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Leselupe.de > Humor und Satire
Version 17.3
Eingestellt am 18. 11. 2003 10:41


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Leovinus
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Version 17.3

Es war einmal ... nein: Vor nicht allzu langer Zeit herrschte ein K├Ânig ├╝ber ein kleines, aber technisch voll ausgestattetes Reich. Er hatte zwar keine Ahnung von Computern ÔÇô er nutzte sie nur zum Spielen ÔÇô, doch wollte er sein Volk stets mit dem jeweils Besten bei Laune halten. Jeder Einwohner besa├č mindestens zwei Flachbild-Fernseher, einen topaktuellen und hochger├╝steten Computer sowie nat├╝rlich einen High-Speed-Internetanschluss. Die Handys waren so klein, dass man sie den Leuten schon bei der Geburt implantierte, was sehr praktisch war, denn so konnten die Eltern ihre Babys auch aus der Ferne in den Schlaf singen.

Aber immer wieder gab es kleine Rebellionen, die der K├Ânig mit mehr oder weniger Gewalt zerschlug. Das Volk wusste nicht recht, weshalb es eigentlich unzufrieden war, bis ein gro├čer blonder J├╝ngling aus dem Ausland kam und es ihnen verriet.

Eines Tages sa├č der Regent vor seinem Computer und spielte ┬╗Age of Empire┬ź Folge 25. Sein Narr, zugleich der beste Programmierer des Landes, hockte im bunten Kost├╝m daneben und gab kluge Ratschl├Ąge. Der K├Ânig hatte - wie h├Ąufig - das Gef├╝hl, gar nicht selbst zu spielen. Vielmehr kam er sich vor wie eine dieser Computerfiguren, die nur ausf├╝hrten, was er ihnen per Mausklick befahl. Manchmal schien ihm sogar sein Land von einer anderen, unsichtbaren Macht regiert.

Pl├Âtzlich ert├Ânten vom Schlossplatz laute Rufe. Der Narr eilte zum Balkonfenster. Er schaute hinaus und st├Âhnte.

Der K├Ânig blickte nur kurz auf und fragte: ┬╗Rebelliert es wieder?┬ź Der Narr nickte.

┬╗Was habe ich f├╝r ein bl├Âdes Volk┬ź, murrte der K├Ânig. ┬╗Verkabelt bis in die Haarspitzen, verbunden mit den teuersten Rechenzentren der Welt und 200-prozentige Handynetz-Abdeckung. Was wollen die? Haben wir irgendetwas nicht bedacht?┬ź

Der Narr zuckte die Schultern. ┬╗Soll ich sie fragen?┬ź

W├Ąhrend der K├Ânig brummend zustimmte, wandte er sich wieder seinem Spiel zu.

Das Rufen der rebellierenden Menschenmenge verebbte langsam, als das Volk des Narren ansichtig wurde. ┬╗Login, Volk!┬ź rief er hinunter.

┬╗Login, Narr!┬ź schallte es zur├╝ck, ganz entsprechend der Gepflogenheit des Landes.

┬╗Was gibtÔÇÖs denn?┬ź wollte der Narr wissen.

Die Meute druckste ein wenig herum, bis der Narr schlie├člich das Zauberwort ┬╗Technik┬ź vernahm. Er verdrehte die Augen. ┬╗K├Ânnt ihr nie genug bekommen? Was fehlt euch?┬ź

Das Volk murmelte weiter. Offenbar hatte er etwas Entscheidendes ├╝berh├Ârt. Als er schlie├člich den wehenden Satzfetzen entnahm, was das Volk diesmal so aufbrachte, wollte er seinen Ohren nicht trauen. Sofort eilte er zu seinem Gebieter. ┬╗Majest├Ąt! Majest├Ąt, es ist unglaublich! Kommt selbst hinaus!┬ź

Widerwillig sicherte der Herrscher den Spielestand und stiefelte neben seinem Narren auf den Balkon.

┬╗Also, was wollt ihr?┬ź schnauzte er.

┬╗Wir fordern ... also ... ├Ąh ...┬ź stotterten die Aufr├╝hrer.

