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Leselupe.de > Humor und Satire
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Eingestellt am 14. 05. 2002 13:25


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birdy
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Am Anfang war die Verzweiflung


Ich war Anfang 30, hatte meinen gutbezahlten Job als EDV-Systembetreuer bei einer Spedition verloren, mein Studium abgebrochen, hatte Schulden und kein Geld mehr, und da sich im gro├čst├Ądtischen Bereich die Scheidungsrate bei 60 Prozent bewegt, wollten meine Frau und ich nicht gegen den Strom schwimmen.
Ich geh├Ârte also der Risikogruppe der m├Ąnnlichen Bev├Âlkerung ├╝ber 30 an, die sich entweder ganz leise von Unterhaltsverpflichtung, ├╝berh├Âhten Mietpreisen und Autoerhaltung im speziellen und Konsum im allgemeinen verabschieden und in die Obdachlosigkeit abgleiten, oder die sich effektvoll von dieser Welt entfernen wollen und sich mittels U-Bahn von ihren Extremit├Ąten trennen.
Ich war f├╝r das Eine zu bequem und f├╝r das Andere zu feige.
Also Jobsuche. Was mir aber einigerma├čen Fremd war, da ich noch nie so wirklich auf Arbeitssuche war. Aber was soll┬┤s, hochspezialisiert und doch universell einsetzbar, mit jahrelanger Berufserfahrung in der EDV-Branche, werden mir die Firmen die T├╝re einrennen.
Ich sperrte also vorsichtshalber die Wohnungst├╝re nicht mehr ab, f├╝llte meinen K├╝hlschrank auf und setzte mich in meiner 100 m2 Maisonettewohnung (die ich mittlerweile alleine bewohnte) vor meinen Schreibtisch und wartete. Nach 4 Wochen neurotischem an-der-T├╝re-horchen und einem dramatischen Abfall des Blutzuckerspiegels aufgrund zu Ende gehender Vorr├Ąte beschlo├č ich, die Arbeitssuche etwas aktiver zu gestalten.
Das Arbeitsamt ist etwas f├╝r Loser. Also Zeitung kaufen. Samstags Kurier, Samstags Krone, Samstags Standard etc.
Da waren sie ja, die Firmen die mich wollten! Pharma, Banken, Krankenh├Ąuser, Airlines, Industrie......sie alle brauchten Systembetreuer.
Nach 4 Wochen bekam mein PC zum ersten Mal etwas anderes an der Eingabeaufforderung zu bearbeiten als „Civilisation“. Ich tippte „Word“ und es wurde Word.
Der erste Lebenslauf im laufe meines Lebens. Ich hatte keine Ahnung. Word half mir zwar, aber vom heutigen „du brauchst nur die Worte zu schreiben, alles andere mache ich schon f├╝r dich, du Wappler“ war es noch weit entfernt. Nach 3 Tagen ,┬Ż kg Kaffee, 8 Flaschen Mineralwasser, 6 Packungen blauen Gauloises und 22 Milka Lila Pause war mein erster Lebenslauf fertig und ein Termin beim Zahnarzt vereinbart. Ich schrieb eine Firma an, es war glaube ich eine Pharmafirma, legte meine Referenzen bei und wartete.
Darin hatte ich immerhin schon Erfahrung.
Analog zum 4 w├Âchigen an-der-T├╝re-horchen begann jetzt ein 2 t├Ągiges in-den-Postkasten-schauen. Dann wurde ich aber nerv├Âs. Hat vielleicht die Post geschlampt?
Oder hat der unterbezahlte und ├╝berqualifizierte Ingenieur in der Posteinlaufstelle meines zuk├╝nftigen Arbeitgebers seinen Lebensfrust an meinem Lebenslauf ausgelassen? Ich konnte es mir gut vorstellen, wie er nach 5 Jahren HTL, dynamisch und voller Energie, ├╝bergangsweise in der „Rubrizierungsabteilung f├╝r ein- und ausgehenden Schriftverkehr“ eingestellt wurde, solange, bis ein seinen F├Ąhigkeiten ad├Ąquater Posten frei wird, nat├╝rlich bei seinen F├Ąhigkeiten ad├Ąquaten Bez├╝gen und wie er jetzt, nach 30 Jahren des Briefe bringens in Abteilungen, in die er schon vor 29 ┬Ż Jahren h├Ątte wechseln sollen, nur deshalb den Liebhaber seiner Frau toleriert, weil manchmal ein Brief in seine H├Ąnde ger├Ąt, der an die Personalstelle adressiert ist.
