiten reuten
Gedanken
, eine Pest Camus. Wir starten

hm...hier habe ich den Eindruck, daß das Enjabement zw. Z3 und Z4 im Sinne eines Sonettes nicht so richtig funzt. Das Wort Gedanken ist nur ein Anhängsel an einen Klangschwerpunkt. Die Verzerrung ("vorgezogen")des Klangschwerpunktes auf "reuten" (weniger schwer als Gedanken) löst bei mir die Frage aus: Warum?, Wofür? Was ist die inhaltliche Entsprechung für diesen Kunstkniff?...oder nur Spielerei?

Während in S1 die "Inversion" dafür Pate stand, ist es hier eine andere Form für die Klangschwerpunkt-Irritation. Das wird (zumindest bei mir) auch nicht beim lauten Lesen anders...*grübel*.

S4
Den süßen Biss. Die Röte wird gesucht
Auf Schalen ohne Makel, macht uns heiter.
Entspannt verdrängen wir den Grund der Flucht.

Die einleitende (Inversion) "Die Röte wird gesucht auf Schalen ohne Makel (Die Röte wird auf Schalen ohne Makel gesucht) würde ich durch Semikolion oder Bindestrich vom Nachsatz:"macht uns heiter". trennen. Man könnte auch hinter Röte ein Komma setzen ohne die Aussage zu beschädigen. Dadurch ist die aufällige inverse Formulierung etwas aufgehoben.

Vorschlag:
Den süßen Biss. Die Röte wird gesucht,
Auf Schalen ohne Makel- macht uns heiter.
Entspannt verdrängen wir den Grund der Flucht.

Hm,liebr Herbert, hier brauche ich wohl ein paar Denkanstöße!
Ich habe das ungute Gefühl, daß man sich beim Bekritteln jenseits (D)einer Idee befinden könnte-weil Handwerk eigentlich nicht Dein Problem ist.
*noch immer grübelnd-Dich grüßend* weil Sonettliebhaber jenseits der Pest Camus
gitano

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HerbertH
???
Registriert: May 2007

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Lieber Gitano,

Deine Kommentare waren - wie schon oft - sehr hilfreich. An den von Dir erwähnten Stellen wollte ich die Deutungsmöglichkeiten bewusst schillern lassen, was aber der Form ein wenig zuwider lief.

Ich habe Deinen Vorschlag "Von Nächten" und das Komma nach Garten gern übernommen, da die Doppeldeutigkeit erhalten blieb, worauf sich "denen wir entflieh'n" denn nun bezieht.

In S2, Z3 habe ich die schönen "aus Vergangenheiten" dem syntaktischen besseren "der Vergangenheit, da " geopfert, wobei "der" vielleicht sogar inhaltlich besser ist, weil sich zwei Deutungsmöglichkeiten "Besucher aus der Vergangenheit" und "Besucher, die die Vergangenheit besuchen" ergeben.

In S4, Z3 habe ich "Makel, macht", deren "A"s zu dem von "Schalen" gut passten, ersetzt durch "Stich, sie macht", mit immer noch einem "A", aber doppeltem "I" und anlautenden "Sch/St/S" in "Schalen/Stich/sie", wiederum
aus syntaktischen Gründen.

Was hältst Du von den Änderungen?

lG

Herbert
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gitano
Guest
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Lieber Herbert H!
Mit Spannung, und einem Blick zu Dir rüber, versuche ich als Neugiersfritze Deinen Gedanken zu folgen. Nur von daher sind mir die Dinge aufgefallen. Wenns hilft, sollten wir ein Bierchen trinken gehen und uns freuen.
Deine Änderungen in S1/2 fügen sich wunderbar ein.
Mir fiel noch auf, daß hinter "Grabaktionen" wahrscheinlich ein Punkt gehört....und auch inhaltlich bleibe ich hier hängen: Aktionismus im Warten? *grübel*...im Übertragenen Sinne funktioniert daß zwar, aber Du verlangst Deinen Lesern eine Menge ab im geschachteltem Assoziationshopping-eigentlich war das oft ein Kritikpunkt zu meinen Texten . Aber im Surrealen liegt auch ein Stück Mystik, etwas Magisches, eine Deutung von Wahrheit, die Zeiten überdauert!

Nun noch ein Vorschlag zu T2:
....Die Röte wird gesucht,
auf Schalen ohne Makel lacht sie heiter!

Ich empfand,daß der bittersüße Beigeschmack Deiner Gedanken, in dieser Zeile so noch etwas weiter reicht, sich besser absetzt. Der "Makel" ist auch phonetisch schöner, tragender...und das "lacht" dahinter...
laß mal sacken bitte.

Noch immer bin ich mir sehr unsicher im Kommentieren von Sonetten. Komm mir vor wie der Steinmetzlehrling in der Alhambra-obwohl ich doch den Gen al arif noch lieber mag.
Meine Komms zu Deinen Texten sind sicher weniger vorbildhaft als Deine (is mir oft peinlich) besonders in puncto Höflichkeit)-aber wenns hilft freue ich mich mich natürlich.
Rotbäckchenknabbernde Grüße
gitano


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HerbertH
???
Registriert: May 2007

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Hallo gitano,

guter Vorschlag, die Anregung zu T2 noch mal sacken zu lassen. Gefällt mir spontan recht gut, muss ich aber noch mal drüber nachdenken.

Was die "assoziativ anspruchsvollen sprünge" o.ä angeht, vielleicht ändert sich da mein Stil ein wenig. Vielleicht bewegen sich unsere Auffassungen da aufeinander zu?

Dass das Sonett den Lesern einiges abverlangt, hatte ja Vera-Lena schon geschrieben. Ich finde, dass man den Lesern da schon vertrauen kann, sich auf solch einen Text einzulassen, wenn er sie interessiert.

lG

Herbert
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