Der K├Ânig sah seinen Narren an, der ratlos von einem Bein aufs andere trat.

┬╗Kommt zur Sache!┬ź r├Âhrte der K├Ânig. ┬╗Ich habe noch mehr zu tun, als den ganzen Tag mit Revoluzzern zu schwatzen.┬ź

┬╗Keine Technik mehr┬ź, lie├č sich schlie├člich der gro├če blonde J├╝ngling vernehmen, der bislang im Hintergrund geblieben war. ┬╗Dein Volk will zur├╝ck zur Natur. Es sind Menschen und keine Maschinen! Lieber wollen sie wieder in der Steinzeit leben!┬ź

┬╗Ja, Steinzeit, Steinzeit!┬ź johlte das Volk und begann das Pflaster vom Platz zu rei├čen.

Der K├Ânig durchschaute sofort, dass er diesem Fremdling den ganzen ├ärger und sein unterbrochenes Spiel zu verdanken hatte. W├Ąhrend er dar├╝ber nachdachte, fand der Narr in den Augen seines Herren etwas, das er noch gar nicht kannte und das ihm Unbehagen bereitete.

Doch schlie├člich f├Ąllte der Monarch die Entscheidung, die er in solchen Situationen immer traf. ┬╗Erschie├č ihn┬ź, sagte der Despot. Der Narr war erleichtert. Er zog eine Pistole aus dem Kost├╝m, zielte kurz, aber genau, und traf den blonden J├╝ngling mitten in die Stirn.

Die Menge erstarrte f├╝r einen Moment, dann erhob sich lautes Rufen und Protestieren.

┬╗Ruhe!!!┬ź bl├Âkte der K├Ânig und krallte sich an der Balkonbr├╝stung fest.

Dreimal musste er rufen, ehe endlich Stille auf dem Platz eintrat. Der Narr betrachtete ihn von der Seite. Irgend etwas war mit seinem K├Ânig heute nicht in Ordnung. Des Herrschers Stimme klang sogar sanft, als er fragte: ┬╗Ich will euch ja helfen. Seid ihr nicht gl├╝cklich mit den modernen Segnungen, die ich euch schenke?┬ź

Das Volk, noch immer schockiert von dem Schuss, lie├č sich leise vernehmen: ┬╗Na ja, doch ... schon ... aber ┬ź

┬╗Sprecht weiter┬ź ermunterte der K├Ânig.

┬╗Die Technik macht uns Angst┬ź, gaben schlie├člich ein paar zu. ┬╗Wir f├╝hlen uns ├╝berwacht. Den ganzen Tag h├Ąngen wir vor den Bildschirmen herum. Sogar nachts piept unser Handy, weil eine SMS eingetroffen ist. Wir k├Ânnen nicht mehr richtig schlafen!┬ź

┬╗Dann schaltet doch die Handys einmal aus!┬ź riet der K├Ânig.

Der Narr zuckte zusammen. Die Handys ausschalten? Das war der Anfang vom Ende. Was war nur in den K├Ânig gefahren? ┬╗Nein! Lasst sie an!┬ź widersprach er schnell. ┬╗Ich entwickle ein neues Update mit sch├Âneren Klingelt├Ânen.┬ź

Der K├Ânig schaute ihn b├Âse an. Eine Ahnung beschlich den Narren. Diese bereitete ihm nicht nur Unbehagen, sondern Angst. Gro├če Angst.

Unten kletterte eine junge h├╝bsche Frau in wei├čer Bluse auf eine Kiste und rief hinauf: ┬╗Du Narr! Jedes halbe Jahr versprichst du uns eine Version, mit der s├Ąmtliche Probleme gel├Âst werden sollen. Aber es gibt immer nur neue Fehler und Abst├╝rze. Niemand kann mehr ohne Abitur seinen Rasenm├Ąher programmieren. Wenn die Regierung keine besseren Ideen hat, dann erschie├čt mich auch!┬ź

Enthusiastisch riss sie sich die Bluse auf, so dass ihre nackten Br├╝ste in der Sonne strahlten.

Das Volk glotzte sie an, der K├Ânig wusste nicht, was er tun sollte, und der Narr erschoss sie.

