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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Verschlafen
Eingestellt am 25. 08. 2013 01:10


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DaBink
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Aug 2013

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Marvin erwachte, wischte sich den Schlaf aus den Augen und sah auf die Uhr.
Schock! Schon viertel nach sieben! Das hie├č viertel nach Arbeitsbeginn! Er sprang aus dem Bett und rannte ins Bad.
Zum Teufel mit dem Bad! Er rannte zur├╝ck ins Schlafzimmer, sammelte die Hose und das T-Shirt voom Vortag vom Boden auf und zw├Ąngte sich hinein.
Dann eilte er zum Schrank und erg├Ąnzte seinen Look mit Socken, einem Hemd und den guten Schuhen f├╝r die Arbeit.

Marvin hechtete an der K├╝che vorbei (Fr├╝hst├╝ck hatte er sich heute nicht verdient!) zur Haust├╝r, schnappte sich seine Schl├╝ssel und seinen Koffer und schlug die T├╝r hinter sich zu. Nachdem er im Treppenhaus fast die nette Nachbarin in den Tod gest├╝rzt hatte und nach f├╝nf Minuten joggen den sonst zehn Minuten dauernden Fu├čweg gemeistert hatte, verpasste Marvin beinahe den Zug, wenn nicht ein ├Ąlterer Herr so lange f├╝r den Einstieg gebraucht h├Ątte.

Nun stand ein 20-j├Ąhriger junger Mann in durchgeschwitztem Hemd im Zug in Richtung Innenstadt. Und er hatte Angst. Todesangst. Wenn er diesen Job verlor, w├╝rde seine Tante ihm den Hals umdrehen. Das war jetzt der dritte Versuch, B├╝rokaufmann zu werden, aber mit einem mittelm├Ą├čigen Realschulabschluss war das wirklich nicht einfach. Marvin lebte bei seiner Tante, seit er sechs Jahre alt war. Damals waren seine Eltern bei einem Auslandsaufenthalt in Afrika entf├╝hrt worden. Sein Vater ist Botschafter gewesen. Ein halbes Jahr nach der Entf├╝hrung dann erreichte Marvin und seine Tante Elisabeth die Todesnachricht ├╝ber seine Eltern.

Tante Elisabeth oder Tante Lisa, wie sie lieber genannt wurde, war in den Vierzigern und arbeitete im Krankenhaus.
Heute hatte sie scheinbar Nachtschicht, sonst w├Ąre Marvin von ihr geweckt worden. Sie predigte ihm immer wieder, sich f├╝nf Wecker zu stellen, falls er vom Vierten nicht wach wurde. Nat├╝rlich sagte sie das immer nach der Arbeit und halb im Spass, aber sie meinte es eigentlich ernst, sie kannte ihren Neffen.

Marvins Herz raste immernoch. Er schaute an sich herunter. Sein Hemd war schief gekn├Âpft, er hatte Schwei├čflecken unter den Armen und zwei verschiedene Socken an, eine wei├če und eine graue. Er korrigierte seine Hemdkn├Âpfe und versuchte sich die Hose in die Schuhe zu stecken, aber daf├╝r war sie zu kurz. Die n├Ąchste Haltestelle war\'s. Marvin stieg aus, w├╝hlte sich durch die Menge, einmal links, wieder rechts, lange geradeaus. Beim Laufen fiel ihm sein Atem auf und er suchte in seinen Taschen nach einem Kaugummi. Er fand ein altes Pfefferminzbonbon; besser als nichts. Beim Verlassen des Bahnhofs fiel ihm auf, wie kalt es tats├Ąchlich war, aber das war jetzt Nebensache. Er schaute auf die gro├če Bahnhofsuhr ├╝ber dem Eingang: Kurz nach halb Acht. Marvin lief die Stra├če hinunter und wich dabei gekonnt den Passanten aus. Die n├Ąchste rechts, dann in die Freiherr-von-Stein, auf das zweitgr├Â├čte Hochhaus zu. Er machte sich noch schnell die Haare im Schaufenster, bevor er durch die gro├če Dreht├╝r in die Eingangshalle eilte.

Es war nicht besonders viel los. Marvin nahm die Rolltreppe, blieb aber nicht darauf stehen wie sonst. Als er oben ankam, verschnaufte er nicht sondern lief so leise und schnell er konnte den Flur entlang. Er hatte es fast geschafft und war seinem Chef noch nicht ├╝ber den Weg gelaufen.
Marvin bog um die Ecke und sah die T├╝r zu seinem B├╝ro offen stehen. Er erstarrte. Dann hoffte er, sie offen stehen gelassen zu haben. Er kam etwas n├Ąher, da trat sein Chef mit einem Karton in den H├Ąnden heraus. Sie schauten sich in die Augen.
ÔÇ×Es tut mir Leid, Herr Berg.ÔÇť
Marvins Augen befeuchteten sich.

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