Es passiert zwar ├Âfters, dass er Briefe in die Personalstelle bringen mu├č, aber es sind diese besonderen Briefe. Nicht die d├╝nnen Gesch├Ąftlichen mit dem Fenster, die man immer so lustig sch├╝tteln mu├č, um die Adresse erkennen zu k├Ânnen, weil sie schlampig gefaltet wurden. Es waren diese privaten Briefumschl├Ąge, dicker als die anderen, durch Referenzen, Leumundszeugnis, Lebenslauf und Zeugnisse, die ihn interessierten. Er nahm sie mit nach Hause, las sie am├╝siert durch, schmunzelte bei dem Gedanken, wie viel arbeit es dem hoffnungsvollen Idioten wohl bereitet haben mu├č, den Brief so zu gestalten wie er war. In seiner Vorstellung stellte er den Kandidaten dann je nach Zeugnis und Vorbildung in der ihm passend erscheinenden Abteilung ein oder erteilte ihm eine Absage. Nachdem er den Brief gelesen hatte, faltete er ihn wieder s├Ąuberlich zusammen, steckte ihn in den Briefumschlag zur├╝ck und verstaute ihn in seinem Schreibtisch. Er f├╝hlte dann immer so viel Leben in sich, dass er sich an solchen Abenden eine 300 Schilling Nutte g├Ânnte.
Aber nicht mit meinem Brief, du Zombie!
Am dritten Tag trennte Gott das Trockene vom Wasser und f├╝llte das trockene Land mit Pflanzen - und ich rief bei dem Pharmakonzern an (ER hatte einfach den besseren Karrierestart).
Sofort nach dem Freizeichen sagte mir eine weibliche Stimme vom Band, dass sich die gesamte Belegschaft schon darauf freut, mir weiterhelfen zu k├Ânnen und dass nach dem Freiwerden einer Leitung ein Mitarbeiter sich sofort meines Anliegens annimmt. Und das alles in einem Tonfall der darauf schlie├čen lie├č, dass diese Dame wohl schon ausgiebig an den firmeneigenen Psychopharmaka genascht haben d├╝rfte.
Nach 10 Minuten akustischem Anschauungsunterricht in Sedativaabusus :
„PfizerChemikalienundArzneimittelVertretungf├╝r├ľsterreichundOsteuropawaskannichf├╝rSie tun?“. Eine Apnoetaucherin hatte abgehoben.
„Guten Tag, ich h├Ątte gerne Dr. Anselm M├╝ller von der Personalbteilung gesprochen.“
„Einen Moment bitte, ich verbinde!“
Da anscheinend die Dame mit dem kleinen Medikamentenproblem von vorhin auf Entzug war, wurde mir jetzt die Mobiltelefonversion vom Forellenquintett vorgespielt. Erstmals kamen in mir Zweifel auf, ob diese Firma das Richtige f├╝r mich war.
„Personalabteilung, Zelenka“ meldete sich eine Dame.
„Guten Tag, ich h├Ątte gerne Dr. Anselm M├╝ller gesprochen.“
„In welcher Angelegenheit?“
„Es geht um meine Bewerbung.“
„Wurden sie um einen R├╝ckruf gebeten?“
„Nein, eigentlich nicht.“
„WIR werden uns bei einer positiven Erledigung ihrer Bewerbung mit ihnen in Verbindung setzen.“
„Aber ich habe den begr├╝ndeten Verdacht, dass nicht alle Bewerbungen bei ihnen ankommen.“
„Wie bitte?“
„Sehen Sie, Frau Zelenka...“
„Herr Zelenka, Peter Zelenka.“
Junkies, Apnoetaucher, Transgender - in dieser Firma mu├č auch ein Platz f├╝r mich sein!