┬╗Schei├če┬ź, murmelte die junge Frau, ┬╗ich wollte doch blo├č ins Fernsehen┬ź und sackte zusammen.

Auf dem Platz brach nun die H├Âlle los, aber auch auf dem Balkon hatte sich die Lage ver├Ąndert. Der K├Ânig fluchte: ┬╗Bist du wahnsinnig geworden? Ich habe dir keinen Befehl daf├╝r gegeben!┬ź

Der Narr maulte lautstark zur├╝ck: ┬╗Sie hat doch selbst gesagt, dass ich sie erschie├čen soll. Habt Ihr eine bessere Idee?┬ź Langsam wurde der Narr b├Âse. Schlug sich der Monarch etwa auf die Seite des Volkes?

B├Âse Programmierer sollte man nicht reizen. Doch der K├Ânig fauchte ihn an: ┬╗Vielleicht hatte sie sogar recht. Ich habe auch noch kein Programm von dir gesehen, das reibungslos funktioniert h├Ątte.┬ź

Die Ahnung hatte den Narren nicht get├Ąuscht. ┬╗Kein Wunder┬ź, widersprach er frech. ┬╗Du bist ja sogar zu bl├Âd zum Solitaire-Spielen!┬ź

Der K├Ânig wurde bleich vor Wut. Unten wandten sich immer mehr der staunenden Menge dem Geschehen auf dem Schlossbalkon zu. Sie sahen den Regenten beben, als er den Narren anfuhr: ┬╗Was erlaubst du dir, mich zu duzen? Ich bin dein K├Ânig!┬ź

┬╗Ich brauche keinen K├Ânig mehr┬ź, gab der Narr kalt zur├╝ck. ┬╗Ich mache das jetzt selbst!┬ź

Dem K├Ânig fiel keine Antwort mehr ein, denn auch in sein Herz bohrte sich nun eine Kugel aus des Narren Waffe.

Wie gel├Ąhmt starrten die Umst├╝rzler erst auf den zusammenbrechenden K├Ânig, dann auf den Narren, der sich schlie├člich an sie wandte:

┬╗User!┬ź rief er. ┬╗Von jetzt an bin ich euer K├Ânig, der Gro├če Administrator! Ihr werdet es gut bei mir haben! Ich schenke euch Apple-Macintosh-Computer! Jede Woche gibt es neue Hardware-Erweiterungen und alle 14 Tage ein neues Programm. Euer Leben wird erf├╝llt sein von Computern, die nie wieder ...┬ź

Da traf ihn der erste Stein.

Wie in einem Rasensprengerstrahl hagelten Dutzende, Hunderte, Tausende hinterher. Zwar feuerte der Narr noch ein, zwei Mal blind in die Menge, doch dann begrub die Lawine aus Pflastersteinen ihn und den erschossenen K├Ânig.

Als alle Steine verbraucht waren, schauten sich die Leute ratlos an, tippelten hin und her und wackelten mit den Augenlidern.

In die Stille hinein klingelte ein Handy und ein Typ in gr├╝nem T-Shirt sprach: ┬╗Hallo? ... Welche? ... Version 17.3 ist raus? ... Gro├čartig, ich komme!┬ź Er sprintete nach Hause.

In Nullkommanichts hatte sich die Menge aufgel├Âst. Version 17.3 wollte niemand verpassen. Sie hatte echt tolle Features.

Am Ende lagen die beiden Leichen der Aufr├╝hrer allein auf dem Platz. Als die ersten Fruchtfliegen um sie tanzten, rollten zwei Entsorgungsroboter heran und schafften die Toten fort.


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Jo_de_Lox
Hobbydichter
Registriert: Jun 2003

Werke: 0
Kommentare: 4
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klasse

Hey
ich hab mir gerade deinen Text durchgelesen und muss sagen, ich bin wirklich begeistert.
Ich mag diesen Stil, deine Kritik ist gut und wirklich glaubhaft verpackt.
Die Ironie der ganzen Geschichte bringt einem wirklich zum Nachdenken, mach weiter so, wirklich.

Laetitia
__________________
so what if you catch me
where would we land

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