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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Verschwunden...
Eingestellt am 26. 09. 2007 13:05


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Marcus Richter
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Jan 2003

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Es ist eine der seltsamsten Erscheinungen, dass der Mensch vom Fernweh befallen ist.
Tief im Inneren, verborgen hinter den Windungen und Verschlingungen der pulsierenden Stirnlappen, existieren gedachte Orte, die der Mensch zu bereisen w├╝nscht.
Gemeinhin gibt es blumige Umschreibungen in seinem Wortschatz, die diesem Wunsch Ausdruck verleihen. Einen Tapetenwechsel brauchen, sagt man zum Beispiel, oder auch, sich auf die Socken machen m├╝ssen. Wie tief der Wunsch, den das Fernweh beim Namen nennt, allerdings reicht, mag nur die Tatsache beschreiben, dass sich der Mensch, seit seiner Entstehung ├╝ber den gesamten Erdball ausgebreitet hat, ja sogar Anstalten trifft, sich dar├╝ber hinaus anzusiedeln.

Aber ist es so einfach? Beschleichen einen nicht ├ängste und b├Âseste Vorahnungen, wenn ein Umzugstransporter durch eine Nebenstra├če wankt und ├╝ber das Kopfsteinpflaster h├Ąmmert?
Was geht da im Inneren vor, fragt man sich, wenn die dumpfen Schl├Ąge von der Ladefl├Ąche durch die Nacht grollen.
Wie Faustschl├Ąge h├Ârt es sich an, wenn ein auseinander gebauter Schrank gegen einen Schreibtisch bummert, ein Klavier macht sich selbstst├Ąndig und dr├Âhnt wie der wahr gewordene Alptraum eines wahnsinnigen Ichgest├Ârten. Daneben klingeln und klimpern die Stehlampen mit dem Silberbesteck, und aus einem Gully mischt sich Rattengezirpe in die Einrichtungssonate.

Drau├čen vor der Stadt dann, biegt das schwankende Gef├Ąhrt eben nicht auf die A2 und tr├Âdelt in die Nacht hinaus! Der Blinker geht zwar wie der gleichm├Ą├čige Herzschlag eines Schlafenden und will uns glauben machen, es ginge hier die Auffahrt hinunter; doch trotzdem setzt der Transporter seine Reise in Richtung M├╝llhalde fort und rappelt ├╝ber einen Feldweg samt Inneneinrichtung auf einen schwarzen, verschwommenen H├╝gel zu.
Noch immer schl├Ągt der Blinker seinen eint├Ânigen Takt.
Dann Stille...

Der Fahrer im Dunkel ist kaum zu sehen. Nur das kurz aufleuchtende, gelbe Licht des Fahrtrichtungsanzeigers gibt seinem ├äu├čeren Konturen. Er schlurft zur Hebeb├╝hne und l├Ąsst alles, was sich auf der Ladefl├Ąche befindet auf den stinkenden Boden krachen.
Was eben noch gut und gerne zu verkaufen gewesen w├Ąre, ja was einem Menschen lieb und teuer war, geht in einem gewaltigen Scherbenhaufen auf, und das Holz zersplittert und bricht klagend entzwei.

Wo aber ist derjenige, dem das alles einst geh├Ârte, frage ich! Warum ist er nicht hier und ruft und schreit nach der Polizei?
Nach Berlin verzogen, hei├čt es. Er h├Ątte dort eine Mansardenwohnung gefunden, mit Geranien auf dem Balkon und Blick nach S├╝den. Und wenn man dort anruft, dann meldet sich tats├Ąchlich seine Stimme! Nur ist sie anders als sonst. Ihr scheinen jene gewissen Frequenzen zu fehlen, die ihr, nun ja, Pers├Ânlichkeit verleihen.

Ist dort ├╝berhaupt jemand, fragt man sich die ganze Zeit, w├Ąhrend die Stimme auf der anderen Seite der Leitung emotionslos von den Geranien und dem Balkon mit Blick nach S├╝den erz├Ąhlt. Ist dort ├╝berhaupt ein Mensch?
Aber ach. Nein! Wie kann man nur so t├Âricht sein und annehmen, dass dort ein anderer zu einem spricht. Einem, dem ein Schatten auf der Stimme liegt, wie es scheint. Belegt ist sie, behauptet er, und dass er auf bestem Wege in eine Erk├Ąltung sei.
Und obwohl alles ganz normal ist, und man sich erst gestern noch gesehen hat, ├╝berkommt einen sofort, nachdem der H├Ârer auf der Gabel liegt, das schreckliche Gef├╝hl,
dass der andere f├╝r immer verschwunden istÔÇŽ

__________________
"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs Gr├╝nbein

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Orangekagebo
Guest
Registriert: Not Yet

Wehmut im Text ist gut erkennbar. Alles ver├Ąndert sich. Der Mensch h├Ąlt nun mal lieber am Gewohnten fest.
Teilweise zu viele Adjektive, finde ich.

aus einem Gully mischt sich Rattengezirpe in die Einrichtungssonate

(vielleicht: Rattengepiepse)

Nur das kurz aufleuchtende, gelbe Licht des Fahrtrichtungsanzeigers gibt seinem ├äu├čeren Konturen

(vielleicht: Nur das kurze Aufleuchten des .... )


Nur so Ideen, lieber Marcus.

LG, orangekagebo

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Marcus Richter
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Registriert: Jan 2003

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Danke Euch beiden,

ja, an dem Text ist noch einiges mau - ganz besonders der Einstieg. Doch im Gro├čen und Ganzen haut es schon hin, was ich mir dabei gedacht habe. Es ist deshalb keine richtige Kurzgeschichte, weil sie Teil einer Textkomposition ist, deren Inhalt sich nach und nach erschlie├čt, also Text f├╝r Text, der aber jeweils f├╝r sich abgeschlossen sein soll.

Das hei├čt harte Arbeit, wie ich bereits festgestellt habe.
Aber sei┬┤s drum.

Gr├╝sse und danke f├╝r die Kritik,
Marcus
__________________
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Durs Gr├╝nbein

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