„Na sch├Ân, Herr Zelenka, vielleicht lassen Sie mich einfach mit Herrn Dr. M├╝ller pers├Ânlich sprechen.“
„Das geht leider nicht, Herr Dr. M├╝ller ist au├čer Haus.“
„Wann wird er denn wieder erreichbar sein?“
„Das kann ich ihnen leider nicht sagen.“
„K├Ânnen Sie nicht oder wollen Sie nicht?“
„Sehen sie, Herr....“
„Wollner“
„....Herr Wollner, das Gespr├Ąch f├╝hrt zu nichts. Herr Dr. M├╝ller ist nicht zu sprechen und wir werden sie bei Bedarf kontaktieren.“
„Sind Sie eigentlich HTL Absolvent?“
Ich wartete die Antwort nicht mehr ab und legte auf.
Ich wartete noch 14 Tage und da meine Chromosomenverteilung eindeutig ist, ich die Softcoredroge Nikotin bevorzuge und daher auch nur 10 Sekunden die Luft anhalten kann, gab es anscheinend f├╝r mich keinen Bedarf.
Da also die Qualit├Ątsstrategie nicht den gew├╝nschten Erfolg zeigte, wechselte ich zur Quantit├Ątsstrategie ├╝ber. Am Samstag kaufte ich mir wieder die Zeitungen f├╝r Arbeitslose und besorgte mir noch zur Unterst├╝tzung die „Gelben Seiten“. Innerhalb von 2 Tagen hatte ich 70 Bewerbungen fertig. Am Montag ging ich auf das Postamt, erkundigte mich um einen Rabatt f├╝r Massenbriefsendungen, welcher mir aus fadenscheinigen Gr├╝nden nicht gew├Ąhrt wurde und schickte 70 Bewerbungen auf die Reise.
Nat├╝rlich kamen Antworten - 4 St├╝ck. „Sehr geehrter Herr Wollner, wir bedanken uns f├╝r Ihr Interesse.....im Moment Ihren Qualifikationen keine entsprechende Position frei....werden wir uns bei Bedarf wieder an Sie wenden......blablablabla“.
Na gut, ich bin anscheinend zu amateurhaft an eine Sache herangegangen, die das Wissen und den Einsatz von Profis erfordert. Und wo sitzen die Profis, die mir in und aus meiner misslichen Lage helfen k├Ânnen. Genau, im Arbeitsamt !
Ich mu├č eine ganze Reihe von Tests durchlaufen, meine logischen, sozialen und psychischen F├Ąhigkeiten werden gecheckt und auf der Basis dieser Ergebnisse wird ein Profil meiner St├Ąrken erstellt und mit den Anforderungen der entsprechenden offenen Stellen verglichen. Dachte ich mir.
Aber das Arbeitsmarktservice bevorzugt anscheinend eine andere Linie. N├Ąmlich die des pers├Ânlichen Gespr├Ąchs mit dem zust├Ąndigen Referenten. F├╝r mich war der Referent der Buchstabengruppen Tez – Wiz zust├Ąndig. Anscheinend hatte das Arbeitsamt durch aufw├Ąndige Studien herausgefunden, dass bestimmte Buchstabengruppen dieselben Talente besitzen und auch ├Ąhnliche Berufsw├╝nsche auspr├Ągen.
Da die Menge der vor mir wartenden TezWiz Leidensgenossen schnell kleiner wurde, kam mir das Buchstabengruppensytem nicht mehr so absurd vor.
„Ihr Berufswunsch......da h├Ątten wir die Firma.......aber gerne, es war mir ein Vergn├╝gen .......auf Wiedersehen.“
So ├Ąhnlich mu├č es da drinnen ablaufen. Das Einzige, was mich irritierte, war dieser leere Blick, mit dem die meisten anderen TezWizler auf das Herauskommen ihres Vordermannes warteten. Aber wahrscheinlich haben sie zu viele Bewerbungsbriefe geschrieben.
Die Zeit des Wartens war vorbei, ich war an der Reihe.
„Ich lege mein Schicksal in ihre H├Ąnde“ er├Âffnete ich dynamisch, w├Ąhrend ich den Stuhl zurechtr├╝ckte, um mich – nat├╝rlich ohne auf eine Aufforderung zu warten - zu setzen.
