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Leselupe.de > Kurzprosa
Versagen bis in alle Ewigkeit
Eingestellt am 26. 03. 2002 17:53


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masterplan
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2001

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Ein Looser zu sein, macht nicht unbedingt Freude. Zu wissen, dass man in beinahe allen Dingen, die einem das Leben vorsetzt, versagt hat. Am grausamsten dabei ist, von seinen begangenen Fehlern zu wissen und genauso ├╝berzeugt zu sein, dass diese auch weiterhin geschehen werden. Eine m├Ąchtige Hand, die einen immer wieder gerade dann in den Schlund der Sorgen und ├ängste zieht, wenn es gerade so aussieht als ob man eine Zeit lang auf der Oberfl├Ąche ausharren k├Ânnte.
Das sind die Momente, die mich an den Rand des Selbstmordes bringen. Ein Tritt in das Gesicht, wenn man gerade dabei ist, sich wieder aufzurichten. Man f├Ąllt. Und man f├Ąllt sehr hart. Selbstvertrauen, Hoffnung auf Besserung und ein kurzzeitiges Gl├╝cksgef├╝hl, einen Weg hinter sich gelassen zu haben, geht dabei zu Bruch.
Mindestens ebenso grausam ist die Zeit in diesem Schlund. Man bewegt und k├Ąmpft sich immer in die Richtung zum Ausgang. W├Ąhrenddessen ist Leid angesagt. Man m├Âchte wahrlich tausend Tode sterben um nicht in dieser Situation zu bleiben. Es ist ein Gef├╝hl der Untauglichkeit, der Kontrolllosigkeit und des Schams. Man f├╝hlt sich am Ende der Leistungskette. Enthoben von jeglichem Glanz. Beschmutzt von sich selbst. Leblos und leider doch lebendig.
Wenn man schlie├člich wieder bis zum am Rand des Schlunds aufgestiegen ist, kommt eben dieser Tritt. Oft fr├╝her, manchmal sp├Ąter. Man f├Ąllt wieder tief und hart und k├Ąmpft sich anschlie├čend ein weiteres Mal nach oben.
Ein Kreislauf der Degeneration, der Substanz und Hoffnung nimmt. Eingesperrt in diesem System des Ungl├╝cks und der Unnahbarkeit. Etwas, das seine eigenen Regelm├Ą├čigkeiten und Bestimmung besitzt. Schier unm├Âglich, daraus auszubrechen. Man glaubt daran, f├╝r immer in dieser Maschine verdammt zu sein. F├╝r immer zu leiden, diesen geistigen Schmerz und die Entt├Ąuschung ├╝ber sich selbst ertragen zu m├╝ssen.
Selbst die scheinbar gl├╝cklicheren Momente am Rande des Abgrunds sind dann nur Heuchelei im Blickfeld der eigenen Person. Situationen sich stark zu machen, in einem Kreislauf, dem man immer unterlegen sein wird.
Es hilft kein Sch├Ângerede. Man wird immer versagen bis in alle Ewigkeit, wenn man einmal darin gelandet ist. Das Programm ist eingespeichert im eigenen Kopf. Es l├Ąuft immer, f├╝r immer. Nur darauf ausgerichtet, sich im eigenen Blut treiben zu lassen.
Wie man sich darin verfangen kann?
Man wird darin geboren.
Irgendwann wird man von der Maschine nicht mehr in Ruhe gelassen. Es wird einem jederzeit deutlich, wie tief man in seinem Blut watet. Der n├Ąchste Tritt wird kommen. Das wei├č man und man f├╝rchtet es. Als Mensch ist man darauf abgestimmt, Dinge zu tun, die auch dem eigenen Geiste gut tun. Doch das System hat eine R├╝ckkopplung eingebaut, die jegliches Gl├╝cksgef├╝hl durch den Aufenthalt im eigenen Hass neutralisiert.
Dabei sind die Regeln und das Verhalten so deutlich ausgehandelt: Man leidet nur noch. Und wenn man nicht leidet, dann wartet man darauf, wieder zu leiden - und das schmerzt.
Ich ziehe mir diese blutenden Wunden zu. Es ist mein eigenes System. Ich habe den Schlund mit seiner Wut auf mich kreiert. Ich bin das System. Ich versage. Bis in alle Ewigkeit.
__________________
Sch├Ân, dass wir einmal dar├╝ber sprechen konnten...

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