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Leselupe.de > Humor und Satire
Verreiß mich!
Eingestellt am 06. 01. 2001 00:29


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Andrea
???
Registriert: Aug 2000

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Ich bin ein schlechter Text. Nein wirklich! Ich weiß, du willst mir jetzt erklären, daß das nicht wahr ist, daß ich nicht so hart zu mir selbst sein soll, aber ich bin es wirklich! Außerdem habe ich die Arschlecker und Bückmeister satt, die mich umschwirren, als sei ich eine Schachtel angefüllt mir tausenden und abertausenden von Feuerwerkskörpern, bereit, den halben Kontinent in die Luft zu sprengen, wenn nur einer ein böses Wort fallen läßt.
Ach, die können mir doch alle mal den Buckel runterrutschen, denn ich bin schlecht, und ich weiß das. Niemand muß mir das erzählen, und keiner kann mich vom Gegenteil überzeugen.

Weshalb ich schlecht bin? Mensch, das fragst du noch? Ja, kannst du es denn gar nicht sehen? Ich habe keinerlei Sinn. Ich transportiere nichts. Ich erfülle keinen Zweck. Ich bin nutzlos! Nutzlos gleich schlecht, so ist es doch in unserer Welt, das mußt du gar nicht erst abstreiten. Nein, ich bin schlecht. Siehst du, ich wiederhole mich auch andauernd. Kein guter Text täte so etwas, aber ich, ich habe keine Angst davor. Muß ich ja auch nicht, weil ich ja weiß, daß ich schlecht bin. (Da! Schon wieder!)

Eigentlich habe ich vor gar nichts Angst. Das habe ich mir nicht einmal abgewöhnen müssen, es ist einfach passiert. Früher, als ich noch ein harmloser kleiner Buchstabe war (ein I, wenn ich mich nicht täusche - ja, nicht alles beginnt mit dem A), da hatte ich Angst vor allem. Würde ich ein Wort vergeigen, den Satz verdrehen, die Grammatik mit Füßen treten, meinen Sinn mittendrin verlieren, und so weiter, und so fort. Nicht einmal schlafen konnte ich vor lauter Angst, Bauchweh plagte mich, kalter Schweiß auf meiner Stirn, zitternde Hände. (Wie, ein Text hat das alles nicht - Bauch, Stirn und Hände? Mag sein, daß gute Texte auf so etwas verzichten, aber ich bin ja kein guter Text!)
Doch plötzlich stellte ich fest, daß ich keine Angst mehr haben mußte. Es geschah ganz plötzlich, beim Erwachen aus einem jener Träume, wo man nackt im Klassenzimmer steht und die Nationalhymne singt. Da wußte ich auf einmal, daß es vorbei war: keine Erwartungen mehr, niemand, an dem ich mich mehr messen muß: Hemingway, Walser und Pratchett waren plötzlich verschwunden wie die gesichtslosen lachenden Grimassen aus meinem Traum. Ich war frei.

Und jetzt kommen da Rotzblagen, Freidenker und Sanfthändedrücker angelaufen und wollen mir mit trostreichen aufmunternden Worten diese meine Freiheit wieder nehmen? Nix da, ihr Knallchargen, das lasse ich nicht mit mir machen! Nehmt euch einen guten Text, zerrt ihn an die Öffentlichkeit, damit sich die Kritiker die Zähne daran ausbeißen können! Mich laßt bloß in Ruhe.

Herrje, da bin ich doch recht lang geworden. Da nimmt man sich vor, nach den ersten fünfzehn Sätzen aufzuhören, udn dann nimmt man noch einen Nebensatz, noch ein Wort, noch einen Buchstaben - und schon hat man den Salat! Verdammt. Dabei hassen die Leser doch nichts mehr, als einen schlechten Text, der sich Zeile um Zeile weiterquält, als warte er auf den Gnadenstoß. Wenn ich ein guter schlechter Text sein will, muß ich das unterbinden, und...

Mist, es fängt schon wieder an! Nein, kein guter schlechter Text. Dann werde ich nachher noch ein Paradoxon, und das hat meine arme alte Mutter doch nicht verdient. Sie sagte immer, Kind, werd alles, werd mies, laß dich zerreißen, aber von dem Paradoxon, davon laß bloß die Fingerchen!
Deshalb schlagt mich doch, wenn ich zu lang bin! Schreit es mir ins Gesicht, daß ich ein abgrundtief -ach: schwarzes-Loch-tief-schlechter Text bin, einer, der nicht einmal ein richtiges Ende hat.
__________________
Andrea Rohmert

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Bernd
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O schlechter Text, ich könnte heulen

Jutta, das kannst Du dem Text doch nicht antun, der kann doch nichts dafür, du entziehst ihm seine ganze Pesönlichkeit, wenn Du ihm sagst, er sei gut.

Andrea, einen so wunderbar schlechten Text habe ich selten gelesen.

Lieber Text, nun sei doch nicht traurig wegen Deiner Schlechtigkeit. Ich würde Dich ja gern trösten, aber dann wärst Du gar kein guter - ä, schlechter Text mehr.

Jedenfalls Grüße ich Dich, o Text.

Bernd
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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Ralph Ronneberger
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Arschlecker, Bückmaul, Sanfthändedrücker, Rotzblagen, Freidenker, Knallcharge - wenn mich bisher jemand so beschimpft hätte, wäre ich ihm an die Gurgel gefahren. Und nun? Nun habe ich mich selbst dazu gemacht. Unglaublich, was ein schlechter Text so alles bewirken kann.

Gruß Ralph
__________________
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Bernd
Foren-Redakteur
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Liebe Jutta,

Andrea schrieb einen sehr guten Text.
Deshalb mußte ich den Text trösten, als Du ihm vorgeworfen hast, er lüge. (Natürlich wolltest auch Du ihn trösten.)

Und was hab ich getan?

Schlimm o schlimm.

O schlechter schlechter ausgezeichneter Text.


__________________
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Andrea
???
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Im Auftrag des Textes

Pah!
Ein Rotzblag nach dem nächsten, ein Neoliberaler hält dem nächsten die Tür auf!

Da erdreiste ich mich, eine minimale Alibi-Sozialkritik einzubauen und schon wird mir meine Sinnlosigkeit abgesprochen!

Wenn das so weiter geht, spucke ich auf's Grab meiner Mutter und werde doch noch ein Paradoxon!



So weit der Text.
__________________
Andrea Rohmert

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