Als ich sa├č, blickte ich in ein Gesicht ohne Augen, ohne Nase, ohne Mund. Nicht einmal Augenbrauen waren vorhanden. Nichts! Und w├Ąhrend es mich ansah, schrieb der anscheinend normale Rest des K├Ârpers in einen Akt irgendwelche Notizen. Da ich dieses Erlebnis auf einen Wahrnehmungsfehler meinerseits zur├╝ckf├╝hrte, nahm ich mir folgendes vor:

1.) am Abend nichts mehr schweres zu essen
2.) meinen Alkoholkonsum gr├╝ndlich zu ├╝berdenken
3.) morgens nur mehr einen Kaffee zu trinken
4.) meinen zuk├╝nftigen Kindern jedes Experiment auch nur mit weichen Drogen striktest zu verbieten

W├Ąhrend ich versuchte, diesen Anblick auf eine rationale Basis zu bringen, begann sich das Gesicht in einem 90 Grad Winkel nach hinten zu drehen. Ich erweiterte meine Verbotsliste um John Carpenter Filme und T├╝r an T├╝r Gespr├Ąche mit Zeugen Jehovas.
Als ich gerade aufstehen wollte, um den restlichen Tag im Bett zu verbringen, sah ich erleichtert, wie unter dem sich drehenden Gesicht, noch ein Gesicht zum Vorschein kam.
Ich war ver├Ąrgert, dass an der Eingangst├╝re nur Tez – Wiz zu lesen war und kein Warnhinweis „Achtung, dieser Mann ist kurzsichtig, sie blicken auf eine Glatze!“.
Aber auch dieses Gesicht hatte seine – nun, sagen wir Eigenheiten. Am auff├Ąlligsten war die Diskrepanz zwischen den kleinen Augen, die wahrscheinlich von normaler Gr├Â├če gewesen w├Ąren, wenn sie nicht rundherum von Fleischw├╝lsten zusammengedr├╝ckt worden w├Ąren und der massigen Nase. Auf dieser sa├č eine Brille, die sch├Ątzungsweise 8 Dioptrien zu korrigieren hatte.
Ohne einer Reaktion, aus der ich erkennen h├Ątte k├Ânnen, das er mich registriert hatte, blickte der Referent wieder in seinen Akt, machte eine kleine Handbewegung und sagte „Nehmen sie Platz“.
Ich sa├č schon. „Danke sehr“ erwiderte ich, ohne ihn auf diesen Umstand aufmerksam zu machen.
Er legte den Akt, der ihn bis jetzt besch├Ąftigt hatte beiseite. „Wie kann ich ihnen helfen“.
„10 Deka Putenextra, 2 Kaisersemmeln gegen den Hunger und 4 Nymphomaninen, da ich zurzeit Single bin“ konnte ich gerade noch abstoppen. Was glaubst du warum ich hier bin, Meat Loaf ?!
„Ich war bis jetzt Systemadministrator bei einer Spedition und suche jetzt wieder etwas entsprechendes“ entgegnete ich ihm. „EDV Branche“ seufzte er, zog dabei seine Stirn in Falten, wobei sich etwas seine Fleischw├╝lste strafften und dabei seinen Augen etwas mehr Platz gab. „Was haben sie f├╝r eine Ausbildung?“. „Ich habe 8 Semester Veterin├Ąrmedizin studiert.....“ setzte ich an. „Fertig studiert?“ unterbrach er mich.
Nat├╝rlich, fertig studiert. W├╝rde ich dann hier sitzen, Porky ? Ich h├Ątte eine Praxis und w├╝rde mir an Vitaminspritzen f├╝r deinen fetten Pudel die Raten f├╝r meinen Zweitferrari verdienen.
„Nein, nicht fertig, im 2. Studienabschnitt aufgeh├Ârt. Dann noch 2 Semester lang Jus...“ ich wartete das „...fertigstudiert?“ ab, es kam aber „ein Studienabbrecher...“ mit einem am├╝sierten Schmunzeln, was wiederum seine Fleischw├╝lste etwas gr├Â├čer werden lie├č. Seine Mutationen erinnerten mich an „American Werwolf“.
„Und wo haben sie sich die Kenntnisse als Systemadministrator angeeignet?“
„Alles selbst, als Autodidakt, Computer haben mich schon seit meiner Jugend interessiert und...“ .
„Sie haben keine Zeugnisse??“ unterbrach er mich in einem Tonfall, der nur nach einem One Night Stand gerechtfertigt ist, nach dem man der Partnerin seine HIV Infektion beichtet.
„├äh, nein“.
„In der jetzigen wirtschaftlichen Situation, ist es in dieser Branche unm├Âglich, jemanden ohne Zeugnisse oder Referenzen unterzubringen.“
„Und wenn ich bereit w├Ąre, Gehaltseinbu├čen in kauf zu nehmen?“
„Was haben sie bisher verdient?“
„Ca. 2500,- Euro“
„Ich h├Ątte da etwas bei einer Versicherung.“.
„Als Systemadministrator ??“. Endlich hat er es kapiert. Ich war nicht so schnell Abzuspeisen wie das Fu├čvolk, mit dem er es sonst zu tun hat.
„Als Verk├Ąufer im Au├čendienst.“ war seine Antwort. „Hohe Verdienstm├Âglichkeiten, freie Zeiteinteilung. Sie m├╝ssen anfangs nat├╝rlich beim Gehalt abstriche machen.“
Ich h├Ârte seine Worte nur noch wie durch eine Wand aus Watte.
„Ich soll Versicherungen verkaufen ???“ h├Ârte ich mich weit entfernt sagen.
Mit einer Adresse in der Hand und leerem Blick verlie├č ich das Zimmer.
Ich beschloss das zu tun, was ich beim Anblick der sprechenden Glatze gleich h├Ątte tun sollen. Ich ging nach Hause und legte mich hin.
W├Ąhrend ich im Bett lag und darauf wartete, dass mich Morpheus gn├Ądig in seine Arme nahm (es war immerhin erst 14.00 Uhr), gingen mir die verschiedensten Gedanken durch den Kopf. Ich dachte an Filme in denen Vertreter eine etwas wichtigere Rolle spielten. In „Und t├Ąglich gr├╝├čt das Murmeltier“ gab es diesen Versicherungsvertreter, der dem Hauptdarsteller Bill Murray, der x-mal denselben Tag erlebt, einreden will, dass die beiden sich aus gemeinsamen Schultagen kennen. Und er will ihm in dieser 30 Sekunden Sequenz davon ├╝berzeugen, dass er eine Lebensversicherung braucht. In 30 Sekunden! Einem Mann, den er im besten Fall 25 Jahre nicht gesehen hat, eventuell diesen aber gar nicht kennt, will er auf der Stra├če eine Lebensversicherung verkaufen, ihm wenigstens seine Visitenkarte andrehen. Bill Murray versucht diesen Atavismus der Evolution zuerst freundlich reserviert abzuwimmeln. An den folgenden Tagen (in denen ihm immer wieder dasselbe passiert – also auch der Vertreter) wird er immer schroffer, bis er ihn am letzten Tag einfach niederschl├Ągt. F├╝r den Zuseher ist es wie eine Erl├Âsung. Endlich wird diesem penetranten Dauerredner das Maul gestopft. Man empfindet zu keiner Sekunde Sympathie f├╝r ihn.
Dustin Hoffman hat uns als Willy Loman in „Tod eines Handlungsreisenden“ eindrucksvoll geactort, dass Vertreter ( zwar nicht Versicherungs-, aber doch Vertreter ) hervorragend dazu geeignet sind, ihre Familie ungl├╝cklich zu machen.
Und in dem Film „Rainmaker“ hat gleich die ganze Versicherungsbranche ihr Fett wegbekommen. Einem Krebskranken jungen Mann wurde eine ( nat├╝rlich teure ) Chemotherapie unter dem Hinweis abgelehnt, dass dies f├╝r diese Art von Krebs keine anerkannte Therapie sei. In der Aufrollung des Falles vor Gericht wurde dann bekannt, dass von dieser Versicherungsgesellschaft 90% der Antr├Ąge auf Leistung abgelehnt wurden. Das Mauern der Anstalt mit ihren ganzen Superanw├Ąlten und Gutachten und Falschaussagen der Mitarbeiter vor Gericht lies in mir damals den Wusch aufkommen, mein Auto zu verkaufen.
Um nicht einmal eine Haftpflichtversicherung haben zu m├╝ssen.
Das war nun meine Zukunftsperspektive!?
Mit diesen Gedanken muss ich wohl gegen 20 Uhr eingeschlafen sein.

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birdy
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: May 2002

Werke: 12
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Bedanke mich bei dem unbekannten G├Ânner, dem die kleine Geschichte anscheinend gefallen hat und mir daf├╝r 10 Punkte gegeben hat.
Ich hoffe, da├č der Mitleidsfaktor keine allzu gro├če Rolle gespielt hat .

l.g.
birdy

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